Gamamila

2008/06/02

Lapislazuli

Auf meine Poesieseite habe ich einpaar Gedichte in Deutsch veröffentlicht. Meistens schreibe ich aber Poesie in Norwegisch, früher auch in Schwedisch. Hier ist nun ein Versuch, das Geheimnis der Begegnung stammelnd festzuhalten und mit dem „Teuersten“ der Erde zu verbinden – mit demjenigen, wo Kulturerbe für immer verschollen ist und mit dem, was im Gestein immer neu entstehen könnte, wenn unsere Herzen nicht nur von Gier und Macht eingegossen sind:

Lapislazuli

Ich gebe dir einen blauen Stein
aus Afghanistan - einen Lapislazuli
für dein Vertrauen

Weil du dich traust
mich zu begleiten
in den Schatten der Abneigungen
gebe ich dir den Stein der Weisen –
mein Leib als Nahrung
deiner wundersamen Seele

Ein Stein der Geborgenheit
des verlangsamten Spiels
der kostbaren Berührungen
der Geduldsamen Hinwendungen
des großherzigen Mitgefühls
des heilsamen Verzeihens

Ein Stein
der Dämmerung
der Dankbarkeit
der Ruhe
der Meditation

Ein Stein des Beischlafs
ein Stein der Tränen
ein Stein des Gesprächs

Ein Stein
des Regens
des Himmelsblaus
des Meeresgrundes
der glücklichen Neigung
zu unterirdischen Gewässern –
ein Stein für die Quellen des Lichts
in der unverhüllten Materie

Nach Afghanistan gehen wir unsichtbar
zu den Steinmetzen der Weisen

Die trauernden Seelen
wollen Wüsten betreten
Steine bewohnen –
Grausteine der Verschmutzung
sodass Lapislazuli
jenseits den zersprengten Buddhas
fortwährend steinern werde


Das Bild, das früher hier war, musste auf Wunsch des Künstlers entfernt werden.