Gamamila

2008/08/10

„Was nützt der Menschheit ein Sieg in Olympia?“

’Griechenland kennt viele Übel, am schlimmsten aber ist das Volk der Athleten!’ Diesen zornigen Ausspruch hat der Dramatiker Euripides im späten 5. Jh. v. Chr. in seinem Theaterstück Autolykos einem Schauspieler in den Mund gelegt. Euripides verhöhnt die Athleten als Diener ihrer Kauwerkzeuge und Sklaven ihrer Mägen. Er spielt damit auf die muskelbildende Kraftnahrung der Sportler an. Doch der Dichter hat nicht allein die Athleten im Visier. Hart geht er mit den Volksmassen ins Gericht, die auf diese Scharlatane hereinfallen: Die Bürger in den griechischen Städten sollten lieber da für sorgen, daß sie von weisen Staatsmännern regiert würden, als regelmäßig in Scharen nach Olympia zu pilgern, nur um dort einige Männer zu bejubeln, deren Lebenselexier die Freßsucht sei. Ein besonders kräftiger Hieb trifft die Politiker, die all dies aus purem Populismus zuließen und deshalb die Verantwortung dafür trügen, daß die Pflege der wahren Tugenden verloren gehe. Und so gipfelt die im 5. Jh. v. Chr. formulierte Schelte in der Forderung, die Olympischen Wettkämpfe abzuschaffen!

Auch der im 4. Jh. v. Chr. wirkende Philosoph Diogenes sann über das Treiben in den Sportstätten Olympias nach. Als Vertreter der kynischen Philosophie machte er einen äußerst bissigen Vorschlag zur Neugestaltung Olympias. Er ging von einem Wortspiel aus: Der Sportler werde mit dem Substantiv athlätäs bezeichnet - unüberhörbar ergebe sich daraus ein Zusammenhang mit dem Adjektiv athlios, was soviel wie ‚elend, kümmerlich, auf den Hund gekommen‘ bedeute. Die Logik der Sprache gebiete es - so die provozierende Schlußfolgerung des Diogenes -‚ in Olympia Tiere zum Wettkampf antreten zu lassen.“

Aus: Ulrich Sinn, Olympia. Kult, Sport und Fest in der Antike. Verlag C. H. Beck, München 1996.

Illustration: Der Wagenlenker in Delphi. Kommentar: Entsprechend meinen meditativen Forschungen stand ein Athlet namens Agamon Modell für diese weltberühmte Bronzeskulptur. Die Leser meiner Bücher werden wissen, wie sie seine Identität in der Gegenwart näher einordnen.

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2 Kommentare:

  • Danke für die schöne Skulptur Agamon!
    Ich denke das Interesse für eine bestimmte Person kommt daher, dass man diese Person kannte, schon bevor sie eine (bei mir selbst) wenig beliebte Tätigkeit ausübte. Und auch davor schon, als es eher eine Bekanntschaft aus weiter Ferne war.
    Wie es um die Olympics heute steht, wissen wir :-)
    Diogenes ist schon recht streng, aber er hat schon recht wenn er nicht alles mitmacht, und seine Zeit für Sinnvolles spart.

    Von Blogger Annette, Am/um 13. August 2008 00:04  

  • Liebe Annette,
    wir leben halt in ganz anderen Zeitverhältnissen als Diogenes, aber vieles was heute noch besteht und sein Anfang in einem früheren Kultur hatte, kann ich besser verstehen, wenn ich das Heutige mit den damaligen Umständen vergleiche. Die Kulturepochen und die früheren Inkarnationen spiegeln sich aus karmischen Hintergründen auch in der eigenen Biographie. Z. B. lebte bei mir wieder das Sportliche auf in meinem 2. Jahrsiebt – diesmal an das Örtliche in Norwegen angepasst - mit Skispringen, Schlittschuhlaufen im Winter plus Leichtathletik und Fußball im Sommer.

    Von Blogger Jostein, Am/um 13. August 2008 21:49  

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