Gedächtnisarbeit
Nachdem ich vor vielen Jahren reichlich mit Karma-Erinnerungen und Geist-Erkenntnissen begünstigt wurde, bemerkte ich, dass ich einen inneren Wandel meines seelischen Zustands durchmachte. Ich entschied mich daraufhin sogar zu der außergewöhnlichen Tat, öffentlich über meine früheren Inkarnationen zu sprechen und zu schreiben, weil ich an einem authentischen Beispiel zeigen wollte, dass man anhand von Steiners Karmaübungen auch wirklich Erfolge haben kann.Eine Folge des Auftretens mit karmischen und geistigen Erfahrungen war, dass viele Menschen in meinem damaligen Lebensumkreis so reagierten, als ob ich mir einen höheren Wert beilege, als würde ich mir für die Gegenwart noch die Taten aus historisch bekannten vergangenen Leben jetzt noch zuschreiben. Ich bekam das Gefühl, als ob sie behaupteten, ich wolle, dass sie mich wegen vergangener Leistungen noch heute verehren sollten. Ich merkte, dass ich mit den meditativen Ergebnissen in der Öffentlichkeit auf einem haarscharfen Weg ging, wo diejenigen, die mich kritisch beobachteten, selbst keine geistigen Erfahrungen bewusst pflegten - auch wenn sie spirituell aufgeklärt waren - und deswegen anscheinend unfähig waren, meinen neuen, inneren Standort zu verstehen.
Warum gilt es denn, sich nur auf die bestehende Inkarnation zu berufen und sich keine Werte aus früheren Leben beizulegen? Die okkulte Schulung bewirkt eine Erweiterung der Seele, die bedeutet, dass man innerhalb der Meditation den so genannten Astralleib hellwach als Erlebnisorgan benutzen kann. Die Ich-Leistungen aus früheren Leben tauchen zunächst in diesem Erlebnisraum auf, in der aufgewachten Seele, so dass die Gefahr besteht, dass das gegenwärtige Ich-Bewusstsein zu schwach ist, um Stand zu halten gegenüber den eigenen Ich-Wirkungen aus der Vergangenheit. Das gegenwärtige Ich, der Selbstbild davon, kann quasi von dem alten, eigenen Ich-Strom überwältigt werden, darin temporär untergehen oder sogar davor einschlafen.
Im 8. Teil meines neuen Buches pointiere ich diese Gefahr der Karmaarbeit genauer. Nach den ersten karmischen Imaginationen und übersinnlichen Erlebnissen erkennen wir, dass es eine innere Notwendigkeit ist, das gegenwärtige Ich durch Gedächtnis- und Biografiearbeit zu stärken und sich mit Gegenwartsaufgaben zu befassen. Die Gedächtnisarbeit an erinnerbaren Tatsachen aus dem gegenwärtigen Leben schafft folglich eine Ermutigung des Ich-Bewusstseins, einen Zusammenhalt dessen, wer man gegenwärtig ist und künftig werden will.
Bild: Eine Muse mit Wiegenkithara sitzt auf einem Felsen, der als Helikon bezeichnet wird. Attisch weißgrundige Lekythos, eine spezielle griechische Vase zur Aufbewahrung von Olivenöl. 440-430 v. Chr. Die Musen sind in der griechischen Mythologie Schutzgöttinnen der Künste. Sie sind Töchter des Zeus und der Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Quelle: Wikipedia
Labels: Karma, Meditation, Radikale Intimität


7 Kommentare:
Lieber Jostein,
Du stellst folgende Frage: Warum gilt es denn, sich nur auf die bestehende Inkarnation zu berufen und sich keine Werte aus früheren Leben beizulegen?
Ist es nicht der Spiegel von dieser Scheu vor der Wahrheit. Es ist so sehr einfach Steiners Entwickelungswahrheiten zu studieren, sie als Wahrheiten in der Theorie anzuerkennen. Tritt uns aber ein Mensch entgegen, der behauptet, diese Zusammenschachtelung der Inkarnationen entblösen zu können, herrscht ersteinmal absolute Ablehnung... Es gibt keine Vorbehaltslosigkeit mehr. Ich möchte es Dir an einem Beispiel erklären: Als ich zum ersten Mal Baldrian rührte, Hörner stopfte und Kiesel an einem sonnigen Sonntagmorgen über das Getreidefeld 'segnen' liess, ohne spirituell aufgeklärt zu sein, spürte ich einen solchen Keim in mir, wie Du ihn in Deinem 8. Kapitel beschreibst. Aus diesem kristallinen Empfinden der Tätigkeit, dieser keimenden Liebe in jedem Prozess, erwachte in mir das Wissen um einer Wirklichkeit. Seither fühle ich mich fähig auch andere neue innere Standort zu verstehen.
Das andere sind diese Beeinträchtigungen von Wesen, die des Menschen Liebesfähigkeit überschatten. Hier bedarf es einer Ehrlichkeit vor den eigenen düsteren Seiten. Sich selbst und anderne gegenüber. Vor dem Jetzt, dem Rückblick, aber auch dem Vorgriff in weitere Inkarnationen.
Nicht nur bei den eigenen Geisterfahrungen ist immer wieder diese selbstlose Ich-Kraft gefragt, auch bei der Beurteilung einer Dritten Person muss diese Dynamik der 'Anhängerschaft' mit der 'Mithilfekraft' gereinigt werden.
Ich musste im Lesen Deiner Gedächtnisarbeit an die Ereignisse um und an Judith von Halle denken.
Herzlichste Grüsse
Nadine
Von
monalisa, Am/um
31. Oktober 2008 16:50
Liebe Nadine,
Dein Beispiel mit dem Baldrian ist sehr schön und charakteristisch, wie etwas Geistigen unmittelbar im Leben durch die sinnlich-sittliche Aufmerksamkeit „eintrefft“. „Aus diesem kristallinen Empfinden der Tätigkeit, dieser keimenden Liebe in jedem Prozess, erwachte in mir das Wissen um einer Wirklichkeit. Seither fühle ich mich fähig auch andere neue innere Standort zu verstehen.“ Gerade darum geht es, wenn man sich auf Karma oder sonst etwas einstimmen möchte.
Ja, die vielen Annäherungsweisen in Zusammenhang mit Judith von Halle zeigen viel von traditionellen menschlichen Schwächen und Unzulänglichkeiten, wo es darum geht, das Phänomen Stigmatisation zu verstehen. Da mangelt es oft bei den Debattierenden und den Kritikern an Unvoreingenommenheit. Die goethesche Methode der ungeteilten Annäherung an einem Phänomen scheint nicht gerade aktualisiert zu sein. Da lauern in den Auseinandersetzungen auch noch viele Doppelgänger, also reale geistige Wesen, die zu wenig erkannt werden.
Von
Jostein, Am/um
1. November 2008 11:29
Lieber Jostein,
kannst Du mir Deinen letzten Satz noch etwas konkretisieren? "Da lauern in den Auseinandersetzungen auch noch viele Doppelgänger, also reale geistige Wesen, die zu wenig erkannt werden." Mir ist der Begriff des Doppelgängers nicht so geläufig, respektiv ich stelle mir die Frage, ob ich ihn auch mit dem des 'Phantoms' gleichsetzen kann. Ich denke an Johannes Thomasius, der zwischen den beiden Selbsten hin und herlebt. Sprichst Du von diesem ahrimanischen, mephistophelischen Doppelgänger, den Urheber aller physischen Krankheiten? Jenem Knecht, der zuweilen seinen Herrn überwächst?
***
Von
monalisa, Am/um
1. November 2008 18:51
Ich Rede nicht vom „Phantom“. Darüber kannst du im „Einstimmen aufs Karma“ auf Seite 382 unter Auferstehung näher lesen. Das Phantom ist kein Doppelfänger. Ich meine verschiedene Doppelgänger – der karmische, andere gutartige wie böse, der ahrimanische und der luziferische. Sie hängen aber alle meistens mit entstelltem Karma zusammen. Es gibt also viele Doppelgänger. Darüber habe ich im 6. Teil des oben genannten Buches einiges dargestellt und Übungen beschrieben, wie man Erfahrungen mit ihnen bewusstwerden kann. Dazu brauch man selbstverständlich etwas Mut.
Von
Jostein, Am/um
1. November 2008 22:17
Lieber Jostein,
lieben Dank.
„Einstimmen aufs Karma“ wird mich nun für längere Zeit begleiten und ich gedenke erst im Anschluss an das Erleben darin/an auf Rezensionen wie jene von Jüngel einzugehen. Grundsätzlich aber obliegt es mir sehr, Dir die grosse Dankbarkeit für diese 5jährige Schaffensarbeit auszusprechen und vor allem für das Durchhaltevermögen nach dem Erscheinen Deines ersten Buches.
Im Gegensatz zu Jüngel missfallen mir nicht im geringsten Deine Anlehnungen an das 1. Buch. Ganz im Gegenteil. Ich halte sie gar für notwendig. Nachdem ich selber ein Buch von 800 Seiten verfasst habe, empfinde ich "Einstimmen aufs Karma" gut sortiert - eine Glanzleistung. Im ersten Durchgang erlebe ich die Anordnung,die wohl intuitiv geschehen ist, sehr ausgereift und gut nachvollziehbar. Da ist keine Straffung von Nöten. Auch das Adjektiv nonchalant mit meiner Übersetzung zu ungezwungen, respektive einer gewisse Form der Leichtigkeit, kann auch missverstanden werden, obwohl es von Jüngel positiv ersonnen sein mag. Warum braucht Dein 'Übungsbuch' Güte? Herzensgüte ist Verstandesfrei. Wer das Buch liest und sich ermahnen muss, ihm Güte beizulegen, hat noch immer nicht verstanden, was Du mit diesem Buch den Menschen schenkst. Das Buch braucht offene reine Herzen.
Ich denke genügend Wissensdrang und Mut gesammelt zu haben, um nun in die Sache tiefer einzugehen.
Herzlichst und auf bald
Nadine
Von
monalisa, Am/um
2. November 2008 11:14
Liebe Minalisa Nadine,
wenn ich erlebe, dass Menschen wie du da sind mit so einem gütigen Lächeln in und zwischen den Worten, habe ich vor der Zukunft keine Angst, kein Zipfel Unruhe, dass die Anthroposophie nicht lebenskräftig Wurzel schlagen wird in dieser lieben Erde, die ich gerade mit meinem lieben Sohn Heljar im Wald an der Blies wieder betrat. Er klätterte in Bäumen und ich suchte irgendetwas Natürliches, dass die Zahl 6 zeigen könnte, weil er als Hausaufgabe in der Waldorfschule etwas derartiges suchen soll.
Tusen takk!
Jostein
Von
Jostein, Am/um
2. November 2008 16:12
Lieber Heljar,
an einem Bächelein findest du unentwegt 6er, dort, wo der Untergrund von Unebenheiten der Steine durchsetzt ist, bilden sich an der Wasseroberfläche weiche runde Formationen. Mit etwas Phantasie auch auf der Unterseite von Kiefernzapfen, eine Schnecke im Schneckenhaus aus der seitlichen Perspektive. Calendula/ Ringelblumensamen haben oft eine 6-Form. Und wenn Du gar nichts gefunden haben solltest, dann ist Dir das Natürlichste, Dein Ohr und die Nasenöffnung, stets zugegen.
Herzlichst
Nadine
***
Von
monalisa, Am/um
2. November 2008 18:44
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