Gamamila

2008/05/31

Robert Hogervorst

Das Bild eines Künstlers, das hier früher publisiert wurde, musste auf Wunsch des Künstlers wieder heraus genommen werden, sowie alle Angaben über ihn.

Unabhängig davon habe ich in meinem Chronik einen Aufsatz mit dem Titel Italien und die Zukunft des Südens abgelegt. Darin beschreibe ich eine Initiative in der nordöstlichen Region von Italien - genannt Friuli Venezia Giulia -, die ich neulich auf einer Reise kennen lernte. Hier werden neue Perspektiven eines spirituellen Umgangs mit der Erde und ihre Ressourcen in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen praktisch umgesetzt.

2008/05/27

Vogel, warum gebärdest du dich so?

„Wenn die Nacht nicht gewesen wäre, würden wir keine Gedanken haben“, schrieb der norwegische Dichter und Publizist Alf Larsen (gest. 1967) in einer Aphorisme, und er setzte fort: „ Der Tag könnte uns nur Schlussfolgerungen geben.“ In einem anderen Satz derselben Sammlung „Nattetanker“ - Nachtgedanken - schrieb er: „In der stillen dunklen Nacht, wenn der Gedanke herumflattert wie ein Vogel, der nicht zur Ruhe kommen kann - oh Vogel, warum gebärdest du dich so? Siehst du das innere Feuer der Erde durch die dünne Kruste?“ Seine norwegischen Worte klingen für mich halt besser, aber meine Übersetzung geben schon seine Gedanken wieder.

Das Layout meiner Blogseite hat etwas von Nachtstimmung. Das Dunkel ist nicht ganz schwarz, sondern etwas aufgehellt, als würden die leicht farbigen Kreiseln (Sternen oder Planeten?) die Räumlichkeit erhellen. Sternennächte sind etwas Einzigartiges. Auch wenn der leuchtenden Mond dazu kommt. In den vorangegangenen Wochen war die schwach aufgehellte Mondfläche „liegend“ in der eigenen Sichel wunderbar am Westhimmel zu sehen. Das ist ein Bild des Grals, sagte Rudolf Steiner. Ein Bild des Ich eines Menschen, der das Du in sich aufnimmt. Urbild des Sozialen.

In meiner Beratungspraxis und Karmaarbeit arbeite ich auch mit dem Thema Krafttiere. In meinem neuen Buch Einstimmen aufs Karma (Verlag Ch. Möllmann), das auf meine Webseite (http://www.gamamila.de/) beschrieben ist, kannst du mehr über dieses wichtige Thema erfahren. Meine Blogseite schimmert etwa wie die Facettenvielfalt des Gefieders eines Stars (Sturnus vulgaris). Dieser beim ersten Anblick schlicht schwarz erscheinenden Singvogel, zeigt beim näheren Anschauen den ganzen Regenbogen. Wie in kleinen zierlichen Schliffen schillern auf seinen Federn Farbtöne von Purpurrot über Stahlblau und Grün bis hin zu Goldgelb. Der Star ist bekannt für sein Parodieren. Er kann andere Vogel- und Tierstimmen oder technische Geräusche sehr gut imitieren. Sein anhaltender, schwätzender Gesang besteht aus einer Vielzahl von ansteigenden oder abfallenden Pfeiftönen, Schnalz-, Zisch- und Rätschlauten.

Wenn wir dem Krafttier Star begegnen, zeigt dieses Timing, dass wir das eigene innere Farbenspektrum unseres Charakters mehr zum Vorschein bringen sollten. Der Star singt und sagt, dass ich meine wahrsten Gefühle und Gedanken anderen zeigen sollen. Also muss ich zart und vorsichtig anfangen, mein „Lied“ zu singen, damit „meine“ Zuhörer sich nähern können. Mitgefühl z. B. hat mit Rosa zu tun, aber auch mit Grün, der klassischen Farbe der Hoffnung. Ein goldener Aspekt des Fühlens nimmt sich an, Angst gegenüber mich selbst und anderen Menschen oder gegenüber Welterscheinungen zunächst in Vertrauen umzuwandeln, dann weiter ins Weisheit und Frieden zu steigern, wenn ich meinen spirituellen Pfad aufsuche.

Auf diesem Pfad begrüße ich die sich in meiner Seele - in meiner immerwährenden „Nachtwelt“, die ich überall mittrage - neu entfaltende emotionale Qualität als neues Mosaiksteinchen - Sternenglitzern - meines ganzheitlichen Selbst. Der Pfad führt hin zu einem geheimnisvollen Ort, wo die Erde „offen“ und „himmlisch“ ist. Da zeigt sie ihr glühendes Herz. Dieser Rätselort, wo Menschen die Wege zueinander finden von Seele zu Seele, ist kein Vulkan, auch wenn er vorübergehend in der Vulkaneifel aufzuspüren sein könnte.

2008/05/25

Serenity — Unerschütterlichkeit

Ich kaufte vor kurzem einige Postkarten mit schönen Naturfotos. Eine trägt den Titel serenity. Es ist Englisch für Ruhe, Frieden oder Besänftigung. Aber auch Schweigen und Unerschütterlichkeit können dafür benutzt werden. Auf dem Foto ist zu sehen ein am unteren Ende quer abgeschnittenes, grünes Bambusrohr, das diagonal von Rechts hineinreicht. Die Schnittfläche und die Innenseite sind gelb-orange. Aus dem Rohr fließt klares Wasser. Es bildet ein kleines Wasserfall, das auf einen gerundeten, rosagrauen Stein fällt. Er, wahrscheinlich von Granit, liegt im Wasser. Um ihn herum bilden sich Wellen. Trotzdem spiegelt sich der Stein in der Wasseroberfläche. Auch der blaue Himmel spiegelt sich im Wasser. Der Bildhintergrund ist von weißem Licht ganz erhellt.

Das Malerei zu diesem Blog ist aber von mir, und es wurde als Wandbild im Jahr 2000 in unserer Küche in der damaligen Wohnung in Bliesdalheim gemalt. Heute existiert das Original nicht mehr.

Serenity! Das oben beschriebene Foto erinnert mich an Komponenten eines japanischen Gartens. Mein weit bereiste Lehrer der bildenden Künste, Arne Klingborg, besuchte einmal auch Japan, und er ließ später im unübertrefflichen Park in Ytterjärna, Schweden, einen kleinen Moosgarten japanischen Stils einrichten mit einer solchen dünnen Wasserrohr und daneben einen Meditationsbank. Bei den Wanderungen im Park saß ich dort gerne, um auf die leise Wassermusik zu lauschen.

Ein norwegischer Freund von mir, Sigurd Nordås, der viele Jahre Waldorflehrer war und danach eine Weltreise mit Segelschiff mitmachte, machte mir einmal auf eine Selbstverständlichkeit der Natur aufmerksam. Er hatte in seinem Garten einen kleinen Bachlauf eingerichtet. Darin lagen verschiedene kleinere und größere Steine, die im Zusammenspiel mit den Wasserkaskaden eine Art Musik schaffte. Sigurd erzählte, dass er einige der Steine zwischendurch auf neue Stellen legte. Damit konnte er die Töne verändern. Er bat mich einpaar Steine hin und her zu bewegen, und höre da, ich staunte vor der unfraglichen Wahrheit, dass die Wassermusik sich leise verwandelte durch meine Mitwirkung.

Serenity! Ich schaffte aber heute Nachmittag nicht, im Chaos des Kinderzimmers die Ruhe zu bewahren. Mein Sohn hat Besuch von einem lieben Freund gehabt, und meistens wenn sie sich treffen, schaffen sie ein großartiges Durcheinander. Wir versuchen, sie dazu zu bewegen, einiges aufzuräumen, bevor die Abendglocken klingen. Heute ging das nicht, weil mein Sohn in einem Unfall auf die Spielburg seinen Arm leicht verletzte.

Also musste ich meinen Blogschreiben verlassen, um in die Erschüttertheit zu gehen, um dabei die Erfahrung zu machen, dass so wie die Menschen sind, so antwortet auch die Welt. Erschauern wir in Aggressivität und lassen wir unsere Emotionen aufgebracht und mit Empörung los, dann breiten wir eine Energie aus, die die Weltereignisse mit sich zieht. Karmisch gesehen, ist Vulkanausbrüche und Erdbeben nichts anderes als eine Antwort auf kulturelle und zivilisatorische Missverhältnisse. Nicht so zu verstehen, dass die Betroffenen und Not leidenden Opfer selbst die Katastrophe verursacht haben, sondern sie werden durch ihre Opfer ein Karma bekommen können, das ihnen in einem neuen Leben bestimmte Fähigkeiten entwickeln lassen, die notwendig zu haben sind, um die vorliegenden, Ursache schaffenden und unbefriedigenden Anwüchse der Zivilisation abzubauen.

Serenity! Die Gesetze des Karmas sind unerschütterlich. Auch wenn wir unser Karma nicht annehmen wollen, setzt es fort, uns bewegen zu wollen. Wie das Wasser auf den Stein, fällt mein Karma wie ein Zufall auf mich jeden Tag, in jedem Augenblick. Sowie ich in meinem Leben geformt bin — rund oder eckig — entstehen die Wellen um mich herum, und auch die Musik der Unerschütterlichkeit, die meine Mitmenschen hören können. Hörst du sie? Hörst du die Serenität um dich?

2008/05/19

Trauer und Tränen

Nach dem Frühstücksmüsli liege ich eine Weile auf unserem weißen IKEA-Sofa, um hinter meiner Grippe zu lauschen. Ich ahne, dass dort karmische Erkenntnisse reifen, die Bezüge zu meiner letzten Inkarnation und zu der damaligen Krankheit der Kinderlähmung aufweisen. Darüber muss ich noch schweigen. Auch Berichte über meine weiteren Taten und Empfindungen in Bezug zu der gestrigen Begegnung werden warten müssen.

Um von meinen körperlichen Qualen einbisschen abzurücken, schalte ich ungewöhnlicherweise das TV an. Üblicherweise kriegt es erst abends Fieber. Ich schaue eine Dokumentation über die sowjetische Umweltkatastrophe im zweiten Teil des 20 Jahrhunderts, wo der Aralsee einen zögernden Mord in Kauf nahm. Das Süßwasser der in den See fließenden Flüsse wurde auf die Steppen des Kasachstans und des Usbekistans umgeleitet, um z. B. Baumwollplantaschen auf einer Flächengröße wie Italien anzulegen.

Eine ganze Region blühte auf Kosten des Sterbens eines Anderen auf. Heute ist der Aralsee in zwei kleinen Sees gespalten mit einem Staudamm dazwischen, damit der Wasserspiegel des nördlichen Sees wieder langsam steigen kann. Im Süden wird der See nach den Prognosen in wenigen Jahren ganz verschwunden sein. Die immer zunehmende Salz- und Staubwüste schafft riesige Probleme für Pflanzen, Tiere und Menschen, die in den ehemaligen Fischerdörfern und Hafenstädten, die heute weit drinnen in der Wüste sind, noch leben können, müssen oder wollen. Verschiedene Atemwegsbeschwerde und Krankheiten wie Typhus, Hepatitis und Tuberkulose breiten sich wieder frappant aus. Der gesundheitsgefährdende Faktor dabei stammt größtenteils aus den jahrzehntelangen hohen Einträgen an künstlichen Düngemittel, Herbiziden und Pestiziden, die mit dem Wüstenwind herausgeholt werden. Ich weine mit den Leidenden, die im Dokumentarfilm mit Tränen und Wut gegenüber den Behörden und den Wissenschaftlern ihre Beschwerden artikulieren.

Ich trauere auch mit dem chinesischen Volk wegen der letzten Erdbebenkatastrophe, das mehr als 40 000 Opfer das Leben genommen hat. Die Leiden der Überlebenden ist kaum auszuhalten, wenn ich mich in ihre Situation hineinfühle. Mein persönliches Leid ist im Vergleich aber eine anachronistische Bagatelle. Trotzdem versuche ich, mein Bewusstsein dabei zu stärken und nach eventuellen Zusammenhängen des scheinbar Zufälligen in den vielen globalen Notlagen zu fragen.

Artensterben in der Tierwelt, Umweltschmutz und negative Folgen der Klimawandel zeigen doch, dass der Mensch selbst mit seinen technischen, industriellen und Ausbeutungsmaßnahmen einen gefährlichen Feind der Natur und der Erde geworden ist. Die Erde wird übermäßig ausgebeutet, vergiftet und mit den Stoffen, die aus ihr geholt wurden, gegen sie gerichtet, um noch mehr abzukriegen. Muss sie sich nicht dagegen wehren, wenn sie ein Lebewesen ist? Muss sie nicht reagieren und versuchen, das Böse wieder abzuschütteln? Oder wie viel kann sie ertragen? Erleiden? Muss sie nicht weinen, trauern, schreien und wütig werden? Darf sie nicht zeigen, wo es eigentlich entlang geht?

Meiner Trauer, wenn sie echter Mitgefühlsschmerz ist, und meinen Tränen nimmt die Erde liebevoll entgegen, und der Wasserspiegel des kosmischen Trauermeers steigt wieder. Meine Tränen werden zu lindernden Tropfen für Verstorbenen, für unsichtbare Naturwesen und für Engel; aber nur – wenn ich sie mit Bewusstsein, Licht und Liebe verschenken mag.

2008/05/18

Kann ich so klar wie der Ton eines Triangels wissen, was eine karmische Begegnung ist?

Ja. Eine karmische Begegnung lässt sich mit hundertprozentiger Wahrheitsgehalt ausfindig machen. Ich kann die Kriterien einer karmischen Begegnung auf meine innere, seelische Goldwaage legen und sehen, wie die Werte ausschlagen. Schon Rudolf Steiner beschrieb wie wir gucken müssen, um zu wissen, ob ein Mensch, den wir zum ersten Mal im Leben begegnen, mit uns aus früheren Leben verbunden ist oder nicht. Nach seinen Vorschlägen, die uralten göttlichen Gesetzen entsprechen, gestalte ich auch in dieser Richtung mein tägliches Leben.

Heute bin ich über zwei Stunden mit Auto gefahren, um jemand zu begegnen, der von seinem Zuhause die gleiche Zeit benutzte, um zu unserem verabredeten Ort zu kommen. Selbstverständlich hatten wir vorab einen Briefwechsel per Emails, und einmal sprachen wir miteinander über das Festnetz. Kurz vor der allerersten Begegnung in der Nähe eines mittelalterlichen Klosters, das heute noch von Mönchen betrieben wird, weckselten wir einpaar Worte übers Handy. Somit hatte sich eine allererste Sensitivität in der Seele gebildet, darüber, wer dieser Mensch sein könnte.

Im Zusammenhang, der hier angefragten Kriterien, ist es eigentlich egal, ob der Betreffende eine Frau oder einen Mann ist. Karmisch gesehen ist es zunächst weniger wichtig, welches Geschlecht eine Individualität gerade jetzt hat, mit der ich verbunden bin. Also nenne ich dieser Unbekannte hier mit dem Pseudonym „Kim“, das sowohl ein männlicher als auch ein weiblicher Name in unterschiedlichen Ländern sein kann.

Wir trafen uns, grüßten uns und lachten einander an. Das Duzen war schon per Schrift eingeholt. Also konnten wir sofort mit dem Gespräch und den vielen Fragen loslegen, indem wir einen langen Spaziergang entlang eines Sees durchführten. Das Essen und Trinken bei einem Bootclub der Jugend, das gerade eine Frühlingsfeier abhielt, brachten keine Unterbrechung des immer tiefer gehenden Gesprächs über gemeinsame und andersartige Lebenserfahrungen.

Die etwa dreistündige Begegnung war allzu schnell zu Ende, und wegen menschlicher Umstände, die nicht in unseren Händen lagen, die aber hier nicht umschrieben werden sollen, mussten wir unseren ersten Abschied ins Gesicht sehen. Davor schafften wir glücklicherweise eine kleine Stunde auf einem Bank unter einem Gartenhäuschen zu sitzen, wo auch eine meditative Vertiefung stattfinden konnte.

Nur diesen andeutenden Umriss einer ersten Begegnung zweier Menschen, macht uns klar, dass es um eine karmische Begegnung geht. Die Realisierung, die Unmittelbarkeit und die Unvoreingenommenheit des Treffens zeigen zunächst auf ein unkompliziertes Karma. Es spricht sich hier einen Willen aus, dass Kim und ich uns beide bemüht haben – z. B. trotz einer Halsinfektion – den Treff durchzuführen. Da war auch viel Sympathie bei Zuhören des Anderen und sogar unmittelbare Gefühle der Anziehung, die zwischendurch schafften, dass wir uns kurz berührten oder uns aneinander beim Laufen knuffen ließen.

Steiner erklärte: Wenn Gefühle und Emotionen zwischen Sympathie und Antipathie bei einer Begegnung oder in einer Beziehung entstehen, dauerhaft sind oder sich verändern oder umkehren – z. B. Verliebtheit ins Hass – zeigt es auf eine gemeinsame karmische Vergangenheit. Auch wenn man etwas zusammen tun will, oder der eine möchte mit dem anderen etwas erledigen, besteht ein karmischer Hintergrund. Also sowohl mein Gefühl als auch mein Wille zeigen auf die Kriterien des „alten“ Karmas.

Wenn alles von der Brust hinab nicht oder nur im totaler Balance angesprochen wird, wenn nur mein Denken vom Ideenreichtum oder der Denkart des Anderen in irgendwelche Art berührt wird, besteht kein Karma, das aufgearbeitet werden muss. Wir begegnen uns dann möglichenfalls zum ersten Mal auf der Erde. In dieser Begegnungsvariante könnte es jedoch sein, dass wir uns früher begegnet sind, aber die gemeinsamen karmischen Aufgaben waren schon in einem früheren Leben erledigt, sodass jetzt keine Aufgabe besteht, sich aneinander abzufeilen.

In der kleinen Meditation machten Kim und ich interessante innere Begegnungen mit Archetypen von Licht, Luft, Wasser, Boot, Insel, Schmuck, Tieren und Menschen, die jeder für sich weitere Hinweise geben, unser gemeinsames Karma aufzuklären. Die nächsten Tage, die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, wie ich und Kim individuell verschiedentlich unsere erste Begegnung verarbeiten werden und den entstandenen Kontakt pflegen möchten. Auch das wird viel über unser Karma aussagen.

Die Art unserer ersten Begegnung hat jedoch so viel Freiheit und Liebe offenbart, dass die Möglichkeit besteht, das unser Karma uns nicht überrollen wird, falls wir herausfinden, dass eine Aufgabe uns erwartet, für die wir noch nicht reif sind. Der erste Begegnungsraum war ebenfalls so lichtvoll und weich, dass jeder allmählich seine Achtsamkeit erstärken kann, sodass nichts übereilt getan wird. Jede neue Begegnung darf also seine Zeit bekommen, bis das heranreift, was daraus wachsen kann. Sodann können andere Menschen sich an unsere Begegnung Anteil nehmen, wenn sie Karma mit uns haben oder die Freiheit zu Neuem besitzen, – und auch die Unsichtbaren können sich dann mit voller Kraft und Energie an der neuen Aufgabe einsetzen. Bis zum heutigen Tag haben sie aus den kosmischen Fernen still und behutsam uns einander nahe geführt. Der emphatische Ton dieser Begegnung hat sich nun in meiner Seele wohnhaft gemacht. Möglicherweise werde ich mich einen konkreten Triangel dafür anlegen.

2008/05/17

17. Mai – Norwegens Nationaltag

Heute feiert das ganze Land Norwegen seinen Nationaltag mit Fahnen, Umzügen, Frohsinn, Anreden, Kuchen usw. Das ist eine Tradition, die zurückgeht auf das Jahr 1814 als die Union mit Dänemark einem Ende bekam. Diese Zeit vom Mittelalter bis in die Neuzeit wird als die 4oo-jährige Nacht – „firehundreårsnatten“ – bezeichnet.

Ich telefonierte heute Mittag mit meinem 78-jährigen Vater. Er hat mit seiner Lebensgefährtin am Vormittag die Feiern an seinem Wohnort mitgemacht. Sie hörten die Rede des Tages zu und tranken Kaffee und aßen Torte im Rathaus. Sie saßen mit einem norwegisch-amerikanischen Paar zusammen und diskutierten selbstverständlich nicht nur die nationalen Fragen, sondern redeten auch über die amerikanische Präsidentwahl, ob Barack Obama einen realen Chancen haben wird oder nicht gegenüber der alten Tradition. Was mein Vater dazu denkt, möchte er nicht mehr auf das Papier bringen, geschweige den in einem Blog hinterlegen. Früher hat er viele Gedichte und Prologe in der Lokalpresse publiziert.

Mit der Frage über die norwegische Flagge von Rot, Weiß und Blau ist es schwieriger zu beurteilen, was richtig sein könnte in einer Zeit, wo die vielen Einwanderer und Integrierten aus zweiter und dritter Generation aus anderen Kulturen ihre nationalen Fahnen am 17. Mai auch zur Schau tragen wollen. Die Repräsentanten der älteren Generation sind meistens dagegen, da sie befürchten, dass alles durcheinander gebracht wird. An diesem Tag sollte man ein Labskaus vermeiden! Das wäre nicht das richtige Gericht auf dem Festtisch. Man könnte neue Rahmenbedingungen für diesen alten Traditionstag schaffen; z. B. Arrangements einbringen für Menschen aus allen anderen Nationen, die in Norwegen leben, oder an einem anderen Frühlingstag, der nicht belegt ist, einen Festtag der Internationalismus mit Bannern und Fahnen der ganzen Welt anordnen.

Ich bin kein Traditionalist. Heute habe ich jedoch mit Freude das alte Schulgesangsbuch aus dem Regal geholt und zwei norwegische Lieder meiner Frau und meinem Sohn vorgesungen: ein Nationallied über die Flagge, die ich tatsächlich in der rechten Hand hielt, - und noch ein Wanderlied, das auch der urtypisch norwegische Liedermacher Erik Bye auf einer CD singt: „Og jeg har ingen penger, men min fattigdom er god“ - Und ich hab’ keine Münze, doch mein’ Spärlichkeit ist gut. Nachher wedelte mein Sohn mit der Fahne umher und rief: Olé, olé! So spricht die Weisheit eines Kindes! Ich finde das nicht als eine respektlose Kulturmischung. Welche Kultur ist denn nicht schon seit lange eine Mischung aus vielen Elementen? Kultur ist nichts als ein souverän organisiertes Durcheinander.

Der norwegische Staat hat in den letzten Dezennien durch seine Öl- und Gaseinnahmen so viel Geld verdient, dass er keine Auslandsschulden mehr hat. Im letzten Jahr gab ich hier in Saarland einen Norwegischkurs für Leute, die dorthin auswandern wollen. Ein aus dem Kreis hat schon ein Job als Gärtner nahe der neuen Ölstadt Stavanger gekriegt. Er und seine Familie sind darüber sehr glücklich, da sie auch von der Kommune sehr willkommen geheißen werden. Nicht alle Ausländer sind in der Vergangenheit von allen Norwegern gut aufgenommen. Dort gibt es die gleichen (wenn nicht mehr) Einwanderungs- und sogenannten Integrationsprobleme wie hier. Trotzdem hat das ganze Land noch Platz für mindestens 300 Millionen Menschen einberechnet ihren jetzigen etwa 4 Millionen Einwohner. Ich meine es ernst! Die norwegische Kultur würde auch mit einer solchen Zunahme bestehen bleiben. Also begibt euch auf den Weg! Ich könnte euch die zwei offiziellen Sprachen – „Nynorsk“ und „Bokmål“ - lernen und dazu eine in meiner Seele noch lebendige Sunndal-Dialekt.

Wenn man geborener Europäer von europäischen Eltern ist, kann man heute sich schön zwischen den Ländern bewegen, ohne große Probleme zu bekommen, da wo man hinkommt. Aber trotzdem ist es nicht einfach sich in einer lokalen Kultur zu integrieren. Die äußeren staatspolitischen Grenzen existieren nicht mehr, aber ein Dialekt schafft schon ein zunächst unüberbrückbarer Abgrund zwischen einem selbst und der Einheimischen. Das habe ich sowohl in Schweden als auch hier im Saarland erlebt. Alles braucht Zeit, aber die Zeit überbrückt nicht alles, wenn der Raum nicht aufnahmefähig ist. So ist es schön zu wissen, dass wir zwischen den vielen Erdenleben in vielen Kulturen und in vielen Ländern zuhause sein können.

Die Schmerzen meiner heutigen Heimatlosigkeit kann ich ertragen, weil ich in meiner Seele noch die Erfahrungen aus meiner vielen anderen Heimaten mit deren Besonderheiten und Einseitigkeiten nahe gekommen bin. Diese Heimaten befanden sich in Ländern wie Indien, China, Ägypten und Griechenland; ich bin geboren in Orten wie Delphi, Rom, Dublin und Bucha, und hatte „Wurzeln“ geschlagen in Dendera, Neapel, Pisa, Mainz, Edinburgh und Boston. Ich bin auch vor mehreren tausend Jahren die Strecke zwischen dem heutigen Marokko und Afghanistan mehrmals hin und zurück gewandert lange vordem die Seidenstaraße entstanden war.

Du magst fragen: Was ist heute dabei so cool? Na ja, zu wissen, dass ich überall zu Hause bin, und dass jedes Leben und jeder Heimat nur „Haut“ und „Kleid“ sind, die abgelegt werden müssen. Die Realität von Reinkarnation und Karma schafft eine neue Sicht auf die Probleme der Nationalismus und der wegen religiösen rund kulturellen Fanatismus entstandenen abwegigen Gewaltspirale der Terrorismus.


Lass die Leute mit den Farben wedeln, die sie gerne wollen - auch am 17. Mai! Die spirituelle Sprache des Pfingsten redet halt mit vielen verschiedenen Zungen aus aller Welt. Das lokale und regionale Zeug muss deswegen nicht schweigen oder zugrunde gehen, wenn es auch vielleicht begrenzt, aber trotzdem noch lebenskräftig ist. Ist es lebensfähig, muss es sowieso häuten oder sein Winterfell ablegen, weil der Frühling endlich da ist.

2008/05/16

Die neue Blogplattform für Gamamila

Lange habe ich versucht mit meiner Webbuilder-Software einen leserfreudlichen Blog zu erstellen. Es war schwierig. Vieles wollte nicht funktionieren. Das stundenlange Herumlesen in Internetforen und das Ausprobieren verschiedener Blog-Softwares ergab nicht, was ich suchte. Nun möchte ich auf diese Weise loslegen über das mit meiner Seite angedockten Angebot von blogger.com. Also, los geht es, und bald wird hier Tagestexte zu spirituellen Erfahrungen, Nachrichten, Gesichtspunkte und hoffentlich auch Kommentare von dir erscheinen. Du darfst dich selbstverständlich auch als Gastautor melden.