Gamamila

2008/12/23

Eine andersartige Weihnachtsgeschichte

Weihnachten zu feiern, bedeutet ebenfalls, sich mit der eigenen Kindheit und Kindheitskräften in Verbindung zu bringen. Im Bild der Reinkarnation heißt das auch, auf viele zurückgelegene Kindheiten, die ich in früheren Zeiten durchlebt habe, zurückschauen zu dürfen. Mein Kindsein steckt solchermaßen in meinem Wesen drinnen als eine vielschichtige Begebenheit, als eine Quelle, aus der viele Ströme fließen. Der Weihnachtsbaum mit den vielen Ästen, die sowohl zur Erde sich neigen als auch sich zur Himmel emporheben, die alle geschmückt sein dürfen, kann auch ein Gleichnis sein von diesem kindlichen Geheimnis.

Im Geheimnis der Geburt, wo das neugeborene Kind zum ersten Mal auftaucht, steckt auch ein Abglanz des Sterbens drin. Nicht nur vom Himmel, von den vorgeburtlichen, übersinnlichen Sphären muss die Menschenseele sich losreißen, sich quasi vom Himmlischen erlöschen lassen, um im Fleisch geboren zu werden, sondern sie muss auch dasjenige, was mit in den letzten Tot ging, mit sich tragen, um es in verwandelter Weise zur Erscheinung zu bringen. Manchmal können wir in neugeborene Babys den Weisen, oder sogar den Uralten schauen etwa im Blick oder im ganzen Gesichtsausdruck.

Wenn es uns in der Karmaforschung gelingt, mehrere Leben nacheinander zu erforschen, das Sterben in einem Leben zu begleiten und im Wiederauftauchen in einem neuen Leben dieselbe Individualität zu erleben, können wir echt neue Aspekte des Weihnachtsmysteriums bekommen. In der folgenden Geschichte leuchten solche Elemente durch. Da blicken wir hinein in die oft sehr tragische gemeinsame Geschichte von Europa, Afrika und Amerika, das aber in diesem Fall durch die Mitwirkung der Schicksalsmächte zu etwas Fruchtbares für unsere Gegenwart verwandelt wurde.

Die aufgezwungene Verlassenheit
Jemand, der in einer Initiative tätig war, die den Impuls verfolgte, eine Einrichtung für Menschen in der letzten Phase des Lebens aufzubauen, entdeckte eine Inkarnation, in der er das ganze Leben auf einer Insel in totaler Isolation von anderen Menschen leben musste. Als Junge spielte er damals oft allein am Ufer einer Bucht auf einer von tropischem Wald bedeckten Insel…[weiter]

Aufgelegt in Forschung

Paula Modersohn-Becker, Kinderakt mit Goldfischglas (1906/1907). Quelle: Wikipedia

Labels:

2008/12/20

Kein Ausfall mit Abakus

Meine Website und mein Blog waren seit Dienstag nicht mehr erreichbar, weil mein Server durch so genannter „technischer Ausfall“ geplatzt ist. Der Webspace-Anbieter, der Provider, bei dem ich diesen Serverplatz gemietet habe, hat auch nicht mehr auf Anfragen geantwortet, weder telefonisch noch per Email, sodass ich gezwungen bin, einen neuen Provider zu finden. Jetzt habe ich aufgeräumt und bin umgezogen. Damit wird es für mich monatlich teuerer, eine Internetpräsenz zu haben, aber es trifft außer der Unterbrechung selbst zunächst keine Leser dieser Seiten. Beim Wechsel sind die Bilder in meinem Blog leider verloren gegangen. Das liegt an den Begrenzungen des Blogger Systems. Allmählich werde ich vielleicht versuchen, einige der früheren Bilder wieder herzustellen.

Durch viele Recherchen und viel Lesen in Internetforen ist mein Einblick größer geworden, wie die Finanzkrise sich auch im Internetbereich schnell ausbreitet. Dort konnte ich auch fast Stunde für Stunde verfolgen, wie andere Kunden derselben Anbieter ihrer Frustration freien Lauf gegeben haben. Indem jeder Normalbürger als Provider auftreten kann, weil er sich Wiederverkäufer-Webhostingpakete kauft, kann er eigene und individuelle Webhostingangebote unterbreiten, vielleicht ohne professionelles Sachwissen und wenig finanzielle Kenntnisse zu besitzen. Die Reseller kaufen dabei Leistungen preiswert ein und können diese zu eigenen Konditionen und Bedingungen an ihre Kunden weitergeben. Nur die Gier nach leicht verdientem Geld hat diesen Irrweg der modernen Wirtschaft angetrieben.

In diesem egoistischen System ohne Transparenz ist es nicht leicht, zu ergründen, wo die reellen technischen Ausrüstungen eines Servers stehen, ob in Deutschland oder irgendwo in der Welt. Dass diese Entfremdungen irgendwann auch Auswirkungen auf den Verbraucher haben müssen, habe ich gerade unangenehm erfahren. Da hilft nur Aufwachen und soweit es möglich ist, sich zu informieren und zu gucken, ob man irgendwo sein Vertrauen abgeben kann oder nicht. So kann ich auch jetzt nicht garantieren, wie lange meine Seiten weiterhin verfügbar sein werden. Bleiben wir doch in der Hoffnung, dass mein Ausrechnen auf dem alten Abakus stimmt!

Bild: Der Abakus. Das älteste Gerät, das in rudimentären Anfängen einem heutigen Computer entspricht, ist der Abakus, eine mechanische Rechenhilfe, die vermutlich um 1100 v. Chr. im indo-chinesischen Kulturraum erfunden wurde. Der Abakus wurde bis ins 17. Jahrhundert allgemein benutzt und dann von den ersten Rechenmaschinen ersetzt. In ärmeren Regionen der Welt wird der Abakus noch immer als Rechenhilfe verwendet. Quelle: Wikipedia

Labels:

2008/12/12

Über die Enthüllung der Mysterien

Die Gesellschaft ist nicht mehr nötig, weil die Anthroposophie schon auf Erden ist. Auf den einzelnen Menschen kommt es jetzt an und die müssen dann zusammen bilden aus ihrer Entwickelung heraus einen höheren Verein, der seine Wurzeln hat in der geistigen Welt. Jede individualistische Entwickelung ist hiermit bewahrt, jede Freiheit des einzelnen Menschen und aus der Einsicht des einzelnen Menschen heraus fühlt er sich mit diesem Geistverein oder Michaelschule verbunden. So hat es mir in meinem Innern geklungen. Auf mein eigenes Darinnenstehen in diesem Impuls, darauf kommt es an. Das andere richtet sich von selbst.

Ita Wegman, 1935


Der Leiter des Ita Wegman Instituts für anthroposophische Grundlagenforschung (Arlesheim), Prof. Dr. med. Peter Selg, hat wieder ein bemerkenswertes Buch zum Lebenswerk von Rudolf Steiner und zum Wirken von Ita Wegmann veröffentlicht. Der inzwischen ernannte Professor für medizinische Anthropologie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft (Alfter bei Bonn) scheint derzeit zu sein einer der fleißigsten anthroposophischen Autoren. Er hat viele Veröffentlichungen nicht nur über die geistigen und sozialen Hintergründe des Wirkens von Steiner und Wegman und deren engen Zusammenarbeit geliefert, sondern er hat auch zahlreiche Publikationen selbst geschrieben oder koordiniert zu verschiedenen Themen der Anthroposophie, der Medizin und der Heilpädagogik und zu anderen Pionieren der anthroposophischen Bewegung wie u. a. Christian Morgenstern, Edith Maryon, Marie Steiner-von Sivers, Helene von Grunelius, Siegfried Pickert, Karl König, Gerhard Kienle. Außerdem hat er Bücher über andere beispiellosen Gestalten des 20. Jahrhunderts geschrieben wie Paul Celan und Nelly Sachs, Hans und Sophie Scholl, Rainer Maria Rilke und Franz Kafka…[weiter]

Abgelegt in Chronik 

Bild: Umschlag von Peter Selg, Rudolf Steiner und die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft. Quelle: Verlag des Ita Wegman Instituts

Labels: , , ,

2008/12/09

Sleipner


Als die Wüstenrose erblühte
als die Sonnenfinsternis
mit introvertiertem Zorn herannahte
begegnete ich unbeabsichtigt
meiner verstorbenen Freundin
in einer wolkenfreien Fassungslosigkeit
Die Sicherheit des Todes gibt es
selbst in der zarten Berührung
eines Zungenkusses

Es geschah an einem Freitag
in meinem grenzenlosen Gedenken
Zuerst vier Tage später hörte ich
vom fürchterlichen Schiffsunglück*
Damals konnte ich noch nicht weinen
über die neuen Verstorbenen
die ich kaum noch begegnet
Die geliebten Abgeschiedenen
nähern sich meinem Entsetzen

Eine andere Freundin und ich
verreisten mit Sleipner in dem Sommer
Wir besuchten deinem Ehemann und dir
Eure Kinder spielten auf der Wiese
Du warst eine Wiese, auf der ich hätte
geschätzt, absichtslos zu weiden
Spielend leicht tanzte dort der Kalb
Unaufhörlich fällt mir deine Haut
besonders blumenhaft auf

Zu ausgedehntem Tamburinton
sagtest du in der wuchernden Woche
dass du ein viertes Kind erwartet
mit jemand anderem, der keiner ist
als dein spielfreudiger Ehemann
Ich liebe ihn besonders
in der Brise der blauen Stunde
zu steifer Wind der Violinesaiten
ebenfalls in der Nachtmündung

Es ist famos, sagtest du
so brauchen keine Eifriger
Gerüchte zu verbreiten, anzuschwärzen
dass wir gegen Konventionen brechen
Wir verabschieden alte Gewohnheiten
und du brauchst nach geheimen Goldtafeln
auf zugewachsenen Pfaden nicht mehr suchen
keiner braucht auf glühenden Kohlen sitzen
für noch nicht veröffentlichten Autobiographien

Wir erzeugen neue Keime innerhalb
der geliebten Gefüge der Weltordnung
weil die Aluminiumvergiftung
scheint, festgeklebt zu sein
an meiner gnadenlosen Gehirnrinde
von der, ich nicht schaffe, zu genesen
nicht schaffe, mich zu entziehen
was deshalb meinen Geleitbrief
an die Aufmerksamen ausradiert

(Aus dem norwegischen Original 2001)

* 29.11.1999 erleidet die neu gebaute Katamaran-Fehre Sleipner Schiffsbruch bei Leuchtturm Ryvarden auf dem Weg von Haugesund nach Bergen (NO) in hoher See mit nahezu 6 Meter Wellengang. Über 20 Menschen kamen ums Leben.

Bild. Odin auf seinem achtbeinigen Ross Sleipnir; auf gotländischem Bildstein, Tjängvide (SE). Sleipnir war einer der Kinder Lokis (Luzifers). Quelle: Wikipedia

Labels:

2008/12/08

Sich gedulden

„Was ist denn das individuelle Große in der einzelnen Seele anderes als das, was der Keim des Großen in aller Weltenentwickelung der Menschheit ist? Wodurch haben Homer, Shakespeare, Dante, Goethe auf die Menschheit gewirkt? Dadurch, dass sie Egoitäten waren, dass in ihrem Innern ganze Welten waren, Welten, die nur aus ihrem Innern, aus ihrer Egoität herausgekommen sind. Dadurch aber werden – auf dem Umwege durch die Egoitäten – die Impulse des geistigen Lebens hereingetragen, welche von Epoche zu Epoche gerade die größten, nämlich die geistigen Taten der Menschheit vermitteln. Da ist wieder Luzifer drinnen. Da ist er der Lichtträger, der Impuls und die Macht alles Großen, welches aus der großen punktuellen, aus der einzelnen Menschenseele sprudelnden Ewigkeitskraft in die Menschheitsevolution ausstrahlt. Luzifer übt einen guten Einfluss auf die Menschenseele aus, wenn er der Anreger wird zum Herausholen alles dessen aus der Menschenseele, was der Mensch als sein Individuelles hinopfern kann am Altare der Menschheitsevolution. Luzifer wird ein böses Wesen, das heißt was er tut, wird böse, wenn er solche Impulse der Menschenseele gibt, dass diese nur alles zur Selbstbefriedigung in sich hineinführen will. Wie die Taten der Wesen wirken in der Welt, das muß man verfolgen, wenn man auf diese Wesenheiten hingewiesen worden ist. Die Wirkungen der übersinnlichen Wesenheiten kann man bezeichnen als gute und böse; die Wesenheiten selber nimmermehr.“ (Rudolf Steiner, in: GA 138. Seite 110f.)

Wenn ich mich von allen Resten ungünstiger Egoismus - sei es in Verbindung mit sinnlichem Besitz oder seelischem Neid – befreit haben, wird sogar Luzifer ein guter Begleiter und Aufpasser sein können in den übersinnlichen Ebenen, die ich durch Mediation betreten kann. Wer hätte das gedacht? Aus diesem Grund - falls man es verstehen möchte – wird es nachvollziehbar, dass einmal ein luziferisch inspirierter Hellseher mich als „luziferischer Eingeweihter“ versucht hat, abzutun.

Also gilt es nicht nur, sich von den sogenannten Widersachern zu hüten und zu entfernen? Habe ich Luzifer im Sinnesfeld erkannt, werde ich ihm gleichzeitig sozusagen nicht leicht verfallen können, wenn ich für kurze Zeit meinem physischen Leib wegen Geistestaten verlasse. Aber würde ich ihm trotz aller Vorbereitung doch verfallen, finde ich einen Garant der Wahrheit im Zeitgeschehen selbst und im Sich gedulden, im Erklingen der inneren Erlebnisse mindestens über drei Nächte und Tage, gemäß dem Hinweis des Evangelisten:

„Und sie bewahrten Schweigen über das Geschaute und erzählten in jenen Tagen niemand etwas von dem, was sie gesehen hatten.“ (Lukas-Evangelium, 9,36)

Bild: Hans Sebald Beham, Pacientia. Quelle: Wikipedia 

Labels: , ,

2008/12/05

Meister Bertrams Luzifer-Darstellung

Bild: Bertram von Minden, Grabower Altar, Petri-Altar, rechter Innenflügel, Außenseite. Ausschnitt. Quelle: Wikipedia

Heutzutage ist Hamburg bekannt als Brutstätte einer besonderen fanatischen Falange des islamistischen Terrorismus. Der neueste Roman von John Le Carré über die Misstrauensgesellschaft stellt Hamburg ins Zentrum der Ereignisse, die zum 11. September 2001 führten. Für mich ist Hamburg eine Stadt der bildenden Künste. Auch Rudolf Steiner erwähnte zweimal Meister Bertrams Luzifer-Darstellung, das noch heute in der Hamburger Kunsthalle zu sehen ist:

„Wie wird man denn nun, wenn man, innerlich geschaut, den Luzifer darstellen will, also eigentlich ein Mondenwesen darstellen müssen? Man wird ein menschliches Haupt darzustellen haben und etwas wie schlangenförmig daran hängend: das noch nicht verknöcherte Rückgrat. So stellt jener Meister Bertram aus dem 13., 14. Jahrhundert den Luzifer dar auf dem Baum zwischen Adam und Eva. Im Hamburger Museum können Sie das Bild so dargestellt sehen. Der Maler hat das gemalt, also war dazumal noch lebendig das Wissen von der geistigen Welt. Bis zu dem Wissen von der Gestalt des Luzifers war lebendig das Wissen von der geistigen Welt.“

(Rudolf Steiner, in: GA 167. Seite 46f.)

„Der Meister Bertram hat im Ätherischen geschaut, was da eigentlich mit dem Luzifer ist, und hat darnach gemalt. Es war unbewusstes, instinktives Hellsehen. Wenn das Weib den Luzifer zunächst sieht, ist er natürlich dem weiblichen Gesichte nachgebildet.“

(Rudolf Steiner, in: GA 168. Seite 28f.)

Bertram von Minden, auch bekannt als Meister Bertram (um 1340-1414/15), war einer der bedeutendsten Maler der Gotik. Der Ortsteil Bierde von Petershagen an der Weser gilt als Geburtsort von Meister Bertram, da dessen Bruder, Cord van Byrde, vermutlich den Herkunftsort im Familiennamen trug. Bertrams genaue Lebenszeit ist zwar unbekannt. Man vermutet aber, dass er eine Ausbildung bei den Hofkünstlern Kaiser Karls IV. in Prag genieß.

1367 wurde er als Bertram Pictor erstmals in Hamburg genannt, wo er bis zu seinem Tod als Meister tätig blieb. 1390 unternahm er eine Pilgerreise nach Rom und verfasste zuvor ein Testament. Er erhielt die wichtigsten Aufträge der Hansestadt, so sein Hauptwerk, den so genannten Grabower Altar (seit 1900 im Besitz der Hamburger Kunsthalle), der ursprünglich Hochaltar in St. Petri in Hamburg war. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Altar, nach Grabow abgegeben. Dadurch überlebte er den verheerenden Brand von St. Petri 1842. Das Werk zeigt im Mittelschrein Skulpturen von Heiligen, die manchmal auch Bertram selbst zugeschrieben wurden. Die Flügel zeigen den berühmten, ikonographisch sehr reichen und eigenständigen Bilderzyklus (u. a. die Schöpfungsgeschichte von der das Bildauschnitt stammt), der eine durch Hell-Dunkel-Abstufungen erreichte Plastizität der Figuren in italienischer Tradition mit reichen Naturbeobachtungen im Detail kombiniert.

Der um 1394 für die Hamburger St.-Johannes-Kirche angefertigte Passionsaltar, heute im Niedersächsischen Landesmuseum (Niedersächsische Landesgalerie) in Hannover, zeigt einen fortgeschrittenen Stil, insbesondere, was die Architekturen betrifft. (Diese Informationen über Meister Bertram habe ich leicht nach Wikipedia modifiziert.)

Labels: ,

2008/12/04

Luzifer erträgt keinen Witz

Luzifer wirkt von Innen ins menschliche Bewusstsein hinein. Sein Wille schafft oft Täuschungen in der Seele. Er wirkt mit seinem weisheitsvollen, luminösen Charakter sehr delikat auf unser Ego, sodass wir glauben, z. B. einen glänzenden philosophischen Gedanken oder einen künstlerischen Idee selbst hervorgebracht zu haben.

Luzifer möchte quasi ganz Esoteriker in uns sein. Er hat nicht das geringste Verständnis für eine harmlose Befriedigung an Dingen, die der Außenwelt entstammen. Er toleriert nur das, was durch das Innere animiert wird, wenn wir leidenschaftlich sind. Unser Begeisterung, Idealismus und besonders der Fanatismus in Religion, Politik und Wirtschaft bereitet ihm eine geistige Wollust. Dann kann er in unseres Bewusstsein heraufbeschwören, was sonst unterbewusst bleibt.

Aber trotz seiner erhabenen Weisheit, die mit den kulturellen Erzeugnissen der ganzen Menschheitsentwicklung zusammenhängt, kann er einen harmlosen Witz nicht verstehen. Steiner betonte, dass man sich gegen luziferische Angriffe dadurch schützen könne, dass man versucht, in dem zu leben, was auf harmlose Weise uns erheitert und von außen hereinkommend uns unterhält. (Vgl. Rudolf Steiner, GA 170, Seite 233f.)

Folglich mache ich den Versuch, ein kleines Kuriosum zu erzählen:

Es war einmal ein Bauherr, namens Giuseppe, der den Luzifer überlisten wollte. Giuseppe baute ein Konferenzcenter ohne Keller, damit Luzifer ihn im Keller nicht umgarnen konnte. Giuseppe baute einen hohen Zaun um das Grundstück, damit Luzifer ihm keine Schlinge legen konnte. Giuseppe baute raffinierte Schlösse in seinen Toren und Türen ein, damit Luzifer nicht einbrechen konnte. Giuseppe plante keine Heizung im Haus zu haben, damit Luzifer nicht unversehen durch den Schonstein sich einschleichen sollte. Giuseppe war glücklich, dass sein Konferenzcenter so geschickt konstruiert war, dass Luzifer ihn und seine Gäste nicht irreleiteten.

Giuseppe wurde aber sehr bestürzt, als er einen Gewittertag entdeckte, dass der Künstler, der sein Haus verschönern sollte, den Luzifer auf der Innendecke gemalt hatte. Giuseppe verjagte den Künstler und ließ das bunte Haus wieder Weiß streichen. Dabei vergaß er in seine eigene Seele zu gucken, wo Luzifer sich ganz gemütlich installiert und ein Spa für seine Getreuen hatte einrichten lassen.

Foto: Darstellung von Schiller und Goethe als Dioskuren (Halb- oder Zwillingsbrüder) von Peter Lenk. Quelle: Wikipedia

Labels:

2008/12/03

Gleichgewicht

Während meiner letzten und im innewohnenden Jahr 4. Italien-Reise erlebte ich einige innerlich unangenehme und äußerlich sehr dramatische Umstände, die sowohl meine sonst relativ gute emotionale Stabilität als auch mein seelisch-geistiges Gleichgewicht herausforderten und dazu mein Drinnenstehen im Weltgeschehen auf dem Punkt brachten. In kommenden Beiträgen werde ich vermutlich dazu näher zurückkommen.

Hier möchte ich nun etwas vorwegnehmen, um anzudeuten, wie knifflig und delikat solche Ereignisse für die eigene Urteilsfindung sein können. Es geht darum, die Mitte des eigenen Wesens in einem Gleichgewicht zwischen Gegensätzen zu suchen, die aber auch nicht statisch sein kann oder darf. Christus als richtunggebende Achse in der karmischen Spirallinie der Entwicklung wird dabei gefragt. Der Christus-Impuls ist nur zu begreifen, wenn wir ihn als ein Impuls des Gleichgewichts ansehen zwischen dem Ahrimanischen und dem Luziferischen, also zwischen polarisierenden Geistwesen, die entweder Luzifer oder Ahriman beizuordnen sind. Ein Zitat von Rudolf Steiner verdeutlicht es:

„Es handelt sich nur darum, daß im Menschengemüte der Gleichgewichtszustand herbeigeführt wird. Und weil das so ist, kann man dem Ahrimanischen und dem Luziferischen verfallen, gerade wenn man glaubt, alles Ahrimanisch-Luziferische abzuweisen. Gegen die Wirklichkeit läßt sich zwar sündigen, aber die Wirklichkeit läßt sich nicht unterdrücken! So wird jemand, der sich vor dem Ahrimanischen hüten will, sehr leicht dem Luziferischen, jemand, der sich vor dem Luziferischen hüten will, sehr leicht dem Ahrimanischen verfallen. Die Sache ist, daß wir das Gleichgewicht finden, daß wir vor keinem zurückschrecken, daß wir als Menschen Mut genug haben, sowohl, sagen wir, der ahrimanischen Furcht, wie der luziferischen Hoffnung oder Lust entgegenzutreten. Aber unsere Zeitkultur liebt dieses nicht, sie liebt, ohne daß sie es weiß, und selbstverständlich ohne daß sie es will, in gewisser Beziehung das Ahrimanische und das Luziferische. Sie glaubt sich davor zu hüten, verfällt ihm aber erst recht. Es gibt Philosophen, die sagen, sie streben nach der Einheit. Das ist schön, aber es ist rein luziferisch! Andere streben nach der Mannigfaltigkeit, wollen nichts wissen von einer Einheit. Auch das kann heute Früchte bringen, ist aber ahrimanisch. Nur derjenige, der die Einheit in der Mannigfaltigkeit, und wiederum die Mannigfaltigkeit so sucht, daß sich durch die Mannigfaltigkeit die Einheit offenbart, strebt nach dem Gleichgewichte. Es handelt sich nur darum, dass man die Möglichkeit findet, dies in der Wirklichkeit zu tun.“ (Rudolf Steiner in: Weltwesen und Ichheit, Dornach 1963, GA 169, Seite 105f.)

Foto: Die Füße eines Seiltänzers. Quelle: Wikipedia

Labels: