Ist Sebastian Gronbach eine Gefahr?
In einem Kommentar seiner eigenen Rezension des Buchs Missionen von Sebastian Gronbach - das ich schon im Frühjahr besprach - drückt Christoph Kühn auf seinem Blog A Goy’s World seine Überraschung aus, dass ich „eine Gefahr in dem Buch bzw. seinem R.- und Karmaverständnis“ sehe. Kühn schreibt in der Rezension, dass man selbst merken kann, „dass Gronbach eingefahrene Denkmuster gegen den Strich bürsten will und dabei gerade auch in Bezug auf eine anthroposophische Leserschaft provozierend plakative Formulierungen wählt.“ Vor genau 10 Jahren wurde ich von einem in der Öffentlichkeit renommierten Anthroposoph in interner Führungsposition als „eine große Gefahr für die anthroposophische Bewegung“ bezeichnet. Wie dieser heute zu Sebastian Gronbach steht oder stehen würde, wäre interessant zu wissen; ich werde darüber aber nicht um Auskunft bitten. Kühn findet bei Gronbach kritische Ausführungen über die anthroposophische Rezeption von Rudolf Steiners Christologie und Karmaforschung, aber er findet auch, dass „das Buch etwas Visionäres“ hat, und er erhofft sich im großen Ganzen für das Buch seines Blognachbars nur Gutes: „Es wäre ihm zu wünschen, dass es in anthroposophischen Zusammenhängen eine große Leserschaft gewinnt.“ Was dieses Visionäre in Bezug auf Rudolf Steiners Anthroposophie sein sollte, führt Kühn jedoch nicht aus. Ich kann selbst da nichts Entsprechendes finden, weil ich mit visionär etwa fortschrittlich sein meine. Falls Kühn mit dem Wort aber eingebildet sein meint, bin ich jedoch einverstanden.
Es gaben inzwischen mehrere Buchbesprechungen zu den Missionen, wobei einige ebenfalls sehr kritisch waren. Hier möchte ich nur kurz das Urteil von Anna-Katharina Dehmelt in der Wochenschrift Das Goetheanum (Nr. 24/2008) erwähnen, das zu einer scharfen Antwort von Holger Niederhausen führte. Dehmelt, die Gronbach persönlich kennt, schreibt ihn direkt an: „Von der Lektüre deines Buches geht ein gewaltiger Modernisierungsschub aus. Irgendwie war man bisher wohl hoffnungslos naiv gegenüber der Anthroposophie:“ Niederhausen wiederum - der seine Zuschrift auf Dehmelts milde Beurteilung zu einem scharfen Kritik für die Zeitschrift Der Europäer (Nr. 8/2008) umgewandelt hat - sieht in Gronbachs Missionen eine Irreführung. Niederhausen schreibt: „Gronbachs Buch erscheint an manchen Stellen auf den ersten Blick tatsächlich ‚mutig’ und ‚authentisch’, bei genauerem Lesen jedoch als hoch-mütig und narzistisch. […] Gronbach vertritt geschickt die vom Info3-Kreis gepflegte und verbreitete Vorstellung, die Anthroposophie führe zum All-Eins-Erleben eines kosmischen Bewusstseins, und Michael, Christus und andere Wesen seien heute unbrauchbare Symbole, die Steiner seinerseits benutzt hat, um Menschen zu diesem Erleben zu führen.“...[weiter]
Abgelegt in Chronik
Traum oder Karmabewusstsein? Dieses Foto wurde in einem Hotel an der Atlantikküste in Galizien, Spanien, im März 2007 aufgenommen. © Miguel Lopez Manresa.
Labels: Blog, Karma, Rezension, Sebastian Gronbach


8 Kommentare:
lieber Jostein,
gute Reise, schön daß Du viele Projekte betreust! Aber eine Frage: warum würdest Du wieder in die AAG eintreten wenn SG in den Vorstand käme ? Und: ja, ich kann mir so eine Karriere bei ihm auch vorstellen, er ist sehr aktiv und info3 hat sozusagen die Position der Jungen Anthroposophie unangefochten für sich gepachtet.
Von
Foersterliesel, Am/um
23. September 2008 21:16
Liebe Liesel,
über deine Frage muss ich noch nachdenken, vielleicht sogar eine Nacht schlafen, um die richtigen Worte zu formulieren. Probeweise: Weil dann würde es Sinn geben, in der AAG einen Geisteskampf zu führen. Vor meinem Austritt damals ging das irgendwie nicht. Seitdem stehe ich aber immer in der Front zwischen Luzifer und Ahriman usw.
Von
Jostein, Am/um
23. September 2008 22:23
Also Du und Gronbach gleichzeitig im Vorstand, das würde ich mir erheiternd vorstellen! Ich glaube, da müsste ein bisschen Karmaparfüm versprüht werden. Aber da müsst Ihr irgendwann ran.
Herzlich
Don Michele
Von
mick321, Am/um
24. September 2008 00:14
Lieber Don Michele,
da hast du wirklich recht. Machst du als Moderator, als Brücke, als Mundschenk mit, falls das in der Einführungsphase nötig wird? Und diese Parfüm können wir noch in seinem Bestandteilen untersuchen. Willkommen ins Labor! Aber dürfen wir das wirkich ohne der Zusage von S. G. machen?
Von
Jostein, Am/um
24. September 2008 09:00
Lieber Jostein, bestimmte Aufgaben binde ich mir mehr ans Bein- nämlich die mit den unlösbaren Knoten. Früher bin ich in alles herein gelaufen. Heute reicht es mir, an den Knoten der mir jeweils anvertrauten Kinder zu arbeiten. Meist kann man ja auch da nicht wirklich lösen- nur etwas die Wege ebnen, vielleicht.
Herzlich
Michael
Von
mick321, Am/um
24. September 2008 17:27
Zurück zu deiner Frage, Liesel: Es gibt vielleicht einpaar Gründe, warum ich in die AAG wieder eintreten würde, falls SG Vorstandsmitglied wäre, aber der eine wäre dann, dass ich als neuer Mitglied dafür arbeiten würde, dass die AAG sich selst abschafft im selben Sinne, wie Steiner es für die Kirchen gegen die Zukunft hin meinte, - um dann am nächsten Tag zu untersuchen, was neu gegründet werden könnte und warum. Falls SG im Vorstand säße, würde er nur bestätigen, dass dieses Beenden letztendlich durchführbar sei.
Und, Michael, mit den Beinaufgaben bin ich einverstanden. Das Auflösen der Knoten kann man hier im Diesseits gut anfangen. Scheinbar geschieht äußerlich nicht viel, aber Jenseits kann man schauen, dass sehr viel aufgewunden, verwandelt ist, und das bringt seine Früchte im nächsten Leben. Garantiert!
Von
Jostein, Am/um
24. September 2008 20:48
lieber Jostein,
danke für Deine Antwort. So von außen scheint mir, als würde Dornach vor allem tradieren (was sehr wertvoll ist, so bleibt Wissen erhalten und zugänglich) aber doch einen Eiferer im Vorstand zulassen. Der Gegenwärtige scheint mir defensiv eifernd, vielleicht entsteht auch das Bedürfnis nach einem dynamisch Eifernden, das könnte dann SG sein. Ob das aber insgesamt eine große Änderung im Vorstand wäre ? Die Eiferer seh ich nicht zentral, eher so als Zeitgeist-Ornament. Daß diese Tradierung (all die Bücher, etc..)
weiterhin geleistet wird scheint mir zentral. Aber: persönlich habe ich überhaupt keine Erfahrung mit anthrop. Organisationen, also auch keine Enttäuschungen mit ihnen erlebt.
hab eine gute Reise!
herzlichen Gruß!
Von
Foersterliesel, Am/um
25. September 2008 09:27
Das Weitergeben des Werks von Rudolf Steiner ist in Ordnung, aber wenn keine oder zu wenig Neuschöpfung in der anthroposophischen Praxis da ist, stirbt die Bewegung aus. Was ich unter eine anthroposophische Gesellschaft verstehe, ist mit der AAG, wie sie heute geführt wird, nicht kongruent. Vielleicht gibt es noch hier und da einige individuelle Ansätze, die zukunftsträchtig sind. Ich bekam übrigens vorgestern eine Einladung von Mitgliedern, die ein Kolloquium über Karmaarbeit arrangieren werden. Mal sehen was das bringt. Bei SG sehe ich nicht, das die anthroposophische Sache etwas erhält, was z. B. mit spiritueller Forschung zu tun hat. Vielleicht wirkt er genial im Sozialen mit den Jüngeren, das kann ich ohne direkte Kenntnisse nicht beurteilen, aber seine vielen Auftritte und positive Rückmeldungen zeigen ja auch etwas. Nur was?
Von
Jostein, Am/um
25. September 2008 15:16
Kommentar veröffentlichen
<< Startseite