Offenes Geheimnis
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Jostein Sæther | Das Rätsel Anthroposophie
Fragen über und an die Anthroposophie führen durch äußere Ereignisse im Leben zu inneren Erlebnissen, die viele Rätsel über Leben und Tod offenbaren. Die Fragen führen zu neuen Erkenntnissen. Lassen sie sich besser als Dichtung oder als Wahrheit beschreiben? Oder sind sie beide in einem?
Was ist Anthroposophie? Wenn ich behaupte, auf diese Frage eine oder manche Antworten zu haben, stehe ich vor der Gefahr, ihre Einzigartigkeit und ihre Fülle aus den Augen zu verlieren, da ich mir zu sicher bin, schon zu wissen, um was es geht... Also müsste ich andere, quasi mehr fragwürdige Fragen stellen, um der Anthroposophie selbst eine Chance zu geben, zu einer Antwort zu kommen, falls sie mit mir anwesend sein möchte.
Wie ist die Anthroposophie? Wo ist die Anthroposophie? Wo kommt sie her? Reicht sie bis zum Mittelalter zurück? Wohin führt sie? Was leidet sie? Trinkt sie Tee oder Kaffee? Ist sie Nichtraucherin?
Diese Fragen suchen kein Ding, sie quetschen kein Wissen aus, sondern sie versuchen, einem Wesen auf die Spur zu kommen.
Wie sehen die Fußspuren der Anthroposophie aus? Im Sand; auf dem Asphalt? Wie leise geht sie über eine Wiese? Bleibt sie nur zu Hause oder macht sie Tagungen mit? Mag sie Ferien? Wie plant Sie ihre Zukunft? Wie erinnert sie sich an den 11. September? Was denkt sie über den Terrorismus? Über mich?
Immer noch beschäftigen sich diese Fragen dabei wie mit einem Dritten. Wie wäre es, wenn ich direkt anspräche, sie sogar duzte? Um das zu wagen, muss ich einen Umweg über mich selbst und meine Zeitgenossen gehen, da ich bemerke, dass meine Scheu vor ihr mich nicht loslassen würde.
Die erste Begegnung
Wenn ich erkläre, der Anthroposophie vor über 35 Jahren begegnet zu sein, sind Fragen an mich durchaus berechtigt. Wie war die erste Begegnung? Über was habt ihr euch amüsiert? Als im Herbst 1971 Arnold Wangsmo - früherer Tunnelarbeiter, damals Schumacher und Philosoph, später Campingplatz-Chef - mir die Anthroposophie vorstellte, traf mich mit der Kraft eines Blitzes Rudolf Steiners Mitteilung, dass der Kosmos sich im Hirn des Neugeborenen spiegelt. Es war wie eine Wiedergeburt, zumal ich kurz davor durch ein übersinnliches Erlebnis erkannt hatte, dass jeder Mensch durch Reinkarnationen geht.
Kann ich also folglich von einer Wiederbegegnung sprechen? Ja, war mein erster anthroposophischer „Flirt“ vermutlich nur eine „Selbstbegegnung“? Habe ich, weil ich damals nur 17 alt war, mit der Anthroposophie nicht bloß eine neue Lehrerin oder eine neue Freundin bekommen, in die ich mich verliebte? Doch - sowohl als auch.
Aber die Lehrerin machte mich mit tätigen Anthroposophen bekannt, sogar mit solchen, die zu meinem Entsetzen in den Pausen der Jahresversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft dicke Tabakrauchwolken über den Oslofjord und seine Insel ausbliesen. Die Liebhaberin führte mich tiefer in meine Seele hinein, wo der Engel des Idealismus eine Unterkunft hatte. Ich war aber kein jugendlicher Träumer, sondern strebte an, ein philosophisch Aufgeklärter zu sein, der den Entschluss fasste, jeden Wehrdienst zu verweigern.
Eine Leiter in die geistige Welt
In den bunten Gebäuden und unter dem Gewölk von Järna (Schweden), wohin ich zunächst als Student der Waldorfpädagogik und der Kunst kam, lebten aber auch solche Anthroposophinnen, die Rudolf Steiner noch in persona begegnet sind. Die Historikerin, Zweigleiterin und Kennerin der Gralsdichtung, Rut Nilsson, hatte sogar den Brand des ersten Goetheanums miterlebt. In ihren Worten jenseits der gigantischen Gesamtausgabe stand Steiner selbst blitzartig vor meinem inneren Auge in sonorer Gestalt. Kein Foto hing von ihm an den Holzwänden des gewölbten Musikraums des Baukünstlers Abbi Erik Asmussen.
Seitdem sind zahlreiche der Personen verstorben, die mir die Anthroposophie sichtbar machten. Würde ich sie aufzählen, entstünde eine enorme Aufstellung. Für mich ist diese Liste eine Leiter in die geistige Welt. Es gibt einen klassischen Witz über die Anthroposophen, der in vielen verschiedenen Versionen erzählt wird. Meine Variante lautet:
„Ein verstorbener Norweger kam in die geistige Welt. Ihm wurden die verschiedenen Räume im Hause Gottes vom St. Petrus vorgeführt. Sie gingen durch einen rosa lasierten Korridor und die Türschilder zeigten an, welche Gruppierung sich darin aufhielt: die Katholiken, die Evangelischen, die Sozialdemokraten, die Grünen usw. - St. Petrus schloss hier und da auf und zeigte auf die darin Anwesenden. Einige blinzelten, andere winkten ihnen zu, weitere saßen still zusammen, merkten aber, dass sie gemustert wurden. ‚Hier sind die Hippies der ersten Stunde - und hier die früh verstorbenen Punker.’
Bei einer wundervoll geschnitzten Holztür mit violettem Glasfenster hielt St. Petrus inne und hielt den Zeigefinger vor dem Mund: ‚Pst! Hier versammeln sich die Anthros. Sie glauben, im Himmel die Einzigen zu sein.’“
Als ein Freund von mir, der im anthroposophischen Zweig von Rut Nilsson tätig gewesen war, kurz vor dem Jahrtausendwechsel starb, bekam ich ein erstaunliches meditatives Erlebnis. Wie in einer Festfeier erwarteten scharenweise Seelen den Neuling. Da er in den Kreis eintrat, wurde er wie eine zum ersten Mal erwählte Kanzlerin gefeiert. Er wurde besonders von denjenigen mit Beifall überschüttet, die im Leben keine Beziehung zur Anthroposophie gehabt hatten. Wieso? Er war von Beruf Straßenbauingenieur gewesen; jetzt wurde er selbst als Weg, als Korridor empfunden für diejenigen, die quasi ohne Karte in die geistige Welt angelangt waren.
Die zweite Begegnung
Die erste Begegnung mit der Anthroposophie erstreckte sich über Jahrzehnte im Teamwork mit Größen (die alle verstorben sind) wie Willy Buzzi (Filmforscher), Hans Glaser (Sozialpädagoge), Hans-Jørgen Høinæs (Dichter und Weltmann), Arne Klingborg (Allkünstler und Ideengeber), Helmer Knutar (Priester), Sonja Robbert (Malerin), Ingrid Sahlberg (Publizistin), Jørgen Smit (Erwachsenenerzieher und Vorstandsmitglied der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft sowie vielen anderen.
Als diese Begegnung mit der Anthroposophie wegen Angst erregender, widersprüchlicher Lebenserfahrungen sich verfremdete, stand ich vor der zweiten Begegnung - oder genauer gesagt - vor dem ersten Treff’ der Anthroposophie mit mir: innerhalb der Dynamik zwischen Steiners Karmaübungen und dem Üben an den Mantren der Klassenstunden der Hochschule für Geisteswissenschaft.
Als Endergebnis der Kulmination der Anthroposophie im 20. Jahrhundert, wo nichts dem Idealismus eines einheitlichen Stils aus den 70-ern desselben Jahrhunderts ähnelte, sondern alle Eindrücke eher wie ein Schlaglicht von Seelen an mir vorüberzog, betrat ich die Dunkelkammer der Selbstbilder. Das Karma des 3. Laterankonzils 1179 mit dem einzigartigen Auftritt des Alanus ab Insulis stieg aus dem Entwicklungsbad als Definition der anthroposophischen Gegenwart.
Wer bist du?
- Ich bin das offene Geheimnis deines Selbst, das dich mit dem Schicksalswalten des Jetzt verbindet.
Ist das alles nur Dichtung und Wahrheit? Ja, eine Teelöffel Kunstfertigkeit und sonst nur Tatsachen.
Berit Frøseth hat eine solide künstlerische ausbildung in malerei, radierung, lithographie und graphische gestaltung von SHKS (Staatliche kunsthochschule) in Oslo, von Emerson College, Forest Row (GB) und von Rudolf Steinerseminar, Järna (SE). Zusätzlich hat sie noch deutsch studiert. Wir lernten uns im künstlermilieu in Järna kennen, wo künstler, junge und alte, mit verschiedener herkunft sich austauschten und neue wege für die eigene künstlerische arbeit suchten. Berit schreibt über kunst und engagiert sich für die situation der künstler in Skandinavien, die von der anthroposophie inspiriert sind. In ihren bildern sehe ich eine starke sensibilität für natur- und lichtzusammenhänge, die schöne stimmungen schaffen und neue objekte auf der fläche offenbaren.
Künstlerporträt: Berit Frøseth
Ich suche wohl den expressiv-persönlichen Ausdruck anstelle des Forscherischen, Experimentellen. Die Inspirationsquelle ist oft die Wechsel der Jahreszeiten, die Verwandtschaft des Menschen mit der Natur und religiöse Motive, als Ausdruck allgemeinmenschliche Ereignisse.
Berit Frøseth
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Berit Frøseth,
Motiv von Ekhagen
Berit Frøseth, Morgen
Berit Frøseth, Horisont 2
Berit Frøseth,
Nacht in Ekhagen
Gamamila
3. Februar 2008
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