Gamamila

2008/09/23

Rudolf Steiner jr.

Christopher Rudolf Steiner heißt ein junger Mann aus Gladbeck, der seit August 2008 den Blog Anthroposophie in der Gegenwart betreibt. Er ist ein Urenkel Gustav Steiners, der Bruder war von Rudolf Steiner. In seinem Profil schreibt er über sich: „Mit einiger Berechtigung darf ich mich, wenn auch augenzwinkernd, Rudolf Steiner jr. nennen. Es ist naheliegend dass ich mich mit dem Werk meines Urgroßonkels auseinandersetze. Meine Gedanken oder bisweilen auch Forschungsergebnisse möchte ich auf diese moderne, wenn auch ahrimanische, Art und Weise mit meinen Mitmenschen, ob sie es wollen oder nicht, teilen.“

In seinem Blog vom 19. August schreibt er z. B. über die Rassismusvorwürfe gegen Steiner: „Wenn Vorwürfe kommen, und Rassismusvorwürfe sollte man immer ernst nehmen, sollte man den Sachverhalt genau prüfen. Leider passiert das zu selten.“ Christopher Rudolf Steiner zeigt, dass der Begriff Rassismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. Und er weist auf Prof. Dr. Ulrich Kattmann, der in Wikipedia zitiert wird: „In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der biologische Begriff der ‚Rasse’ mit dem ethnisch-soziologischen Begriff ‚Volk’ vermengt. Ein Zusammenhang phänotypischer Merkmale mit charakterlichen oder intellektuellen Eigenschaften besitzt jedoch keine wissenschaftliche Grundlage."
 
Steiner jr. zeigt auf, dass man zu Steiners Ausführungen in
Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit dergermanisch-nordischen Mythologie von 1910 (GA 121) – wo die meisten Aussagen Steiners zu diesem heutzutage heiklen Thema zu finden sind - sagen kann: „dass er kompletten Blödsinn redet, aber bestimmt keine rassistische Wertung mit dem Eingangszitat vornimmt, auch wenn er sich, für sich genommen und isoliert, scheinbar so anhört. Man muss halt auch den Zusammenhang nennen.“

Und er zitiert seinem Urgroßenkel aus einem Vortrag vor exakt 100 Jahren mit dem Buchtitel
Welt, Erde und Mensch, deren Wesen und Entwickelung sowie ihre Spiegelung in dem Zusammenhang zwischen ägyptischem Mythos und gegenwärtiger Kultur (GA 105, S. 183f.) dazu: "In unserer Zeit wird der Rassenbegriff […] verschwinden, da wird aller von früher her gebliebene Unterschied nach und nach verwischt… Wir können noch von Rassen sprechen, aber nur in einem solchen Sinne, dass der eigentliche Rassenbegriff seine Bedeutung verliert." 

Ich werde die weiteren Veröffentlichungen von Christopher Rudolf Steiner auf seinem nicht gerade modisch auffälligen Blog - was das Design betrifft - mit großem Interesse verfolgen, da seine feinsinnigen Argumente und sein freilassender Stil die Erwartung eines ‚aufdatierten Anthroposophen’
entstehen lassen.

Labels: ,