Kunst und Natur
Gamamila
22. April 2008
Chronikarchiv
17. April 2008
Bjørn Moen: Karl Ludvig Reichelt - der Apostel des Johanneischen Christentums
11. April 2008
Frieden durch gegenseitiges Lernen -
Kari Bu im Gespräch mit Christian Egge
2. April 2008
Sebastian Gronbach und sein integraler Gasballon - eine Rezension
21. März 2008
Meister und Hüter der Meditation...
16. März 2008
Das Motiv auf einer Pastellskizze von Steiner enthält ein großes, ernstes Antlitz in rosa-violettem Farbton...
10. März 2008
Statt diesmal einen weiteren Aufsatz zu bringen, möchte ich mein Blog präsentieren...
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2. März 2008
Der Umgang mit Kunst baut eine seelische Brücke, die zu geistigem Erleben führt...
24. Februar 2008
Im höheren Bewusstsein betritt man geistige Orte, wo man sich normalerweise nicht auskennt...
17. Februar 2008
In vielen Ereignissen ist man allein gewesen...
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10. Februar 2008
Biografisches zu denken, zu bewegen und zu vertiefen, ist eine Voraussetzung für karmische Erkenntnisse...
3. Februar 2008
Fragen über und an die Anthroposophie führen durch...

Blog
18. April 2008
Über Krebs und das Aufräumen - und sogleich dem Ton der Planeten lauschen
14. April 2005
Novalis in memoriam:
Der Mensch - Fragment & Metapher
3. April 2008
Latte macchiato, bananensplitt und stand-up-anthroposophie
21. März 2008
Das Capesius-Syndrom
20. März 2008
Monsanto und die Gentechnik
14. März 2008
Plädoyer für einen schreibreform der deutschen sprache
10. März 2008
Von der mission der migräne
und der missionen von Sebastian Gronbach
Auf dem spirituellen Pfad bietet die Natur, die greifbar für jeden da ist, den allerbesten Ansatz, grundlegende Übungen und Schulungsmomente durchzuführen. Ganz ähnlich, wie du mit der Kunstbetrachtung vorgegangen bist, weißt du die Natur zu betrachten und zu schätzen. Erst einmal sollst du dich überhaupt Natur als einem Kunstwerk gegenüber stellen. Wenn du draußen bist, stellst du dir innerlich vor, dass schöpferischer Tatwille den Naturzusammenhängen real zu Grunde liegen könnte.
Du wirst zwischen ursprünglicher Natur und von Menschen gestalteter Kulturlandschaft zu unterscheiden lernen. Das ist z. B. in den Ländern Süd-, Mittel- und Westeuropas nicht mehr so leicht, genau wahrzunehmen. In manchen anderen Ländern, z. B. im Norden und Osten Europas, gibt es noch Urwälder und verschonte Gebiete, aber mehr oder weniger über die ganze Erde hin müssen wir irgendwelche Einflüsse aus menschlicher Hand in der heutigen Natur berücksichtigen. - Später im Buch soll gezeigt werden, wie aus Schauungen, die atlantisches Menschentum beinhalten, ganz neue Einblicke in humane Schöpferkraft in fern zurückliegenden Zeiten gewonnen werden können, deren Zeichen wir aber noch heute gewissermaßen in alten Kultstätten wie z. B. den Externsteinen beobachten können.
Wenn du in einer Landschaft einen Spaziergang oder eine Wanderung machst, kannst du versuchen, die Charakterzüge der verschiedenen Künste wiederzuerkennen. Wie findest du Architektonisches, Plastisches und Malerisches in der Natur wieder? Du bemerkst den Boden, die Wiesen, die Hügel, Täler und Gebirge. Runde Hügel, kantige Klippen und spitze Gebirgsgipfel scheinen manchmal wie architektonisch eindrucksvolle Gebäude zu sein. Du kannst ergründen, wie gleichsam Raumbildungen zwischen Becken, Senken, Gehölzen, Hainen, Böschungen, Wäldern, Schrägen, Berghängen, Felsen, Klippen und Bergen erscheinen. Durch Gesteine, Gebüsche, Dickichte, Bäume und Baumgruppen kommen für deine schöpferische Fantasie ‚Skulpturen’ im Freien zum
Bild. Die Farben von Moos, Gras, Pflanzen, Blumen, Blättern, Baumstämmen und Gesteinen fangen an, ‚Darstellerisches’ erkennen zu lassen, ja durch die Lichtverhältnisse, die Luft, den Nebel, durch die Wolken, den blauen Himmel und den Regenbogen kommt das ‚Malerische’ in die Bildvorstellung hinein.
Alle solche Ortschaften und Phänomene kannst du entdecken und ihre verschiedenen Stimmungen nachempfinden. Wie erlebst du eigentlich eine Lichtung, die plötzlich bei einer Waldwanderung erscheint? Genauso wie bei der Kunstbetrachtung architektonischer Kunstwerke kannst du einen solchen Naturfleck in seinen Einzelheiten mit dem Kunstsinn auskundschaften. Was kennzeichnet einen Ort, wo eine Quelle hervorquillt? Was bedeutet für dich ein kleiner Bach, der in einem Buchenwald ein kleines Tal geschaffen hat? Wie erlebst du eine Tanne, die auf einem Felsvorsprung einsam thront? Wie empfindest du die Stimmung, wo rote Sandsteinfelsen am Talhang durch grüne Blätterflächen durchdringen? Oder wie wirken helle Kalkklippen, die durch das Flechtwerk von Kiefern leuchten? Wie ist es, von abgerundeten Granitbergen eingeschlossen zu sein, wenn die Sonne durch klare Luft deinen Schatten auf den steinigen Pfad wirft?
Tierpfade, Feldwege, Hecken, lebende Zäune, Bäche, Wasserfälle und Flüsse, welche die Landschaft durchbrechen und sie in Teile gliedern, schaffen nicht nur eine ergänzende Dynamik vor dem Horizont, sondern sie wecken sogar eine Art geräuschlose Musik, die sofort Verbindungen zwischen den vielen Motiven zieht, und es wird schwierig, nicht anzufangen, zu summen, zu pfeifen oder zu singen. Viele Musikwerke von Händel, Grieg, Debussy und anderen Komponisten haben die Inspirationen von bestimmten Gegenden, in denen die Tonkünstler weilten, erhalten. Besonders wenn Fische im Wasser, Tiere am Waldrand oder auf den Wiesen, Vögel und Insekten in der Luft sich bemerkbar machen, wirst du durch ihre Bewegungen und Laute, ihre Schreie und ihr Gewinsel in das agile Element dessen kommen, was viele Komponisten, Musiker und Dichter so gern haben, wenn sie das Lebendige in der Welt so mannigfaltig darstellen wollen.
So kommst du nach solchen Entdeckungen der Beziehung zwischen Natur und Kunst dazu, auch nach dem Poetischen, Epischen und Dramatischen begeistert zu fragen. Was macht die Landschaft poetisch? Welche Merkmale muss eine Umgebung haben, um als dramatisch bezeichnet zu werden? Und wie ist es mit einer epischen Gegend? Verschiedene Landstriche mit diesen drei Kunstbegriffen zu vergleichen, macht nicht nur Spaß, sondern öffnet die Augen für ausgeprägte Motive, die man sonst vermutlich nicht bemerken würde. Was tun die verschiedenen Bäume, um diese drei literarischen Ebenen in der Landschaft zu verstärken? Ist eine Birke überwiegend poetisch oder vielmehr prosaisch in ihrer Gestalt? Ist eine Eiche nur dramatisch theatralisch in ihrem Ausdruck? Und wann, wenn überhaupt, ist eine Kiefer poetisch-schwärmerisch? So könnten wir die verschiedenen Bäume durchgehen, um mehr oder weniger zu bestimmten Einschätzungen zu gelangen. Die Kelten wussten von solchen Gefügen in der Natur, und es ist interessant, ihren überlieferten Baumkalender nach künstlerischen Maximen anzuschauen. (1)
In einen Sommer, als ich in der Umgebung unserer Familienhütte in Norwegen in einem Gebirgsbirkenwäldchen war, in welchem einige Bäume und Unterholz so dicht gewachsen waren, dass wir vom Fenster nicht mehr die schöne Fernsicht zum Tal erblicken konnten, entschloss ich mich, eine Rodung anzufangen. Im Laufe der Strapazen mit dem Fällen einiger Bäume und dem Wegtransportieren von Buschwerk und abgesägten Ästen kam ich auf die Idee, diese Stück Natur mit einem Miniaturfamiliendrama à la Henrik Ibsen zu verbinden. Die Akteure dürften die nicht geopferten Birkenbäume sein. So entstanden: der Held, die Geliebte, die Mitspieler, die Rivalen, der Handlungsablauf, die Intrige und das Bühnenbild. Rechtzeitig zur ‚Uraufführung’, die vom Parkett des Hüttenfensters angeschaut werden konnte, gab es sowohl das wieder geöffnete Panorama als großartige Dramaturgie des Tals, neues Brennholz für den künftigen Winter wie auch die ersten Streitgespräche über das Bühnenwerk im Hüttenbuch, so dass nachkommend andere Gäste in Ruhe die Geschichte am Kaminfeuer weiterdichten dürften.
Zurück zum Allgemeinen: Die Erscheinungen in der Natur mit dem Schauspiel am Himmel bekommen ferner eine anregende Steigerung. Die mannigfaltigen Formen der durch die Winde bewegten Wolken schaffen oft prachtvolle Stimmungen, wenn sie vom Sonnenlicht abwechselnd durchbrochen werden und Schatten und auf- und abwogende Lichtfluten über die Wiesen und Wälder geworfen werden. Viele Künstler der Nationalromantik wie der Norweger Lars Hertervig* beobachteten das Wolkenspiel und gaben es in wundervollen Ölmalereien wieder. Maler wie Caspar David Friedrich* und William Turner malten auch immer wieder Motive, in denen das Lichtspiel draußen in Farbenpracht gestaltet wurde. Überhaupt die Natur in verschiedenen Wettern und Jahreszeiten zu erleben, vertieft solche Anblicke.
Ich kenne einen Künstler in Dänemark, Hans-Erik Eriksen, der ein ganzes Jahr hindurch an jedem Tag früh morgens zum selben Platz hinausging, um einen Horizont zu malen. Welcher Fleiß und welche Geduld! Es entstanden 365 wunderschöne kleine Aquarelle, die er auf einer Wandfläche zusammenstellte, so dass eine Art Mosaik entstand. Man kann die einzelnen Bilder für sich betrachten, dennoch vom Saal der Hochschule Søtoftegaard bei Roskilde, wo das Kunstwerk auf der hinteren Bühnenwand als Dekoration dient, konnte ich diese einmalige Komposition des Jahreslaufs wunderschön erleben.
Das künstlerische Miterleben der Natur erwirbst du dir nicht über eine Nacht, sondern es geht hier um das Hineinleben in Rhythmen und Veränderungen, die mit dem Tageslauf, dem Jahreslauf und auch dem Wechsel im eigenen Leben zu tun haben. Es geht um ein feines Zusammenspiel, um ein ‚Gespräch’ mit den Phänomenen.
Die vielfachen Erscheinungen im Freien wirst du noch klarer aufspüren können, wenn du dich mit der Kunst des Gartenbaus und der Landschaftsarchitektur befasst. Da gibt es in manchen Ländern Gartenanlagen italienischen, französischen, englischen, arabischen oder japanischen Stils, die von den Bemühungen einstiger Gartenkünstler erzählen. Es sind Anlagen, die man noch versucht, weiter zu pflegen und, wie ehemals angelegt, aufrecht zu erhalten. So gibt es wunderbare Gärten und Parks, z. B. in Städten wie Reykjavik, Trondheim, Bergen, Oslo, Stockholm, Helsinki, Oxford, London, Glücksburg, Hamburg, Berlin, Dortmund, Kassel, Leipzig, Blieskastel, Zweibrücken, Landau, Stuttgart, Metz, Rom, Athen und Santiago de Compostela, die ich erlebt habe, die noch unterschiedliche Stile und Finessen zeichnen mit Fußwegen, Treppen, Plastiken, Pavillons, Steinen, Seen, Teichen, Wasserkunst, Blumenpracht und Baumständen, die anderswo solcherart nicht zu sehen sind.
Hermann Hesse hat wunderschöne Beschreibungen von Bäumen, Landschaften und Gärten gegeben, die ich empfehle zu lesen, (2) weil durch seine künstlerische und klare Betrachtungsweise viele fruchtbare Gesichtspunkte übernommen werden können, die einen für die innere Arbeit klangrein machen können.
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1 Michael Vescoli, Der keltische Baumkalender. Über die Menschen, die Zeit und die Bäume. Kailash, Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen/München 2000.
2 Hermann Hesse, Bäume. Betrachtungen und Gedichte, Insel Taschenbuch 455, Insel Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1984.
* Im Buch stehen hier Falscherweise andere Namen. Lars Hertervig und Caspar David Friedrich sind richtig.
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Jostein Sæther | Künstlerische Naturbeobachtung
In einpaar Tagen reise ich nach Codroipo nördlich von Venedig, um zwei Wochenendseminare zu geben und Karmaarbeit zu tun. Es ist mein erster Besuch in Italien seit 1993, da ich mit Arne Klingborg, anderen Kollegen und Kunststudenten aus Järna in Rom, Tivoli und Terracina war. Ich plane, auch einen Ausflug nach Venedig zu machen. Die Natur in der Himmelfahrtzeit bietet ansonsten überall wunderbare Erlebnisse, die das meditative Leben begleiten kann. Somit wünsche ich den Lesern in meiner ‚Abwesenheit’ alles Gute und viel Inspiration mit den Anregungen aus dem beigefügten Kapitel aus meinem neuen Buch.
Vor etwa zehn Jahren - das Foto ist datiert mit dem 6. August - als ich in der Umgebung unserer Familienhütte in Norwegen in einem Gebirgs-Birkenwäldchen war, in welchem einige Bäume und Unterholz so dicht gewachsen waren, dass wir vom Fenster nicht mehr die schöne Fernsicht zum Tal erblicken konnten, entschloss ich mich, eine Rodung anzufangen.
Caspar David Friedrich
(1774-1840)
Kreidefelsen auf Rügen (um 1818)
William Turner (1775-1851)
Der St. Gotthard-Pass (1804)
William Turner (1775-1851)
Bodensee (1842)
Lars Hertervig
(1830-1902)
Waldsee (1865)
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by Jostein Sæther
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Ausschnitt einer Wandmalerei (1991)
im Seniorenheim Kvarngården, Ingelstad (SE)