Dynamische Meditation
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Jostein Sæther | Dynamisache Meditation
In vielen Ereignissen ist man allein gewesen. Jetzt können unterschiedliche solcher Situationen aus dem Gedächtnis in ähnlicher Weise wie in der vorherigen Übung miteinander ins Gespräch kommen. Für eine nächste Übung stellst du dir ein solches Ereignis vor, in der du für dich gearbeitet hast oder in der du beschäftigt mit irgendeiner Tätigkeit alleine warst. Dabei sind alle Umstände zu betrachten; besonders ist zu beachten, wie du dich damals selber eingeschätzt und als Mensch im Leben verstanden hast. Dein eigener Charakter und dein Temperament sollen erinnert werden.
Die heilsamen Orte
Nun gehst du zusätzlich zu einer weiteren Situation, in der du an einem anderen Ort und in einer bestimmten Landschaft gleichfalls abgeschieden warst. Jetzt muss der Ort nicht ein solcher sein, der mit der Kindheit zu tun hat; das ginge zwar auch, aber jetzt soll die positive Wirkung der Naturzusammenhänge eine Stimmung bewirken, mit der du in die erste Erinnerung zurückgehst. Wenn du dir aus der Erinnerung eine Landschaft vorstellend denkst, die du sehr liebst, werden die Einzelheiten und Schönheiten in ihren Formen und Farben, die Blumen und Bäume, die Aussicht, der Horizont, Gewässer und Meer, Wetterlagen und Jahreszeiten lebendig, plastisch und malerisch in der Seele wieder aufgerufen.
Durch diese Übung wirst du entdecken, dass nicht nur Naturerlebnisse, wie du sie früher gehabt hast, zu deiner Charakterbildung beigetragen haben, sondern du wirst lernen, dass ein heilendes Element der Orte aus der Erinnerung hervorgerufen werden kann, um dich zu veranlassen, jetzt dich zu veredeln und zu stählen. Durch Biografiearbeit entdeckst du deine Unzulänglichkeiten und Befangenheiten. Sie können durch diese „inneren“ Orte jetzt noch bearbeitet werden, als würdest du psychische Urbarmachung durch die belebenden Kräfte der Schöpfung selbst betreiben. Das Prinzip der Dynamik, das sich Bewegen von einer Situation zur zweiten, zur dritten usw. und eventuell wieder zurück zur ersten, wird uns in vielen Übungen begleiten. Ja, du wirst entdecken, dass das Dynamische, das Kontaktfähige und das Mobile eine kühne Entschlossenheit erwecken. Anstelle von Bildmeditation können wir ebenfalls von dynamischer Meditation sprechen.
Räume der Ruhe
Du kannst dir weitere Lebensumstände erinnern, die dramatisch, turbulent und sogar chaotisch waren. Du nimmst eine Begebenheit, die zu einer großen Veränderung im Leben führte, die z.B. eine Trennung vom Partner oder dem Wohnort bewirkte. Für die zweite Situation in dieser dynamischen Meditation soll ein Zeitpunkt ausgesucht werden, in dem du in einem Raum weiltest, wo Stille, Ruhe und Harmonie herrschten. Du warst dort entweder allein oder mit anderen Menschen zusammen, um etwa an einer Feier mitzuwirken. Es geht hier zunächst nicht um das soziale Geschehen oder die eigene Haltung in diesem Raum, sondern um die rein objektiven Qualitäten der architektonischen und künstlerischen Umgebung, in der du die Ruhe empfandest. Mit dieser Stimmung gehst du nun zurück zur Turbulenz. Wie wird sie jetzt erlebt? Was für Merkmale hat ein solcher Lebenswirbel, wenn du bei der Betrachtung aus der inneren Regungslosigkeit noch einmal dahin schaust?
Eine Fortführung dieser Übung besteht darin, dass du da, wo es im Leben Bewegung und Geräusche gibt, dir um dich herum einen solch konkreten Raum der Ruhe unsichtbar errichtest. Eine übersinnliche Markise, die nichts kostet als eigene individuelle Seelenkraft, entsteht dadurch, so dass man sich vor vielen ungewünschten Einflüssen unserer Zeit direkt beschirmen kann. Jemand könnte möglicherweise die Befürchtung hegen, dass solche Übungen nur Illusionen hervorrufen oder in Selbsttäuschung und Wunschvorstellungen führen. Wenn du aber weißt, warum du so übst und du den Zweckcharakter vor Augen hast, besteht keine Gefahr, dass du dir unsinnige und lebensfremde Gaukeleien einredest.
Momente der Bewegung
Ferner kannst du Momente der Bewegung, der Dramatik und des Antriebs benutzen, um ruhige, friedvolle, phlegmatische oder sogar apathische Zustände des Lebens zu untersuchen. Manchmal hat man vielleicht Zeiten nicht ausnutzen können, sei es im Stau auf der Autobahn, in einer Schlange beim Einkaufen oder im Bett liegend während einer Krankheit, so dass man aus der äußeren Fadheit nicht zu innerer Aktivität gekommen ist. Dagegen gibt es Momente der höchsten Aufregung, als man ganz außer sich war und aus den üblichen Abläufen heraus gerissen wurde. Wende nun deine Aufmerksamkeit dahin, wie aus der inneren Dynamik der Zusammenfügung dieser gegensätzlichen Erinnerungen sich etwas heraus löst, das wir benennen könnten als der Bildcharakter des Menschen.
Was ich oben in den Begriffspaaren Bewegung und Ursprung, Gefühl und Standort, Charakter und Richtung beschrieben habe, bildet sich sozusagen vor dem inneren Blick als der andere Mensch, von dem die Rede war. Es ist eine Gestalt, die immer neu entsteht, die ihre „Farben“ und „Gebärden“ und ihre „Gestik“ wechselt und die das Zeitliche zum Bild macht oder den Raum in Zeitmomente „auflöst“ und in eine Bewegungsdynamik bringt. Das, was der Film durch Mechanik reproduziert, schaut der Übende in seiner Seele als lebendiges Bild- und Gestaltgeschehen. In der Übung bist du selber gleichzeitig Regisseur, Requisiteur, Fotograf, Schauspieler und Stuntman, und du lernst zwischen diesen Arbeitsgebieten in seiner Seele zu unterscheiden.
Nicht nur heilsame Orte, ruhige Räume und bewegliche Bewegung können in der Meditation die Aufgabe des Verwandlung bringenden Mediums erfüllen oder im Seelischen die Rolle des chemischen Katalysators übernehmen, sondern viele andere Komponenten können bewirken, dass wir in der Meditation die Tendenz des Steckenbleibens, des Stillstehens im Nichts oder die der Übereiltheit überwindet. Objekte aus der Natur, aus der Kunst, ein Menschengesicht usw., die nicht direkt mit einem zur Erforschung stehenden biografischen Thema zu tun haben, können uns helfen, Kraft, Farbe und Licht zu spenden, die uns in die Objektivierung des Subjektiven führen.
Berit Frøseth hat eine solide künstlerische ausbildung in malerei, radierung, lithographie und graphische gestaltung von SHKS (Staatliche kunsthochschule) in Oslo, von Emerson College, Forest Row (GB) und von Rudolf Steinerseminar, Järna (SE). Zusätzlich hat sie noch deutsch studiert. Wir lernten uns im künstlermilieu in Järna kennen, wo künstler, junge und alte, mit verschiedener herkunft sich austauschten und neue wege für die eigene künstlerische arbeit suchten. Berit schreibt über kunst und engagiert sich für die situation der künstler in Skandinavien, die von der anthroposophie inspiriert sind. In ihren bildern sehe ich eine starke sensibilität für natur- und lichtzusammenhänge, die schöne stimmungen schaffen und neue objekte auf der fläche offenbaren.
Künstlerporträt: Berit Frøseth
Ich suche wohl den expressiv-persönlichen Ausdruck anstelle des Forscherischen, Experimentellen. Die Inspirationsquelle ist oft die Wechsel der Jahreszeiten, die Verwandtschaft des Menschen mit der Natur und religiöse Motive, als Ausdruck allgemeinmenschliche Ereignisse.
Berit Frøseth
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Berit Frøseth,
Motiv von Ekhagen
Berit Frøseth, Morgen
Berit Frøseth, Horisont 2
Berit Frøseth,
Nacht in Ekhagen
Gamamila
17. Februar 2008
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