China - und das Kreuz
auf Lotusboden
Gamamila
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Frieden durch gegenseitiges Lernen -
Kari Bu im Gespräch mit Christian Egge
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Sebastian Gronbach und sein integraler Gasballon - eine Rezension
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Meister und Hüter der Meditation...
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Das Motiv auf einer Pastellskizze von Steiner enthält ein großes, ernstes Antlitz in rosa-violettem Farbton...
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Der Umgang mit Kunst baut eine seelische Brücke, die zu geistigem Erleben führt...
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Im höheren Bewusstsein betritt man geistige Orte, wo man sich normalerweise nicht auskennt...
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In vielen Ereignissen ist man allein gewesen...
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Biografisches zu denken, zu bewegen und zu vertiefen, ist eine Voraussetzung für karmische Erkenntnisse...
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Fragen über und an die Anthroposophie führen durch...

Blog
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Latte macchiato, bananensplitt und stand-up-anthroposophie
21. März 2008
Das Capesius-Syndrom
20. März 2008
Monsanto und die Gentechnik
14. März 2008
Plädoyer für einen schreibreform der deutschen sprache
10. März 2008
Von der mission der migräne
und der missionen von Sebastian Gronbach
Künstlerporträt: Marius Wahl-Gran
Anfang der 1990er jahre leitete ich eine kunstabteilung am Steinerseminar in Järna (SE). Einer meiner schüler war der Norweger Marius Wahl-Gran. 1997 half ich ihm als assistent bei der umsetzung seines designs für die anthroposophische manifestation an der esoterikmesse in Oslo. Marius ist ein geschätzter künstler auch außerhalb der anthroszene. Mit seinen feierlichen, oft in moll gestimmten farbtönen schafft er bilder der kontemplation und der zielstrebigkeit. Klicke auf die bilder und seine website wird erscheinen.
Wir leben in einer leidkultur, die kunst in unserer zeit möchte gern dieses leid vermitteln. Ich denke allerdings, dass es genau so wichtig ist, hoffnung, glaube, schönheit zu vermitteln, etwas, was uns über das ganze heben kann, uns fähig macht, etwas größeres zu schauen.
Marius Wahl-Gran
Marius Wahl-Gran, Natur morte.
Öltempera auf Leinwand.
100 x 200 cm
Marius Wahl-Gran,
Ohne Titel.
Marius Wahl-Gran,
Ohne Titel.
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Bjørn Moen | Karl Ludvig Reichelt -
der Apostel des Johanneischen Christentums
Der früh verstorbene Bjørn Moen war Mitautor eines in Norwegen beliebten vegetarischen Kochbuchs. Er übersetzte Rudolf Steiner und war Mitarbeiter der Redaktion der Osloer Zeitschrift Libra, aus der dieser Aufsatz von 1997 stammt. Neben dem Beruf als Waldorflehrer - später Leiter einer vegetarischen Gaststätte und eines Bioladens - war er ein geschätzter Vortragsredner und behandelte kenntnisreich viele Themen der
Bjørn Moen (1943-2006)
Geschichte und der modernen Gesellschaft. Er setzte sich sonst für die Ideen der Dreigliederung ein und seine besondere milde und versöhnliche Art aufzutreten verschaffte ihm viele Beauftragungen für anthroposophische Stiftungen. Der vorliegende von mir übersetzte Text setzt unser Thema Mission auf eine klassische Weise fort. Zugleich können der Blickwinkel von Karl Ludvig Reichelt auf den Buddhismus und auf China des jüngst beendeten Jahrhunderts und die Gedanken von Bjørn Moen uns heute helfen, wenn wir die aktuelle politische und kulturelle Lage in China und in Tibet - das Berg der heiligen Berge - überdenken und einen individuellen Standpunkt in Verhältnis zu politischer Gewalt suchen.
Karl Ludvig Reichelt (1877-1952)
„Ich möchte Missionar werden!“
Am 1. Juli 1997 wurde der britische Kronkolonie Hongkong nach 156 Jahre britischer Bevormundung an China zurückgegeben. Je nachdem die Zeit der Übergabe sich näherte, verschwanden auch viele westlichen Unternehmen, unter ihnen auch einige norwegische. Aber es gab ein Betrieb, dass lange Stand hielte, lange nachdem Der norwegische Bank und Die norwegische Seemannsmission Hongkong verlassen hatten; es war die christliche Buddhistmission mit ihrem schönen Tempel oben auf einem der Gebirgsgipfel draußen von Hongkong. „Tao Fong Shan“ - („Das Berg, von dem der Logoswind weht“) - heißt der Tempel, das frei liegt mit Ausblick sowohl auf die alte Kronkolonie als auch das neue China. Hier ist er gelegen seitdem der norwegische Missionar Karl Ludvig Reichelt 1930 seinen Traum verwirklichte; ein Ort, wo sowohl Christen als auch Buddhisten in Andacht, Meditation und Vertiefung in Die Heiligen Schriften sich begegnen konnten.
Der Ort sieht dann auch nicht so aus wie eine gewöhnliche Missionsstation, sondern wie ein chinesischer buddhistischer Tempel. Hier wird keine Evangelisierung betrieben, sondern man versucht „Christentum auf chinesische Art zu leben“, wie Reichelt es für seine missionarische Wohltat als Ausgangspunkt setzte. Wer war nun dieser besondere Missionar aus Norwegen, der den Mehrpart seines Lebens in China verbrachte, von 1903 bis er in 1952 auf Tao Fong Shan starb?
Karl Ludvig Reichelt ist am 1. September 1877 auf dem Bauernhof „Fredlund“ [Friedenshain] außerhalb der Stadt Arendal [an der Südküste Norwegens] geboren und er wuchs auf unter Frauen; seine Schwester, die Mutter, die Witwe war, und ihre Schwester. Außerdem hat seine Lehrerin eine große Rolle in seinem Leben gespielt. Ihr konnte er etwas offenbaren, was er keinem anderen wagte, zu erzählen:
„Fräulein, weißt du, was ich sein möchte, wenn ich groß werde?“ „Nein, aber hast du schon daran gedacht?“ „Ja, das habe ich; und ich möchte es dir sagen, aber kein anderer darf es wissen. Sie sind so böse, wenn sie mich veräppeln. Ich möchte Missionar werden!” (1) Schon als 14jähriger auf der Lateinlinie in der öffentliche Schule von Arendal war es besonders Asien, der ihn in den Geographiestunden heranzog. Dies führte dazu, dass er sich viel mit einem deutschen Buch beschäftigte über die Geschichte, die Kultur und dem Klosterlebens Chinas: ”China und die Chinesen”. Es war, als ob sein Leben einer inneren Bestimmung unterlag, die nach und nach als ein Schicksalsmotiv auftauchte.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder sowohl Träume als auch Wünsche für die Zukunft haben. Es kann sich zeigen als der Traum, Feuerwehrmann und Polizist oder warum nicht Missionar zu werden, aber bei Reichelt war es etwas mehr. Es ist als ob es etwas Symbolisches über seinem Heranwachsen ruht: „Der Sohn der Witwe“ ist mehr als nur ein Märchen von Asbjørnsen und Moe [etwa die norwegischen Brüder Grimm], es zeigt auch auf eine spezielle seelische Qualität, wie bei dem persischen christlichen Erneuerer Mani und die Legende von Parsifal. Beide waren sie Söhne einer Witwe. Bei Mani zeigt es sich als die Fähigkeit, sich in die Menschen, die er begegnet, einzuleben, und das Christentum aus der Eigenart der Völker zu verkünden, oder wie bei Parsifal mit der Offenheit eines Kindes das große Mysterium zu suchen. Bei Reichelt finden wir auch solche Motive durch sein Leben und Wirken nicht nur in der Absicht, Missionar werden zu wollen, oder die Interesse für China, es zeigte sich besonders in seiner Begabung, sich in sowohl die Sprache als auch die Sitten einzuleben, wo er ankam. Es wird über ihn erzählt, als er 1896 Lehrer und Kirchensänger in Lisleherad im [Landesteil] Telemark wurde:
„Er wurde nicht nur ‚im Geiste’ mit dem Volk dort eins. Auch äußerlich ging er ganz auf im Telemarks-Milieu. Er benutzte ihre Mundart, und ihre Volkstracht wurde seine eigene. Mit anderen Worten, er wurde einen Teletaler für die Teletaler. Das ging so ganz natürlich vor sich.” (2)
Von der Missionsschule bis zum Missionsgebiet
Die Anziehung, einen Missionar zu werden, brachte ihn im Jahre 1897 zu dem, was im Volksmund „Egenes Kloster“ hieß, das heißt, die Missionsschule in Stavanger. Hier verbrachte er die nächsten 5 Jahre bis er 1902 examiniert und natürlicherweise China als Missionsgebiet zuerteilt wurde. In demselben Jahr wurde er mit Anna Dorthea Gerhardsen verlobt, die 1905 seine Ehefrau wurde. In Oktober 1903 kann er zusammen mit seiner Verlobte nach Shanghai, aber sie zogen demnächst ins Land hinein zum Hunan-Provinz. Hier in der Provinzhauptstadt Changsha ließen sie sich nieder, um ihre Sprachstudien anzufangen. Der Hunan-Provinz und besonders die Hauptstadt war sogar der Herd des chinesischen Kommunismus mit Leitern wie Mao Zedong in der Spitze. China war zu dieser Zeit noch ein Kaiserreich, und auch wenn die chinesischen Beamten und lokalen Herrscher vielmals sich im Weg der christlichen Missionstätigkeit stellten, waren die Behörden daran eingestellt, die Missionare zu schützen. Daher war es nicht ungewöhnlich, dass die Missionsstationen ihre eigenen chinesischen Soldatenwächter hatten, die die Missionare begleiteten, wo sie standen und gingen.
1905 war K. L. Reichelt so weit in seinen Sprachstudien angekommen, dass er Unterricht in Katechismus und Bibelgeschichte auf Chinesisch anfangen konnte. Im gleichen Jahr aber geschah etwas, das für seine ganze spätere Tätigkeit in China von entscheidender Bedeutung werden sollte. Es war der Besuch beim alten buddhistischen Kloster Weishan. Einen Sommernachmittag kamen er und seine Gefolge nach einer anstrengenden Reise hinauf zum schönen und malerischen Kloster mit seinen charakteristischen gebogenen Dachlinien. Die Buddhistmönche und die Pilgrimen, die in demselben Gefolge waren, beugten sich in Demut wegen dem schönen Schau und sie sprachen aus dem Grußruf: „Na-mo Omito Fuh“ - Ich laufe zu dir, Amitabha (das heißt Buddha). Hier verbrachte Reichelt eine ganze Woche bei den freundlichen und offenen Mönchen. Er nahm teil in ihren Feiern, hatte mit ihnen Gespräche, studierte ihre Schriften und dachte darüber nach, was er alles sah und vernahm. Aber es war, als ob er zu ihnen nicht hinkam, und dafür war nicht nur die Sprache Schuld, sondern es war etwas anderes. Er begriff plötzlich, dass er nicht genug vorbereitet war. Er kannte einfach nicht die Grundlage ihrer Glaube, nämlich wie der Buddhismus in China praktiziert wird. Er hatte in eine Welt von sowohl der Hoffnung als auch der Verzweifelung geguckt:
„Ich hatte wie nie zuvor in eine eigenartige Welt geschaut, eine Welt voller, tiefer Mystik, aber auch voll von tiefer geistiger Armut.“ (3)
Seine Frage wurde jetzt, ob es so sein konnte, dass der Geist Gottes, der reine Geist Jesu Christi seine Arbeit innerhalb solchen düsteren Wänden stattfinden dürfe, wo Aberglaube und Abgötterei Hand in Hand mit den meist erhöhten Sehnsüchten nach Wahrheit, Reinheit und Freiheit zusammen gingen?
Der letzten Nacht im Kloster konnte er nicht schlafen, er lagerte die Nacht in Gebet draußen im Klostergarten bei den Steinpfeilern. Erst als der Tag dämmerte, ging er zum Gipfel hinter dem Kloster bergauf. Alles atmete von Morgenfrische, als die ersten Sonnenstrahlen über die Gebirgslandschaft hinstreichelten. In stiller Meditation saß er nun auf einer einfachen Steinbank auf dem Berggipfel. Plötzlich geschieht etwas in ihm:
„Es war, als ob ich die Stimme des Herrn hörte. Sie kam mir entgegen in der Form, die Paulus wiedergegeben hat in der Apostelgeschichte: ‚Gott ist von uns allen nicht weit weg, da wir in ihm leben, uns bewegen und existieren.’ ‚Gott ist uns ohne Zeugnis nicht entwichen.’ Lange bevor die Missionare nach China kamen, war Gott in China. Das, was du in kurzem Aufleuchten der Wahrheit und in Beziehungspunkten findest, hat er vorbereitet.“ (4) Er hatte nach bestem Talent versucht, ein Bild von Christus den Chinesen zu zeichnen, aber sein Wort erreichte sie nicht und er blieb mit dem Gefühl der Ohnmacht da sitzen.
„Und was war der Grund? Doch, ich begriff bald, dass die Ursache diejenige war, dass ich die Gedankensysteme und die Ideen des Buddhismus nicht gut genug kannte, ich hatte nicht die tiefe Kenntnis ihrer Schriften und Kultusordnung. So ergriff ich den Entschluss, mich für eine spezielle Missionsarbeit unter diesen Menschen durch Studium und Beobachtungen tüchtig zu machen, und auch durch freundlichen Umgang mit den Mönchen und den religiösen und gelehrten buddhistischen Laien.“ (4)
Der Tempel auf dem Berg -
die Brüderheime Ching Fong Shan und Tao Fong Shan
Dieses Studium der buddhistischen heiligen Schriften führte dazu, dass er den Gedanken von einem Begegnungsort entwickelte, wo man einige der reisenden Mönche in Verbindung bringen konnten. Zusammen mit dem Buddhistmönch Kuantu, der später Christ wurde, arbeitete er die Pläne aus für ein solcher Institut, der gleichzeitig ein Center werden konnte für Evangelisationsreisen zu Klöstern und ebenfalls zu den heiligen Bergen. In 1922 schließt sich Notto Normann Thelle dieser Arbeit an und in 1923 wurde der erste Büderheim Ching Fong Shan in der Nähe der alten Kaiserstadt Nanking gegründet. Der Name ist von einem Satz des unsterblichen Kleinods der chinesischen Kirche entnommen, der Nestorianntafel, die vor einigen Hundert Jahren ausgegraben wurde. Hier wird beschrieben, wie das Christentum schon um 700 in China während der Tangdynastie verkündet wurde. In dieser Schrift kann man folgendes lesen:
„Ching Fong tüng shan”, das bedeutet „der mächtige und leuchtende Wind schlug über den Osten wie einen Fächerschlag ein“. „Der leuchtende Wind“ will hier das Christentum bedeuten, sodass der Name Ching Fong Shan ganz einfach „Das Berg des leuchtenden Windes“ bedeutet. Wind besagt hier Atem, ähnlich wie Griechen, Römer und Hebräer „Wind“ synchron „Geist“ oder „Atem“ (pneuma, Gr. spiritus, Lat. ruach, Hebr.) bezeichneten.
Im Laufe der Jahre besuchten viele Tausend Pilgrime diesen Brüderheim bis der Bürgerkrieg den Mitarbeitern zwang, den Ort zu verlassen. Im Jahre 1927 wurde der Brüderheim von Soldatenbanden und Kommunisten abgebrannt und zerstört, aber Reichelt schaute sofort nach einem anderen Ort, wo man einen neuen Brüderheim für die weitere Arbeit unter den Buddhisten und den anderen religiös suchenden Menschen Chinas aufbauen konnte. 1929 reisten er und die Mitarbeiter südwärts nach Hongkong. Hier in „The new Territory“, das sich in das Festland Chinas strecken, fanden sie den neuen Berg - Tao Fong Shan („der Berg, von dem der Logoswind weht“). Am 7. Februar 1930 fanden die Missionare Reichelt und Hamre den neuen Ort oben auf der Gebirgskette, die Das neue Territorium vom Gebiet der Hongkong-Kolonie trennen: „Es war von hier, dass Gottes ewiger Tao, voll und ganz in Christus Jesus offenbart, etwa wie ein lebensspendender Frühjahrswind über das ganze China ausströmen durfte.“ (5)
Warum bedeutete es soviel für Karl Ludvig Reichelt, einen Berg zu finden, wo er einen neuen Tempel bauen konnte? Er zeigt selber darauf, dass seit den ältesten Zeiten hat „Der Heilige Berg“ eine große Rolle in den religiösen Strömungen gespielt. Der Berg war zugleich ein Ort, wo man den großen Frieden, Klarheit für den Gedanken und Aussicht fand. Hier lebten „die Geister“, die ihr „Atem“ und die Inspiration den Menschen gaben, die in den Höhen suchten. Er erwähnt, dass einige der heilige Lieder sowohl aus Indien, China, Ägypten, Hellas als auch Judäa die Mystik des heiligen Berges beschreiben. Im Neuen Testament wird geschildert, dass Christus seine meist intime Rede, die Bergpredigt, genau „auf dem Berg“ gab. Christus nahm auch seine 3 nächsten Jünger mit auf den Berg, wo sie seine Begegnung mit zwei der größten Führer des jüdischen Volks erblicken durften (Matt 17, 1-9, Mark. 9, 1-13, Luk. 9, 28-36).
Und K. L. Reichelt erkannte welche Bedeutung die heiligen Berge für die Chinesen haben: „ Es ist bezeichnend, dass der Ausdruck für einen heiligen Mann und eine heilige Frau, die so weit gekommen sind, dass sie die Unsterblichkeit erlangt haben, einfach ist ‚der Mensch, der auf dem Berg wohnt’.“ In China gab es zu seiner Zeit eine Unendlichkeit von heiligen Hügeln. Zu ihnen strömten alljährlich Millionen von Menschen. Tao Fong Shan sollte auch eine solche Wallfahrtsstätte für unzählige Mönche und Laien von Fern und Nah in den kommenden Jahren werden.
Christentum auf Chinesisch - Das Johanneische Christentum
In der Kirchengeschichte sind fortwährend Menschen aufgetaucht, die mit ihren Ideen neue Impulse zu einem vertieften Verständnis des Wesens des Christentums gegeben haben. Oft wurden sie als Ketzer von den bestehenden kirchlichen Institutionen gestempelt, aber ihre Impulse haben weitergelebt, so wie mit den Gedanken Joachim di Fioris über die drei Zeitalter der Menschheit: Zu Beginn stand die Menschheit unter dem Prinzip des Vaters, wo die Menschen noch wie Kinder waren, und wo die Gebote ihr leben steuerten. Das nächste Zeitalter stand unter dem Zeichen des Sohnes, das die Gnade war, und im Dritten würde Der Heilige Geist seine Liebe über die Menschen schenken. Diese drei Zeitalter bekamen auch ihr Ausdruck in den drei Zeitaltern oder Entwicklungsstadien des Christentums: Der Petrinische, der Paulische und der Johanneische Zeitalter. Petrus ist der Älteste der Jünger, aber sogleich derjenige, der seinen Gefühlen und der Spontaneität unterlegen ist. Für Paulus war das Erlebnis des Christus eine innere Erkenntnis, die sich in seinem Damaskuserlebnis ausdrückt. Gleichzeitig gabe es ihm einen Willensimpuls, der ihn zu großen Teilen des römischen Reiches brachte. Johannes war der Jünger, den der Herr liebte und derjenige der Jünger, der vorwärts zu einer neuen Offenbarungszeit hinzeigt. Es ist der Zeitalter der neuen Liebe - Der Johanneische Zeitalter.
Reichelt erfasste Das Johanneische Christentum als die eigentliche Grundlage der Arbeit seiner Mission. Es war „Logos“, das ewige Wort, welches der Vermittler der Schöpferplan Gottes war, sodass er wie in der Einleitung des Johannesevangeliums sagen konnte, „dass alle Dinge dank ihm geschaffen wurden“. Und dieses Leuchtende Wort zeugt dafür, dass Christus in seiner Stellung als „das Wort“ auch sei „das Wort, das im Dunkel strahlt“ für alle Völker, in allen Kulturen, in allen Religionen und zu allen Zeiten. Deshalb schließt sich Reichelt ganz der Anschauung des Justinus der Märtyrer an von „Logos Spermatikos“, das bedeutet, dass Christus in seinem Präexistenz sei der Samen hinter allen Religionen und Philosophien mit dem Unterton „das Dunkel empfing es nicht.“ Er weist darauf hin, dass das Wort „Logos“ vom damaligen religiösen Denken außerhalb des Christentums, vom System der Neuplatoniker geholt war. Er findet einen ähnlichen Ausdruck im chinesischen Begriff „Tao“ wieder, dass auch mit „dem Wort“, „die Weisheit“, „der Gesetz des Lebens“ oder „der Weg“ wiedergegeben werden kann. Deshalb ist auch „Tao“ als Übersetzung für „Logos“ in der chinesischen Bibel benutzt. Folglich sieht Reichelt, dass es auf chinesischem Boden ein genuiner christlicher Innhalt in die alten Begriffe hineingebracht worden ist. Die große allgemeine und tief allgemeinreligiöse Grundlage des Johannesevangeliums wird infolgedessen der Grundgedanke des Budddhistmissions; „- durch ein besonderer Missionsapparat den religiös vorbereiteten, den sich herantastenden Wahrheitssucher in China zu erreichen, und durch einen kundigen, taktvollen und vorsichtigen Gebrauch der vielen alten religiösen Berührungspunkte sie für den Reich Gottes anzufeuern.“ (6) Er fand im Johannesevangelium auch andere Gemeinsamkeiten zur Weisheitskultur des Ostens, so wie es z. B. in Joh. 1, 49-50 in der Begegnung Jesu mit Nathanael berichtet wird:
„Nathanael sagte ihm: Woher kennst du mich? Jesus antwortete und sagte zu ihm: Ehe Philippus dich anrief, sah ich dich unter dem Feigenbaum sitzend. Nathanael antwortete ihm: Rabbi! Du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.” Dazu gibt K. L. Reichelt den folgenden Kommentar: ”Auch Gotama Buddha hatte seinen großen Durchbruch unter dem Feigenbaum (der Bothibaum - Ficus Religiosa). - Kein Wunder, dass „das Sitzen unter dem Feigenbaum“ (hüpu ten süken) später ein Ausdruck in den Mysterienschulen für die Vorbereitung zu höherer Einweihung wurde, …“ (7)
Karl Ludvig Reichelt war darüber im Klaren, dass diese seine Haltung leicht als Religionsgemisch von einigen christlichen Kreisen verstanden werden konnten, und er führte diese Frage in folgender Weise aus: „ Ohne Zweifel ist Religionsmischung und falsche Kompromisse ein Gefahr in der Missionsarbeit, auf die man ständig aufpassen muss. Aber genau so sicher ist es eine große Gefahr das heilige Material nicht zu nützen, welches Christus durch sein Geist im Leben der Völker und in der historischen Entwicklung vorbereitet hat.“ (8)
Es war auch nicht viel besser, dass er in seiner Missionstätigkeit sowohl religiöse Symbole wie die Lotusblume als auch Meditationsstunden benutzte. Das Kreuz auf der Lotusblume war für ihn das heilige Symbol und der vereinigende Logo der Buddhistmission:
„Das Kreuz kennen wir alle, es ist das zentrale Signet nach Ihm, der unsere Sünde büßte, für uns starb und damit uns erlöste zu einem neuen Leben im heiligen Gemeinschaftsleiden der Liebe. Aber was bedeutet der Lotus? Der Lotus, die schöne Wasserlilie des Ostens, symbolisiert alles, was wahr, edel und gut im Ostasien ist. Der Gedanke ist dieser: Der Lotus wächst aus dem schmutzigen Boden auf, durch das unreine Wasser und dennoch breitet er eine Krone aus voller Liebreiz und Wohlduft auf der Oberfläche des Wassers. Unterdessen der Spross, der Keim, auf dem schwarzen Boden hinunterfällt, mischt er sich mit den unreinen Erdpartikeln, nehmen sie in sich auf und säubert sie so, dass die ganze Pflanze ins Licht hervorschießen kann, funkelnd klar und schön.“ (9)
K. L. Reichelt beschäftigte es einfach, dass man „Grieche unter Griechen“, „Jude unter Juden“ sein sollte, sodass die innere und äußere Ramme der Verkündigung, die Gebäude, die Symbole o. ä. davon geprägt sein sollten, wo man sich befand. Somit bedeutete auch der Weihrauch sehr viel für ihn. Es schien, als ob er ihn in Festtags- und Feierstimmung versetzte, sofort er in einem Raum kam, wo er Weihrauchduft merkte. Der Weihrauch war für ihn Symbol der Verbindung mit Gott, er war das Symbol der heiligen Gebete und des Opferrauchs, der vom neuen Opferplatz - das christliche Altar emporstieg.
In der Heimat hatte es anfangs der 1920er Jahre innerhalb der Norwegischen Missionsgesellschaft angefangen zu murren mit Fragen wie: „Ist es nicht für einen einsamen Missionar gewagt, den Kampf gegen die gewaltige Geistesmacht, welche der Buddhismus im Osten ist, aufzunehmen?“ „Ist es nicht einen Gefahr, dass es geschehen kann, wie es die nestorianischen Missionare gingen, die schließlich vom Buddhismus verschluckt wurden?“ Nach vielen Jahren mit teils heftigen Diskussionen wurde so die Buddhistmission von der norwegischen Missionsgesellschaft im Jahre 1926 losgelöst. Karl Ludvig Reichet begründete das Ausscheiden wie folgt:
„Was es ratsam gemacht hat, das Ausscheiden zu erwirken, ist vor allem der Umstand, dass die Buddhistmission nach seiner Idee und nach seinem inneren Wesen sowohl in der Arbeit daheim als auch auf dem Missionsgebiet in einer weitherzigen Art auftreten muss. Auf dem Missionsgebiet, wo wir ja in den eigenartigsten Kreisen und unter den eigenartigsten Verhältnissen das Reich Gottes zu verkünden haben, kommt dieser Weitherzigkeit zutage in der Art, dass wir vorbehaltlos und mit Freude anerkennen und benutzen alles, was es von Anknüpfungspunkten und von heiligem, religiösem Material geben, das in Harmonie mit dem Geist des Christentums ist, und, dass es deshalb in hohem Grad den tapsenden Wahrheitssucher Chinas zu einem persönlichen und wahren Ereignen des einzigartigen und absoluten Wahrheitsgehalt der Christenglaube verhelfen kann. Dazu kommt, dass wir es als unsere Aufgabe auch im Äußeren - im Kultus und in den Zeremonien - empfinden, der Eigenart Chinas ausnahmslos zu respektieren. Wir wollen gern unseren Beitrag leisten, sodass China das Christentum empfangen kann - nicht zuerst in abendländischer Tracht, aber als eine heimatliche, bodenständige Religion, in welcher der religiöse Charakter Chinas seine ganze und harmonische Entfaltung findet.“ (10)
Reichelt und die Anthroposophie
Mit einer solchen Einstellung zu den Symbolen anderer Kulturen und zu ihrem innersten Wesen ist es nicht wunderlich, dass er auch mit Menschen in Norwegen in Kontakt kam, die ebenfalls eine neue Art repräsentierten, den Menschen dem Christus begegnen zu lassen. Der Priester Michael Herzberg war ein solcher Mensch, und er wurde als sein Freund und Vertraute Vorsitzender der Buddhistmission im ganzen skandinavischen Norden bis seinem Tod im Jahre 1927. Dessen Sohn Johannes Herzberg erzählt die folgende Geschichte, in der er um 1920 eine Begegnung zwischen seinem Vater und dem „Missionar“ aus Ost-Asien erlebte:
„In den Sträuchern am Gartenpavillon war der Sechsjährige mit seinen Dingen beschäftigt, kletterte ab und zu dem Lattenwerk hinauf. Der Eine der Beiden drüben in den Stühlen, hager von Gestalt, bewegte Hand und Arm währenddessen er mit langsamen Worten sprach. Sein Partner, breit von Gestalt und mit seinem Hut breiter Krempe über den Knien, ließ seinen Eifer und die lauschende Haltung merken. Jener war der Vater des Jungen. Dieser war der ‚Missionar’ aus Ost-Asien. Vermutlich war es gerade diesmal, dass sie sich zum ersten Mal begegneten - aus Büchern, die jeder geschrieben hatten, - dass der Erste für den Anderen einen Haupthelfer wurde in der besonderen Arbeit, für die er brannte: Menschen da im Osten des Fernen durch eine neue Art zu helfen und einen bevorstehenden Basis dafür im Heimatland zu schaffen. Es entstand dann allmählich ‚Den christlichen Mission unter den Buddhisten Chinas und unter anderen Religionsrichtungen’. Eine Stiftungsversammlung fand in Capella Johannea in der Kirche der Priester statt, heute Majorstuen Kirche genannt.“ (11)
Es ist gleichzeitig etwas Symbolisches, dass diese Stiftungsversammlung in ‚Capella Johannea’ erfolgte, weil, wenn etwas für K. L. Reichelt als der Höhepunkt der christlichen Entwicklungsgeschichte bedeutete, dann war es der Johanneische Christentum. Oder wie er selbst in 1947 erklärt:
” Wir haben eine Zeit durchlebt, in der es schwierig war, für das Johanneische Christentum Gehör zu finden. Das hängt wohl auch mit dem Faktum zusammen, dass ganz besondere Strömungen sich im Geistesleben Geltung gemacht haben… Es merkt sich deswegen einen wohltuenden Drang, zurück zum starken und tiefen Tönen des Urchristentums kommen zu wollen.“ (12)
Für K. L. Reichelt war das Christentum nichts Statisches, es war Entwicklung und Vorwärtsbewegung. Der Logos des Johannesevangeliums war deswegen der wirkende Christus, der Christus, der zu allen Zeiten zu den Menschen gesprochen hatte ehe er selbst Mensch wurde und auf der Erde wandelte. Denn wie Reichelt einmal ausdrückte: ”Wir können nicht die Völker des Ostens einen Christus bringen, der sich nur über 2000 Jahre ausdehnt“. (13) Seine Ansicht vom kosmischen Christus veranlasste wohl viele sich dagegenzuhalten. Und auch als er für ein Verständnis des Reinkarnationsgedankens sich offen hielt. Nach dem 2. Weltkrieg als Reichelt noch mal in Norwegen war, wurde er eingeladen zu einem Studentenkreis, der mit Anthroposophie arbeitete. Johannes Herzberg erzählt das Folgende:
”Jetzt entstand ein Abend mit ziemlich der gleichen Teilnehmern und mit Karl Ludvig Reichelt als die attraktive Person… Stimmung und Erfahrung aus dem Osten lebten in unseren Räumlichkeiten. Eine Grundthematik erschien. Das Paulus-Motiv: Alle Schöpfung säuft nach der Erlösung der Menschenkinder. - Eine Frage mit einer kleinen Nuance skeptischer ‚Nierenuntersuchung’ wurde von anthroposophischer Seite auf die Bahn gebracht…: ‚Was macht ihr als christlichen Missionare mit dem Reinkarnationsgedanken, weist ihr ihn ab?’ ‚Wir entnehmen keinem seinen Gedanken, da kann er nur selbst gucken. Wir bringen positiv das Christentum. Sehr wohl muss man einsehen, dass in der Art wie der Reinkarnationsgedanke im Osten lebt, bringt er nicht das Gute, er schwächt die Moralintention’. Ich meinerseits musste an den Mönch denken, der zusammen mit dem Missionar gesprochen und geschwiegen, gesprochen und geschwiegen hatte und plötzlich gesagt hatte: ‚Ah, jetzt weiß ich, ich verstehe, wir haben uns vor 500 Jahren getroffen.’ Das hatte Reichelt direkt in die Versammlung erzählt (bei der Missionsommertagung in Fiskum in 1937). Meinte er es selbst auch? Das war wie eine offene Frage:“ (14)
Reichelts Umgang und Bekanntschaft mit Anthroposophen wurde wohl mit einiger Skepsis angesehen, und Gerüchte würden verbreitet, dass er letztlich einen „Pseudo-Anthroposophen“ war. Die Wahrheit war, dass er auf seinen Lebensweg in Kontakt kam mit Menschen, die selber Träger eines Geistimpulses waren, bei denen das Christentum nicht als etwas Statisches angesehen wurde, sondern als ein Impuls für alle Menschen für den Rest der Erdenzeit. Deshalb war es auch unumgänglich, dass er mit Repräsentanten des anthroposophischen Geistimpulses in Kontakt kam. Es durfte auch teilnehmen in einer „Menschenweihehandlung“, die von Christian Smit verrichtet wurde. Für Reichelt muss es ein tief greifendes Erlebnis gewesen sein, da er nach der Handlung sagte: „Es war ein wirklicher Gottesdienst, es war ein wahrer Priester“. Er hatte Steiners Behandlung der Evangelien und wahrscheinlich insbesondere des Johannesevangeliums studiert.
Beim Bauvorhaben des Tao Fong Shan leitete der dänische Ingenieur A. Hamre die Bauarbeit. Oft redeten er und Reichelt über Dinge, über die Reichelt nicht so gern mit Anderen redete. Nach einem solchen Gespräch kam eines Tages Reichelt mit einem Buch zu Hamre uns sagte: „Dies ist wohl etwas, was dich angehen kann“. Es war Rudolf Steiners Vorträge in Hamburg über das Johannesevangelium. „Geradeso wurde ich Anthroposoph“, (15) erzählte Hamre. Auch wenn Reichelt sich als Anthroposoph nicht hätte nennen wollen, fand er jedoch so viele Anknüpfungspunkte zur modernen Geisteswissenschaft, dass es für ihn ganz natürlich war, ein Foto von Steiner über dem Schreibtisch in Tao Fong Shan zu haben.
Reichels Impulse in unseren Tagen - Emmaus
Karl Ludvig Reichelt weilte während der Jahre vielmals in Norwegen, wo er ein geschätzter Vortragsredner war, aber nach einer Zeit ersehnte er sich nach dem „Berg“. Nach dem 2. Weltkrieg wurde aber seine Arbeit in China sehr schwierig wegen der Machtübernahme der Kommunisten. Nach einem Aufenthalt in Norwegen reiste er im Jahre 1951 zurück zu seinem lieben Tao Fong Shan. Die Reise und nachher ein Besuch im warmen und fruchtigen Bangkok zehrten auf seinen Kräften, sodass, als er in Hongkong ankam, war er ein gezeichneter Mann. Den Rest des Jahres 1951 wurde ein sehr arbeitsames Jahr für ihn, und trotz einer geschwächten Gesundheit führte er die Vorlesungen auf der Priesterschule fort, schrieb Aufsätze und revidierte seine Bücher auf Chinesisch. Aber am Anfang März 1952 bekam er eine Hirnblutung und am 13. März verließ Karl Ludvig Reichelt die irdische Arena, wo er als Pilgrim umher gewandert ist, um vom kosmischen Christus Zeuge zu sein. Reichelt war aber nicht nur einen christlichen Wandersmann, er war auch Mystiker, oder auf diese Weise mit seinem nahen Freund, der Missionspriester Sverre Holth, zu sagen:
„Soeben ist der liebe Karl Ludvig Reichelt nicht mehr unter uns […] Für ihn war es sicher nur wie in einem anderen Zimmer zu steigen. Wie sehr wenige in unserer Generation durfte er im lebendigen Leibe „hinter dem Vorhang“ gucken. Er war einer der wenigen echten Mystiker, der Norwegen erzogen hat. Sein ganzes Wesen war vom Kontakt mit der ewigen Welt geprägt. Aber er war auch „der Seher“ und der praktische Pionier, der wagte, neue Wege zu gehen, und obgleich es Kritik und Verketzerung bedeutete. Sein Name ist für immer in die Geschichte des Missions verzeichnet. Einer der größten Missionare Norwegens ist dahingegangen.“ (16)
Seine Arbeit setzte auf Tao Fong Shan fort und unter seinen Freunden und Bekannten in Norwegen. Anfang der 1990er Jahre wurde ein Dialogprojekt gestartet, genannt Emmaus, die in der „Paulusgemeinde“ in Oslo und in der „Christlichen Buddhistmission“ in Skandinavien ihr Ausgangspunkt hatte. Diese christliche Dialogarbeit zwischen Religionen und geistigen Strömungen in unserer Zeit ist eine direkte Fortsetzung der Bestrebungen von Reichelt. „Emmaus“ hat nicht nur als ihr Symbol Reichelts eigenes Markenzeichen gewählt: Das Kreuz auf dem Lotus, sie haben sich auch dafür entschieden, in Reichelts ökumenischen Fußspuren nachzugehen:
„Norwegen ist eine pluralistische Gesellschaft geworden, wo Einschläge von alten und neuen religiösen Motiven Seite um Seite leben, aber oft voneinander total abgesondert. Emmaus möchte Repräsentanten von alternativen religiösen Richtungen und von traditionellen Religionen zu ‚Dem Notwendigen Dialog’ sammeln […] - Wir wollen von der Religiosität und der Spiritualität des Anderen lernen, interreligiöse Verständnis und Respekt durch Treffen und durch Meditation unterstützen.“ (17)
Es sind in einigen norwegischen Städten Emmaus-Projekte eingerichtet, wo man Thema wie Meditation und Lebensstil, japanische Teezeremonie, Christus oder der Gott der Dreifaltigkeit u. ä. In Bergen ist einer der Leiter des Emmaus ein früherer Mitarbeiter von Karl Ludvig Reichelt: Ragnvald Hemstad, der auch zentral steht als Kursleiter für christliche Tiefmeditation. In dieser Weise lebt der Geist Karl Ludvig Reichelts weiter, wenn es darum geht, den Grundgedanken des Johanneischen Christentums zu verwirklichen: Christus ist das kosmische Wort, das sein Atem über alle Völker der Welt wehen lässt. Das Wort nahm im Dunkel eine Wohnung, damit das Dunkel zum Licht der Erkenntnis kommen kann.
Noten
1 Notto Normann Thelle: Karl Ludvig Reichelt. En kristen banebryter i Øst-Asia. Den nordiske kristne Buddhistmisjon. Oslo 1954.
2 Ebenda.
3 Ebenda.
4 K.L.Reichelt: Den kristne mission blandt Kinas buddhister. Oslo 1926.
5 K.L.Reichelt: Tao Fong Shan. Den kristne Buddhistmisjons Forlag 1930.
6 op.cit. Seite 21.
7 K.L.Reichelt: Fromhetstyper og helligdommer i Øst-Asia. Dreyers Forlag Oslo 1947. 1. Band, S. 79.
8 Ebenda. S. 26.
9 K.L.Reichelt: Guds kall til os i Buddhistmisjonen. Oslo 1926.
10 Ebenda. S. 15
11 J.Hertzberg: Notater om Reichelt I og II.
12 K.L.Reichelt: Fromhetstyper 1. S. 78.
13 K.L.Reichelt: Den kosmiske Kristus. Oslo 1931.
14 J.Hertzberg: Ebenda.
15 Ebenda.
16 N.N.Thelle: S. 100.
17 Emmaus i Bergen, Broschüre, Früjahr 1998
Nachwort | Jostein Sæther
Oddvar Granly und Arne Møller in der Redaktion der Zeitschrift Libra haben mich heute Erfreulicherweise die Erlaubnis gegeben, diesen Aufsatz auf Deutsch herausbringen. Die Website der Libra mit vielen interessanten Aufsätzen in norwegischer Sprache von bekannten Anthroposophen ist wie folgt: http://libra.antropos.no/
Heute wird Tao Fong Shan von einer Stiftung betrieben, die den Namen Areopagos trägt. Areopagos gehört der skandinavischen Buddhist-Mission, der auf Englisch Christian Mission to Buddhists (CMB) genannt wird. Areopagos fokussiert noch auf die Menschen in China durch Dialog, Studien der Religionen, Spiritualität und soziale Arbeit. Areopagos hat Partners und Filiale, die in Taiwan, Japan, Thailand und Skandinavien arbeiten. Das Hauptbüro befindet sich in Oslo. Die Gebäude in Tao Fong Shan wurden jüngst komplett renoviert und die Betreiber nehmen deswegen gerne Besucher von fern und nahe an wie Einzelnen och Gruppen, die etwa mit kirchlicher Arbeit vertraut sind. Die schöne und ruhige Umgebung mit grüner Natur um Tao Fong Shan fern vom der Gemenge des Städtelebens mit nur einigen Minuten Autofahrt zu Tai Wai und Shatin Station ist ideal für Studien und Retreat. Ihre schöne Internetseite auf Englisch lautet: http://www.tfssu.org/
Außerdem kannst du in Wikipedia etwas darüber finden:
http://de.wikipedia.org/wiki/Taofong_Shan

Marius Wahl-Gran,
Ohne Titel.
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Der Amah-Felsen bei Tao Fong Shan
Foto: Chong Fat
Die Hauptkirche
in Tao Fong Shan
Foto: Chong Fat
Eine Glocke
in Tao Fong Shan
Foto: Chong Fat
Umschlag des lieferbaren englischen Ausgabe des Klassikers von Karl Ludvig Reichelt:
Meditation und Pietät im fernen Osten
Karl Ludvig Reichelt und die norwegische Fane