Gleichgewicht
Während meiner letzten und im innewohnenden Jahr 4. Italien-Reise erlebte ich einige innerlich unangenehme und äußerlich sehr dramatische Umstände, die sowohl meine sonst relativ gute emotionale Stabilität als auch mein seelisch-geistiges Gleichgewicht herausforderten und dazu mein Drinnenstehen im Weltgeschehen auf dem Punkt brachten. In kommenden Beiträgen werde ich vermutlich dazu näher zurückkommen.Hier möchte ich nun etwas vorwegnehmen, um anzudeuten, wie knifflig und delikat solche Ereignisse für die eigene Urteilsfindung sein können. Es geht darum, die Mitte des eigenen Wesens in einem Gleichgewicht zwischen Gegensätzen zu suchen, die aber auch nicht statisch sein kann oder darf. Christus als richtunggebende Achse in der karmischen Spirallinie der Entwicklung wird dabei gefragt. Der Christus-Impuls ist nur zu begreifen, wenn wir ihn als ein Impuls des Gleichgewichts ansehen zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, also zwischen polarisierenden Geistwesen, die entweder Luzifer oder Ahriman beizuordnen sind. Ein Zitat von Rudolf Steiner verdeutlicht es:
„Es handelt sich nur darum, daß im Menschengemüte der Gleichgewichtszustand herbeigeführt wird. Und weil das so ist, kann man dem Ahrimanischen und dem Luziferischen verfallen, gerade wenn man glaubt, alles Ahrimanisch-Luziferische abzuweisen. Gegen die Wirklichkeit läßt sich zwar sündigen, aber die Wirklichkeit läßt sich nicht unterdrücken! So wird jemand, der sich vor dem Ahrimanischen hüten will, sehr leicht dem Luziferischen, jemand, der sich vor dem Luziferischen hüten will, sehr leicht dem Ahrimanischen verfallen. Die Sache ist, daß wir das Gleichgewicht finden, daß wir vor keinem zurückschrecken, daß wir als Menschen Mut genug haben, sowohl, sagen wir, der ahrimanischen Furcht, wie der luziferischen Hoffnung oder Lust entgegenzutreten. Aber unsere Zeitkultur liebt dieses nicht, sie liebt, ohne daß sie es weiß, und selbstverständlich ohne daß sie es will, in gewisser Beziehung das Ahrimanische und das Luziferische. Sie glaubt sich davor zu hüten, verfällt ihm aber erst recht. Es gibt Philosophen, die sagen, sie streben nach der Einheit. Das ist schön, aber es ist rein luziferisch! Andere streben nach der Mannigfaltigkeit, wollen nichts wissen von einer Einheit. Auch das kann heute Früchte bringen, ist aber ahrimanisch. Nur derjenige, der die Einheit in der Mannigfaltigkeit, und wiederum die Mannigfaltigkeit so sucht, daß sich durch die Mannigfaltigkeit die Einheit offenbart, strebt nach dem Gleichgewichte. Es handelt sich nur darum, dass man die Möglichkeit findet, dies in der Wirklichkeit zu tun.“ (Rudolf Steiner in: Weltwesen und Ichheit, Dornach 1963, GA 169, Seite 105f.)
Foto: Die Füße eines Seiltänzers. Quelle: Wikipedia
Labels: Anthroposophie


2 Kommentare:
Lieber Jostein, eigentlich erlebe ich die anbrechende Adventszeit immer als Herausforderung in dieser Hinsicht. D.h. schwere Angriffe, Enttäuschungen und Widrigkeoten von außen und eher unangemessene Reaktionen von mir. Unangemessen deshalb, weil ich in dieser Zeit dazu neige, sehr resolut und vielleicht zu heftig zu reagieren. Jetzt bin ich gespannt, was Dir denn da widerfahren ist.
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Michael
Von
mick321, Am/um
3. Dezember 2008 17:52
Lieber Michael,
früher, als ich in Skandinavien lebte, war die Adventszeit - nach dem künstlerischen Novemberschaffen mit Seminaren über Goethes Farbenlehre, die ich viele Jahre mitbetreute - für mich immer schön und ganz anders als hier. Einerseits ist die Stimmung in Mittel- und Südeuropa viel anders, mehr bedrückend, weil es hier meistens so feucht ist und dadurch wird die Kälte anders, viel eindringlicher als im Norden. In Norwegen und Schweden kann die Winterkälte in Dezember sogar sanft sein, besonders wenn der Schnee schon überall liegt.
Ich Italien war es am Anfang der Woche kalt (einpaar Minusgrad) und relativ trocken, dann kamen das Gewitter, der Sturm und das Regen. Es wurde äußerlich lästig, auch wenn ich gut gekleidet war. Dazu kamen nun die überraschenden menschlich-luziferischen Attacken, von denen ich später abgewogen zu berichten versuchen möchte.
Herzlich Jostein
Von
Jostein, Am/um
4. Dezember 2008 10:58
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