Das Wetter und frühere Rechtsverhältnisse
Vor Weihnachten deutete ich an, dass ich während meinem letzten Arbeitsbesuch in Italien einen gewissen Schicksalsschlag erfuhr. Um darauf einmal künftig nicht nur persönlich, sondern auch dokumentarisch zurückzukommen, möchte ich demnächst einige zur Einstimmung gedachten Fragen anschlagen, die den heiklen Vorfall zu einem allgemeinen Beispiel erheben könnte. Bei diesen Ereignissen spielte das Wetter mit Kälte und darauf folgendem Gewitter und Sturm eine bestimmte verhängnisvolle Rolle, indem es von einigen der Anwesenden als Ausdruck oder Spiegel für innermenschliche Befindlichkeiten und geistige Tatsachen gedeutet wurde. So möchte ich hier auf zwei Vortragsstellen bei Rudolf Steiner hinweisen, die zeigen, dass das Wetter etwas mehr ist, als nur das Äußere, das uns manchmal plagt oder erfreut.„Die Art und Weise, wie heute auf der Erde Wind und Wetter verlaufen, wie also der Rhythmus unseres äußeren Klimas sich vollzieht, ist im wesentlichen das Fortschwingen von Rhythmen, die durch das Rechtsleben im sozialen Organismus vergangener Zeiten veranlasst worden sind. Dasjenige, was als Rechtsgebiet sich um uns herum entwickelt, ist nicht etwas bloß Abstraktes, was die Menschen begründen, was entsteht und wieder verschwindet, sondern das, was zunächst ideell ist was zunächst im Rechtsgebiete lebt, es lebt in einer späteren Zeit des Erdendaseins in der Atmosphäre, in den Schwingungen, in der ganzen Konfiguration, in den Bewegungen der Atmosphäre.“
(Aus: Rudolf Steiner, Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung, GA 199, Dornach 1985, Seite 218)
„In den wetterwendischen Kräften der Erdatmosphäre, in dem leben unzählige geistige Wesenheiten, die in dem Elementarreich die Erde umspielen, niedere Geister, höhere Geister. Da draußen sind es die Luft und Wassergeister, die Feuer und Erdgeister, die da wirken im elementarischen Reiche, und die eigentlich den Egoismus der Erde darstellen. In uns selber sind es die elementarischen Kräfte. Aber diese wechselnden Kräfte in uns, die unser Alltagsleben regeln, das sind Embryonen, sind Keimwesen, die, nur als Keim, aber doch als Keim gleichen den elementarischen Wesen, die draußen in allem Wetterwendischen enthalten sind. Wir tragen die Kräfte derselben Welt in uns, indem wir denken, fühlen und wollen, die als dämonische Wesen im elementarischen Reich in Wind und Wetter draußen leben.“
(Aus: Rudolf Steiner, Die Welt des Geistes und ihr Hereinragen in das physische Dasein. Das Einwirken der Toten in die Welt der Lebenden, GA 150, Dornach 1980, Seite 112f)
Die Januarkälte
Das hier abgebildete Januarbild (beim Klicken auf das Bild erscheint es auf dem ganzen Bildschirm) aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry ist das bedeutendste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Das reichhaltig verzierte Werk enthält 208 Blätter, von denen etwa die Hälfte ganzseitig illustriert ist. Wegen dieser prächtigen und kunstvollen Ausgestaltung zählt das Buch zu den größten Meisterwerken der Buchmalerei. Besonders die Kalenderblätter besitzen durch ihren Detailreichtum außerdem einen hohen authentischen Wert für die Kenntnis der Kultur der damaligen Zeit. Das Originalmanuskript befindet sich heute im Museum des Schlosses Chantilly bei Paris.
Interessanterweise zeigt die Tapisserie, die den Bildraum nach hinten abschließt, angeblich eine Szene aus dem Trojanischen Krieg, ausgeführt in den Kostümen der Entstehungszeit des Blattes um 1400. Somit kann man den Eindruck bekommen, dass ein einstiges historisches Ereignis mit dem unmittelbaren jahreszeitlichen Bedingungen der Januarkälte zu tun haben könnten gemäß der Schilderung oben von Rudolf Steiner. Auf diesem Kalenderblatt wird die besondere Rolle des auf der blauen Sitzbank sitzenden Herzogs durch den Wandschirm betont, der ihn vor der Hitze des Feuers schützen soll. Der gelbliche Schirm wirkt wie ein Nimbus, vor dem sich seine blaue Festkleid und die Pelzmütze dekorativ abheben.
Ein in den goldenen und roten Farben des Baldachins bekleideter Zeremonienmeister (links vom Herzog mit Stab) ruft die Zugelassenen zu einem Neujahrsempfang herbei. Die Eintretenden heben die Handflächen zum Feuer, um sich zu wärmen. Diese Geste war im Mittelalter so selbstverständlich, dass das Feuer selbst als sichtbare Erklärung nicht notwendig war, oder wie hier nur angedeutet ist. Die Strohmatten auf dem Fußboden schützen gegen die Kälte, und unter den neu Eingetretenen befinden sich noch zwei Männer mit grauen Wollmützen, die den Winter akzentuieren.
Bild: Monat Januar. Aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures). Quelle: Wikipedia


3 Kommentare:
lieber Jostein,
das Stundenbuch (ich kenne aber nur die 12 Monatsbilder) liebe ich auch sehr! Es gibt noch ein bäuerliches Winterbild drin , mit einem Schafpferch und die Leute wärmen sich am Feuer. Danke für die Erläuterungen, man bleibt sonst an den Details der reichen Tafel (mit den frechen Katzen)hängen. Danke auch für die Erklärungen zum Wetter!
Von
Foersterliesel, Am/um
8. Januar 2009 17:35
es ist das Februarbild und einen Ausschnitt davon gibts hier (beim Strumpfmuseum!)http://www.deutsches-strumpfmuseum.de/geschichte/geschichte_05.htm
Von
Foersterliesel, Am/um
8. Januar 2009 17:43
Liebe Liesel,
bei dem ersten Link hatte ich falsch getippt. Ich habe es korrigiert, sodass man direkt zur Seite bei Wikipedia kommt, wo weiter unten Links besteht zu den anderen Seiten in dem wunderbaren Buch, z. B schau hier vorbei betreffend der Apokalypse:
http://www.christusrex.org/www2/berry/f90v.html
Die Berry-Bilder haben viel imaginative Kraft und sind voller schöpferischen Phantasie.
Von
Jostein, Am/um
8. Januar 2009 21:08
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