Gamamila

2008/08/11

Sigbjørn Obstfelder:


ICH SEHE

Ich sehe den weißen Himmel an,
ich sehe die graublauen Wolken an,
ich sehe die blutige Sonne an. 
Dies ist also die Welt.
Dies ist also die Heimat der Weltkörper  

Ein Regentropfen!

Ich sehe die hohen Häuser an,
ich sehe die tausenden Fenster an,
ich sehe die fernen Kirchentürme an.

Dies ist also die Erde.
Dies ist also die Heimat der Menschen.

Die graublauen Wolken sammeln sich. Die Sonne verschwand.

Ich sehe die gewandten Männer an,
ich sehe die lächelnden Frauen an,
ich sehe die sich niederbeugenden Pferde an.

Wie schwer die graublauen Wolken werden.

Ich sehe, ich sehe...
Ich bin wohl auf einer falschen Erde gekommen!

Hier ist so seltsam…

Es gibt viele Poeten, deren Gedichte und Texte ich liebe. Einen von ihnen heißt Sigbjørn Obstfelder (1866-1900). Er wird als einer der ersten norwegischen modernistischen Dichter gerechnet. In deutscher Übersetzung habe ich nichts von ihm gefunden. Deswegen dieser Übersetzungsversuch von mir, da seine Worte noch für viele Menschen stimmig sind oder noch zu bestimmten Zeiten adäquat sein könnten - wie, wenn ein Krieg wieder loslärmt. Ein Text der norwegischen Wikipedia zu ihm ist hier zu finden und dort dasselbe in Englisch. Auf Deutsch fand ich leider nichts.

Labels:

3 Kommentare:

  • lieber Jostein,
    ein sehr schönes Gedicht! Danke!

    Grade hab ich Deinen Kommentar wegen der Zwerge gelesen.

    Bevor der Ärger mit meinen Nachbarn begann, hatte ich so ein inneres Bild, daß die Flügel der Eingangstür meiner Wohnung, wie durch den Druck der Luft geöffnet werden; zu der Zeit attackierten Schwäne den Hund beim Schwimmen, und beim Gassigehen attackierten uns eines Sonntagmorgens drei Raben, ich dachte natürlich, weil sie Junge schützen wollten. Oder waren das die genii loci - was meinst Du? Ich habe eine unheilvolle Neigung, an Orten, die ich eigentlich gar nicht mag "durchzuhalten".

    Liesel

    Von Blogger Foersterliesel, Am/um 12. August 2008 20:27  

  • Danke auch! Beim ersten Überlegen ist es nicht leicht, zu wissen, was die Ursache solcher Ereignisse mit Tieren sein können. Immer sind da auch geistige Wesen am Spiel, die vielleicht nicht direkt zu den Tieren gehören, weil die Tiere wie ausser Kontrolle geraten sind. Du kannst dich einfach hinsetzen, drinnen oder draussen, dich von Deinem Schutzengel gehütet erleben, und das Vorgefallene innerlich rekapitulieren, erfragend welchem Sinn das Geschehen hatte. Irgendwie wirst Du unmittelbar eine Antwort kriegen oder nachher durch einen Hinweis, z. B. durch das agieren Deines Hundes, der eventeull etwas "findet", was einen Aufschluss gibt, oder ihr trifft jemand, der etwas sagt, das damit zu tun hat. Du siehst, mit dem Bewusstsein können wir dasjenige verfolgen, was hinter den sinnlichen Kulissen vor sich geht. Warum du solche schwierige Orte aufsuchst und der Krach mit den Nachbarn haben selbstverständnlich karmische Hintergründe, die auch untersucht werden können.

    Von Blogger Jostein, Am/um 12. August 2008 21:41  

  • lieber Jostein, danke!

    Von Blogger Foersterliesel, Am/um 13. August 2008 18:33  

Kommentar veröffentlichen



<< Startseite