Herr des Karmas
Geistige Begegnungen
Ein weiteres Thema kann die meditative Tätigkeit zu einer erhabenen Angelegenheit erheben. Es betrifft die Frage der so genannten Meister, die mit allem echten Meditieren inniglich immer verbunden sind. Wenn du dich so weit vorgearbeitet hast, dass du dir bestimmte fortgeschrittene Individualitäten oder sogar Meister in dein Interessefeld gerückt hast, darfst du sie selbstverständlich auch auf dieser Stufe deiner Entwicklung in deine geistige Arbeit einbeziehen. Du kannst dir klar machen, wo deine eigene Gesinnung und Verbundenheit mit geistigen oder karmischen Strömungen liegt, in welcher Richtung du die Taten Vorangegangener würdigst und warum du dich jemandem als einem unsichtbaren Helfer zuwenden möchtest.

In späteren Kapiteln werden wir dieser Frage nochmals nachgehen, um die rechte Vorbereitung zu kennzeichnen, bevor du dich vielleicht aus Ungeduld dazu verlocken lässt, Meister, Ehrwürdige oder so genannte Heilige aufzusuchen. Auch wenn du immer wieder versuchst, etwas Bestimmtes vorzubilden und zu gestalten, soll die rechte Haltung doch in der Gewissheit bestehen, dass das Geistige mit Sicherheit im richtigen Augenblick zu dir „kommen“ wird. Du brauchst keine Sorge zu haben, dass dieser Moment nie stattfinden wird. Die Reifung der Seele schafft selbst Raum für die geistigen Begegnungen.
Ein Hinweis aus dem frühen esoterischen Wirken Rudolf Steiners vor dem ersten Weltkrieg passt hier, erwähnt zu werden. Er hat damals betont, dass quasi jede Meditation, wenn sie eine echte geistige Vertiefung ist, ein in Kontakt Treten mit einer Meisterindividualität sei.*

Und man wird in einer Meditation nur das erleben und erkennen dürfen, so Steiner, was ein solcher Wegbereiter, der in der geistigen Entwicklung weiter als man selbst ist, einem hinreicht, zeigt und spricht. Wenn diese Vorstellung gepflegt wird, kann auch nicht der Gedanke entstehen, dass man sich unfrei fühlen muss, weil man meint, sich jemandem unterwerfen zu müssen, den man nicht kennt, sondern man kann dabei üben, sich in eine unsichtbare Hierarchie, einen Reigen, einen Chor oder eine Schlange zu stellen, wo jeder seinen rechtmäßigen Platz hat, gemäß der früher erwähnten Übung der Positionsbestimmung. Außer bei Steiner und in den Büchern von Markides fand ich einen anregenden Beitrag zur Frage des Wirkens der Meister z.B. bei der amerikanischen Mystikerin Flower A. Newhouse (1909-1994).**

Ansonsten gibt es im Internet derzeit noch viele einführende Texte oder Übersichten zu diesem wichtigen Thema herunterzuladen.*** Dabei muss jeder selbst solche Quellen auf die Seriosität prüfen.

Der Herr des Karmas
Jemand mit christlicher Gesinnung könnte extra noch anstreben, in der Meditation einen Kontakt zu Christus, der in der Anthroposophie mit der Benennung „Herr des Karmas“ bezeichnet wird, herzustellen. Jemand mit einer anderen religiösen Überzeugung mag selbstverständlich die Heiligen, Meister, Gurus und Götter seiner eigenen Religion verehren und sie sich als anwesend denken, gemäß dem sachlichen Beweggrund solcher Hinwendung.

Der hier beschriebene Meditationsweg ist, was die Methode angeht, in keiner Weise konfessionell gefärbt. Jeder muss sich aus seinen eigenen Glaubenstiefen eine Vorstellung der geistigen Welt erringen. Es soll aber nicht geleugnet werden, dass ich eine christlich orientierte Einstellung hege, die ein anthroposophisches Studium zum Fundament hat, weswegen ich auch die daraus entnommenen Begriffe für die geistigen Wesen und Tatsachen hin und wieder bevorzuge. Im ersten Buch habe ich präsentiert, wie ich in mein Karma noch andere kulturelle und religiöse Erfahrungen, z.B. aus dem Ägyptischen, Chinesischen und Indischen inskribiert und einverleibt habe, die nicht  „untergegangen“ sind, sondern in meinem aktuellen „Glaubenskonfiguration“ oft tonangebend mitklingen.


Mit dem Begriff  „Herr des Karmas“ ist ein Wesen gekennzeichnet, welches gleicherweise das Göttliche, das der Mensch als Zukunftsideal in sich trägt, wie auch das eigentlich Menschliche, das die geistigen Hierarchien, ohne selbst in der Sinnesebene zu inkarnieren, nicht kennen können, anstrebt. In und um Christus, der vor zweitausend Jahren in den Wesensgliedern des Jesus von Nazareth gelebt hat und gestorben und auferstanden ist, treffen sich urbildlich alle Möglichkeiten karmischer Umwandlung und Vervollkommnung, die Menschen innerhalb der weiteren Erdenentwicklung erstreben können.

Wenn angenommen wird, dass er gegenwärtig als göttliches Wesen im Erdenbereich so wirkt und arbeitet, dass der Mensch durch ihn Hilfe bekommen kann, sein eigenes Karma zu erkennen, dann darf man ihn auch denken, fühlen und wollen, so dass man ihm Bild und Gestalt in der Meditation gibt. Wie dies unterschiedlich geübt werden kann, wirst du selbst später im Umgang mit den Übungen im 7. Teil (des Buchs „Einstimmen aufs Karma“) genauer herausfinden. Zunächst mag es auf dieser Übungsstufe genügen, einen Engel oder ein menschliches Wesen als Hauptgefährten in der Meditation zu haben. Ein Zitat von Steiner soll jedoch vergegenwärtigen, welche Stellung dieses Thema in der Evolution offenbar hat:


„Karma und der Christus sind der Inbegriff der ganzen Evolution. Das Karma ist das Gesetz von Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die Christus-Kraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende
Achse ein. Diese Kraft findet sich seit der Ankunft des Christus auf
der Erde im Grunde jeder menschlichen Seele.“****


Die Karma- und Geistesforscherin Heide Oehms geht besonders auf die Frage ein, welche Rolle eine systematische Geistesschulung gegenüber der Tatsache einnimmt, dass so viele Geist- und Christuserfahrungen in der neueren Zeit allgemein der Menschheit zuzufallen scheinen:

„Wie schon angedeutet, kann eben nicht damit gerechnet werden, dass jemandem automatisch etwas zufällt. Das geht auch aus dem zuletzt Ausgeführten hervor. Geisterlebnisse und Christuserfahrungen sind entweder eine Folge von Vorbereitung als Vergangenheitsaspekt oder Gnade als aus der Zukunft entgegenströmende Aufforderung zum Sinneswandel. Auch wenn man sich im jetzigen Leben nicht darauf vorbereitet hat, muss etwas in dem Menschen sein, was aus früheren Zeiten einen Anknüpfungspunkt geschaffen hat, der durch das jetzt hereinbrechende Erlebnis wieder aktiviert wird. Und wenn es wirklich auch einmal geschehen sollte, dass ein Mensch sich durch viele Inkarnationen gänzlich vom Geistigen abgewandt hatte und er durch ein plötzlich hereinbrechendes Erlebnis zum Geiste bekehrt würde, gingen ihm die Früchte dieses Erlebnisses wieder verloren, wenn er nicht in der Folge sein Leben umgestaltete. Geistesschulung ist in jedem Fall notwendig, entweder als Vorbereitung in der Hoffnung auf Geisterfahrung oder aus Einsicht in die eigene Unvollkommenheit nach einem unvorhergesehenen geistigen Erlebnis. ³ So wie wir heute beschaffen sind, müssen wir aktiv an der Umgestaltung unserer Wesensglieder arbeiten. Die geistigen Erlebnisse, auch die Christusbegegnungen, haben einen anderen Charakter, wenn sie durch Geistesschulung erlangt werden. In diesem Falle sind sie feiner und stiller. Sie reifen zu einer ständigen Erfahrung der Gegenwärtigkeit Christi heran.“*****


Einige außergewöhnliche Veröffentlichungen von Jesaiah Ben Aharon und Robert A. Powell behandeln gleichfalls ähnliche Fragen auf eine fundierte und exemplarische Weise, die dem Interessierten weitere Erkenntnisse über die Taten des Christus in unserer Zeit vermitteln können.******

_________________________
* Rudolf Steiner, Aus den Inhalten der esoterischen Schule, GA 266. Band I, Dornach 1998, Seite 251.
** Peter Michel, Die großen Weg-Weiser - Flower A. Newhouse, Aquamarin Verlag, Grafing 1999.
*** Zum Thema Meister aus anthroposophischer Sicht, siehe z.B. Benjamin Schmidt, Über die Meister der Weisheit und des Zusammenklangs der Empfindungen in
der Internetzeitung „hermetika“, unter:
http://www.hermetika-aorim.de
Oder Gemischtes, einige Meister betreffend, auf:
http://www.hermes-trismegistos.com
****Rudolf Steiner, Kosmogonie, GA 94, Dornach 1979, Seite 116.
*****Heide Oehms, Seite 186.
******Jesaiah Ben Aharon, Das spirituelle Ereignis des 20. Jahrhunderts. Eine Imagination, Verlag am Goetheanum, Dornach 1994.
Robert A. Powell, Das größte Geheimnis unseres Zeitalters. Gedanken zur Wiederkunft des Christus, im Selbstverlag des Verfassers, 1999. Auslieferung: Urachhaus Verlag, Stuttgart.
 
Viele der Beiträge und Aufsätze auf meiner Website sind aus meinem  Buch Einstimmen aufs Karma entnommen. Passend für die Osterzeit stelle ich hier zwei Kapitel vor, die eine wichtige Angelegenheit der esoterischen Schulung behandelt.         
Jostein Sæther | Meister und Hüter
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