Gamamila

2008/07/31

Wieder da!

Mein alter Tintenfisch ist hingeschieden! Im hektischen Umzugsstrudel schafften wir leider nicht, uns voneinander zu verabschieden. Ehe ich nach Trauer nachfühlen schaffte, hat er heimgefunden und ist wieder eingeschaltet. Reinkarniert? Tja, Wort für Wort und nichts verloren! Karma ist dessen ungeachtet ein guter Zip-Verpacker. Trotz Antivirus werden dennoch wahrscheinlich einige Würmer und Backdoors mitgekommen sein. Aber eben tritt mein Jobkiller auf mit neuem Namen! Ich war erschrocken! Er nennt sich Fenriswolf, weil wir jetzt in der Wolfharistraße wohnen. Unten an der Blies mit den Mücken war es OK, Polyp zu sein. Hier läuft das anscheinend nicht. Fenriswolf ist jedoch nur sein Pseudonym, das er benutzt, wenn er Online geht. Hier an der Chaussee mit dem umfunktionierten Millich Heisje (lies: Milchhäuschen) gegenüber, wo Jugendliche der Gegend ohne Milch und Sahne sich näher kennen lernen und die alten Leute mit Seideln oder Stickereien memorieren, will er reinweg inkognito sein. Deswegen darf ich seine richtige neue Anrede niemandem verraten.

Da wir nur noch eine eingeschränkte oder keine Konnektivität haben, kann ich das Internet nicht einschalten, weil unser alte Telecom in diesem abgeschiedenen Blieskasteler Stadtteil keine DSL-Anschluss anbietet, und wir uns deswegen mit Glasfaserkabel zufrieden stellen müssen, da alles in der Wohnung dafür schon bestens vorbereitet sein sollte – der Vermieter behauptete und wir glaubten es –, aber als die Mitarbeiter der Installationsfirma hier am vorletzten Dienstag waren, stellten sie fest, dass die Vorarbeit von einem Konkurrenzfirma im vorigen Jahr tadelnswert gemacht worden sei. Folglich konnten sie nicht fortfahren. Jetzt kriegen sie aber vom Auftraggeber einen Zuschuss und können einerlei wann fortsetzen. Entweder geht es also ums Geld oder um die schlecht oder kriminell ausgeführte Arbeit. So könnt doch Deutschland im globalen Spielen nicht rennen!

Weil du diese Zeilen gerade ließt, kannst du jedoch folgern, dass ich entweder in einem Internetcafe sitze oder jetzt wirklich wieder zuhause Online sei, und wenn, dass die Techniker dann zufrieden gestellt seien und in unserem alten Keller der Dorfkneipe die Kabel und Dosen wieder meisterhaft montiert haben, damit da keine unangemeldete Unfälle beim Hinunterschleppen der Winterreifen passieren werde. Ich lasse sie übrigens beim Autohaus für eine kleine Miete übersommern. Wo ich gerade in meinem winzigen kombinierten Atelier, Büro und Bibliothek des Durchgangs zum Kinderzimmer jedoch sitze, war vermutlich einmal der Stammtisch von irgendjemand Hinz und Kunz, Müller oder Neumüller, der in der Wikipedia nicht aufgezeichnet ist. Neumüller ist übrigens hier ein herkömmlicher Name. Das konnten wir auf dem angenehmen Friedhof erschließen. Ungefähr da wo ich mein Bett habe oder drüber, war einst die Bühne, wo altershergebrachte Stücke zum Spaß der Bewohner vorgeführt wurden. So verstehe ich gut, warum ich, seit wir hier wohnen, anders und sehr dramatisch, aber humorvoll träume ? z. B. von Hauslawinen und Motorrädern.
Im Dorf, wo früher alle allen kannten, wird es noch leider einbisschen dauern, bis wir einige unsere Nachbarn kennen lernen werde. Einpaar kenne ich schon, da ich vor Jahren bei der Suche nach einem Atelier z. B. unser Nachbar nordwärts ? ehemaliger Bauer mit Scheune ? kennen lernte, der auch einmal in Norwegen Ferien machte. Ich rede mit ihm über meinen Großvater väterlicherseits, der, als ich Junge war, meinte, dass ich Schullehrer werden sollte, damit ich gut bezahlt bekomme und sogleich lange Sommerferien haben würde. Ich wurde Waldorflehrer und auch Künstler, und ich bekomme eigentlich nie richtige Ferien, weil ich, wenn ich irgendwo im Ausland bin, so oder so immer arbeite, um wieder nach Hause zu kommen, falls ich nicht Trampen will. Aber bis das Stadtteil Wolfersheim Goldmedaille beim Wettbewerb des bundesweiten schönsten Dorfs wieder bekommt ? 2004 wurde es so ausgezeichnet ?, werde ich hier kein Fremder mehr sein.
Das mit dem Inkognito-Sein und der anonymen Profilen im Internet ist nur ein Schein, der vielleicht für einige, aber nicht für alle einen Wert hat. Gaukelei macht bei Kindern viel Spaß, und vielleicht müssen manche da einiges nachholen. Ich habe in meiner Kindheit mit den Nachbarskindern sehr viel Versteck gespielt und auch im Heustadel ? ohne Nadeln zu suchen. Meistens verbargen wir uns, als die Tage wieder kürzer wurden, und wir zugleich in den Bauerngärten grüne Äpfel unauffällig klauen konnten. Wir dachten, sehr heimlich zu sein, aber manchmal wurden wir bemerkt, und da war es mit dem Spaß vorbei, und nur das ungestümste Wegrennen galt.
Etwa ähnlich ist es sowohl mit dem Internet als auch mit dem Blogschreiben. Bin ich anonym, muss ich irgendwann sehr schnell davon brennen, weil jemand mich obgleich erratet. Trete ich mit komplettem Namen auf, wie ich es gerade mache, werde ich ebenfalls an den ausgestreckten Meinungen oder an den Missionen der Anderen anecken. Ob ich deswegen schneller wegkomme oder bei mir ankomme, bleibt eine offene Frage, die mir auch mein vernetzter anonymer Computer keine Infos drei geben kann.
Inkognito zu sein, ist nicht immer einfach. Ein sehr guter anthroposophischer Freund von mir, der seit vielen Jahren verstorben ist und deswegen heute ohne Wohnungsangabe wieder auf der eingebürgerten Tagesbewusstseinsebene total anonym wirken kann, wohnte Ende der 1970er Jahre in einer profilierten Straße namens Inkognito Terrasse in Oslo. Er war damals Single und hielt sich nicht deshalb Gesellschaft mit zwei Katzen, die ihn aber total benachteiligte, da sie überall in der Wohnung nicht sauber hielten. Er galt nichtsdestotrotz fortan als guter Katzenfreund, aber wenige seiner Mitglieder wollten ihn dort zuhause besuchen. Könnte das Anonym-im-Netz-sein-Wollen auch sehr bald in irgendeiner Ecke zu stinken anfangen? Wie ich diese Duftete von anderen modernen Übelgerüche auseinander halten würde, weiß ich aber nicht. Hätte jemand Ahnung?
Sowohl die berechtigte Anonymität als auch das Siezen in der deutschsprachigen Kultur hat eine Existenzberechtigung, weil man sich von unnötigen Angriffen schützen will oder eine bestimmte Intimsphäre bewahren möchte. Sie beinhalten deshalb ebenfalls notwendige Schwellenphänomene. Meine Karmaforschung hat zuhinterst ebenso die Mission, mit der geistigen Anonymität inzwischen allen souveränen Individualitäten aufzuräumen, sodass auch die Angst zwischen Menschen und Menschen einmal für alle zu einer neuen Energiequelle umgewandelt werden kann, sodass der von Rudolf Steiner ankündigte „Krieg aller gegen alle“, falls er kommt – oder hat er schon angefangen? –, gedämpft werden könnte. Das Bloggen und Kommentieren in den neuen Internetgesellschaften – auch wenn zunächst mit fiktiven Namen agiert wird, wo bestmöglich keiner sich als Meister über jemand anderen hochstapelt –, schafft jedenfalls in derselben Richtung, ohne schlechtes Karma zu produzieren, eine ausgleichende Grundlage.
Meine neue Adresse und das aktuelle Telefonnummer sind eben hier abgelegt.

Bild: Teil einer Wandmalerei (1993) in Kinnevaldsgården, Verderslöv (SE)

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2008/07/11

Umzug und Sommerpause

Morgen ziehen wir um! Der Computer auch. Dann beginnt die großmütige Sommerruhe. Und mein ahrimanischer Tintenfisch macht ebenfalls Urlaub. Wann er mit der Welt wieder verbunden sein wird, bleibt offen, da wir wegen fehlendem Telecom DSL-Anschluss in unserem neuen Dorf auch Internet- und Telefonanbieter wechseln müssen. Die neue Adresse und eine temporäre Telefonnummer für unentbehrliche Anrufe sind im Kontakt abgelegt.

Für das sommerliche Lesen schlage ich ein Kapitel aus meinem Buch Wandeln unter unsichtbaren Menschen vor, wo beschrieben wird, was aus meiner sportlichen Leistung in Olympia vor etwa 2500 Jahren wurde. Zu meiner sommerlichen Beschäftigung und als Vorbereitung auf die chinesischen Sommerspiele gehört z. B. hinzuschauen, was Luzifer & Co und seine Heerscharen im Moment betreiben, und inwieweit ihre Methoden sich geändert haben seit seinem Erscheinen im alten China vor 5000 Jahren.
Braham Ironiesof betreibt gerade seine Nebenübungen mit Fleiß und Neugier, da er überlegt, nach China zu reisen; so würde er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, einerseits selber die Nachrichten hautnah zu sein und andererseits zu besuchen seine Verwandten, die seinem Großonkel mütterlicherseits, Ola-Ola Nordahl, dem berühmten Missionar, entstammen. Auf Wiedersehen!
Illustration: Neugier von Christian Morgenstern.

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2008/07/08

Lavendelduft und Kartäusernelke


Ich trage hinunter Umzugskisten
heute dreizehn voller bunter Steinerbücher
rosa, violette, blaue und weiße
Ob ich sie abermals im neuen Zuhause
zu blättern brauche? Meister Jesus
wird es aber wissen und ich frage mal
während den täglichen Himmelfahrten
den Menschheitsfreund

Ich trage hinunter einen blauen Stuhl
und weiß, dass ich auf ihn erneut
sitzen werde. Ich trage einen Schrank
mit Glastür und einen, der seine Schubladen
wieder bekommen werde. Darin
werden Kuverte für Liebesbriefe sein
und Briefmarken mit Kartäusernelken
und dürrer Lavendel aus Slowenien

Ich trage Kisten mit Fotos und Aquarellen
Zeitschriften, CDs und Handtücher
Weihnachtskram und Tagebücher
Videos und abermalig Steiner übersetzt
in meiner Muttersprache. Ich trage runter
ins Auto die neuesten Erinnerungen
aber die alten Auseinandersetzungen
aus dem letzten Millennium sind Sperrmüll

Sowohl das Umzugsgewitter als auch
die Fragen über die Dualseelen halten mich
lange wach. Der Lavendelduft gibt mir aber
einen guten Schlaf und meine Bauchbeschwerden
werden gelindert. Ebenso die Blüten
der Kartäusernelke in Weißwein helfen mir
gegen Schlangenbisse und andere giftige Quetschungen
Pestilenz und Würmer aus dem weltweiten Netz 
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Weitere Gedichte befinden sich auf meiner Poesiseite.

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2008/07/07

Farben für Blinde

Am Samstag habe ich den schönsten Beruf der Welt wieder ausgeübt! Denn ich war mit meinem blinden Freund Paul und seiner Ehefrau in Frankfurt am Main, um einpaar Zimmer in seiner neuen Wohnung zu lasieren. Paul möchte unbedingt die „Ruhejahre“ seines Lebens beenden und in die Großstadt zurückzukehren. Er möchte nicht mehr den Dorfgeruch im Bliesgau wittern, nicht mehr die Motorsägen am Samstag hören und nicht mehr auf den Hohlwegen in der Umgegend stolpern. Also kehrt er zurück in dieselbe Straße, wo er vor 40 Jahren wohnte. Inzwischen war er berufstätig in vielen Städten Deutschlands. Nach seiner Pensionierung möchte er nun nahe an die wirkliche Kultur sein und die Gelegenheit haben, so oft wie möglich in die Oper ohne Begleitung zu gehen.

Paul kennt Frankfurt wie seine eigene Westentasche. „Ja, damals hatte er sein Ätherleib hier verlassen“, sagt seine Frau, die sich mit diesem Thema sehr gut auskennt, da sie sowohl Heil- als auch Kunsteurythmistin ist. Aber warum begnügt sich denn Paul nicht damit, einfach weiße Wände zu haben? Er sieht ja keine Farben? Und seine berufstätige Frau wird ihn ja nur in Wochenenden besuchen! Ich sage: „Das stimmt, aber seine Seele ‚sieht’ die Farben und empfindet die harmonische und erfrischende Energie der Farbschichten.“

Farben leben zwischen der Sinneswelt und des Übersinnlichen. Sie sind eine Brücke zwischen den Dimensionen. Sie existieren in der Schönheit sowohl mit physischer Einschränkung als auch in geistiger Tätigkeit, wo sie auf unseren Seelen eine unmittelbare Wirkung ausüben, auch wenn wir Blinde sind. Im TV-Programm Wetten-Das trat einmal eine blinde Frau auf, die noch mit verbundenen Augen die Farben auf eintönig bunte Textilien herausfand. Das war ein Beweis dafür, dass auch Blinde mit anderen Sinnen exakt wahrnehmen können!

Gegenüber der geistigen Welt sind wir sowieso meistens blind, und Farben und die Kunst kann sie uns näher bringen. Kunst ist Mittel zum Zweck, wenn wir das Geistige suchen. Und Paul sucht das Geistige, besonders durch die Musik. Und jetzt klingen die Farben Neapelgelb, Goldocker, Terra de Siena, Ultramarinviolett und Ultramarinblau in seiner neuen Wohnung zusammen wie Intervalle aus dem Nocturne et Scherzo von Claude Debussy.

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2008/07/06

Im Spiegelkabinett

Braham Ironiesof hat mir einige Fotos zugeschickt, und mich gebeten, sie zu zeigen, damit die Leser mindestens eine Vorstellung sich machen können, wie er, sein Freund Alf und seine Ehefrau Irina aussehen. Zu meiner Nachfrage, warum sie so verstellt aussehen, hat er in einem Mail geschrieben, „dass die Fotos ja im Spiegelkabinett in der Hauptstadt von Dehnemark gemacht wurden, als er mit Irina und einigen Freunden auf Hochzeitstour waren.“ ...» weiter

Die Fotos sind abgelegt in Ironiesophie

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2008/07/04

Ironiesofs esoterische Aufzeichnungen

Seit kurzem treffe ich mich wieder des Öfteren mit meinem echt in Norwegen geborenen Jugendfreund Braham Ironiesof - er hieß früher Ole Abraham Schou - in einem hiesigen fleischlosen Speisehaus an der Schillerboulevarde. Seit Jahren hatten wir keinen Kontakt mehr. Braham hat mich aufgegabelt, seitdem ich Netzmeister bin. Dass er heute in Mitteleuropa nistet, wusste ich überhaupt nicht. Braham erzählte mir beim ersten unbeabsichtigten Wiedersehen am Flughafen Frankfurt Huhn, warum er ruckzuck nach dem Millenniumwechsel in den Süden umhergegeistert war: Nach einigen für ihn folgenschweren Zwischenkünfte mit Gleichgesinnten, die danach keine Gleichgestimmten mehr waren, bekam er den Norden satt...» weiter

Abgelegt in Ironiesophie

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2008/07/03

Meister und Hüter der Meditation

Ein weiteres Thema kann die meditative Tätigkeit zu einer erhabenen Angelegenheit erheben. Es betrifft die Frage der so genannten Meister, die mit allem echten Meditieren inniglich immer verbunden sind. Wenn du dich so weit vorgearbeitet hast, dass du dir bestimmte fortgeschrittene Individualitäten oder sogar Meister in dein Interessefeld gerückt hast, darfst du sie selbstverständlich auch auf dieser Stufe deiner Entwicklung in deine geistige Arbeit einbeziehen. Du kannst dir klar machen, wo deine eigene Gesinnung und Verbundenheit mit geistigen oder karmischen Strömungen liegt, in welcher Richtung du die Taten Vorangegangener würdigst und warum du dich jemandem als einem unsichtbaren Helfer zuwenden möchtest...» weiter

Abgelegt im Chronik

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