Gamamila

2009/01/20

Wie man in den Wald hineinruft…

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

Adolph Freiherr Knigge (1752-96)

Zum Internetauftritt von Holger Niederhausen

„Auf Mieke Mosmullers kritisches Buch zu Judith von Halle habe ich allerdings schon hingewiesen. In dasselbe Horn bläst Holger Niederhausen auf seiner Website - nicht nur in diesem Aufsatz. Er beschäftigt sich auch mit der ‚Christusleere’ Sebastian Gronbachs, macht aber in einem Aufwasch auch die gesamte gegenwärtige Anthroposophie herunter: ‚Die Anthroposophie ist tot. Sie starb, weil niemand das reine Denken entwickelte, zu dessen Entwicklung Rudolf Steiner im Grunde immer wieder aufgerufen hatte. Wenn aber die Anthroposophie tot ist, kann sie auch die menschliche Kultur nicht mehr befruchten.’ Niederhausen lässt in seinem pessimistischen, engen Blick offenbar nur die Bücher Mieke Mosmullers gelten: ‚Man muss es so drastisch beschreiben, wie Mieke Mosmuller es in Ihrem erschütternden Buch Der lebendige Rudolf Steiner tut. Die Anthroposophie liegt als Leichnam am Boden. Sie starb mit Rudolf Steiner – und wurde wie eine Mumie so gepflegt, dass nachfolgende Generationen von ‚Anthroposophen’ sie mit ihrem eigentlichen Wesen verwechselten – so wie man ihr Wesen schon zu Steiners Zeiten nicht erkannt hatte, sondern immer wieder ein zu äußerliches Verständnis hatte: von der Philosophie der Freiheit, von der sozialen Dreigliederung, von allem...’ 

Diese Beispiele ließen sich nahezu endlos fortsetzen. Auf staatlicher Ebene würde man von ‚separatistischen Bewegungen’ mit einem Alleinvertretungsanspruch sprechen, der mehr oder weniger drastisch vorgebracht wird. Fast alle Separatisten beklagen das Ende der Anthroposophischen Bewegung - ob die von Halle-Ecke, ob Niederhausen oder Gronbach - und präsentieren ihre jeweiligen allein selig machenden Lösungen. Man hat den Eindruck, dass die Fragmentarisierung der Bewegung voran schreitet, mit zunehmend schrilleren Tönen.“
 
Dieses charakteristische Zitat aus dem Text genannt Fragmentarisierung habe ich von dessen Autor Michael Eggert ausgeschnitten, um auf den Autor Holger Niederhausen zu kommen. Durch seine Beiträge in der Wochenschrift Das Goetheanum kenne ich dessen Namen. Seine Internetpräsenz habe ich mich nun näher angeschaut, und zu einigen seiner Standpunkte und Informationen möchte ich einige Kommentare geben und Nachfragen aufstellen...[weiter]

Abgelegt in Chronik

Bild: Echo und Narcissus (gemalt von John William Waterhouse). Echo ist in der griechischen Mythologie eine Tochter der Gaia, eine Oreade, und die Nymphe des Berges Helikon. Quelle: Wikipedia

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12 Kommentare:

  • lieber Jostein,
    ich versteh von alldem ja nichts, die Bücher von Frau Mosmuller möchte ich nun doch auch lesen.
    Dieses Zerfallen in groupuscules/Kleingrüppchen gibt es bei allen hochidealistischen Bewegungen...ich denke er ist einfach sehr enttäuscht.
    herzlichen Gruß!

    Von Blogger Foersterliesel, Am/um 20. Januar 2009 22:37  

  • hör mal du trottel! gronbach beklagt an keine stelle den tod der anthroposophischen Bewegung. im gegenteil. beweis mal das gegenteil. er ist einer der wenigen, die sich nicht nur in der anthroposophischen gesellschaft engagieren, sondern darüber hinaus neue menschen für diese anthroposophische bewegung gewinnt und mit großer freude in der anthroposophischen bewegung menschen zusammenführt. bei zahlreichen gut besuchten veranstaltungen in denen es immer darum geht, dass anthroposophie LEBT! du nase bist ausgetreten. gronbach arbeitet mit bewegung und gesellschaft eng zusammen.
    du bist der outsider. man kann seinen blog mögen oder nicht, aber er geht raus und bewegt die leute. eggert bloggt in seinem kämmerlein. gronbach rockt mit menschen, wo menschen sind.
    trottel.

    Von Anonymous Anonym, Am/um 21. Januar 2009 07:01  

  • Liebe Foersterliesel,

    zum Verstehen dieser Dinge bracht man auch Zeit. Ich vergleiche einmal, was z. B. Mieke Mosmuller schreibt mit meinen eigenen diesbezüglichen Erfahrungen und dann mit den Ausführungen von Rudolf Steiner. Aber zuerst im Kontext vieler Gesichtspunkte, entsteht ein Bild, um was es in einem bestimmten Fall wie dieser geht. Holger Niederhausen kann ich gut folgen, weil er so viel Material zur Verfügung gestellt hat über seine Kontakte mit den Redaktionen. Einigen seiner Schlussfolgerungen kann ich mich aber nicht anschließen, wie du gelesen hast.

    Von Blogger Jostein, Am/um 21. Januar 2009 10:14  

  • Lieber Anonym,

    Wäre ich ein Trottel, würde ich wahrscheinlich diesen Blog nicht betreiben können, geschweige denn gewisse andere Dinge im Leben schaffen. Nun gut, du bist frei mich alles Niederträchtige zu nennen aus der Perspektive deines schönen Anonymitätssofas. Welche Farbe hat er?

    „gronbach beklagt an keine stelle den tod der anthroposophischen Bewegung“, schreibst du. In diesem Beitrag habe ich ja außerdem überhaupt nicht über Sebastian Gronbach und seine Tätigkeit geschrieben. Michael Eggert hatte ihn (im Zitat) im Vorüber erwähnt. Hier ging es nun hauptsächlich um Holger Niederhausen und seinen Veröffentlichungen. Hast du den Aufsatz nicht gelesen? Übrigens geht es mir nicht um ein Entweder-Oder. Gronbach ist in mancher Hinsicht sicher in Ordnung, und ich bezweifle nicht, dass er gute Sachen tut, die viele Menschen interessieren. In meinen früheren Beiträgen über ihn, habe ich einige Aspekte in seinem Denken behandelt, wo ich finde, dass er mit meiner Sicht der Anthroposophie, nicht kompatibel ist, und wo er nachweislich gegen Rudolf Steiners Anthroposophie sich aufstellt, etwa im Verständnis geistiger Wesen.

    Was mein Austritt aus der Anthroposophischen Gesellschaft betrifft, erfolgte sie aus bestimmten Gründen, die damals nicht geklärt werden konnten. Diese Tatsache ändert nichts daran, dass ich mancherorts z. B. in Norwegen und in Portugal noch heute Vorträge und Seminare halte, die von der AG arrangiert wird. Ich habe selbst bis jetzt ebenfalls nicht geschrieben, dass die Anthroposophie Tod sei; falls du dies bei mir irgendwo herausliest, liegt ein Missverständnis vor.

    „gronbach rockt mit menschen, wo menschen sind.“ Das tue ich auch, und viel mehr Sachen, die nicht immer auf mein Blog kommen.

    Von Blogger Jostein, Am/um 21. Januar 2009 10:45  

  • @Anonym (na, wenigstens Namen nennen, wenn man prollt, sonst siehts doch billig aus): Was haben denn die Egoisten mit Gronbachs Blog zu tun? Kann man doch nicht ernsthaft vergleichen. Ich mache ein absolut privates Blog, repräsentiere niemanden und nichts, will niemanden missionieren, institutionell aufrollen, ideologisch aufrüsten oder meine beruflichen Ambitionen damit realisieren und untermauern. Da besteht schon in der Intention ein Graben, von den Inhalten und der Form zu schweigen.
    Michael

    Von Blogger mick321, Am/um 21. Januar 2009 23:21  

  • Es ist schon bemerkenswert, dass N. die Anthroposophie nur tot sehen kann. Ober er sich so verfangen hat, wie es R.St. in der 5. Std. beschreibt?
    Gruß Barbara

    Von Anonymous Anonym, Am/um 21. Januar 2009 23:47  

  • Lieber Michael, da hast du wahrlich recht. Immer wieder muss das eigene Bestreben vor der Welt klargemacht werden, weil irgendjemand im Gefängnis des eigenen Denkens, Fühlens oder Wollens dieses Anliegen missversteht. Vielfältigkeit und Freiheit im Kulturleben ist und bleibt eine schwierige Sache für enge Köpfe. Da bin ich auch froh, dass wir – du Michael und ich – unterschiedliche Angehensweise haben. Die Grenzen zwischen meinem Privaten und meinen Hobbys hin zu meinen beruflichen Aktivitäten sind fließend und manchmal sich übergreifend. Ich möchte gar nicht diese Gebiete so voneinander trennen, sondern versuche eine Lebenskunst zu entwickeln, die das ganze soziale Leben neu definieren lässt. Das bringt oft Dinge und Gewohnheiten durcheinander und Menschen kriegen Angst. So entsteht die Aufgabe, allen Beziehungen und Begebenheiten die Klarheit zu geben und die Aufgaben zu definieren. Da ist es selbstverständlich leichter, mit klaren Grenzen sein Leben „aufzuteilen“, sowie wir es aus der Tradition gewohnt sind. Meine Website und mein Blog zeigen allenfalls auf dieses Mannigfache hin, aber ich repräsentiere auch nur mich selbst, und keine irgendwelche anthroposophische Falange. Äußerlich gesehen, hat Anonym recht darin, dass ich einen Outsider sei, aber innerlich fühle ich mich eher als ein Insider.

    Liebe Barbara,
    Meinst du die 5. Stunde der ersten Klasse? Mit dem Denken, Fühlen und Wollen in Zusammenhang mit Licht, Wärme und Luft? Da haben wir alle an der Schwelle zur geistigen Welt zu kämpfen mit Dunkelmächten, mit Wärmewesen und mit Todesgewalten. Es muss kein okkultes Gefangenschaft werden dieses Bemühen um die Mitte im Denken, Fühlen und Wollen. So gesehen kann das Beharren auf das reine Denken, sich reinsteigern in eine Pontius Pilatus-Haltung, man prälatert seine Hände, in der man die Entscheidung überlässt dem Fühlen oder dem Wollen sich über die Anderen zu urteilen. Das ist der Pendelschlag zwischen dem Palmsonntag und dem Pöbelruf auf die Kreuzigung. Das reine, sich selbst schaffende Denken reitet sowohl auf dem Esel als auch lässt sich kreuzigen, ohne die Fassung zu verlieren, oder besser gesagt, es erfasst sich und vergeht und geht mit in dem, was demnächst geschieht.

    Von Blogger Jostein, Am/um 22. Januar 2009 10:20  

  • Herr Sæther,
    ich danke Ihnen für den Hinweis auf Ihre aktuelle Kritik an meinen Aufsätzen.
    Auf eine Diskussion hier im Blog lasse ich mich nicht ein, da Ihr Beitrag von eben zeigt, wie man sich in Totschlag-Polemik verliert, ohne auf den Kern der Sache einzugehen.
    Auf meiner Homepage habe ich auf Ihren Aufsatz ausführlich geantwortet.
    Mit freundlichem Gruß,
    Holger Niederhausen

    Von Anonymous Holger Niederhausen, Am/um 22. Januar 2009 10:56  

  • Lieber Holger Niederhausen,
    die Diskussion geht weiter, ob hier oder bei Ihnen ist unwesentlich, da der Abstand im Web gering ist. Ich werde mich aber weiterhin bemühen, auf Tendenzen in der anthroposophischen Bewegung hinzuweisen, die auf das Wesen der Anthroposophie deuten, und weniger auf die Schwächen und den Schein des Toden, das ihr im Wege steht. Meine gesamte Geistes- und Karmaforschung stammt aus dem Wesen der Anthroposophie. Zufolge dieser Wahrheit wurde ich ebenfalls von vielen, denen Sie die „führenden Anthroposophen“ nennen, regelrecht bekämpft und verunglimpft, bis auf Ereignissen voller Lügen, die mich veranlassten, im Jahre 2000 die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft“ und 2002 die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft jeweils als Mitglied zu verlassen. So begrüße ich vieles bei Ihnen sehr, auch was sie gerade als Erwiderung (http://www.holger-niederhausen.de/index.php?id=494) geschrieben haben. Nichtsdestotrotz versuche ich hier und dort menschlich anzuknüpfen, auch gerade da wo ich karmische Möglichkeiten erforsche, z. B. indem über einige Jahre die Möglichkeit der Zusammenarbeit mit der Dornacher Redaktion sich ergab. Bei Gelegenheit werde ich auf Ihre Entgegnung gründlicher eingehen.

    Von Blogger Jostein, Am/um 22. Januar 2009 12:42  

  • Lieber Jostein,
    vielen Dank für diesen ausfühlichen und sehr informativen Aufsatz. Genau wie bei Michael Eggert bin ich froh, eine Orientierungshilfe zu haben durch die zeitaktuellen Strömungen und Ansichten der Anthroposophie.
    Ich wohne selbst in Dornach, und erfahre deshalb gerne Neues.
    Ich fand die Art und Weise wie hier auf Niederhausen eingegangen wird, fair und realistisch.
    Wahrheit und Annahme von Niederhausens Aussagen sind auch für Einsteiger ins Thema klar herausgestellt. Danke!

    Von Blogger Annette, Am/um 24. Januar 2009 10:23  

  • Liebe Annette,
    vielen Dank für deine positive Kritik. Auch ist es interessant zu wissen, dass du in Dornach wohnst. Leider kriegen wir hier kein Besuch von Herrn Niederhausen wieder!

    Von Blogger Jostein, Am/um 26. Januar 2009 17:06  

  • Naja, schade. Es ist eben schwer, den eigenen individuellen Weg zu finden und auch noch andere gelten zu lassen ;-)
    Aber zum Diskutieren gibt es ja die Blogs.

    Von Blogger Annette, Am/um 26. Januar 2009 20:21  

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