Gamamila

2008/10/17

Alf Larsen

Aus Zyklus Caprices auf dem großen Klavier
   

Dieses spielte ich zuweilen

für mich selbst in mondnächten,

allein mit dem großen frosch,

der großäugig saß und lauschte.

Nur er und ich im ganzen raum,

die ganze welt verstummt.

.

Hier lasse ich sie fallen,

die gipfel, alle, alle.

Oh, welcher qual zu sehen

ihr langsames absinken!

Ist es genug wasser für so hohe

gipfel in meiner auge,

genug dunkel für so viel schnee?

.

Halbtot hängt ein rabe

vom himmel herab,

ein flügel in der abendsonne,

ein in meinem brennenden haar.

Rabenaas, sag mir deinen namen

ehe die nacht entbrennt.

Ich will schreiben,

noch habe ich meine hände!

[…]

Ich wanderte auf wellengipfeln

wiegend schritt ich fort,

und die wogen entsprangen wie knospen,

in rosen trat ich nieder.

Das meer erhöht und entsagt

unter der frohen brust des himmels.

Die große jungfrau lag gefesselt

im schlaf an der küste der erde.

Und ich, ich wanderte hin

über ihrem schluchzenden atem

und träumte, ich war der ritter

von welchem sie eben träumte!

[…]

Dann hörte ich eine Stimme, die sagte:

Sitz still und lass dich nicht betrügen.

Dies ist dein eigenes Gesicht unter den Gotteshänden,

das große Bühnenwerk für einen Selbsterkenner.

.

Nun ist er tot der alte

mit seinem sack und seinem garstigen hund.

Wer soll nun hier gehen und sammeln

lumpen auf dem boden der zeit

und dem leben zur freude sein

ohne den wenigsten grund?

Einsam heult gegen den mond

ein alter garstiger hund.

.

Diese von mir übersetzte Teile einer Gedichtzyklus von Alf Larsen lassen leider seine norwegischen Endreime nicht durchkommen. Die Gedichte stammen aus der Sammlung Stemninger ved Okeanos bredder (1949) – „Stimmungen an den Ufern des Okeanos“. Zu diesem Gedichtausschnitt passt vielleicht das Aquarell von William Blake (1757-1827).  

Bild: William Blake, Der große Rote Drache und die Frau, mit der Sonne bekleidet (um 1805-10), Aquarell, National Gallery of Art, Washington (D.C.). Bildquelle: Zeno.org

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