Gamamila

2008/09/28

Das Luzifer-Mysterium I

Luzifers Inkarnation im alten China - und der Ursprung der tibetischen Kultur

Teil I: Volkstümliche Bedingungen und die archaische Sozialstruktur

In der esoterischen Tradition ist Luzifer der weisheitsvolle Lichtbringer, aber auch Herr aller Versuchung. Es heißt, er ist schön von Gestalt, aber bösartig im Herzen. Luzifer entspricht die nordische Gottheit Loki, der Gott der Lüge und des zerstörenden Feuers. Luzifer nistet sich ein im Astralleib des Menschen und versucht, die Arbeit des Schutzengels für den Menschen während der Nacht zu hemmen. Luzifer ist dessen ungeachtet eine geistige Macht, die den Menschen viele Kulturgeschenke hinterließ. Luziferische Wesen sind solche, die von der Weisheit Luzifers beeinflusst sind. Luzifer ist im esoterischen Christentum ein Antipode des Heiligen Geistes

Wie Christus einst inkarniert war, so stellte Rudolf Steiner dar, dass auch Luzifer verkörpert gewesen sei, und zwar um 3000 v. Chr. im alten China (vgl. Rudolf Steiner, Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft, GA 193, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1977). Ehe der Tod bei der betreffenden Trägerpersönlichkeit eintrat, ist gemäß meinen meditativen Forschungen Luzifer aus dem Leib „geflüchtet“, so dass er die Auswirkungen des Sterbens und somit die Folgen des menschlichen Todes nicht miterlebte. Die größte Auswirkung seiner Erdentaten war sozusagen die Inauguration des politischen Denkens, das zum ersten organisierten Militärsystem führte, und die Auswirkungen auf Kunst und Wissenschaft durch seine Erfindungen. 

In diesem Essay versuche ich, einige meiner meditativen Forschungen zu diesem Thema näher zu beleuchten. Es ist meine Hoffnung, dass jetzt im Zusammenhang mit den kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Problemen in Tibet und in China selbst und nach dem äußerlich erfolgreichen Anordnen der olympischen Spielen der richtige Zeitpunkt gekommen ist, diese spirituellen Forschungen zu veröffentlichen...[weiter]

Abgelegt in Forschung

* Der Astralleib ist das übersinnliche, seelische Wesensglied von Tier und Mensch, in dem Bewusstsein aufleuchtet. Im A. werden von außen kommende Einwirkungen als Bedürfnisse, Triebe und Regungen - kurz: als Empfindungen bewusst. Deshalb kann der A. neben Bewusstseinsleib auch als Empfindungsleib bezeichnet werden. Der A. wird auch in der Esoterik als Mental- oder Seelenkörper bezeichnet.

Luciferskulptur von Guillaume Geefs in der Kathedrale von Lüttich (Liège, Belgien). Foto: © Luc Viatour/GFDL-CC

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2008/09/25

Casa per Michele

Casa per Michele entsteht als Kulturhaus in Codroipo bei Udine in Italien. Das außergewöhnliche Haus kann auch als Tempel genannt werden, da sowohl die Architektur als auch die Tätigkeit, die dort betrieben werden soll, mit Spiritualität im höchsten Sinne zu tun hat. Der Grundriss besteht aus zwei in einander greifenden Kreisen oder man kann eine Lemniskate erkennen. Der untere Gebäudeteil ist deswegen konvex und konkav abgerundet rund herum. Darüber ragt ein quadratisches Teil mit eher konventionellem Aussehen. Das Haus wird hier hell Blau gestrichen, aber so, dass die Farbe von unten nach oben immer heller wird.

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Das Haus liegt in eine flache Landschaft mit Kleinwald und Feldern, aber vom Osten bis Westen sieht man bei klarem Wetter den ganzen Alpenrand. Das Bauen wurde in eigener Regie geführt unter der Leitung von Enzo Nastati, der auch für die architektonische Idee verantwortet. Zwei Architektinnen haben bei der Ausführung mitgewirkt, und außer Mitglieder des eigenen Vereins haben Handwerker u. a. aus Polen gute Arbeit geleistet.  

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Im Eingangspartei ragen zwei Säulen – die eine blau und die andere rot - hoch auf, die ein darüber befindlichen Terrasse tragen. Geradeaus im gelben Wand ist der Portal zum unteren Saal. Auf beiden Seiten des Foyers sind zwei Treppen, die zum oberen Saal führen. 

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Hier ist die linke, rote Seite des Foyers zu sehen. Im Treppengeländer aus Eisen nach dem Design von Nastati entsteht das Muster durch eine immer weitergehende „Spiralwelle“.

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In der blauen Nische im blau-gelben Treppenhaus soll eine Maria-Skulptur aus Holz stehen - in der Nische auf der anderen Seite gleichermaßen eine Michael-Skulptur. Der Künstler und die Finanzierung dafür sind noch nicht gefunden. Ist jemand interessiert?

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Im oberen Saal, das auf drei Wänden gelb und auf dem Westwand blau gestrichen ist, werden Seminare, künstlerische Kurse und andere Zusammenkünfte stattfinden. Durch die vielen Fenster, die auch Fensterläden wegen der Sommerhitze haben, gibt es wunderbare Aussichten in allen Richtungen. 

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Wo die zwei Farben sich auf beiden Seiten über den Treppen grün begegnen, sind einfache Baummotive - hier mit Venus oder Birke geknüpft, auf der anderen Seite mit Saturn oder Kiefern - in gemeinsamem Malen entstanden. Wo die Flammen gemalt sind - auf der Gegenüberseite ist es ähnlich gemacht - werden später Hochöfen für Holzheizung stehen.  

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Im unteren Saal, das in violetten Tönen lasiert ist, werden Studienarbeit, Forschungstreffen und feierliche Aktivitäten stattfinden. Im Untergeschoß befinden sich noch diverse weitere Lokalitäten wie eine Küche mit Abstellraum, ein Technikraum, Toiletten, eine Arztpraxis und eine Therapieabteilung. Wo die leuchtenden Löcher in der Wand sind, kommen noch schöne Leuchten hin. 

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Die ansehnliche Decke in diesem stillen Raum mit den runden Lichtfenstern wird eine Deckenmalerei bekommen. In der ersten Lasierphase schaffte ich, einwenig damit anzufangen. Der Bauherr sucht noch finanzielle Donationen für diese Deckenmalerei - weil sie nicht eingeplant war -, die voraussichtlich in der Weihnachtszeit unter Mitarbeit von Helfern ausgeführt werden soll.

Alle Fotos unter diesem Rubrik stammen aus meinen Augen und aus meinen Händen.

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Casa per Michele liegt in eine flache Landschaft mit Feldern und kleinen Waldern, aber vom Osten bis Westen sieht man bei klarem Wetter die ganzen Alpengipfel. Das Bauen wurde in eigener Regie geführt unter der Leitung von Enzo Nastati, der auch für die architektonische Idee und die Gesamtgestaltung verantwortet. Zwei Architektinnen haben noch bei der Ausführung mitgewirkt, und außer Mitglieder des eigenen Vereins haben Handwerker u. a. aus Polen gute Arbeit geleistet.  

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2008/09/24

In der Fülle der Gondel





Am 26. Mai schrieb ich in meiner Chronik, dass ich zum Schicksal und zur Atmosphäre von Venedig zurückkommen werde. Etwas zur Stimmung dieser einmaligen Inselstadt lasse ich nun durch diese Fotos durchkommen – die ich gerade bekommen habe -, auch wenn sie nur ein Hauch von dem dort tatsächlich Erlebten und dem Geschauten vermitteln. Jemand sagte mir kürzlich, dass Fotos von einer Person überhaupt nichtssagend sind. Man müsse eher die Beweglichkeit und die Gestik sehen, die z. B. in einem Film deutlich wird. Ich bin halt von der alten Garde, die auch noch Stillbilder liebt, und der einzige Film in der ich als Statist mitspielte, war im Opfer von Andrei Tarkowski. Die Fotos vermitteln nun zuerst etwas anderes als Entbehrung. Venedig selbst lebt aber in einer dauerhaften Krise, da der Kern ihrer Einwohner scheinbar die erwürdige Vergangenheit nicht als etwas Verflossenes akzeptiert, sondern versucht, an der Glorie festzuhalten. In der Karmaarbeit durfte ich in eine venezianische Familie hineinschauen. Dort lebt dieselbe Niedergangsstimmung wie im Film von Tarkowski. In der Gondel kann man glücklicherweise diese Tragik für eine Weile vergessen, um sich etwa für ein inneres Opfer vorzubereiten.  

Alle Fotos sind vom © Claudio Zanette.

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2008/09/23

Ist Sebastian Gronbach eine Gefahr?

In einem Kommentar seiner eigenen Rezension des Buchs Missionen von Sebastian Gronbach - das ich schon im Frühjahr besprach - drückt Christoph Kühn auf seinem Blog A Goy’s World seine Überraschung aus, dass ich „eine Gefahr in dem Buch bzw. seinem R.- und Karmaverständnis“ sehe. Kühn schreibt in der Rezension, dass man selbst merken kann, „dass Gronbach eingefahrene Denkmuster gegen den Strich bürsten will und dabei gerade auch in Bezug auf eine anthroposophische Leserschaft provozierend plakative Formulierungen wählt.“ Vor genau 10 Jahren wurde ich von einem in der Öffentlichkeit renommierten Anthroposoph in interner Führungsposition als „eine große Gefahr für die anthroposophische Bewegung“ bezeichnet. Wie dieser heute zu Sebastian Gronbach steht oder stehen würde, wäre interessant zu wissen; ich werde darüber aber nicht um Auskunft bitten.  

Kühn findet bei Gronbach kritische Ausführungen über die anthroposophische Rezeption von Rudolf Steiners Christologie und Karmaforschung, aber er findet auch, dass „das Buch etwas Visionäres“ hat, und er erhofft sich im großen Ganzen für das Buch seines Blognachbars nur Gutes: „Es wäre ihm zu wünschen, dass es in anthroposophischen Zusammenhängen eine große Leserschaft gewinnt.“ Was dieses Visionäre in Bezug auf Rudolf Steiners Anthroposophie sein sollte, führt Kühn jedoch nicht aus. Ich kann selbst da nichts Entsprechendes finden, weil ich mit visionär etwa fortschrittlich sein meine. Falls Kühn mit dem Wort aber eingebildet sein meint, bin ich jedoch einverstanden.

Es gaben inzwischen mehrere Buchbesprechungen zu den Missionen, wobei einige ebenfalls sehr kritisch waren. Hier möchte ich nur kurz das Urteil von Anna-Katharina Dehmelt in der Wochenschrift Das Goetheanum (Nr. 24/2008) erwähnen, das zu einer scharfen Antwort von Holger Niederhausen führte. Dehmelt, die Gronbach persönlich kennt, schreibt ihn direkt an: „Von der Lektüre deines Buches geht ein gewaltiger Modernisierungsschub aus. Irgendwie war man bisher wohl hoffnungslos naiv gegenüber der Anthroposophie:“ Niederhausen wiederum - der seine Zuschrift auf Dehmelts milde Beurteilung zu einem scharfen Kritik für die Zeitschrift Der Europäer (Nr. 8/2008) umgewandelt hat - sieht in Gronbachs Missionen eine Irreführung. Niederhausen schreibt: „Gronbachs Buch erscheint an manchen Stellen auf den ersten Blick tatsächlich ‚mutig’ und ‚authentisch’, bei genauerem Lesen jedoch als hoch-mütig und narzistisch. […] Gronbach vertritt geschickt die vom Info3-Kreis gepflegte und verbreitete Vorstellung, die Anthroposophie führe zum All-Eins-Erleben eines kosmischen Bewusstseins, und Michael, Christus und andere Wesen seien heute unbrauchbare Symbole, die Steiner seinerseits benutzt hat, um Menschen zu diesem Erleben zu führen.“...[weiter]

Abgelegt in Chronik

Traum oder Karmabewusstsein? Dieses Foto wurde in einem Hotel an der Atlantikküste in Galizien, Spanien, im März 2007 aufgenommen. © Miguel Lopez Manresa.

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Rudolf Steiner jr.

Christopher Rudolf Steiner heißt ein junger Mann aus Gladbeck, der seit August 2008 den Blog Anthroposophie in der Gegenwart betreibt. Er ist ein Urenkel Gustav Steiners, der Bruder war von Rudolf Steiner. In seinem Profil schreibt er über sich: „Mit einiger Berechtigung darf ich mich, wenn auch augenzwinkernd, Rudolf Steiner jr. nennen. Es ist naheliegend dass ich mich mit dem Werk meines Urgroßonkels auseinandersetze. Meine Gedanken oder bisweilen auch Forschungsergebnisse möchte ich auf diese moderne, wenn auch ahrimanische, Art und Weise mit meinen Mitmenschen, ob sie es wollen oder nicht, teilen.“

In seinem Blog vom 19. August schreibt er z. B. über die Rassismusvorwürfe gegen Steiner: „Wenn Vorwürfe kommen, und Rassismusvorwürfe sollte man immer ernst nehmen, sollte man den Sachverhalt genau prüfen. Leider passiert das zu selten.“ Christopher Rudolf Steiner zeigt, dass der Begriff Rassismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. Und er weist auf Prof. Dr. Ulrich Kattmann, der in Wikipedia zitiert wird: „In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der biologische Begriff der ‚Rasse’ mit dem ethnisch-soziologischen Begriff ‚Volk’ vermengt. Ein Zusammenhang phänotypischer Merkmale mit charakterlichen oder intellektuellen Eigenschaften besitzt jedoch keine wissenschaftliche Grundlage."
 
Steiner jr. zeigt auf, dass man zu Steiners Ausführungen in
Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit dergermanisch-nordischen Mythologie von 1910 (GA 121) – wo die meisten Aussagen Steiners zu diesem heutzutage heiklen Thema zu finden sind - sagen kann: „dass er kompletten Blödsinn redet, aber bestimmt keine rassistische Wertung mit dem Eingangszitat vornimmt, auch wenn er sich, für sich genommen und isoliert, scheinbar so anhört. Man muss halt auch den Zusammenhang nennen.“

Und er zitiert seinem Urgroßenkel aus einem Vortrag vor exakt 100 Jahren mit dem Buchtitel
Welt, Erde und Mensch, deren Wesen und Entwickelung sowie ihre Spiegelung in dem Zusammenhang zwischen ägyptischem Mythos und gegenwärtiger Kultur (GA 105, S. 183f.) dazu: "In unserer Zeit wird der Rassenbegriff […] verschwinden, da wird aller von früher her gebliebene Unterschied nach und nach verwischt… Wir können noch von Rassen sprechen, aber nur in einem solchen Sinne, dass der eigentliche Rassenbegriff seine Bedeutung verliert." 

Ich werde die weiteren Veröffentlichungen von Christopher Rudolf Steiner auf seinem nicht gerade modisch auffälligen Blog - was das Design betrifft - mit großem Interesse verfolgen, da seine feinsinnigen Argumente und sein freilassender Stil die Erwartung eines ‚aufdatierten Anthroposophen’
entstehen lassen.

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2008/09/22

Thrymskvida – ein aktuelles Lied

Seit vielen Jahren bin ich eingeladen, im Camphill-Dorf Jøssåsen bei Trondheim für alle interessierten Bewohner sowohl Vorträge als auch künstlerische Darbietungen zu geben. Wir haben früher mit unterschiedlichen Themen gearbeitet wie Naturwesen, griechischer Geschichte und Schicksalszusammenhängen zwischen mehreren Leben. Mit einer Kerntruppe der Mitarbeiter leitete ich in den vorangegangenen Jahren Gespräche und meditative Übungen, um aufzuarbeiten eine Reihe von Aspekten aus früheren Kulturen zu konkreten Lebensmotiven, die mit der Problematik der Gegenwart am Jøssåsen und an anderen Orten zusammenhängen.

Auch für die Betreuten wurden durch Gespräche und Improvisationstheater solche Fragen mit Begeisterung und viel Spaß dabei bewegt. Das Improvisieren hat sich als eine sehr folgerichtige Arbeitsart erwiesen, zumal mehrere der Dorfbewohner fast keine Sprache haben, sondern sich nur mit Gesten und des augenblicklichen Einordnens in einem Geschehen mitteilen können. Oft wurden wir mitten im Dramatisieren z. B. der Naturwesen von dem Unmittelbaren eines sprachlosen Auftritts dermaßen verblüfft, dass wir gleich staunten und lachen mussten.    

Im Zeitraum 17.-21. August hatte ich wieder die Möglichkeit dort Gast  zu sein. Von Montagabend bis Donnerstagmittag dieser Woche gab es wieder wie vor einpaar Jahren einen nationalen Dorfkonferenz - einen sogenannten „Landsbykonferanse“ - mit frohen Teilnehmern von anderen norwegischen Camphilldörfern wie Kristoffertunet, Vallersund, Hogganvik und Solborg. Außer dem Morgenkurs, dass ich gab, konnte man Modellieren, Filzen und Musik vor- und nachmittags üben. Jeden Morgen nahmen wir uns anderthalb Stunden Zeit für das „norrøne“ (altnordische) Dichtwerk Thrymskvida, das Thrymlied. Wir lasen und rezitierten die Strophen und die Repliken in diesem interessanten – und wie es sich bald herausstellte – sehr aktuellen Lied.  

Die Geschichte beginnt damit, dass der Gott Thor entdeckt hat, dass sein Hammer gestohlen worden ist. Er erzählt dies seinem Freund Loki, der zur Unterwelt - genannt „Jotunheimen“ wie das in Westnorwegen existente Hochplateau - fährt, um die Sache zu untersuchen. Dort wird es klar, dass der König der Riesen, der Thursenfürst, genannt Thrym, ihn gestohlen und versteckt hat. Wieder gut zu Hause angekommen, erzählt Loki einer aufgeregten Ratsversammlung der Götter in Asenheim – ihr Versammlungsort heißt in Norwegisch „Midgard“, der Mittelhof -, dass Thrym gerne den Hammer zurückgibt, falls er die schöne Göttin Freyja als Gemahlin bekomme. Dieweil Freyja dieses Angebot ablehnt, bekommt der weise Gott, Heimdall, die Idee, dass Thor sich in Frauenkleidern kostümieren und zu Thrym fahren könnte, um ihn zu überlisten. Mit Hilfe von den Gewändern Freyjas und ihrem Schmuck – unter Anderem mit dem sogenannten Halsband, genannt „Brisingamen“ – fahren nun Thor getarnt als Braut und Loki als Magd nach Riesenheim. Nach viel Umstand düpieren sie Thrym und seine eitle Schwester, und somit gewinnen sie den Hammer zurück. 

Wir arbeiteten mit diesem Inhalt, indem wir zuerst viele verschiedene Klöpfel, Schmiedehammer und Keilhammer, die eingesammelt und mitgenommen waren aus den Häusern und vom Bauernhof. Besonders ein kleiner Hammer für Metallschmiede erweckte die Bewunderung von allen. Den riesenschweren Vorschlaghammer probierten auch einige aufzuheben. In unserem improvisierten Drama wurde dann später einer dieser Handwerkzeuge als Thors Hammer ausgewählt. Wir nutzten auch schöne Trachte, Kleider und Perücke aus der Theatergarderobe, und mit schönen Ohrenhängen, Kolliers, Armbändern und Ringen – die die Teilnehmer aus ihrem privatem Besitz ausliehen – wurden diejenigen, die Thor und Loki spielen wollten, drapiert und übertüncht. Sogar Lippenstift kam zum Nutzen für die zwei Herren in Frauenkleider, die ihre Schüchternheit überwanden, ungeachtet des vielen Schmunzelns und des Lachens während unseren Gesprächen und Übungen.  

Wir debattierten viel während des Lesens und Übens der zweiunddreißig Verse. Wir sprachen lange und gut vom Wetter, vom Blitzt und Donner, von Naturkatastrophen, Erdbeben und von dem Fall, wenn ein Tsunami aufzieht, – und wir unterhielten uns durch Beispiele der Teilnehmer über Arbeitsverhältnisse, über das Thema des Sich-geschmackvoll-Machens, über das Kostümieren, über das Lügen und was es heißt, wahrhaftig zu sein und über das Stehlen und wie man sich fühlt, wenn etwas von einem weggeschnappt worden ist.

Viele interessante Erlebnisgeschichten kamen ins Licht, und Aspekte über wie schmerzlich und abstrus es sein kann, einen lieben Gegenstand verloren zu haben, ein Schmuckstück, ein Portmonee, ein Fahrrad usw. Wir redeten auch darüber, wie schwierig es sein könnte, solche Ereignisse aufzuklären, auch wenn die Polizei eingekoppelt worden sei. Sachen konnten für immer verloren sein, oder jemand hatte erlebt, dass selbst andere Erwachsene oder Mitarbeiter nicht bereit waren, herauszufinden, wer das Verbrechen begangen hatte. Das Schwierigste kann aber die Situation sein, wenn jemand beschuldigt wird, etwas gestohlen zu haben, und so ist es überhaupt nicht wahr gewesen, aber weil man z. B. kein Alibi hatte, ist es nicht leicht, seine Unschuld zu beweisen. Mit solchen Meinungsaustauschen über Phänomene, die alle erlebt hatten oder von denen man gehört hatte z. B. in den Nachrichten, erschlossen wir, dass das uralte Thrymlied solche Ereignisse, Gefühle und Tugenden berühren, die uns heute noch allen angehen.

Auf frischer Tat von der Wahrheit selbst wurden wir am dritten Tag ertappt, als es sich zeigte, dass die allermeisten Schmuckstücke – die während der ganzen Tage auf einem Tisch in der Ecke des Saals gelegen hatten – in der Nacht oder am letzten Abend gestohlen waren. Somit wurden wir mit unserer eigenen unmittelbaren Wirklichkeit konfrontiert und mit den Gefühlen, Schmerzen und Formulierungen, die sich direkt der Tatsache anschlossen, dass „unsere“ Kleinodien verschwunden waren. Sofort verordneten wir eine Kommission mit Wortführer, einigen Nichtbetroffenen und Repräsentanten einiger der direkt Berührten. Weil wir doch versuchen wollten, unser Morgenkurs über Thor, Loki, Freyja und die andere nordisch-germanische Götter in annähernd einer Harmonie abzuschließen, mussten wir unser Verlass daran setzen, dass die Kommission ihre Arbeit später aufnehmen würde. Meine Hoffnung ist es ebenso, dass ich irgendwann Genaueres von diesen Ermittlungen hören darf, damit ich von einer Aufklärung der Dieberei auf meinem Blog berichten kann.

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2008/09/19

Bevölkerung gegen Wall Street

Hallo - Die Pleiten und Pannen in der globalen Finanzwelt eskalieren - von Zusammenbrüchen und Notverkäufen zu Renten, Arbeitsplätzen und der Gefahr einer Rezession. Soeben habe ich über untenstehenden Link eine dringende Petition unterzeichnet, die die Missstände ansprechen und beseitigen soll. Sie ist kurz davor, an europäische Spitzenpolitiker übergeben zu werden. Um jedoch einen Eindruck zu hinterlassen, brauchen wir einen weltweiten Aufschrei, um die Mängel zu beseitigen und die Lücken zu schließen und sicherzustellen, dass das öffentliche Interesse in Zukunft berücksichtigt wird. - Bitte folgt dem folgenden Link und entschließt euch, daran teilzunehmen.“

Ich habe dieses wichtige Hinweis zu AVVAZ – wie so oft früher andere Tipps - von meinem guten, spirituell tätigen Freund, Christian Moos, bekommen. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, Iris Madenach, betreibt er das Strohhaus in Altenkessel, Saarbrücken, wo viele interessante Seminare stattfinden. In Oktober arrangieren sie am Donnerstag den 23. um 20 Uhr ein Vortrag vom niederländischen Standup-Philosoph und Autor, Roland van Vliet, über eine wieder entdeckte Geistesströmung: Der Manichäismus - das vergessene Christentum des Herzens.

Ein Grund der heutigen Finanzkrise liegt ja gerade darin, dass die Ideale dieses Christentums des Herzens nicht genügend in unserer Zivilisation berücksichtigt werden.

ÜBER AVAAZ
Avaaz.org ist eine unabhängige nicht-profitorientierte Organisation, die internationale Kampagnen organisiert und sicherstellt, dass die Meinungen und Wertvorstellungen der Weltöffentlichkeit globale Entscheidungen mitbestimmen (Avaaz bedeutet „Stimme“ in vielen Sprachen). Avaaz akzeptiert kein Geld von Regierungen oder Konzernen und wird von einem internationalen Kampagnenteam geleitet. Avaaz betreibt Büros in New York, Washington DC, London, Paris, Genf und Rio de Janairo.

Illustration von mir: Geisteslicht (2007). Publiziert in Zusammenhang eines Aufsatzes von mir über Manichäismus und über die Verwandlung des Karmas mit dem Titel Geistige Amnestie in „Das Goetheanum“ Nr. 24-2007.

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2008/09/18

Freie Religiosität

Hei, liebe Leser und Freunde!

Ich bin aus Italien guter Dinge zurück. Wenn ich einige notwendige Gangs für den schon eingetretenen kalten Herbst und einpaar andere Pflichten erledigt habe, werde ich wieder einzelne neue Texte hier bringen. Mittlerweile könnt ihr die Worte unten von Steiner lesen und gegebenenfalls meditieren. Das Zitat ist nach der Webseite http://www.forumkultus.de/ wiedergegeben; in den Diskussionen um die Christengemeinschaft im EgoBlog brachte „barbara“ diesen Hinweis.

Alle freie Religiosität, 
die sich in der Zukunft 
innerhalb der Menschheit entwickeln wird, 
wird darauf beruhen, 
dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit 
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, 
nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. 
Dann wird es keinen Religionszwang geben können, 
dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, 
denn dann wird die Begegnung 
jedes Menschen mit jedem Menschen 
von vornherein eine religiöse Handlung, 
ein Sakrament sein, 
und niemand wird eine besondere Kirche, 
die äußere Einrichtungen 
auf dem physischen Plan hat, nötig haben, 
das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. 
Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, 
nur die eine Absicht haben, 
sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, 
indem das ganze Leben zum Ausdruck 
des Übersinnlichen gemacht wird.

Rudolf Steiner

Das Foto zeigt ein Ausschnitt einer Deckenmalerei in der Größe von etwa 20 M² von mir aus dem Jahr 1996 in der sozialtherapeutischen Einrichtung Mariagården in Umeå, Schweden. Zu der gerade angefangenen und viel umfangreicheren Deckenmalerei (etwa 100 M²) und der frühzeitig abgeschlossenen Lasurmalerei innen und außen im Kulturhaus Casa per Michele in Codroipo, Italien, werde ich dereinst zurückkommen.

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2008/09/04

Ein Geschenk für Foersterliesel

Goldener Adler attackiert einen Hasen

Liebe Liesel, ich schenke dir diesen Liljefors-Hasen! Ob er entkommen ist, bleibt offen. Der Vorlesungssaal, wo ich Teile meiner künstlerischen und pädagogischen Ausbildung in Järna, Schweden, hatte, war einst anfangs des 20. Jahrhunderts das Landhaus und Atelier vom berühmten schwedischen Landschaftsmaler Bruno Liljefors (1860-1939). Er nannte das Atelierhaus „Wigwam“, das es noch heute im Volksmund des Ortes heißt. Bei den Anthroposophen, die das schöne Haus in schlichtem Jugendstil heute besitzen, wird es „Vita Huset“ (das Weiße Haus) genannt, da es nach Liljefors Zeit auch angebaut wurde und in Besitz eines Molkereibesitzers war.

Das Bild ist nur ein in der langen Reihe der Tierbilder von Liljefors. Im Internet sind halt wenige frei zu kopieren. Wer viel Geld hat, kann sich noch ein echter Liljefors bewerben. Ein anderer schwedischer Tiermaler, der auch Hasen gemalt hat, heißt Nils Tirén. Sein Hase in Winterlandschaft ist hier zu sehen.

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2008/09/03

Der Almandin

Ein Gedenken an Rut Nilsson 
und einerlei zu karmischen Anhaltspunkten


„That we must neither buy nor sell. Money must not any longer (after our work of the Earths Community is advanced) be the great god that hedges in some and hedges out others, for money is but part of the Earth; for after our work of the Earthly Community is advanced, we must make use of gold and silver as we do of other metals but not to buy or sell.”

Geschrieben vom englischen Sozialreformator Gerrard Winstanley am 1. Juni 1649 in: A Declaration from the Poor Oppressed People of England 

Almandin ist ein häufig vorkommendes Silikatmineral. Es ist ein so genanntes Inselsilicat aus der Familie der Granate. Seine Farben liegen zwischen rot und violett. Seltenere Farbtöne sind rotbraun oder schwarz. Das Mineral kristallisiert im kubischen Kristallsystem typischerweise in rhombischen Dodekaedern. Es treten aber auch 24-flächige Trapezoeder, Kombinationen dieser Formen und manchmal auch 48-flächigen Hexoktaeder auf...[weiter]

Abgelegt in Chronik

Mit diesem Aufsatz verabschiede ich mich für eine Weile, da ich bis Mitte September in Codroipo, Italien, als Farbgestalter tätig sein werde.

Bild: Granat-Almandin in Matrix. Matrix bedeutet hier in der sogenannten Petrographie die Grundmasse magmatischer Gesteine und das Bindemittel in Sedimentgesteinen oder Porphyrisches Gefüge. Fundort: Brasilien

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