Impressionen aus Russland III
Doch blicke nur plötzlich zurück:
Wo einstmals ein weißes Gebäude,
Ein schwarzer Gestank dich bedrückt.
Die Dinge wechseln die Plätze,
Verschwinden unmerklich hinauf.
Du, Orpheus, verlorst deine Liebste, –
Die dir geflüstert: »Schau auf! … «
Ich verhülle mein Haupt mit Weißem
Und spring' in den Strom mit Geschrei.
Über der schwankenden Leiche
Ein Blümchen, süß duftend, erscheint.
5. November 1902
Alexander Blok
Die Autoreise nach Waldai
Nach einpaar ruhigen Tagen stand die Reise für das zweite Seminar in Moissejevitchi bei Waldai bevor. Wir starteten früh morgens, um eventuell den täglichen Stau auf den Moskauer Autobahnen zu vermeiden, was leider nicht ganz möglich war, wie es sich bald zeigte. Um aus der Metropole auf die Hauptstraße (M10) Richtung Nordwesten zu kommen, mussten wir zuerst ein Stück auf dem Autobahnring um Moskau fahren. Die M10 (Magistrale Nr. 10) ist eine Fernstraße, die von Moskau in nordwestlicher Richtung über St. Petersburg zur finnischen Grenze führt. Zwischen Moskau und St. Petersburg ist sie Teil des Europastraßennetzes mit der Nr. 105; zwischen St. Petersburg und der finnischen Grenze gehört sie der E 18.
Im Moskauer Stadtteil Khimki konnten wir endlich die Staustrecke verlassen. Wir passierten dann durch viele Dörfer und Kleinstädte u. a. Skhodnya, Dyrykino, Solnetschnogorsk, Klin, Bezborodovo und Gorodnya bis wir die Landeshauptstadt Twer erreichten. Nach Bezborodovo passierten wir über eine lange Brücke dem sogenannten Moskauer Meer. Eigentlich heißt er der Iwankowoer Stausee und liegt am oberen Wolgalauf. Das hier befindliche Laufwasserkraftwerk mit Kaplan-Turbinen produziert jährlich 130 Mio. kWh elektrischer Strom. Eine der Städte am Stausee heißt Dubna. Hier befindet sich das weltweit bekannte Vereinigte Institut für Kernforschung, an dem mehrere radioaktive sogenannte Transurane erstmals synthetisiert wurden.
Später passierten wie die Orte Torschok, Vyshniy Volochek, Krasnomayskiy, Bakhmara, Kurskoye, Kolomno, Khotilovo, Kuhzenkino und Makarovo. Zwischen Vypolzovo und Edrovo fängt ein Nationalpark an, der das ganze Gebiet mit und um den Waldaihöhen umfasst. Es kamen weitere Dörfer: Nowaya Sitenka, Staraya Sitenka und Dobysalvo. Nach Zimogor’e biegten wir ab einpaar Kilometer auf eine Nebenstraße Richtung Osten, um in die Stadt Waldai zu fahren. Später bei Yashelbitsy verließen wir M10, Richtung Südwesten, um durch die Dörfer Varnitsy und Dorovichi zu fahren. Dann erreichten wir endlich Moisejewitschi nach insgesamt etwa 8 Stunden Autofahrt, nachdem wir nur eine längere Esspause bei Vyshniy Volochek eingepasst hatten… [weiter]
Bild: Frederico Cervelli (1625-98), Orpheus und Eurydike. Quelle: commons.wikimedia.org
Labels: Anthroposophie, Geschichte, Karma, Russland, Seminar, Tiere



4 Kommentare:
Lieber Jostein,
jetzt hast Du mir Russland auch von der geschichtlich, geografischen Seite gezeigt. Ich kenne einige Dokumentationsfilme aus dem Fernsehen über verschiedene Regionen des Landes. Auch in Deinem ersten Beitrag fand ich Bekanntes wieder.
Ich bin immer noch im Hinterherhinken, die Link-Hinweise nachzuschlagen, um der Reise Deiner Augen und allen anderen Eindrücken nachzukommen. Deine Schreibe ist für mich sehr plastisch – teilweise kann ich die Landschaft fast riechen, dann wieder Musik hören, den Raum begreifen, fast fühlen usw. Sehr schön, danke.
Deine Ausführungen über den Bären und die Bienen sind für mich völlig neu. Was mich dabei interessiert, ist, hast Du aus Deiner Erkenntnis in irgend einer Weise oder Form Unternehmungen machen können?
Herzlich, Elisabeth
Von
Anonym, Am/um
24. Mai 2009 20:59
Liebe Elisabeth,
danke für deinen positiven Anteil an meiner Berichterstattung. Ich habe auch viele solche Filme aus z. B. Sibirien gesehen, aber nie wurde dadurch mir dieses Phänomen des Verfalls so deutlich, als wenn ich es selbst erlebte und durch die Darstellungen der Russen hörte. Zu den „zoologischen“ Beobachtungen habe ich einige vorsichtige „Vorstoße“ gemacht, Personen innerhalb und außerhalb der anthroposophischen Welt Texte zugeschickt usw., aber es kamen fast keine Rückmeldungen. Bei Seminaren und im privaten Bereich erzähle ich immer wieder über verschiedene meditative und konkrete Maßnahmen. Im zweiten Buch ist das Thema auch gehörig behandelt worden, aber das Buch wurde bis jetzt von Rezensenten wenig bemerkt. So bleibt das Ganze eine Frage für die Zukunft.
Von
Jostein, Am/um
27. Mai 2009 20:29
"So bleibt das Ganze eine Frage für die Zukunft."
Lieber Jostein,
das ist nicht Dein Ernst, oder? Ich nehme an, Du bleibst am Thema auch wenn die Rückmeldungen äußerst spärlich ausfallen. Was ja leider/anscheinend immer mehr um sich greift - ich sage das auch aus meinen Erfahrungen.
Ich nehme Deine Ausführungen als Anstoß ... ich weiß nicht, ob ich die Fähigkeit habe durch meditatives Erarbeiten auf diese Ebenen zu „kommen“. Ich werde sehen ....
Ich erzählte einer Freundin davon; sie hat es ganz offen auf- bzw. angenommen.
Herzlich, Elisabeth
Von
Anonym, Am/um
28. Mai 2009 15:01
Liebe Elisabeth,
selbstverständlich bleibe ich dran „am Thema auch wenn die Rückmeldungen äußerst spärlich ausfallen“. Auch die gedankliche und meditative Beschäftigung bringt ja Positives in Bewegung. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem meditativen Erarbeiten desselben.
„Ich erzählte einer Freundin davon; sie hat es ganz offen auf- bzw. angenommen.“ Ja, ich denke, immer mehr Menschen sind „soweit“, dass sie für eine spirituelle Betrachtung offen sind. Überall, wo ich Menschen treffe, reagieren sie auf den Karmabegriff positiv – letztens z. B. ein Taxichauffeur in Frankfurt/Main wies meine Kommentare nicht zurück betreffend seiner interessanten Geschichte über russische Frauen in Deutschland, wie sie sich hier „durchsetzen“.
Von
Jostein, Am/um
29. Mai 2009 10:52
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