Ich-Kunst und Karmaforschung
Ein aktueller Aufsatz aus dem Jahr 1994 Zwischen 1979-94 schrieb ich eine Reihe von Aufsätzen und anderen Beiträgen in der inzwischen eingegangenen schwedischen Zeitschrift Antropos. Redaktorin seit 1975 bis ihrem Tod 2001 im Alter von etwa 90 Jahren war die Anthroposophin, Gefängnisdozentin und Publizistin Ingrid Sahlberg gewesen. Die damalige Monatszeitschrift war gegründet worden in den 50er Jahren als Organ der schwedischen anthroposophischen Landesgesellschaft. Von 1980 bis 1988 war ich Mitglied der Redaktion und pflegte auch einige Jahre die Aufgabe des Layouts und des Versands. Dabei wirkte der Künstler und Autor und spätere Masseur Didrik Wachenfeldt entscheidend mit. Der folgende Aufsatz erschien etwa ein Jahr vor meiner gedanklich-intuitiven Entdeckung meiner früheren Inkarnation im 12. Jahrhundert und zwei Jahre vor meinem im Wandeln unter unsichtbaren Menschen beschriebenen geistigen Durchbruch. Bei einem Besuch in Järna jüngst habe ich unter den dort aufbewahrten Skizzen, Notizen, Büchern und Zeitschriften vieles ausgemistet. Unter dem behaltenen Material befindet sich dieser wieder entdeckte Aufsatz, der mir mein damaliges spirituelles Engagement am Ende des 20. Jahrhunderts erneut vor dem inneren Auge stellte. Viele der einstigen Gedanken scheinen mir in diesen 14 Jahren nicht weniger aktuell geworden zu sein, weshalb ich eine deutsche Übertragung gemacht habe. Der jetzige Schritt dazu scheint gegen der damaligen Intention zu stoßen. Nichtsdestotrotz müsste einen neuen dritten Aufsatz zu diesen weiterhin hochaktuellen Fragen sich an den inzwischen stattgefundenen historischen und geistigen Veränderungen und an eventuellen Leserzuschriften orientieren.
„Es ist eine Frage an mich gekommen, ob ich erneut einen Aufsatz publizieren möchte, der vor zehn Jahren geschrieben ist. Er behandelte Schritte in einem Lebensprozess, um sich mit dem zu verbinden, was wir Anthroposophie nennen, und was es existenziell bedeutet, die anthroposophische Sache zu repräsentieren. Dieser Aufsatz nochmals zu publizieren würde gegen seinem Absicht wirken, auch wenn das Inhalt weiterhin volle Aktualität hat. Der folgende Text ist ein Versuch, dieselben Fragen aus einer aktuellen Situation zu stellen. Der Ausgangspunkt ist eine Beschreibung eines individuellen, allgemeinen Erlebnisses des Ich verbunden mit dem Interessefeld für die Umwelt, und wie diese Beschreibung einen Anfang sein kann für Karmaforschung in Verhältnis zur Gegenwart und zur Geschichte. Meine These ist, dass eine solche Forschung künftig die einzige sichere Stütze sein wird für eine sinngemäße Urteilsbildung an der anthroposophischen Entwicklung. Die Darstellung ist wegen dem Charakter des Themas teils fragmentarisch, teils bildhaft und deswegen fehlt eine thematische Kontinuität…“ [weiter]
Abgelegt in Chronik
Labels: Christian Høgsberg, Geschichte, Joseph Beuys, Karin Ruths-Hoffmann, Karma, Rut Nilsson


6 Kommentare:
Lieber Jostein Saether,
Vielen Dank für diesen mutigen Aufsatz aus 1984/1994 (und nicht zumindest die schöne Illustrationen)! Vor allem das Ansprechen der Selbsterkenntnis und den historischen Teil gefällen mich sehr (ich möchte das letzte heute auf meinem Blog erwähnen und zitieren). Aber das von Ihnen im Anhang sehr freimütige Zuweisen von Reinkarnationen (dieses Wort ist ernst gemeint, nicht ironisch; ich weiss aber nicht wie man das auf Deutsch gut ausdrückt) geht mich zu schnell; ich kann das weder bestätigen noch verneinen. Wie muss ich damit leben?
Karma und Reinkarnation haben auch mein grössten Interesse; es ist auch klar das die karmische Erkenntnissen immer auch unmittelbar mit der eigenen Biographie zu tun haben, wie Steiner ausführt. Aber ist dasjenige was für Sie gilt, auch für mich geltend? Das habe ich mich schon gefragt beim Lesen Ihrer ‘Wandeln unter unsichtbaren Menschen’. Ihr neuesten, von Michael Eggert angepriesenen Buch habe ich leider noch nicht bekommen. Das werde ich demnächst kaufen.
Allerdings möchte ich in diesem Rahmen noch hinweisen auf das Buch von Alfred G. Kon (2004 erschienen beim Ch. Möllmann Verlag), ‘Gründerschicksale der Heilpädagogik – Albrecht Strohschein und sein Lebensumkreis’. Und über das von Ihnen erwähnte, und in die deutsche Sprache zurückübersetzte Hinausschicken eines Lehrlings durch Alanus ab Insulis, ist bei Rudolf Steiner zu lesen in seiner Vorträge am 1. Juli und 12. September in Dornach (resp. GA 237 und 238) , und am 21. August in Torquay (GA 240).
Herzlichen Gruss aus Rotterdam,
Michel Gastkemper
Von
Michel Gastkemper, Am/um
30. August 2008 13:20
Lieber Michael Gastkemper,
Danke für Ihren Kommentar. Ja, ich fand den Aufsatz jetzt wichtig auf dem Hintergrund anderer Diskussionen zur Ich-Frage. Die Bilder fand ich im Internet, sie sind aber frei zugänglich ohne Copyright. Die Zuweisung von Reinkarnationen oder die direkte Verbindung von Menschen aus unserer Zeit (die aber alle Verstorben sind) mit historisch bekannten Persönlichkeiten, steht alles selbstverständlich für meine Rechnung. Da brauchen Sie nicht Stellung nehmen, entweder sie zu bestätigen oder sie zu verneinen. Sie können diese Hinweise einfach stehen lassen, und gegebenenfalls gucken, wie sie dann im Laufe der Zeit weiter wirken.
„Aber ist dasjenige was für Sie gilt, auch für mich geltend?“ Können Sie diese Frage noch etwas ausführen?
Es ist immer wieder ein Versuch von mir, solche Hinweise zu geben. Das machte ich ja auch im ersten Buch, und zuerst wenn man mich persönlich kennt und auch die Menschen, von denen ich rede, irgendwie einordnen kann, macht es vielleicht Sinn, sich mit diesen Hinweisen direkt zu befassen. Mit dem Zusammenhang zwischen Joseph Beuys und Dschingis Khan steht es vielleicht etwas anders. Das Meditieren über Beuys Unfall auf Krim, wo er von Krimtataren gepflegt wurde, kann schon karmische Hinweise in dieser Richtung geben.
Das Buch von Alfred G. Kon kenne ich, zudem ich es von ihm direkt bekommen habe.
Danke übrigens für die GA-Hinweise! Ich hätte sie sicher mit der Zeit gefunden, aber ich fand es nun jetzt nicht wichtig genug, um nachzusuchen. Ich werde sie im Aufsatz dazusetzen.
Von
Jostein, Am/um
30. August 2008 19:43
Lieber Jostein Saether,
Danke für Ihre schnelle und ausführliche Reaktion! Ich werde versuchen noch etwas auszuführen was ich meine. Aber es ist etwas schwieriges, darüber gut zu reden oder zu schreiben.
Lass mich das erst umkreisen. Wenn Rudolf Steiner seine konkrete Karmaforschungen am Ende seines Lebens endlich bekanntmachte, gab das natürlich Schwierigkeiten. Für mich, als Nachgeborene, der das nur lesen kann und Zeit hat solche Dinge ze verdauen, ist es ganz anders als in seiner Zeit. Nämlich ohne das darauf irgendwelchen Druck augseübt wird, ich bin frei, habe keine Aussenstehender die diesbezüglich etwas von mir wollen, auch keine Zeitdruck um etwas anzunehmen oder zurückzuweisen. Aber trotzdem ist es eine Herausforderung eine Reinkarnationserkenntnis zu hören (oder zu lesen) zu bekommen. Es sprengt immer den Rahmen, man muss seinem Weltbild erneueren, um es einzupassen zu können. Das war Steiner natürlich wohlbewusst, er sagt auch ausdrücklich dass das so ist. Und die Rechtfertigung liefert er dabei: nach seinem langen öffentlichen Leben, worin jeder ihm kennenlernen hat können (und einige Gründen mehr), darf er das jetzt machen. Er bürgt selbst für die Richtigkeit seiner Aussagen. Er sagt, sie sind objektiv. Es ist an mir, sie anzunehmen oder nicht.
Seine Karmaforschungen stellt er immer dar mit Wesensbeschreibungen von mehr oder weniger bekannten historischen Persönlichkeiten. Erst das heutige Leben, dann seiner Suche nach die Metamorphose des Karmas von dem einen Leben zu dem anderen. Sie kennen natürlich auch das Buch von Marianne Carolus über Reinkarnationtherapie, ‘Wie Schicksal spricht’. Das ist auch ein Versuch das Karma zu verstehen. Aber was mir da am meisten auffällt, ist als ob zwischen zwei Leben keine Metamorphose des Karmas stattfindet, nur unmittelbare Kontinuität in fast gleiche Verhältnisse. Das macht es schwer für mich als Leser mitzukommen. Ich möchte natürlich nicht bestreiten, dass es in eine therapeutische Situation nicht für Menschen von grosse Bedeutung sein kann. Aber ist es auch für mich von Bedeutung, frage ich mich ab.
Und jetzt kommen Sie, und geben nur kurz einige Angaben über Reinkarnationen von Ihnen bekannte Persönlichkeiten. Ich kenne diese Menschen nicht, bekomme auch keine Möglichkeit diese Angaben zu beurteilen. Aber das Urteil ist abgegeben. Ich muss es vergessen können, um einen eigene Begegnung mit diesen Menschen haben zu können. Das gilt auch als sie schon verstorben sind. Warum geben Sie diese Angaben, wie muss ich das verstehen? Ich denke, dass Sie Ihre Erkenntisse teilen möchten, vielleicht um sie zu vertiefen, und auch um andere Menschen auf dem Wege zum Karmaerkenntnis zu helfen. Ist es aber auf diese Weise der richtige Weg? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Hoffentlich verstehen Sie jetzt warum.
Ich bin gleich wie Sie die Überzeugung zugetan, dass man mit Karmaerkenntnisse arbeiten muss. Aber wie man das das Beste tun kann, dass ist für mich noch immer eine Frage. Vielleicht können wir darüber mehr austauschen.
Mit herzlichem Gruss,
Michel Gastkemper
Von
Michel Gastkemper, Am/um
30. August 2008 21:25
Lieber Jostein, lieber Michel! Nach einem interessanten, teilweise aphoristischem Text, der plötzlich historische Wendungen erlebt, kann ich den plötzlichen Schluss ebenfalls nicht nachvollziehen. Die karmischen Zuschreibungen z.B. von Beuys kann ich weder aus dem Text noch von meinem inneren Empfinden her nachvollziehen.
Herzlich
Michael
Von
mick321, Am/um
30. August 2008 21:52
Lieber Michel Gastkemper,
Danke auch für die Umkreisungen, die schon deutlich beleuchte, um was es bei Ihnen geht, und, dass es selbstverständlich um ein „schwieriges“ Gebiet handelt. Sie haben Recht, dass Steiner zuerst am Ende seines Lebens die karmischen Zusammenhänge zu konkreten Persönlichkeiten gab. Dann hatte er quasi nichts mehr zu verlieren.
Nach meinem Wissen, hat er aber schon mit dem Karmathema um 1902 angefangen; die theosophisch eingestellten Zuhörer wollten aber seine praktischen Karmaübungen nicht angehen. So ließ er die Aufgabe einige Jahre warten. Mit den Mysteriendramen kam sein nächster starker Schub in diese Richtung. Auch dann kam er nicht „durch“, und der erste Weltkrieg kam dazwischen und machte viel kaputt. Dann nach der Weihnachtstagung konnte er endlich loslegen. Bedenke einmal, dass der amerikanische Präsident Woodrow Wilson in demselben Jahr gestorben war († 3. Februar 1924), als Steiner sein Karma enthüllte! Nicht öffentlich, aber immerhin für viele Hunderte Mitglieder die in aller Welt gingen und nicht immer Schweigpflicht übten.
Und was soll diese direkte Hinweise? Wenn sie ohne ausführliche biographische Beschreibungen gegeben werden? Es kann ja zunächst nur so sein, dass ich ein möglicher Garant bin zu diesen Aussagen, die ich mache, und, dass die Möglichkeit besteht, biographische Hintergründe zu diesen Personen durch mich zu bekommen. Mit der Zeit habe ich auch vor, mehr ausführliche Dinge zu schreiben, um bestimmte Zusammenhänge zwischen z. B. des 12. Jahrhundert und heute zu geben, da ich den Standpunkt vertrete, dass die Voraussagen, die Steiner meistens 1924 machte, teilweise eingetreten sind und teilweise noch im Gange sind.
Meine Hoffnung bei solchen Hinweisen, entweder sie in internen Gesprächen und Veranstaltungen oder öffentlich gegeben wurden und werden, ist, dass anthroposophisch Gesinnte sie aufnehmen und in ihre Suche integrieren können/könnten. Leider scheiterte mein Versuch um die Jahrhundertwende innerhalb des Anthroposophischen, um ein offenes Forum für diese Forschung zu finden oder dazu mitzuwirken. Damals erlebte ich, dass die geistige Welt z. B. mit vielen Verstorbenen, mit denen ich in Kontakt stand, hinter diesem Versuch massiv unterstützend stand. Trotzdem fühlte ich mich in jedem Moment frei, das zu tun, sagen und schreiben, was ich für richtig hielt.
Heute erlebe ich es als mein Recht, diese Dinge, nach und nach in die allgemeine Kultur hineinfliesen zu lassen. Damals ging es halt um die sogenannte Kulmination der Anthroposophie, die vorwiegend den Anthroposophen selbst anging. Heute ist die Situation in der Welt total anders. Die Aufgaben sind teils anders, aber die Erkenntnisse, die schon vorliegen, dürfen mitgeteilt werden. Gewiss ist es immer die Aufgabe, zu gucken, dass solche Inhalte eine richtige Form, vielleicht auch das richtige Forum kriegen.
„…ob zwischen zwei Leben keine Metamorphose des Karmas stattfindet, nur unmittelbare Kontinuität in fast gleiche Verhältnisse.“ Da habe ich sehr viel Erfahrung mit Hunderten von Menschen, wo wunderbare Metamorphosen zwischen den Inkarnationen stattgefunden haben. (Also ganz anders, als bei vielen Reinkarnationstherapeuten.) Wenn meine Klienten es wollen, und Zeit dafür benutzt wird, versuche ich mit ihnen so viele Leben wie möglich aufzuarbeiten. Zuerst dann sehen wir, wie verwoben die Beziehungen sind und in welchen verschiedenen Kulturen gelebt, gelitten und geerntet wurde. Und es ist dann nicht mehr erstaunlich, dass wir auch auf frühere historische Begebenheiten stoßen.
Aufrichtig
Jostein Sæther
Von
Jostein, Am/um
30. August 2008 22:12
Lieber Michael,
danke für dein Empfinden. Ich nehme es bestens und wohlwollend auf, was du andeutest. Wir werden noch zu diesen Zuschreibungen zurückkommen. Die Zeit darf auch da an diesen Dingen mitarbeiten. Da habe ich ja nur ein kleines Knopfloch zu meinem Inneren geöffnet.
Von
Jostein, Am/um
30. August 2008 22:20
Kommentar veröffentlichen
<< Startseite