Gamamila

2008/12/04

Luzifer erträgt keinen Witz

Luzifer wirkt von Innen ins menschliche Bewusstsein hinein. Sein Wille schafft oft Täuschungen in der Seele. Er wirkt mit seinem weisheitsvollen, luminösen Charakter sehr delikat auf unser Ego, sodass wir glauben, z. B. einen glänzenden philosophischen Gedanken oder einen künstlerischen Idee selbst hervorgebracht zu haben.

Luzifer möchte quasi ganz Esoteriker in uns sein. Er hat nicht das geringste Verständnis für eine harmlose Befriedigung an Dingen, die der Außenwelt entstammen. Er toleriert nur das, was durch das Innere animiert wird, wenn wir leidenschaftlich sind. Unser Begeisterung, Idealismus und besonders der Fanatismus in Religion, Politik und Wirtschaft bereitet ihm eine geistige Wollust. Dann kann er in unseres Bewusstsein heraufbeschwören, was sonst unterbewusst bleibt.

Aber trotz seiner erhabenen Weisheit, die mit den kulturellen Erzeugnissen der ganzen Menschheitsentwicklung zusammenhängt, kann er einen harmlosen Witz nicht verstehen. Steiner betonte, dass man sich gegen luziferische Angriffe dadurch schützen könne, dass man versucht, in dem zu leben, was auf harmlose Weise uns erheitert und von außen hereinkommend uns unterhält. (Vgl. Rudolf Steiner, GA 170, Seite 233f.)

Folglich mache ich den Versuch, ein kleines Kuriosum zu erzählen:

Es war einmal ein Bauherr, namens Giuseppe, der den Luzifer überlisten wollte. Giuseppe baute ein Konferenzcenter ohne Keller, damit Luzifer ihn im Keller nicht umgarnen konnte. Giuseppe baute einen hohen Zaun um das Grundstück, damit Luzifer ihm keine Schlinge legen konnte. Giuseppe baute raffinierte Schlösse in seinen Toren und Türen ein, damit Luzifer nicht einbrechen konnte. Giuseppe plante keine Heizung im Haus zu haben, damit Luzifer nicht unversehen durch den Schonstein sich einschleichen sollte. Giuseppe war glücklich, dass sein Konferenzcenter so geschickt konstruiert war, dass Luzifer ihn und seine Gäste nicht irreleiteten.

Giuseppe wurde aber sehr bestürzt, als er einen Gewittertag entdeckte, dass der Künstler, der sein Haus verschönern sollte, den Luzifer auf der Innendecke gemalt hatte. Giuseppe verjagte den Künstler und ließ das bunte Haus wieder Weiß streichen. Dabei vergaß er in seine eigene Seele zu gucken, wo Luzifer sich ganz gemütlich installiert und ein Spa für seine Getreuen hatte einrichten lassen.

Foto: Darstellung von Schiller und Goethe als Dioskuren (Halb- oder Zwillingsbrüder) von Peter Lenk. Quelle: Wikipedia

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2 Kommentare:

  • Lieber Jostein,
    Ach so, ist Ihnen das überkommen... Das ist ja sehr schade. Das ist worüber Sie am 25.9 geschrieben haben? Die Künstler-Existenz ist manchmal sehr schwer. Ich wünsche Ihnen Erleichterung!
    Herzliche Grüssen aus Rotterdam,
    Michel Gastkemper

    Von Blogger Michel Gastkemper, Am/um 4. Dezember 2008 20:16  

  • Lieber Michel,
    danke für deinen Besuch wieder. Das reale Geschehen, das ich gerade in Italien erlebte, kann ich noch nicht veröffentlichen. In Casa per Michele, wo ich ja die Deckenmalerei mache, wird Luzifer nicht, aber Michael schon gemalt plus andere Engel und beliebte, geistige Gestalten. Insofern erzählt die Geschichte von Giuseppe vielleicht etwas Allgemeines, nicht aber sogleich meine persönliche Geschichte. Trotzdem ist es gut, sich Vorstellungen zu machen, wie Luzifer ebenso auch in der Adventszeit hineinwirkt in unseren Alltag.

    Von Blogger Jostein, Am/um 4. Dezember 2008 20:39  

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