Leitgedanken
Jostein Sæther | Anthroposophische Leitsätze und integrale Axiome verdauen
Michael Eggert hat auf seine Seite Egoisten ein vorurteilsfreies Referat und einen Hinweis zu meiner Gronbach-Rezension gemacht. Die manchmal unduldsamen Kommentare von Lesern dazu erlauben mich, der folgende Beitrag abzugeben, um einerseits meine Aufklärung zu Sebastian Gronbach noch handfester zu machen und andererseits mich selbst dabei im Mittelpunkt der Schießscheibe zu setzen, sodass jeder, der noch weitere Runden machen möchte, seinen Spaß daran finden kann.
Am 28. Oktober 1973 - ich war damals 19 Jahre alt und hatte den ersten Mondknoten hinter mir - habe ich das Buch „Antroposofiska Ledsatser“ gekauft für 20 SEK - etwa 2 Euro - im Buchladen Robygge in Järna, wo ich während meines anthroposophischen Studienjahrs und der Waldorflehrerausbildung nachmittags an der Kasse arbeitete, um Bargeld für anthroposophische Folianten zu verdienen. Dieses Buch, das ich noch besitze, ist die schwedische Übersetzung - gedruckt im Jahr meiner Konzeption 1953 - der Anthroposophischen Leitsätze von Rudolf Steiner.
Ich beschäftigte mich zunächst intensiv im kandierten Schwedischen mit den Leitsätzen; später las ich sie in der würzigeren Originalsprache. Das machte mich noch nicht satt, sondern ich studierte dazu die herberen Ausführungen darüber von dem 1929 ermordeten Carl Unger. Also sollte es allen klar sein, das ich dieses späte Steinersche literarische Resümee der Anthroposophie fast während meines ganzen anthroposophischen Bestehens gekostet habe. Folglich kehren die anderswo im Internet übereilt postulierten Angaben über meine behauptete Unkenntnis dieser Delikatessen zurück zur Gerüchteküche.
In meinem kürzlich erschienenen zweiten Buch - notabene keinem Kochbuch - habe ich keine Hinweise zu den Leitsätzen von Steiner gegeben. Dass muss aber nicht heißen, dass sie meinem Denken nicht mehr bekommen. Ohne dieses Anleiten vor 35 Jahren wäre ich wohl nicht zu dem gekommen, was ich dort dynamische Meditation nenne. Sebastian Gronbach habe ich auch dort nicht erwähnt, da er mich ja zuerst gerade auf der Karte aufgefallen ist. Seine Kernsprüche wollen sich jedoch in meinem Denken irgendwie nicht schmelzen lassen, nachdem sie dort nach dem Lesen eingeduselt sind. So versuche ich eine andere mir vertrauter Methode, um an ihre Substanz dranzukommen.
Wenn ich heute erneut an die Leitsätze von Steiner gehe und sie in Vergleich zu bestimmten Absätzen in Sebastian Gronbachs Buch Missionen setze, sie nebeneinander in dynamischer Auseinandersetzung in meinem Denken aufnehme, entstehen interessante Gustos, geschweige denn, was geschieht, wenn ich darüber pneumadynamisch meditiere:

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Über Krebs und das Aufräumen - und sogleich dem Ton der Planeten lauschen
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Novalis in memoriam:
Der Mensch - Fragment & Metapher
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Latte macchiato, bananensplitt und stand-up-anthroposophie
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Das Capesius-Syndrom
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Monsanto und die Gentechnik
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Plädoyer für einen schreibreform der deutschen sprache
10. März 2008
Von der mission der migräne
und der missionen von Sebastian Gronbach
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Altstadtfest (2005)
Eitempera auf Leinwand. 30x40 cm
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Altstadtfest (2005)
Eitempera auf Leinwand. 30x40 cm
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Eitempera auf Leinwand. 30x40 cm
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Irgendwelche Haare in der integralen Suppe?
Steiners Leitsätze
5. Der Mensch braucht zur inneren Ruhe die Selbst-Erkenntnis im Geiste. […] Es entsteht zunächst die bange Frage: ob es eine über die gewöhnliche Lebenserfahrung hinausgehende Selbst-Erkenntnis und damit die Gewißheit über ein wahres Selbst geben könne? Anthroposophie will auf der Grundlage sicherer Geist-Erfahrung die Antwort auf diese Frage geben.
10. Das Bewußtsein entsteht nicht durch ein Fortführen derjenigen Tätigkeit, die aus dem physischen und dem Ätherleib als Ergebnis kommt, sondern diese beiden Leiber müssen mit ihrer Tätigkeit auf den Nullpunkt kommen, ja noch unter denselben, damit «Platz entstehe» für das Walten des Bewußtseins.
13. Man kann auf dem Wege der Meditation zu der Gestalt, in der das «Ich» im gewöhnlichen Bewußtsein auftritt, drei weitere Formen finden:
1. In dem Bewußtsein, das den Ätherleib erfaßt, erscheint das «Ich» als Bild […]
2. […] offenbart sich das «Ich» als Glied einer geistigen Welt, von der es seine Kräfte erhält.
3. […] zeigt sich das «Ich» als eine von der geistigen Umwelt relativ unabhängige, selbständige geistige Wesenheit.
16. Die dritte Gestalt des «Ich» gibt die Einsicht in die selbständige Wesenheit des Menschen innerhalb einer geistigen Welt. Sie regt die Empfindung davon an, daß der Mensch mit seiner irdisch-sinnlichen Natur nur als die Offenbarung dessen vor sich selber steht, was er in Wirklichkeit ist. Damit ist der Ausgangspunkt wahrer Selbsterkenntnis gegeben.
27. Der Mensch, wie er auf Erden ist, wird im Geistgebiet Außenwelt. Man schaut auf diesen Menschen, wie man auf Erden auf Sterne, Wolken, Berge, Flüsse schaut. Und diese Außenwelt ist nicht weniger inhaltreich, wie die Erscheinung des Kosmos dem irdischen Leben erscheint.
28. Die im Geistgebiet vom Geiste des Menschen erbildeten Kräfte wirken in der Gestaltung des Erdenmenschen fort, so wie die im physischen Menschen vollbrachten Taten in dem Leben nach dem Tode als Seeleninhalt fortwirken.
38. Ist man dazu gelangt, in der durch die vorigen Leitsätze angedeuteten Richtung den Menschen in seiner Bildnatur und in der dadurch sich offenbarenden Geistigkeit zu betrachten, so steht man davor, in der geistigen Welt, in der man den Menschen als Geistwesen waltend schaut, auch die seelisch-moralischen Gesetze in ihrer Wirklichkeit mitzuschauen. Denn die moralische Weltordnung stellt sich dann als das irdische Abbild einer zur geistigen Welt gehörigen Ordnung dar. Und physische und moralische Weltordnung gliedern sich zur Einheit zusammen.
43. In dieser geistigen Verwirklichung gestaltet sich der Mensch selber zwischen dem Tode und einer neuen Geburt; er wird wesenhaft ein Abbild dessen, was er im Erdenleben getan hat. Aus diesem seinem Wesenhaften heraus gestaltet er dann beim Wieder-Betreten der Erde sein physisches Leben. […] Denn aus dem Geistigen heraus, nicht in der Folge der physischen Erscheinungen gestaltet sich, was sich als schicksalsgemäß auslebt.
46. Es sollte an Schicksalsfällen, die in das Dasein des Menschen so eintreten, daß man ihre Bedingungen im jeweilig gegenwärtigen Erdenleben nicht finden kann, gezeigt werden, wie gegenüber solchen Schicksalsfällen schon rein die verstandesgemäße Lebensansicht auf früheres Erleben hindeutet. Es muß natürlich aus der Art der Darstellung klar sein, daß mit solchen Darstellungen nichts Verbindliches behauptet, sondern nur etwas gesagt werden soll, das die Gedanken nach der geisteswissenschaftlichen Betrachtung der Schicksalsfrage hin orientiert.
50. Es ist von ganz besonderer Wichtigkeit, darauf hinzuweisen, wie die Betrachtung des geschichtlichen Lebens der Menschheit dadurch belebt wird, daß man zeigt, es sind die Menschenseelen selbst, welche die Ergebnisse der einen Geschichtsepoche in die andere hinübertragen, indem sie in ihren wiederholten Erdenleben von Epoche zu Epoche wandeln.
53. Die Entfaltung des Menschenlebens zwischen Tod und neuer Geburt geschieht in aufeinanderfolgenden Stufen. Während weniger Tage unmittelbar nach dem Durchgang durch die Todespforte wird in Bildern das vorangegangene Erdenleben überschaut. Dieses Überschauen zeigt zugleich die Ablösung des Trägers dieses Lebens von der menschlichen Seelen-Geist-Wesenheit.
Gronbachs Axiome
Seite 182. Er stand damals da und dachte: „Was soll eigentlich passieren? In Wirklichkeit kann nichts passieren. Niemandem, zu keiner Zeit. Das Wesentliche bleibt immer unantastbar, makellos und strahlend schön.“
180. Sebastian sitzt am Computer. Er döst vor sich hin und surft durchs Netz.
181-82. Sebastians Blick ist auf die Seite gerichtet und geht Buchstabe für Buchstabe über die Seite hinaus. […] Sein Bewusstsein ist jetzt erwacht. In diesem Bewusstsein erscheinen Sebastian, der Computer, seine Mutter, sein Vater, die Blumenwase neben ihm und das faulige Wasser und die Begriffe aus Steiners Büchern. Er sieht das alles ganz genau.
183. Jetzt war Sebastian zersprungen und er war als das Makellose zu dieser Wirklichkeit erwacht. Er war dasjenige, was ungeboren, ungeschaffen und unsterblich ist, er war ein „Ich bin - das ich bin“.
182. Sein ganzes Leben erscheint, geht vorbei und erscheint und geht vorbei und erscheint - alles ist, wie es ist, und nichts kann dieses Sein, welches nun ist, bedrohen, weil es nichts gibt, was außerhalb dieses Seins ist.
224. Denn jedes erwachte Bewusstsein, jedes erleuchtete Denken, Reden und Tun maximiert das große, universale Maximal-Bewusstsein.
188-89. Dann bleibt als Essenz dieses ICH BIN als eine Leere, ein wahres Selbst, ein Loch der Freiheit, welches nichts trägt, sondern getragen werden muss. Es ist Gottes Durchbruch in mein Ego. […] Er [Rudolf Steiner. JS]schuf Wesen, er konstruierte und übernahm geistige Kreaturen. Er bediente sich bekannter religiöser Geschöpfe, um seine wirklichen, aber in Reinheit unaussprechbaren Erfahrungen und Erkenntnisse, in einem bestimmten kulturell-geistig-religiösen Kontext besprechbar zu machen.
213. Die neue Botschaft lautet: Die klassische Interpretation von Reinkarnation und Karma, nach der sich einzelne Individuen immer wieder verkörpern, nützt mittlerweile mehr dem kleinen Ego und schadet dem großen Selbst.
212. Der Schritt zu einem neuen, transzendierten Welt-Verständnis von Reinkarnation und Karma lässt alles, was vorher war, als eine Kindergarten-Version von Schicksal erscheinen.
215. Das SELBST verkörpert sich in einem Individuum. Wenn das Individuum stirbt, ist das Individuum ausgelöscht. Was überlebt, ist die positive Quintessenz dieses Lebens, aber sie wird nicht als solche in eine neue Inkarnation hineingetragen, sondern in das SELBST, welches nun diese Quintessenz bereichert wird, und aus diesem kosmischen SELBST heraus bildet sich ein neues Inkarnat.
213-215. Dieser Wiederverkörperungs-gedanke ist der einzige, der mit Steiners Monismus tatsächlich kompatibel ist. […] Das große ICH verkörpert sich in verschiedenen Formen, in verschiedenen Menschen, in verschiedenen Biographien als „Ich bin“.
Ich lasse zunächst diese Gegenüberstellung der sich größtenteils ausschließenden Kernsprüche ohne Kommentare stehen, damit du selbst sie eventuell im Intellekt untersuchen, im Gemüt verweilen und im klaren Denken der Meditation bewegen kannst. Der Vergleich könnte übrigens durch die ganze Reihe der Leitsätze Steiners weiterverfolgt werden. Zu manchen linken Sätzen würde jedoch auf der rechten Seite ein Leerraum sein. Ich lade hiermit Herr Gronbach oder irgendwen ein, sich meine Bücher vorzunehmen, um sie Steiners Leitsätze oder Missionen gegenüberzustellen.
Dass ich - wie Felix Hau in seinem Kommentar an Eggert behauptet - „ mit angelesenen Thesen und Glaubensüberzeugungen eine dogmatische Jagd auf einen authentischen Vermittlungsversuch veranstaltet“, mag von seinem Platz - falls er kurzsichtig ist - so aussehen. Da brauchen wir nur zurück in den Jahren 1998-2000 zurückzuschauen, um herauszufinden wer und wo auf wen Jagd betrieben hat. Für mich ist es keine Jagd, sondern es geht um einen fairen und öffentlichen Fight mit gleichen Waffen. Wer seine Waffen nicht kennt, sollte sich davon halten.
Steiner bearbeitete und lebte über viele Jahre mit den Evolutionsgedanken von Ernst Haeckel. Aus dieser intimen Auseinandersetzung soll später sein Hauptwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss entstanden sein. Gewagtes Experiment? Metamorphose oder Transformation? Ich werde noch überlegen, ob ich das Buch Missionen von Sebastian Gronbach meditativ mit Haut und Haar schlucken will, um zu gucken, was nach geraumer Zeit daraus entbunden werden könnte. Ein Homunculus? Ich muss zuerst noch die geeigneten Kräuter finden, die diesen bleiernen Verdauungsvorgang begleiten könnten, sonst würde es im mitteleuropäischen Geistesleben sehr lange haarsträubend pestilenzialisch werden. Das wird ja Herrn Gronbach und seinen Kumpanen nicht stänkern - Anderen schon.
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