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karmischen Stollen hinablassen.“ Es handelt sich um ein Gespräch zwischen Judith Krischik, die heute in den USA lebt, und Nothart Rohlfs, der heute in Himmelpfort bei Fürstenberg/Havel nördlich von Berlin lebt. Rohlfs berichtet darin über seine seelisch-imaginativen Bilder und erklärt seine praktische Ansätze in der Karmaforschung. Damals lebte und arbeitete Nothart Rohlfs in Järna, Schweden, als Gärtner und in der Heilpädagogik. Ich las mit tiefstem Interesse den Bericht damals, als ich auch noch in Järna lebte. Ich empfand ihn auf der Grundlage meines Studiums des Werks von Rudolf Steiner als ein lange erwartetes historisches Ereignis.

Judith Krischik schreibt in ihrem Bericht: „Nothart Rohlfs beläßt es nicht bei seinen Schauungen karmischer Zusammenhänge. Sie sind für ihn Ausgangspunkt für Geisteswissenschaft. Er will wissen, wann und unter welchen Bedingungen sie auftreten, und ob sie der Wahrheit entsprechen. Hier beginnt sein Ansatz okkulter Forschung. Am Anfang stand deshalb zentral die Frage, wie er seine Schauungen überprüft.“ Krischik wiedergibt eine halb bildhafte, karmische Wahrnehmung von Nothart Rohlfs mit einem Ritter auf einem Ross mit einem Knappen neben sich. Sie war entstanden, als er eine jüngere Kollegin kennengelernt hatte. Krischik fährt sodann fort: „Treten Offenbarungen dieser Art auf, ist man wenig geneigt, das Erfahrene anzuzweifeln. Gerade darin aber liegt eine Gefahr. Darum muß man lernen, ein so gewaltiges Erlebnis ruhen zu lassen und beiseite zu räumen, wenn nötig sogar von sich zu stoßen, und es später nüchtern neben die äußere Wirklichkeit zu stellen. So ist die Überrumpelungsgefahr kleiner, und es läßt sich objektiver überprüfen, ob die innerlich erlebte Wirklichkeit mit der äußeren in Einklang gebracht werden kann oder ob sie ihr doch widerspricht, beispielsweise dann, wenn die Menschen, die man in den Bildern zu identifizieren meinte, nicht gemeint sein können.“

Im Bericht erzählt Rohlfs von weiteren karmischen Erfahrungen und von anderen übersinnlichen Erlebnissen u.a. mit Elementarwesen. Er erzählt von der Gesetzmäßigkeit, dass die Welt der Elementarwesen sich zurückzieht, wenn er selbst zu viel in den Wahrnehmungen etwas anstrebt. Statt sich an die Wesen heranzudrängen, fing er an, die Wahrnehmung von Wesenhaftem zu schulen, indem er ein Jahr lang immer wieder drei Landschaften besuchte und erwanderte. „Daran habe ich das Wahrnehmen ihres ätherischen Formen- und Farbenspiel geschult“, berichtet Rohlfs - und Judith Krischik fährt fort:

„Das war für Nothart Rohlfs der Hintergrund, nach Järna, dem anthroposophischen Zentrum Schwedens, zu gehen, wo er die letzten fünf Jahre verbracht hat, um nicht nur ein Beobachter der Natur und der elementarischen Welt zu sein, sondern mit den Händen die Erde zu arbeiten. Er war dort in der Heilpädagogik und als Gärtner tätig. Jetzt ist er wieder an einem Wendepunkt angelangt. Geographisch geht es zurück nach Deutschland, diesmal aufs Land in den Norden. Beruflich will er sich mehr und mehr der Karmaforschung sowie Initiativen widmen, die sich im Zusammenhang damit im Sozialen ergeben. Dies versuchsweise einmal ein Jahr lang mit der Frage, was sich währenddessen weiterentwickeln wird. Acht, neun in der Anthroposophie stehenden Persönlichkeiten - darunter den bei unserer Runde anwesenden Redakteur Gerold Aregger - hat er um ein kontinuierliches Gespräch zu den betreffenden Fragen gebeten. Denn das hat sich bereits in den Jahren in Järna gezeigt: Er möchte diese Art geisteswissenschaftliche Forschung in Kontakt und Austausch mit anderen betreiben und hält dies für eine notwendige Voraussetzung, um den Anspruch einer objektiven Forschung einlösen zu können. 

Auch den ersten Schritt vor eine breitere Zuhörerschaft hat Nothart Rohlfs gemacht. Im gleichen Moment, wo ich ihn fragte, ob er bereit sei, über seine Erfahrungen zu reden, hatte er bereits zugesagt, im Zweig am Goetheanum darüber seinen ersten öffentlichen Vortrag zu halten. Ein Tag nach dem Vortrag war er Gast bei der Naturwissenschaftlichen Sektion im Glashaus und berichtete von seinen Erfahrungen mit dem Ätherischen in der Natur. Und im Rundgespräch, das im Anschluß an den Zweigvortrag ebenfalls einen Tag später eine etwas intimere Atmosphäre schaffen sollte, wird es deutlich, warum ihm diese Arbeit so wichtig ist: ‚Wir, ich meine die Anthroposophen im allgemeinen, haben eine Aufgabe gegenüber der Jugend. Immer häufiger haben Jugendliche nichtsinnliche Wahrnehmungen, auf die sie zum Teil mit einer großen Scheu und Angst reagieren. Sie landen dann häufig entweder in den Jugendsekten, die nur auf solche Menschen warten, oder aber sie wenden sich mit eiserner Kraft gegen die Erlebnisse. Man muß mit diesen Menschen ins Gespräch kommen und ihnen zeigen, wie wichtig es ist, die eigenen seelischen Erlebnisse ernst zu nehmen. Natürlich können die Erlebnisse auch der Phantasie entsprungen sein, aber gerade dann brauchen diese Menschen eine Hilfestellung, damit sie wieder zu sich selbst zurückfinden können. Das verlangt größte innere Ruhe und Vorsicht gegenüber diesen spontan aufsteigenden Offenbarungen. Und es verlangt einen strengen wissenschaftlichen Ansatz, den meiner Kenntnis nach nur die Anthroposophie besitzt.‘“

Nothart Rohlfs Ausführungen waren damals sehr ungewöhnlich. Sie bewegen mich heute zu einem Rückblick auf alle die Jahre dazwischen. Ich möchte skizzieren einige Ereignisse und Begegnungen mit einigen Menschen, die ebenfalls mit der Karmaforschung beschäftigt waren und sind, ohne dabei einen Chronik schreiben zu wollen. Was dabei sowohl als glückliche als auch traurige Erfahrungen in Erinnerung auftauchen, wirft in jedem Fall ein Licht auf die Möglichkeiten, die wir heute haben, um dieses grundlegende Aufgabengebiet der Anthroposophie anzugehen.
   
Im Augenblick des Interviews kannte ich bereits Nothart Rohlfs. Nachdem er kurz danach im neuen Kulturhaus in Järna einen Vortrag über seinen Erfahrungen mit der Karmaerkenntnis hielt, wandte ich mich persönlich an ihn. Wir tauschten Erfahrungen aus und aus dem fortgesetzten Kontakt entstand eine lose Zusammenarbeit über mehrere Jahre. Nothart Rohlfs kam in Dornach gut an, dieweil er bald beauftragt wurde, u. a. mit Ulrich Morgenthaler und mit anderen Organisatoren zusammen die erste große Karmakonferenz im Jahr 1997 zu gestalten. Diese Konferenz, die in Berlin stattfand, wurde als sogenannte „Goethenaum-Tage“ avisiert, während der Zeit als der große Saal am Goetheanum renoviert wurde. In einer späteren Publikation, Wie wir wurden, wer wir sind. Kontroverse Sichtweisen zum Thema Reinkarnation und Karma, deren Herausgeber Nothart Rohlfs war, welche aus dieser Konferenz und aus zwei folgenden Karmakonferenzen in Stuttgart Vorträge umgesetzt in Texten brachte, heißt es im Vorwort: „Es war eine zentrale Intentionen der Konferenz, Vertreter verschiedener Auffassungen zum Thema Reinkarnation und Karma miteinander in ein offenes und ehrliches Gespräch zu bringen, von anthroposophischer Seite darin begleitet und moderiert.“

U. a. hielten Norbert Bischofberger, Yonassan Gershom, Michaela Glöckler, Werner J. Meinhold, Sergej O. Prokofieff und Jan Erik Sigdell dort Vorträge oder nahmen in den Podiumsdiskussionen teil. Ich leitete eine Gesprächsgruppe und erzählte von meinen karmischen Erlebnissen. Ich beschrieb ausführlich, wie ich mit Karmaübungen von Rudolf Steiner und besonders der sogenannten „viertägigen Übung“ gearbeitet hatte. Ich unterstrich wie ich es gemäß Steiners Anweisungen für möglich hielt, karmische Erkenntnisse aus übersinnlichen Imaginationen zu schließen. Nichtsdestotrotz wollten zu meinem damaligen Erstaunen einige Teilnehmer noch ausführlichere Angaben zu meinem methodischen Ansatz hören. Die damalige Redakteurin von „Das Goetheanum“, Maria Martina Sam, - heute Leiterin der Sektion für schöne Wissenschaften am Goetheanum - tauchte in meiner Gesprächsgruppe auf und machte anschließend ein Interview für die Dornacher Wochenschrift.
            
Die folgenden Karmakonferenzen 1998-99, die in Forum 3 in Stuttgart stattfanden, konzentrierten sich nun auf Beiträge von anthroposophischen Dozenten. An den Wochenenden weckselten es zwischen Vorträgen und Podiumsdiskussionen. Hier nahmen auch u. a. Karl-Heinz Finke, Hans-Willy Haub, Johannes W. Schneider und Coenraad (Coen) van Houten teil. In einem Nummer der Zeitschrift Die Drei, die als Vorbereitung auf den Konferenz in Berlin unter Nothart Rohlfs Mitwirkung zusammengestellt wurde, schrieb Haub einen für diese Jahre charakteristischen Beitrag: „Spontane und methodisch erarbeitete Erlebnisse karmischer Zusammenhänge.“ Mein Beitrag in derselben Nummer, der merkwürdigerweise wie in einem Wunder durch die Aufsicht der Redaktion schlüpfte, wie Rohlfs es später erzählte, war betitelt „Karmaforschung als innere Kunstfertigkeit“. Mein öffentlicher Vortrag auf der ersten der Stuttgarter Konferenzen über meine Karmaforschung mit einem konkreten Beispiel nahm Nothart Rohlfs in sein Buch „Wie wir wurden, wer wir sind“ mit auf. Allerdings wurden die Passagen im Vortrag gestrichen, wo ich einen karmischen Hinweis zu Jørgen Smit im Vortrag machte. In meinem ersten Buch entschloss die Verlagsleitung ebenso, dieselben karmischen Angaben im Manuskript über Smit zu streichen. Folglich wurde es mir immer mehr klar, dass es schwierig sein würde, in der anthroposophischen Bewegung konkrete und personenbezogene Karmaerkenntnisse weiter zu reichen.

Bei beiden Konferenzen gab es nach der groß angelegten Wochenenden vertiefende Seminargruppen mit einigen der Dozenten, wo verschiedene, methodische Ansätze für die Biografie- und Karmaarbeit angeboten wurde. Z. B. war das von Coen van Houten entwickelte und heute überall zu findende „Schicksalslernen“ vertreten. Als Fortsetzung des ersten Kennenlernens lud Nothart Rohlfs zu ein paar intimeren Treffen in Stuttgart ein, um spezielle Fragen zu vertiefen, die an der Verschiedenheit in der individuellen Herangehensweise aufgetreten waren. Ich nahm an zwei solchen Treffen statt und lernte dabei u. a. den Architekten Hans-Willy Haub, den heute in England tätigen Arzt Maurice Orange und den Waldorflehrer und Autor Valentin Wember näher kennen.

In diesen drei großen, internationalen Konferenzen lernte ich viele Menschen kennen, mit denen ich später in Kontakt stand. Einige tauchten später auf, als ich Seminare zu Meditation und Karmaschulung irgendwo gab. In Berlin war ich Bruno Martin begegnet, der mit mir in den folgenden Jahren eine Reihe von Veranstaltungen in Dortmund arrangierte. Einmal ordnete er ein Podiumsgespräch an mit mir und mit dem Psychologen und Autor Johannes W. Schneider. Wegen unserer divergierenden Gesichtspunkte kam es zu einem dramatischen Event. Martin engagierte sich später um die Jahrtausendwende in der Arbeit an der Konstitutionsfrage in der AAG. Zu einer Arbeitsgruppe, die sich in Dortmund einige Male traf, zu der ich in Forum 3 aufgerufen hatte, stellte sich u. a. Karl-Heinz Finke - ein Schüler von Coen van Houten - bereit, mitzuarbeiten. Später lud er mich ein, in Berlin einen Vortrag und ein Seminar zu halten.

In Dortmund kam ich in Kontakt mit Christof Lindenau, Autor, Lehrer und damals hauptberuflicher Mitarbeiter des Arbeitszentrums Nordrhein-Westfalen der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland (AGiD). Er lud mich ein, in den sogenannten Deutschen Mitarbeiterkreis der AGiD, eine Arbeitsgruppe, die sich jährlich trifft und aktuelle Themen und esoterische Aspekte der Anthroposophie vertieft. Über mehrere Jahre wurde ich hier eingeladen, mitzuarbeiten - auch nachdem ich aus der AAG ausgetreten war. Einmal wurden Nothart Rohlfs und ich gebeten, unsere Erfahrungen mit geistigen Naturerlebnissen und mit Elementarwesen zu vorzustellen. Andreas Heertsch, den ich vor kurzem auf meinem Blog präsentierte, lernte ich hier kennen, sowie Almut Bockemühl, die beide im anthroposophischen Zweig in Dornach tätig waren. Im Herbst 2000 arrangierten sie ein Podiumsgespräch, das Andreas Heertsch moderierte als Zweigveranstaltung in Dornach mit Nothart Rohlfs und mir zum Thema „Im Umgang mit übersinnlichen Bildern“. Der Saal in der Rudolf Steiner Halde war gefüllt bis zum letzten Sitzplatz. Meistens fühle ich mich in Dornach sehr zuhause und gut aufgehoben. Diesmal empfand ich die Stimmung sehr unangenehm und deshalb ungeeignet, um auf tiefere Aspekte der Fragen einzugehen. Ich vermochte an diesem Abend kaum, etwas Vernünftiges zu Wort zu bringen. So brachte auch das Referat in der Wochenschrift lediglich einige unzusammenhängende Passagen hervor zu diesem wichtigen Thema.
      
In Berlin lernte ich einen jungen Sozialarbeiter aus Saarland kennen, der mit mir eine Vortragsreihe arrangieren wollte. Zwei Vorträge fanden statt, einer in Walsheim, wo meine Ehefrau damals tätig war und noch heute arbeitet, und ein anderer in Trier. Hier hörte Heide Oehms meinen Vortrag. Ich lernte sie dann in Stuttgart später persönlich kennen. Oehms ist eine der ersten gewesen unter Anthroposophen, die über geistige und karmische Schulung aus persönlicher Sicht etwas veröffentlichte. Zwischen 1994 - 98 schrieb sie jährlich Beiträge im Jahrbuch für anthroposophische Kritik, die ich damals mit großem Interesse las. Oehms und Monika Neve, die Redakteurin der Zeitschrift Lazarus, betrieben seit einiger Zeit einen internen Forschungskreis, dem ich ebenfalls beitrat. Dieser Kreis kam zusammen sowohl in Raisdorf bei Kiel als auch in Königsbronn bei Heidenheim. Es war sehr beeindruckend, die verschiedenen persönlichen Berichte der Teilnehmer zu hören und zunächst tastend und übend, aber dann mehr zielgerichtet an gemeinsamen Fragestellungen heranzugehen - z. B. an die Individualitäten von einerseits Rudolf Steiner und andererseits Valentin Tomberg. Ein paar Themen bezüglich der politischen Weltlage um die Jahrtausendwende, die wir damals meditativ untersuchten, sind in mein zweites Buch eingeflossen. In diesem Kreis lernte ich auch Dirk Kruse kennen, der zurzeit eine Reihe von Betrachtungen in „Das Goetheanum“ über geistige Naturbeobachtungen schreibt.

Heide Oehms leitet seit Anfang des neuen Jahrhunderts eine Gruppe auf sachlichem Feld in der Anthroposophischen Gesellschaft. Aus bestimmten Gründen, die hier nicht erörtert werden sollen, trat ich diese Gruppe jedoch nicht bei. Sie war von Anfang an bestimmte Persönlichkeiten vorbehalten, die mit der Karmaarbeit von Oehms und Christiane Feuerstack unmittelbar vertraut sind. Das von Feuerstack herausgegebene Buch Das Geheimnis der Goldmarie. Arbeit, Geld und Karma - ein Werkstattgespräch könnte als ein Ergebnis der Arbeit in dieser Gruppe betrachtet werden, da mehrere der Mitautoren zu ihr gehören. Feuerstack lernte ich bei den Konferenzen in Stuttgart kennen und einmal begegneten wir uns im Forum 3 wieder, als Ulrik Morgenthaler uns und dem Waldorflehrer und Autor Valentin Wember zu einer Podiumsdiskussion einlud. Wember ging zunächst auf unsere Erfahrungen positiv ein und schilderte sogar, dass er Feuerstacks Rückführungsmethode selbst mit sofortigem Ergebnis versucht hatte, meditativ nachzuprüfen. Ich erinnere mich, dass Morgenthaler wie immer sehr ausgleichend moderierte, aber als Wember auf einmal anfing, Feuerstack unsachlich zu kritisieren, stellte ich mich mit einer Gegendarstellung dazwischen.

Auf Walentin Wember war ich zuerst im Sommer 1998 aufmerksam geworden, als er einen kritischen Kommentar auf meine Aufsätze über die atlantischen Orakelstätten schrieb. Diese meditativen Berichte waren statt dem Interview mit Maria Martina Sam, das nie erschien, nun mit einer Einführung - aufbauend auf einem weiteren Gespräch, dass ich mit ihr und mit dem damaligen Chefredakteur Dietrich Rapp in Dornach hatte - versehen, nicht, wie ich erhofft hatte, in der öffentlichen Wochenschrift im März 1998 erschienen, sondern in der internen Mitteilungen für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft: „Was in der Anthropospohischen Gesellschaft vorgeht“. Alsdann mein erstes Buch Ende 1999 in Urachhaus Verlag publiziert wurde, verstummten die kritischen und ablehnenden Stimmen erst nach mehreren Jahren. Im Nachhinein erzählte mein Verleger, Frank Berger, - der selbst ein Buch geschrieben hat, wo die Karmaforschung inbegriffen ist - von den internen Streitigkeiten im Verlag, die das Publizieren meines Buches und des in demselben Jahr erschienenen von Heide Oehms voranging.

Die Reaktionen auf mein Buch Wandeln unter unsichtbaren Menschen waren geteilt. Die Leser waren für - ich bekam nahezu 200 positive Zuschriften - oder gegen. Es gaben ein paar positive Rezensionen u. a. im „Lazarus“ und in der schweizerischen Gegenwart, aber die Zeitschriften Info3, Der Europäer und die internen Mitteilungen der AGiD lancierten teils sehr kritische Besprechungen. In der Mitgliederzeitschrift für die Anthroposophische Gesellschaft in Schweden schrieb mein ehemaliger Lehrer, der Musiker Göran Fant, einen Exposé über die anthroposophische Karmaforschung, in der er positive Auskünfte über verschiedene Autoren  z. B. über Willem Frederik Veltmans Buch Reinkarnation gab. Als er mein Buch und meine karmischen Angaben darin präsentierte, änderte sich sein Stil im Aufsatz bis auf hämische Formulierungen. Er abqualifizierte meine karmischen Inhalte, indem er etwa fälschlicherweise tüpfelte, dass ich behauptet hätte, dass ein Reihe von ehemaligen Herrscher und Könige wieder inkarniert sein würden in Nordnorwegen, woher ich herkommen würde, was auch nicht stimmt. Er hätte anscheinend nicht bemerkt, dass meine Hinweise in Richtung Järna gingen, was solche Oberschichten aus früheren Gesellschaften betrifft.
  
Ähnlicher Art schrieb die Autorin Irene Diet und nicht nur Aufsätze mit sachlichen Verfälschungen und starken Warnungen gegen mich, sondern sie veröffentlichte auch ein Buch mit dem Titel "Die entgeistigte Wiederverkörperung", wo Sergej O. Prokofieff und ich als Repräsentanten für ahrimanische und luziferische Verführungen dargestellt wurden. - „Das Goetheanum“ ließ lange mit einer Rezension auf sich warten, bis Andreas Heertsch mich zu „ertappen“ versuchte, indem er feststellte, dass ich einen „Offside“ ähnlich wie im Fußballspiel gemacht hätte. Das hätte bedeutet, dass ich meinen Kollegen in der Karmaforschung außer Acht gelassen hätte, um mich nur auf „meinem Ball“ zu konzentrieren, was dann zu einem Alleingang geführt hätte.

Mit Heertsch sollte ich nun mehrmals auf „die richtige Bahn“ kommen, da wir beide in einen Arbeitskreis zusammentrafen, die Josiana Arippol, heute Direktorin des Ita Wegman Institute in Brasilien, im Jahr 2000 initiierte. In dieser Gruppe konnte ich Ate Koopmans - ein Pionier der anthroposophischen Karmaforschung - kurz vor seinem Tod anfangs 2001 begegnen. Außerdem waren u. a. Gudrun Burkhard und Ernst Amons Teilnehmer der Arbeitsgruppe, die sich während ein paar Jahre in Zeist (NL) und in Arlesheim (CH) traf. Gudrun Burkhard wurde als Kind deutscher Eltern in Brasilien geboren. Sie ist Ärztin und Mitbegründerin der anthroposophischen Tobias-Klinik in Sao Paulo. Seit 1977 gibt sie Kurse in anthroposophische Biografiearbeit, als deren Begründer sie neben Bernhard Lievegoed gilt. Sie ist eine der erfahrensten Therapeutinnen auf diesem Gebiet. Ernst Amons war damals am Emerson College tätig. Heute leitet er Seminare in der ganzen Welt zu den Themen Organisationsentwicklung, Beratungen, Persönlichkeitsentwicklung und Berufsfindung.

Hier lernte ich auch den Leiter der Pädagogischen Sektion am Goetheanum, Christof Wiechert, kennen. Er tauchte einmal bei einem Treffen bei der Hiscia in Arlesheim auf und zeigte sein Interesse an unsere Arbeit. Bei einer der Treffen in Holland, wo Koopmans teilnahm, kamen auch Paul Wormer und Lili Chavannes dazu. Sie beiden schrieben nach dem Tod von Ate Koopmans das Buch Blick aufs Karma: Schicksalselemente im Lebenslauf, das Nothart Rohlfs aus dem Niederländischen übersetzt hat. Rohlfs griff noch einmal im Herbst 2001 das Karmathema auf in einer Tagung in Kassel. In den nachfolgenden Jahren schien das Thema kaum mehr in Veranstaltungen der Anthroposophischen Gesellschaft aufzutauchen. In den Jahren bis 2007 war Rohlfs als Mitarbeiter des Anthroposophischen Zentrums in Kassel tätig. Heute bietet er Kurse an u. a. im Quellhof, Landhaus für individuelle und soziale Entwicklung in Kirchberg/Jagst-Mistlau
zu Landschaftsstimmungen des Jahreslaufs mit dem Titel: „Von der Erscheinung zur Imagination“.

Im Herbst 2002 lud Nothart Rohlfs mich nach Kassel ein, um einen Vortrag und ein Seminar über meine Karmaarbeit zu halten. Aus dieser sehr gelungenen Veranstaltung entstand eine regionale Arbeitsgruppe, die sich danach etwa zweimonatlich traf. Die Gruppe beendete ich nach etwa eineihalb Jahren, da ich den Eindruck bekam, dass meine Arbeit von einigen Verantwortungsträgern im Zentrum nicht gewollt wäre. Es wurde nämlich entschieden, dass unsere Treffen im Veranstaltungskalender der Anthroposophischen Gesellschaft nicht angekündigt werden durfte. 

Gelegentlich nahm ich teil an einigen anderen Arbeitskreisen, wo auch über Reinkarnation und Karma gesprochen und geübt wurde. Um den Millenniumwechsel machte ich mehrmals in einem Arbeitskreis von Klaus Detlef Spieker mit, dem auch der Schriftsteller Anton Kimpfler angehört, den ich schon aus Schweden kannte. Der Kreis besteht bis heute. Es war hier, dass ich Immo Lünzer zum ersten Mal begegnete
und die erste Rückführung mit ihm machte, der jetzt einer der treibenden Akteuren in einem gerade neu entstandenen Forschungskreis in Niederursel bei Frankfurt (Main) ist (darüber mehr unten).

In Leipzig, Kassel, Ulm, Kirchberg a. d. Jagst, Unterlengenhardt und Blieskastel leitete ich zwischen 2000 und 2004 Arbeitsgruppen zur Karmapraxis. Während Reisen in die Schweiz, nach Dänemark, Norwegen, England, Spanien, Portugal und Italien entfaltete ich auch eine rege Konsultationsarbeit mit Menschen, die mehrmals an meinen Seminaren teilnahmen und sich so in ihren karmischen Fragen und Motiven vertiefen konnten. Seit 2000 treffe ich mich etwa jährlich mit einer Gruppe von Anthroposophen in der Camphill-Stätte Jøssåsen bei Trondheim in Norwegen. Diese Gruppe tritt immer wieder zusammen, wenn ich dort bin. Im letzten Jahr schließlich traf ich mich mit Anthroposophen in Russland. Dies ist eine Arbeit, die auch fortgesetzt wird, über die ich ansonsten mehrfach Aufsätze im Internet veröffentlicht habe. Die nächste Reise nach Russland erfolgt Mitte Juni 2010.

Als ich jetzt wieder das Interview von 1995 las, erinnerte ich mich wieder, wie radikal offen Nothart Rohlfs über authentische geistige Erlebnisse und intime karmische Imaginationen sprach. Die Wochenschrift hatte damals eine ganz andere Redaktion als heute unter der Leitung von Martin Barkhoff, aber das war sicherlich nicht der einzige Grund dieser Offenheit in Dornach. Wenn ich auf die Karmakonferenzen in Berlin und in Stuttgart vor über zehn Jahren zurückblicke, bekomme ich den Eindruck, dass derjenige geistige und karmische Impuls, den Rudolf Steiner als „die Kulmination der Anthroposophie“ als ein mögliches Geschehnis gegen das Ende des 20. Jahrhundert bezeichnete, sich quasi bemerkbar machen wollte in einer offenen, freundlichen und vorurteilsfreien Beschäftigung mit der Karmafrage und mit einer Authentizität vom Geistigen. Könnte es sogar eingetroffen sein, dass die von Steiner erwähnten Individualitäten aus dem Mittelalter sowie Alanus ab Insulis, Johannes von Salisbury und Bernardus Silvestris u. a. und die mit ihnen karmisch verbundenen Individualitäten, die alle mit der Entwicklung der Anthroposophie verbunden sein sollen, in neuen Reinkarnationen wiedergekommen sind?

Könnte es ebenfalls sein, dass Rudolf Steiner selbst einschließlich einiger seiner damaligen Schüler und Kollegen wieder inkarniert sind, um das Kernanliegen der Anthroposophie - nämlich das praktische Karmaverständnis und die Karmaforschung - neu aufzugreifen und publik zu machen? (Vgl. das Buch von Thomas Meyer, Rudolf Steiners „eigenste Mission“ - Ursprung und Aktualität der geisteswissenschaftlichen Karmaforschung.) In den Jahren um den Millenniumswechsel habe ich ähnliche Fragen immer wieder gestellt und in persönlichen Gesprächen meine Erkenntnisse diesbezüglich dargestellt, und ich wies an Generalversammlungen in Dornach andeutungsweise darauf hin, dass diese Individualitäten meiner Ansicht nach wiedererkannt werden wollen, um sachgemäße Unterstützung für ihre Initiativen zu bekommen. Selbstverständlich geht es in solchem karmischen Identifizieren überhaupt nicht darum, etwas nach außen zu proklamieren oder mit den Identifikationen zu kokettieren, sondern es geht um das Schaffen eines sozialen Bewusstseins, sodass die individuellen Kräfte gebündelt werden. Wenn dies gelingt, dann kann man sich gemeinsam unterstützen bei öffentlichen Auftritten und z. B. auch einander „meditativ“ schützen.

Ich habe in allen diesen Gruppen und Kreisen sehr viele fruchtbare Begegnungen gehabt, und ich konnte durch die Unterstützung und die Fähigkeiten der Anderen meine eigenen Schwerpunkte vertiefen und meinen Schwächen bewusst werden und zum Teil bewältigen. Meine individuelle Arbeit und die Arbeit mit Einzelnen haben viel von den Erfahrungen in diesen Teams gewonnen. Es ist sehr hilfreich, dasjenige, was ich für mich und in der eigenen Berufssituation tue, zu hinterfragen, darüber nachzudenken und es mit anderen Kollegen zu besprechen und zu vertiefen. Das, was ich früher als bildende Künstler schuf, wurde in unseren Sektionskreis der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft (FHfG) in Schweden und manchmal in Dornach, wo ich in den 1990er Jahren als Repräsentant aus dem Norden des Öfteren mitmachte, vertieft und unter spirituellen Aspekten angeschaut.

Ich erlebte es zunehmend als einen Rückschlag für die Anthroposophie und für die anthroposophische Bewegung, dass während dieser 15 Jahre der Forschungsansatz von Nothart Rohlfs in meinen Augen zu wenig in der AAG und in der FHfG aufgegriffen wurde. Die sozialen Ziele mit der Karmaforschung, die Nothart Rohlfs 1995 im Blick hatte, die viele andere - mich selbst eigerechnet - ähnlich sahen, wurden in der anthroposophischen Bewegung in diesen Jahren nur begrenzt umgesetzt. Es ist gewiss nicht leicht, sich den Karmafragen zu stellen. Wenn wir uns aber einer ehrlichen Selbsterkenntnis auf diesem Gebiet öffnen, könnte der schleichende Verfall und die Erstarrung der AAG, mit der so viele Diskussionen in den letzten Jahren sich befasst haben, in ihren weiteren Verlauf eventuell angehalten und in einer anderen Richtung umdirigiert werden.

Aus einem solchen Erneuerungswillen trafen sich vor Pfingsten in Niederursel bei Frankfurt (Main) etwa zwei Handvoll Anthroposophen, die aus einer zwei Jahre bestehenden Arbeitsgruppe - das auch Kolloquium genannt wurde - eine Gruppe auf sachlichem Felde der Anthroposophischen Gesellschaft gründete mit dem Namen „Forschungsgruppe Karmapraxis“.  Am 24. und 25. Oktober 2008 fand in Bochum das erste Kolloquium dieser Art statt, zu welchem die Anthroposophische Gesellschaft NRW und Fakt 21 Kulturgemeinschaft damals einlud. Ich wurde zu meiner großen Freude auch als Nichtmitglied zu diesen Kolloquien eingeladen. Seitdem traf sich der Kreis von einigen auf dem Felde der Karmaforschung und -praxis tätigen Menschen zweimal im Jahr. Die letzten zwei Treffen fanden an der Hof in Niederursel statt. In der Gruppe sind die verschiedenen Ansätze der praktischen Karmaarbeit vertreten. Viel Zeit wurde dazu benutzt, sich selbst, seinen Weg und seine Arbeitsmethoden zu präsentieren. Dies geschah meistens durch Austausch und durch Gespräche über Ähnlichkeiten und Unterschiede, sowie durch konkretes Üben, das von verschiedenen Teilnehmern angeleitet wurde. Seit dem ersten Treffen sind einige wieder ausgeschieden und ein paar neue Interessenten sind dazugekommen.

Diese von Immo Lünzer, Hartwig Schiller und Michael Schmock anfangs vorbereiteten und geleiteten Kolloquien bekamen bei dem Treffen im Dezember 2009 in Frankfurt (Main) einen neuen Duktus und eine Vertiefung, indem zu dem bloßen Kennenlernen und dem gegenseitigen Respektieren ein Vertrauen aus Erkenntnis der Andersartigkeit des anderen und einen Willen zur Zusammenarbeit erwuchsen. Kurz davor - im letzten Herbst - war mit der gemeinsamen Initiative für den Forschungs- und Übungstag zur Karmapraxis in Witten ein wichtiger Baustein für diese konstruktive Weiterentwicklung gelegt worden. Die Mitglieder der Gruppe, haben individuell erfahren, dass der Themenkomplex „Reinkarnation und Karma“ immer wichtiger wird, um Schicksale zu verstehen, zu gestalten und weiter zu entwickeln, um damit die Zukunft nachhaltig vorzubereiten. Die Gruppe will daher an folgenden Zielen arbeiten:

• Unvoreingenommener Erkenntnis- und Erfahrungsaustausch zur Theorie, Praxis und gemeinsamen Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Karmaarbeit

• Netzwerke bilden, um die Ergebnisse im Zeitgeist zu verankern und  zu verbreiten


Die Gruppenmitglieder erkennen dabei natürlich auch, dass es mehrere Wege der modernen Karmaarbeit gibt, und sie wollen sich im Ringen um eine gute Fortentwicklung gegenseitig befruchten.
Es ist meine Hoffnung, dass die neue Forschungsgruppe und ihre einzelne Teilnehmer jetzt auch vom Vorstand und vom Hochschulkollegium in Dornach mit offenen Armen begrüßt und auch unterstützt werden. Es entsteht nun die Möglichkeit, sich zusammenzusetzen, zu üben, zu forschen und sich über meditative Ergebnisse auszutauschen, und die Teilnehmer der Gruppe sind bereit, ihre Erfahrungen der Karmapraxis mit anderen in der AAG zu teilen und sie für gemeinsame Übungsarbeit einzusetzen. Wenn es uns gelingt, immer mehr Mitglieder der AAG und der FHfG zu Gesprächen, zu Kolloquien und zu Arbeitstreffen einzuladen, um gemeinsames Karma zu ordnen und zu pflegen, dann schließen wir wieder an Rudolf Steiners Ursprungsimpuls an. In den kommenden Jahren würde es angemessen sein, neue öffentliche Konferenzen zur Karmafrage zu arrangieren, falls die Arrangeure selbst in der karmischen Selbsterkenntnis vorankommen, da die Menschen heute und besonders die jüngere Generation unvermittelte Erfahrungen begegnen wollen. Rudolf Steiners Appell: „Der Initiationsimpuls muss zu einem Zivilisationsimpuls werden“ würde sich dann allmählich individualisieren, konkretisieren und realisieren. Wenn wir nur Rudolf Steiners über 85 Jahre alte Erkenntnisse immer wieder jubiläumshaft wiederholen, schaffen wir in der Welt sowohl Beklemmung als auch Unverständnis.

Was jetzt in unserer neuen Forschungsgruppe von kollegialer Zusammenarbeit und sozialer Praxis langsam entsteht, hat ähnliche Qualitäten, die ich aus der früheren Arbeit in der FHfG kenne. So wäre es sehr zu begrüßen, wenn unsere Arbeit nicht nur als eine Initiative innerhalb der Gesellschaft sondern auch unter der Schirmherrschaft der Hochschule betrieben werden könnte. In allen der Gruppenbildungen, die ich oben erwähnt habe, waren Hochschulmitglieder dabei. Trotzdem gelang es damals nicht, eine solche Grundlage in der Zusammenarbeit und eine solche Ausstrahlung der Ergebnisse zu geben, dass ein Einklang erfolgte mit den Intentionen den gegenwärtigen Hochschulleitungen in Dornach und in den Ländern. Damals tauchten virulente Umstände auf, die mich dazu drängten, 2000 die AAG und 2002 die FHfG zu verlassen. Durch die neue Forschungsgruppe und aus ihrer zeitgemäßen Teamarbeit ist jetzt eine günstige Situation entstanden, in welcher ich wieder der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft beitreten kann. Es geht mir dabei darum, eine winzige Arbeitsplattform - die neue Forschungsgruppe - präsent zu unterstützen, wo Menschen verschiedene Wege der Karmaarbeit und -forschung betreten und dabei Beistand bekommen können in ihrem individuellen Streben.
   

Blieskastel, 1. Juni 2010



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ei meiner letzten Aufräumaktion stieß ich auf alte Nummer der Wochenschrift Das Goetheanum (Nr. 55, 1995). Darin fand ich wieder einen 15 Jahre alten Aufsatz mit dem Titel: „Sich in den
Jostein Sæther | Zwischen Spontaneität und Forschung
 
Ein Rückblick auf die anthroposophische Karmaarbeit seit 1995 mit besonderer Rücksicht auf das öffentliche Wirken von Nothart Rohlfs