Wie viel Macht wird Barack Obama als amerikanischer Präsident haben?
Diese Frage hat mich in den letzten Monaten beschäftigt, und bei der Suche nach Antworten stieß ich auf den folgenden sehr informativen Essay von PD Dr. Christoph Strünck, der im Institut für Politikwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen als Gesellschaftswissen-schaftler tätig ist. Er war auch Gastwissenschaftler an der University of California, Berkeley, und er scheint die politischen Strukturen in den USA profund zu kennen.Strünck untersucht in seinem 17-seitigen Beitrag, in dem er einige geschichtlichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert des amerikanischen präsidentenzentrierten Systems skizziert, besonders die interne Beratung des Präsidenten, weil, wie er schreibt, „von hier aus ebenfalls Licht auf die anderen Elemente des Regierungssystems fällt.“ Er verfolgt die These, dass die Bedeutung der personengebundenen Beratung des Präsidenten sich ergibt durch die Ansprüche an seiner Leitungsfunktion. „Die Wahl zum Präsidenten fundiert nicht seine Macht, sondern erteilt lediglich das Recht zu Regieren, das aber jeden Tag gefestigt werden muss.“
Der absteigende Präsident George W. Bush - wie auch manche Präsidenten vor ihm - mag als ein souveräner Herrscher erschienen zu haben. Dies liegt weder an der Person noch am Amt, sondern in diesem Fall eher an der internationalen Bedrohung durch den Terrorismus, stellt Strünck fest. Die reale Macht des jetzt zur Ernennung vorgeschlagen Präsidenten Barack Obama wird sich erstens an der wirtschaftlichen Krise und an den befindlichen politischen Strukturen in den USA, zweitens an die Strategen und Berater, die er ernennen wird, und drittens an die globalen Umstände der nächsten Jahre relativieren müssen. Vielleicht kommt Obama zur rechten Zeit, um fällig notwenige Veränderungen im eigenen Land anzuleiten, aber kommt er gegebenenfalls zu spät, um die Position der USA als günstiges Beispiel in der Welt vorzustehen, weil sein Vorgänger diese Möglichkeit auskatapultiert hat?
Christoph Strüncks Studie ist 5 Jahre alt. Die darin geschilderten Tatsachen und Tendenzen, die jedoch fortwährend existieren, wird auch für Obama Gültigkeit haben. Sie trägt den Titel: All the president’s men? Macht und Mythos amerikanischer Regierungsberater. (In: Karl-Rudolf Korte/Gerhard Hirscher (Hrsg.): Politikberatung von innen. Das Informationsmanagement des politischen Spitzenpersonals. Opladen: Westdeutscher Verlag (i.E.) 2003). Christoph Strünck schreibt zu Beginn:
„Ist der amerikanische Präsident wirklich der mächtigste Mann der Welt? Es gibt viele politikwissenschaftlich fundierte Einwände gegen diese gern geglaubte These: seine eher passive Rolle im Gesetzgebungsprozess, die starke Stellung des amerikanischen Kongresses, oder die fragmentierte Struktur der Exekutive. Manche gehen sogar soweit, den Charakter der USA als präsidentielles oder besser: präsidentenzentriertes System insgesamt in Frage zu stellen... [weiter zum ganzen Essay]
Bild: Vier bedeutende und symbolträchtige US-Präsidenten (von links nach rechts: George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt, Abraham Lincoln), jedes Porträt 60 Fuß (18,3 m) hoch, 14 Sommer lang zwischen 1927 und 1941 in den Granit des Mount Ruhsmore gesprengt, gehauen und gemeißelt durch John Gutzon de la Mothe Borglum (1867-1941) mit fast 400 Arbeitern und Helfern, assistiert und - 7 Monate nach dem Tod des Meisters - vollendet durch seinem Sohn Lincoln. Quelle: Wikipedia
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4 Kommentare:
Lieber Jostein,
ich danke Dir nochmals sehr für das Aufspüren dieses wirklich sehr wichtigen Skriptes.
Das wir Hoffnungen und eine Aufbruchstimmung in den Westen senden, zeugt für das Ersehnen einer Wandlung, die nach dem absteigenden Präsident George W. Bush nun wirklich anzustreben wäre.
Wieviel Macht aber wirklich Präsident Barack Obama hat und wie ausgehend von seinem Präsidentenamt die wichtigsten Institutionen
und ihre Berater funktionieren und was die damit verbundenen Herausforderungen und Probleme sind, vertieft auf sehr tiefgreifender Weise das vorliegende Essay.
Es ist ernüchternd zu erkennen, das in einer derart prekären Situation wie die Finanzkrise nicht wirklich Gespräche in anthroposophischen Kreisen stattfinden. Vielleicht ist die Auswirkung im 'Alltag' noch zu wenig erkennbar. Erst ein Blick an die Börse oder ein Licht in die derzeitigen Bankenprobleme schafft Einsicht in das veränderungsbedürftige System.
Ulrich Rösch, Sozialwissenschaft am Goetheanum, und Rainer Rappman, FIU-Verlag, sind in dieser Zeit Vor-denker, die Mit-denker benötigen. Wir können die Politik nicht ausschliessen, wir müssen Sie mitgestaltem mit fruchtbaren Ideengut.
Nochmals Danke...
Dir die herzlichsten Grüsse
Nadine
***
Von
monalisa, Am/um
12. November 2008 12:10
Liebe Nadine,
ja, danke auch für den Hinweis zu Rainer Rappmann und zum FIU-Verlag. Ich wusste nicht von ihm. Von Beuys schon! Soziale Plastik. Alles ist Gestaltung! Ja, mitgestalten. Es ist nur immer die Frage, welche Ideen sind jetzt fruchtbar? Nicht alle gute Ideen aus der Vergangenheit sind Ideen fürs heute. Und, um die Ideen (Aussaat) umsetzen zu können, muss man kennen den Acker, das soziale Umfeld (USA, den nahen Osten, China oder die eigene Familie). Ideen lassen sich aber auch sehr schlecht exportieren. Das haben wir doch mit dem Kommunismus gesehen.
Texte von Ulrich Rösch waren doch mal wieder in der Wochenschrift zu lesen?
Von
Jostein, Am/um
12. November 2008 17:10
Lieber Jostein,
Du schreibst "Es ist nur immer die Frage, welche Ideen sind jetzt fruchtbar? Nicht alle gute Ideen aus der Vergangenheit sind Ideen fürs heute." Ich kann Deiner Aussage beikommen und würde gerne ergänzen, dass wir heute neue aber auch solche in Anlehnung an vergangene Worte und Ideen brauchen, die die Menschen mit einer entsprechenden Macht aussprechen und dadurch dasjenige in die Realität hereinbringen, wozu die Ideen eben als Keime unabdingbar sind.
*
Ja, Ulrich Rösch hat einiges in der Wochenschrift geschrieben, sonst auch Hinweise auf www.ursache-zukunft.net ersichtlich. Er arbeitet viel mit der Sozialen Skulptur (Bsp. Shelley Sacks/Oxford 'University of trees', 'Exchange Values'). Auch in der Finanzkrise mit guten Beiträgen aktiv.
Herzlichst
Nadine
***
Von
monalisa, Am/um
12. November 2008 19:56
Apropos: "Ein Saatkorn, aus dem Ideen keimen" im Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW):
http://www.ofaj.org/pdf/Text_Felix_de.pdf
Von
Jostein, Am/um
13. November 2008 10:13
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