Meister Bertrams Luzifer-Darstellung
Bild: Bertram von Minden, Grabower Altar, Petri-Altar, rechter Innenflügel, Außenseite. Ausschnitt. Quelle: Wikipedia
Heutzutage ist Hamburg bekannt als Brutstätte einer besonderen fanatischen Falange des islamistischen Terrorismus. Der neueste Roman von John Le Carré über die Misstrauensgesellschaft stellt Hamburg ins Zentrum der Ereignisse, die zum 11. September 2001 führten. Für mich ist Hamburg eine Stadt der bildenden Künste. Auch Rudolf Steiner erwähnte zweimal Meister Bertrams Luzifer-Darstellung, das noch heute in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist:
(Rudolf Steiner, in: GA 167. Seite 46f.)
„Der Meister Bertram hat im Ätherischen geschaut, was da eigentlich mit dem Luzifer ist, und hat darnach gemalt. Es war unbewusstes, instinktives Hellsehen. Wenn das Weib den Luzifer zunächst sieht, ist er natürlich dem weiblichen Gesichte nachgebildet.“
(Rudolf Steiner, in: GA 168. Seite 28f.)
Bertram von Minden, auch bekannt als Meister Bertram (um 1340-1414/15), war einer der bedeutendsten Maler der Gotik. Der Ortsteil Bierde von Petershagen an der Weser gilt als Geburtsort von Meister Bertram, da dessen Bruder, Cord van Byrde, vermutlich den Herkunftsort im Familiennamen trug. Bertrams genaue Lebenszeit ist zwar unbekannt. Man vermutet aber, dass er eine Ausbildung bei den Hofkünstlern Kaiser Karls IV. in Prag genieß.
1367 wurde er als Bertram Pictor erstmals in Hamburg genannt, wo er bis zu seinem Tod als Meister tätig blieb. 1390 unternahm er eine Pilgerreise nach Rom und verfasste zuvor ein Testament. Er erhielt die wichtigsten Aufträge der Hansestadt, so sein Hauptwerk, den so genannten Grabower Altar (seit 1900 im Besitz der Hamburger Kunsthalle), der ursprünglich Hochaltar in St. Petri in Hamburg war. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Altar, nach Grabow abgegeben. Dadurch überlebte er den verheerenden Brand von St. Petri 1842. Das Werk zeigt im Mittelschrein Skulpturen von Heiligen, die manchmal auch Bertram selbst zugeschrieben wurden. Die Flügel zeigen den berühmten, ikonographisch sehr reichen und eigenständigen Bilderzyklus (u. a. die Schöpfungsgeschichte von der das Bildauschnitt stammt), der eine durch Hell-Dunkel-Abstufungen erreichte Plastizität der Figuren in italienischer Tradition mit reichen Naturbeobachtungen im Detail kombiniert.
Der um 1394 für die Hamburger St.-Johannes-Kirche angefertigte Passionsaltar, heute im Niedersächsischen Landesmuseum (Niedersächsische Landesgalerie) in Hannover, zeigt einen fortgeschrittenen Stil, insbesondere, was die Architekturen betrifft. (Diese Informationen über Meister Bertram habe ich leicht nach Wikipedia modifiziert.)


4 Kommentare:
Die mittelalterliche Schlange von Meister Bertram erinnert mich aber stark an den Konsumengel beim Egoisten. Nur dass der aus ahrimaischem Plastik ist...
Da wurden wir nun aus dem Paradies vertrieben, und jetzt müssen wir uns mit dem Kram allem abgeben!
Von
Annette, Am/um
6. Dezember 2008 17:54
lieber Jostein,
die Illustrationen auf Deinem blog sind immer besonders schön und für mich wirklich lehrreich. Außerdem gibst Du die Bildquellen an (dazu bin ich zu husch-wusch, leider).
herzlichen Gruß!
Liesel
Von
Anonym, Am/um
7. Dezember 2008 15:58
Na, wieso denn, da stehen sie doch...
Von
Annette, Am/um
7. Dezember 2008 23:21
Liebe Annette und Liesel, eine Freundin rief mich vorher an und wiedergab eine schöne Äußerung; etwa frei nach meiner Erinnerung: „Wir sind nicht menschliche Wesen, die nach spirituellen Erfahrungen trachten, sondern wir sind spirituelle Wesen die menschliche Erfahrungen machen.“ (Also: wir sind im Paradies zuerst gewesen!) Zum Kontext der menschlichen Erfahrungen gehören halt das viele Kram und der Unfug, die der Kunsumengel „überwacht“. Luzifer wollte uns irgendwie davor sparen, er versuchte uns zu “helfen“, damit wir die ganze Erdenentwicklung hätte überspringen können. – Die Bildquellen zu nennen, finde ich nicht nur legitim und ehrlich, sondern auch manchmal für die Leser praktisch, damit man „dort“ noch andere gleichartige Bilder finden kann, ohne dass ich darauf hinweisen muss.
Von
Jostein, Am/um
8. Dezember 2008 12:00
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