Bildmeditation
Aus seinem Kopf strömen sieben gelbe Lichtstrahlen nach oben, die sieben kleinere Gesichter, alle mit langem Bart, anstrahlen. Man bekommt den Eindruck, dass sein Kronenchakra ganz offen und sehr wirksam ist. Die Gesichter über ihm stellen die so genannten sieben heiligen Rischis dar. Sie sind in Violett auf den orangefarbenen Hintergrund gemalt. Darüber geht die Grundfläche in warmes Rot über, in welcher sieben gelbe Sterne über den Rischis erscheinen.
In der Bildbetrachtung und im Vergleich zu den Attributen der Eurythmiefiguren kannst du zunächst nacheinander den Dreiklang der Hintergrundfarben untersuchen und sie wechselweise mit Ursprung, Standort und Richtung abwägen. Mir scheint das Gelbe mit Ursprung am besten übereinzustimmen, weil der erhabene Anfang des Menschen als Lichtwesen bedacht wird; Orange mit Standort, weil der Mensch ein aktives Wesen ist, das in allen Dingen Aufschluss erfahren kann; und Rot mit Richtung, weil der Mensch sich für die Zukunft resolut begeistern kann. Rot ist halt eine Farbe, die einem, wie es scheint, entgegen kommt, während Blau vielmehr von einem fortgeht.
Dann geht es darum, sich in die acht Gesichter einzuleben. Es ist interessant, dass hier nicht die ganze Gestalt zu sehen ist, und deswegen soll versucht werden, alles, was in der Übung zu empfinden ist, wie nur aus dem eigenen Gesichts- und Kopfbereich zu beschaffen. Ein Denken
kann sodann geübt werden, in dem alle Gefühle und Willensimpulse wie von Klarheit und Licht durchdrungen werden müssen, so dass man aber erlebt, sich ganz in Orange eingebettet zu sein.
Beim sich Hineinleben in die Mittelfigur ist zu beachten, wie es sich fühlt oder wie es zu erleben ist, dass das Denken unterschiedlich sich bewegt, wenn man hin zu den sieben Rischis, die ja in einem Halbbogen über einem schweben, von sich etwas ausgehen lässt; und welche Gedankenströme kannst du von unten empfangen, indem du nacheinander die sieben Rischi-Positionen einnimmst? Welche moralischen Impulse oder Tugenden könnten durch das sich Hineinleben in die verschiedenen Ansichten erlebt werden?
Wenn du das Motiv aus mehreren meditativen Ansätzen von innen her kennen gelernt hast, kannst du weitergehen und Dinge mit einbeziehen, die in dem Original nicht vorhanden sind. Z.B. kannst du aus der grünen Fläche unter dem Kinn ein Landschaftsmotiv denken. Du stellst dir beispielsweise vor, dass du aus den hohen Gipfeln des Himalaya nach Süden gegen Indien schaust, das vor dir wie ein sonnendurchflutetes Land der Fruchtbarkeit ins Unendliche sich ausbreitet.
Wenn du aus dieser meditativen Position die Frage stellst: Wann und wo war ich selbst als Individualität in der ersten Kulturepoche inkarniert und wie haben dementsprechend die fortwirkenden Impulse der sieben heiligen Rischis und deren Lehrer, Manu, auf meine Individualität gewirkt?, wirst du bestimmt mit der Zeit entdecken, dass die Beschäftigung mit einem solchen Motiv aus dem ersten Goetheanum einer echten Karmaübung gleichbedeutend sein kann.
Dieses Motiv habe ich immer wieder für mich und mit anderen Übenden als Eingangtor der Karmaforschung zu vorgeschichtlichen Zeiträumen benutzt. Somit entfalteten sich sowohl karmische Imaginationen zu der ersten nachatlantischen Kulturepoche als auch atlantische Lebensumstände vor dem inneren Blick, die sonst kaum in solcher Erhabenheit sich dargeboten hätten.
Der Modus der Bildmeditation ergibt sich nach und nach aus dem Üben, wenn du die Qualitäten aller Künste involvierst. Der Ablauf geht von der objektorientierten, sinnlichen, zur subjektiven, moralischen Anschauung, von dem Außerhalb-Sein in der Sinneswelt zum Drinnenstehen in der individuellen Seelenwelt. Der anthroposophisch orientierte Autor Georg Kühlewind (2006) spricht von der Belebung der Sinne, wenn er Wege zur fühlenden Wahrnehmung in einem seiner Übungsbücher beschreibt:
Trotz nachfragen und einladungen, sich hier präsentiert zu finden und ihre kunst zu zeigen, konnte ich während des letzten monats keine weiteren künstler, die ich kenne, anwerben. So lade ich hiermit jeden ein, der sich mit meinen seiten eventuell verbunden fühlt, der eigene bilder gestaltet oder kunst durch fotos zeigen möchte, sich zu melden. Die kunst entsteht nur, weil jemand sie sehen, hören, erleben und genießen möchte. Das internet hat zwar nur klitzekleine fenster in die welt der künste, aber immerhin kann man hier hinweise geben und finden, wohin der interessierte kunstgenießer, zuschauer und zuhörer sich begeben könnte, um das originale, superwichtige und coole kunstwerk konkret zu finden. Wer also bei mir ein hinweis zu sich und seine kunst machen möchte, melde sich bitte durch einen email, einen anruf oder einen besuch. Ich garantiere, dass es sich „lohnen“ wird!
Einladung an künstler!
Ein künstlerisches Element ist allein nicht nur im traditionellen
Kunstwesen angesiedelt, sondern es hat mit dem alles umfassenden
Schöpferischen im Leben zu tun, das überall dort zu finden ist, wo sich
der Mensch zeitgemäß in die Welt hinein stellt, auch wenn er nicht
Künstler ist oder besonders viel von Kunst hält.
Jostein Sæther
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Gamamila
16. März 2008
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Die Aufmerksamkeit scheint eine Brücke zu sein zwischen dem aufmerksamen Subjekt und dem Objekt der Aufmerksamkeit. Genau beobachtend bemerkt man, dass im Augenblick der intensiven Beobachtung oder Hingegebenheit der Aufmerksame sich nicht auf sich selbst besinnen kann; würde er das tun, so würde die Aufmerksamkeit vom Objekt weg zu ihm selbst als einem anderen Objekt wechseln. Das Subjekt bleibt in beiden Fällen verborgen, unauffindbar. Es ist nämlich immer dort, wo die intensive, womöglich ungeteilte Aufmerksamkeit ist. Das Subjekt wird identisch mit dem Objekt der Aufmerksamkeit.
Der Aufmerksame ist von seiner Aufmerksamkeit nicht zu unterscheiden. Sobald er sich vom Objekt der Aufmerksamkeit unterscheidet, verliert er dieses - und ist so nicht mehr aufmerksam. Aufmerksam aber ist er bis zur Identität dem Objekt hingegeben. Das Maß der Identifizierung ist das Maß der Aufmerksamkeit. Das menschliche Ich existiert in seiner Tätigkeit, d. h. in der Hingabe, und hat kein statisches Sein. Es ist nur im Tun, in Tätigkeit, im Werden - "Das-Werden". Daraus besteht das wahre Ich: aus denkender, fühlender, wollender Aufmerksamkeit.
Der Mensch als Ich-Wesen ist dort, wo seine Aufmerksamkeit ist. Ist sie bei seiner Körperempfindung, dann haftet das Ich an dieser: Dieses Haften wird in der Bibel "das Fleisch" genannt. Ist das Haften ein Dauerzustand, so geht die Autonomie, die Freiheit der Aufmerksamkeit verloren. Sie wird geteilt: vor allem zwischen dem Selbstempfinden und der Welt. Die Selbstempfindung verzweigt sich in viele verselbständigte Aufmerksamkeitsstücke, die zusammen das psychologische Unterbewusste bilden. Sie wird aber auch zwischen den unzähligen erworbenen Begriffen und Vorstellungen verteilt. Die Bewusstseinsschulung hat zunächst die primäre Aufgabe, die Autonomie und Ungeteiltheit der Aufmerksamkeit wieder herzustellen.*
* Georg Kühlewind, Die Belehrung der Sinne. Wege zur fühlenden Wahrnehmung,
Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1990, Seite 35f.
Kunstbetrachtung und Naturbeobachtung nach künstlerischen Gesetzmäßigkeiten sind mit Bewusstseinsschulung gleichbedeutend. Durch die Souveränität der Aufmerksamkeit kann das Ich in meditativer Schulung das Interesse am Objektiven so steigern, dass man anders sich in der Seele erleben wird, wenn der Geist sich präsentiert, er zu einem spricht oder einen berührt - als wenn man keine Sinnesschulung in der äußeren Welt gepflegt hat.
Ja, Geist wird dann einen dauerhaften Eindruck auf einen machen, so dass man nicht mehr so sein wird, wie man vorher war. Es wird der Moment kommen, wo du zu einem Schöpfer deines Selbst wirst. Aus dem Künstlerischen wird der Forscher im Geiste geboren. Eine Brücke zwischen Sinneswelt und Geistwelt wird alsdann von uns selbst aus den Elementen des schöpferischen Zusammenklangs gebaut.
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Jostein Sæther | Der Modus der Bildmeditation -
von der sinnlichen zur tugendhaften Anschauung
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Pastellskizze von Rudolf Steiner zum Motiv des indischen Menschen im großen Kuppel des am Silvester 1921/22 abgebrannten
1. Goetheanum. Der Original befindet sich im Rudolf Steiner Archiv
Das Motiv auf einer Pastellskizze von Rudolf Steiner enthält ein großes, ernstes Antlitz in rosa-violettem Farbton. Es porträtiert den so genannten göttlichen Manu, der Inaugurator war der nachatlantischen Kultur mit ihrem Beginn in der urindischen Kulturepoche vor etwa neuntausend Jahren. Das ernst schauende Gesicht ist in einem Hintergrund von Gelb und Orange eingebettet, wobei das Gelbe nach unten liegt und als Olivengrün am Hals erscheint. Das Haar ist an den Seiten lang geschnitten und hängt über die Schultern.
Anlage der Motive im großen Kuppel. Aquarell von Louise van Blommenstein
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