Gamamila

2008/09/24

In der Fülle der Gondel





Am 26. Mai schrieb ich in meiner Chronik, dass ich zum Schicksal und zur Atmosphäre von Venedig zurückkommen werde. Etwas zur Stimmung dieser einmaligen Inselstadt lasse ich nun durch diese Fotos durchkommen – die ich gerade bekommen habe -, auch wenn sie nur ein Hauch von dem dort tatsächlich Erlebten und dem Geschauten vermitteln. Jemand sagte mir kürzlich, dass Fotos von einer Person überhaupt nichtssagend sind. Man müsse eher die Beweglichkeit und die Gestik sehen, die z. B. in einem Film deutlich wird. Ich bin halt von der alten Garde, die auch noch Stillbilder liebt, und der einzige Film in der ich als Statist mitspielte, war im Opfer von Andrei Tarkowski. Die Fotos vermitteln nun zuerst etwas anderes als Entbehrung. Venedig selbst lebt aber in einer dauerhaften Krise, da der Kern ihrer Einwohner scheinbar die erwürdige Vergangenheit nicht als etwas Verflossenes akzeptiert, sondern versucht, an der Glorie festzuhalten. In der Karmaarbeit durfte ich in eine venezianische Familie hineinschauen. Dort lebt dieselbe Niedergangsstimmung wie im Film von Tarkowski. In der Gondel kann man glücklicherweise diese Tragik für eine Weile vergessen, um sich etwa für ein inneres Opfer vorzubereiten.  

Alle Fotos sind vom © Claudio Zanette.

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