Glossar F-L
Gamamila
Geistesmensch Sanskr. Atman
Das dritte künftige Glied des menschlichen Geistwesens. Die höchste Tätigkeitsstufe, die das Ich einstmals zu erreichen lernt, ist die der Umwandlung von physischen Kräften in deren verborgene Geistkraft und Geistfähigkeit. Dabei wird der menschliche physische Leib in den G. verwandelt. Kräfte werden erworben, wie man z. B. die Schwerkraft in geistiger Weise beherrscht, ja was sie ihrem Wesen nach eigentlich ist, und man lernt, das atomare Stoffgefüge geistig zu durchschauen und zu beeinflussen. Diese Fähigkeiten stellen in ihrer Gesamtheit die wahre Alchemie dar. Über sie ist kaum mehr als nur der Name bekannt. Hierarchische Wesen oberhalb der Erzengel entwickeln oder haben den G. als Wesensglied.

Geistselbst
Sankr. Manas
Das erste künftige Glied des menschlichen Geistwesens. Beginnt ein Mensch von seinem Ich aus auf die in seinem Astralleib vorhandenen Emotionsstrukturen so einzuwirken, dass sich die Eigenarten  dieser seelischen Eigenschaften  ändern,  dann  ergreift  er den Geist, der hinter dem Astralleib waltet. Beispielsweise gestaltet sich Hingabefähigkeit um in Opferkraft, Verschwiegenheit in Meditationskraft, Mut in Erlöserkraft usw. Jede astralleibliche Äußerung verwandelt sich durch geistige Arbeit des Ich in eine reale Kraft. Es sind Geistwesen hinter dem Ich, die diese Verwandlung beaufsichtigen. Daher bezeichnet die moderne Esoterik dieses erste Geistesglied des Menschen als G. oder Geist-Ich. Engel und höhere hierarchische Wesen besitzen den G. als selbstständige Wesensglieder.

Geomantie, geomantisch
Auch Punktierkunst genannt. G. wurde zuerst von den Persern praktisiert. In Europa haben die Araber im 12. Jh. diese Form der Wahrsagekunst bekannt gemacht. Willkürlich werden auf Papier, in Sand, Wachs oder Ton 16 Punktreihen untereinander gestochen. Die Interpretation erfolgt nach den Regeln der Punktbücher. Seit den 14. Jh. werden die geomantischen Figuren auch mit Planeten und Tierkreiszeichen in Verbindung gebracht. Als Gründer der modernen G. gilt der slowenische Plastiker und Autor Marco Pogacnik. Nach ihm besagt G. auch Erdheilung von Ortschaften und alten Kult- und Kulturstätten, die wegen Einflüssen der modernen Zivilisation auf  feinstofflichen,  ätherischen  und  elementarischen  Ebenen  Schaden bekommen haben. Er und seine Nachfolger arbeiten beispielsweise mit so genannter Lithopunktur, und sie kommunizieren mit Elementarwesen und Geistwesen in der Natur. 
 
Goetheanum
Ein nach Goethe genanntes Zentrum der weltweiten anthroposophischen Bewegung seit der Lebenszeit Rudolf Steiners, der in jüngeren Jahren ein anerkannter Goetheforscher war. Wird auch Freie Hochschule für Geisteswissenschaft genannt und befindet sich im Dorf Dornach bei Basel, Schweiz. Der erste Goetheanumbau wurde in mehreren Holzarten als Doppel-Kuppelbau zwischen 1913-22 von Menschen aus 17 Nationen und während des Ersten Weltkriegs maßgebend von Frauen erbaut. Er wurde in der Silvesternacht 1922-23 durch Brandstiftung vernichtet. Der zweite Goetheanumbau in Stahlbeton wurde 1928 eröffnet und hat mehrere Innengestaltungen und Renovierungen erlebt. Die zwei Gebäude samt weiterer umliegender Zweck- und  Wohnhäuser  wurden von Rudolf Steiner selbst entworfen. Des Weiteren trägt die ‚Wochenschrift für Anthroposophie’, die in Dornach als offizielles Organ der anthroposophischen Weltgesellschaft herausgegeben wird, den Namen "Das Goetheanum“.      

Gottesfreunde

Bund von Mystikern im 14. Jh., dem u. a. Johannes Tauler, Suso und Merswin angehörten, nach dem anonymen Gottesfreund vom Oberland benannt.

Gral
Nach dem Glauben des Mittelalters die Schale, aus welcher Christus beim letzten Abendmahl den Wein reichte und mit der Joseph von Arimathia das Blut des Gekreuzigten auffing. Versehen mit himmlischen Kräften wird der G. gemäß der Lebende in einer unerreichbaren Gegend von einem auserwählten Betreuer, seinen Rittern und Edelfrauen und einer würdigen Gemeinde gehütet und verehrt. G. ist auch in der Sage von Parzival das Symbol der Reinheit und der Verjüngung durch Christus. Es wird überliefert, dass die Gralsschale einst der Königin von Saba gehört hatte, dass sie aber ursprünglich als Schmuck der Krone des vom Himmel gestürzten Luzifer eingefügt war. Rudolf Steiner bezeichnete die Anthroposophie als eine Wissenschaft vom Gral.    

Hellsehen, atavistisches
Es war in früheren, vorchristlichen Zeiten normal, dass die gesunden Menschen ein Hellsehen hatten, das Beobachtungen übersinnlicher Phänomene ermöglichte. Dieses Hellsehen war erblich, war mit  dem  Generationsstrom verbunden. So gesehen gab es Familien, die das a. H. stärker hatten. In vereinzelten Beispielen hat es sich bis in unsere Zeit erhalten. Wenn aber  heute  wieder  in  einer  Familie  hellseherische,  mediale oder heilerische Fähigkeiten auftreten, hat es andere Ursachen als diejenigen, die früher ein a. H. hervorbrachten. Statt genetischer, physischer Anlässe treten karmische und selbst bewirkte Ursachen mehr und mehr in den Vordergrund für ein neuartiges Hellsehen.

Hüter,  kleiner
Dem k. H. der Schwelle zur geistigen Welt begegnet der Mensch als einem Doppelgänger - dessen schrecklicher Anblick einen innerlich "zunichte" machen kann - dann, wenn sich die Verbindungsfäden  zwischen Wollen, Denken und Fühlen innerhalb der feineren Leiber, des Astral- und Ätherleibes, zu lösen beginnen. Das bedeutet für den Menschen, innerhalb der Meditation oder in einem höheren Bewusstsein seine Seele ganz als Werkzeug des Ich, namentlich als übersinnliche Forschungsorgane nutzen zu können. Die Konfrontation mit dem k. H. bewirkt als Impuls beim Menschen, seine Untugenden in höhere Fähigkeiten umwandeln zu wollen. 

Hüter,  großer
Nachdem der Mensch erkannt hat, wovon er sich frei machen muss, erscheint ihm eine er­habene Lichtgestalt, deren Schönheit schwierig ist, in Worten zu beschreiben. Diese Begegnung mit dem g. H. findet statt, wenn sich die Organe des Denkens, Fühlens und Wollens auch für den physischen Leib so weit voneinander gelöst haben, dass die Regelung ihrer gegenseitigen Bezieh-ungen nicht mehr durch sich selbst, sondern durch das höhere Bewusstsein geschieht, das sich nun ganz getrennt hat von den physischen Bedingungen z. B. des Gehirns. Reines Denken, totale Harmonie im Fühlen und ein selbst-loses Wollen ist hierzu nötig. Wenn ein Geistesschüler sich entschließt, den Hinweisen des g. H. zu folgen, dann beginnt er, seinen Beitrag zur Befreiung der ganzen Menschheit und der mit ihr verbundnen Wesen vom Bösen zu leisten.

Ich
Die Selbstbezeichnung eines Menschen für die eigene Individualität, für das geistige Wesen, das sich innerhalb des Tagesbewusstseins in ein "höheres" und ein "niederes" I. gliedert. Jenes I. kann nur durch höhere Bewusstseinsarten wie Imagination, Inspiration und Intuition erreicht werden. Normalerweise bleibt es unbewusst. Der I. ist deswegen im Leben des Menschen ein Paradox, das trotzdem das geistige Zentrum der Seele ist, alle seelischen Empfindungen erkennt und gegebenenfalls ihre Weisheit entschlüsseln kann. 

Initiation
lat. "Hineingehen"
Bedeutet Einweihung in die Mysterien des Seins. Jedes Zeitalter hat seine Formen der I. In der Vergangenheit gab es verschiedene Mysterien, die hybernischen, die germanischen, die eleusinischen, die samothrakischen usw. Sie wurden oft nach dem Ort genannt, wo sie gepflegt wurden, aber auch nach Göttern. Heute besteht die Aufgabe, das Fruchtbare, was noch erhalten ist, aus alten Mysterienströmungen in einer globalen Spiritualität zu vereinen, durch neue Initiation zu bestätigen und weiter zu entwickeln.
Die Anthroposophie versteht sich als Geburtshelfer für die neuen, modernen Mysterien. Der deutsche Aktionskünstler Joseph Beuys drückte aus, dass die modernen Mysterien überall - so auch auf einem Bahnhof - stattfinden können. So gesehen wäre I. eine zivilisatorische Angelegenheit.
Die geistige Welt kann auch jemand dazu berufen, eine Selbsteinweihung zu bekommen. Er wird den für ihn geeigneten Entwickelungspfad dann selber finden. Es bedarf dazu nur des ernsthaften Entschlusses seines eigenen freien Willens. Angefangen mit dem Beginn des Christentums hat sich ein großer Fortschritt allmählich im Verlaufe von Jahrhunderten vollzogen, sodass die Menschenseele zu solcher Selbsteinweihung reif wurde. Diejenigen Meister, die wissen, was die Menschenseele okkult ohne Zutun äußerer Tempel- oder Mysterienleiter durchmachen muss, leiten diese Initiation aus der geistigen Welt heraus.

Initiationsmärchen
Volksmärchen vieler Völker entsprechen Imaginationen, die Rosenkreuzer und andere Weise nach dem Mittelalter in Erzählungen für das Volk umsetzten. In einem I. findet ein Mensch immer bildliche Bezüge zu seiner eigenen Entwicklung. Ein I. entspricht vorgeburtlichen Imaginationen in einem panoramaartigen Vorausblick, durch den die Seele vor der Konzeption ein "Modell" für das kommende Leben schaut. In ihm ist das Karma enthalten, auch alle Prüfungen und Aufgaben, die als Teil einer Lebenseinweihung, einer persönlichen Initiation, verstanden werden können.     

Inkarnation
Lat. "in das Fleisch hineintreten"
I. entspricht der Idee, dass der Mensch als Seele oder geistiges Wesen bei der Konzeption aus einer geistigen Vorstufe, bzw. aus einem früheren Leben kommend, zu einem autonomen Leben gelangt. 

Isis-Sophia
Isis, Ägypt. "Göttin", die "große Zauberin" und Göttin der Magie; ihr wurde auch von den Griechen und Römern Verehrung erwiesen, sogar bis nach Deutschland zum Stamm der Sueven drang ihr Ruf. I.-S. deutet auf ein geistiges Wesen, das Züge der Sophia-Gestalt des orthodoxen Christentums mit denen der ägypt. Göttin vereint. I.-S. reicht Menschen die Gabe, das weibliche Prinzip der Schöpfung wieder ins Gleichgewicht mit dem ganzen Kosmos zu bringen.

Kala

K. oder Kali ist ein Typus der Göttin Durga (Sanskrit) "die schwer Zugängliche", ‚die schwer zu Begreifende’), die die populärste Form der Göttin im Hinduismus  ist, gütig und strafend. Sie ist eine Göttin der Vollkommenheit, die auch als Sarasvati , Lakshmi  und Ishvari sowie in anderen Erscheinungsformen auftreten kann und unter anderem Kraft, Wissen, Handeln und Weisheit verkörpert.

Kali-Yuga Sankr. "Zeitalter der Todesgöttin"
Ind. "Äon"
, dessen Beginn auf eine vermeintliche Konjunktion sämtlicher Planeten zurückgeführt wird. Nach indischer Tradition das vierte oder gegenwärtige Weltzeitalter mit einer Dauer von 432000 Jahren. Rudolf Steiner bezeichnet eine kürzere Periode als K.-Y. Sie begann nach seinen Angaben 3101 v. Chr. und endete im Jahr 1899. Die Länge dieses ‚Yuga’ beträgt mit 5000 Jahre. Nach dem K.-Y. folgt ‚das lichte Zeitalter’, von dem sich gewisse Tendenzen in geistigen Aufwachvorgängen während des 20. Jh. zeigen.    

Karma
Sanskr.  "Folge" oder "Wirkung"
Ein Kernbegriff des Buddhismus. Die Karmalehre wird von westl. Inter­preten des Buddhismus oft missverstanden. Entscheidend ist nicht das Ergebnis, sondern der ‚karmische Wille’. Dieser Wille, ob heilsam oder unheilvoll, äußert sich in Ta­ten, Worten oder auch nur in Gedanken. Der Buddhismus kennt folgende Ein­teilung des K. nach dessen Wirkungen: Wiedergeburtsbezogenes K., unter­stützendes K., unterdrückendes K. und zerstörendes K. Die Theosophie, die Anthroposophie und die moderne Reinkarnationstherapie haben die überlieferten Karmagesetze bestätigt und außerdem Forschungsergebnisse zur Erweiterung des Karmaverständnisses gebracht. 

Karmaforschung

Rudolf Steiner ist der Begründer der modernen K. Deshalb wird künftige K. aus spiritueller Sicht sich mit seinen Ergebnissen auseinanderzusetzen haben. K. erschließt karmische Zusammenhänge für den Forscher selbst und öffnet Wege, Mitmenschen in ihren karmischen Verknüpfungen erkennen zu können. Aus den so gewonnenen neuen Einsichten kann ein soziales Problemumfeld aufgeklärt werden, unabhängig davon, ob es in der Gegenwart oder in der Vergangenheit liegt. K. erschließt auch Perspektiven gegenüber historischen Persönlichkeiten, mit denen ein Karmaforscher selbst keine unmittelbare Karmabeziehung haben muss. 

Klassenstunden
Die von Rudolf Steiner unter strenge Übereinkünfte für Mitglieder der sogenannten "ersten Klasse’" der "Freien Hochschule für Geisteswissenschaft" am Goetheanum, Dornach, Schweiz, im Jahre 1924 gehaltenen esoterischen Unterweisungen, die nunmehr in der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA) veröffentlicht sind: GA 270, I-IV. 

Klingsor

Ein rätselhafter Schlossherr aus Kalabrien, bei dem sich König Arthurs Mutter und andere Königinnen aufhielten. Er wird auch im "Parzival’" des Wolfram von Eschenbach erwähnt. K. galt im Mittelalter als der schwarze Magier gegenüber der weiße Magie des heiligen Grals. Die neuere Geistesforschung sieht in K. einen ehemaligen Arthusritter, der nach einem Streit mit einem arabischen Fürst, dessen Tochter er sich genähert hatte, kastriert wurde. Das führte bei ihm zu einer unheilbaren, quälenden Krankheit, die er nur dadurch zu lindern versuchte, dass er durch Magie die Lebenskräfte junger Frauen für sich raubte. Er hielt diese Frauen auf einer Burg Siziliens gefangen. Seine Macht wurde durch einen Frauenaufstand und das Eingreifen des Gralsritters Gauwain zum großen Teil gebrochen.     

Lebensgeist
Sanskr. Buddhi
Das zweite zukünftige Glied des menschlichen Geistwesens. Wenn das Ich eine stärkere Arbeit leistet und Eigenschaften des Ätherleibs  umgestaltet, wie es das zuvor am Astralleib  getan hat, dann vereinigt es sich mit dem dahinter verborgenen Geistigen. Dieses nennt die Anthroposophie den L. Die Eigenschaften des Ätherleibes sind das Temperament eines Menschen oder auch seine Charakterzüge und Gewohnheiten. Heutzutage gelingt es kaum einem Menschen, seinen Charakter so im Laufe des Lebens zu verwandeln, dass man von dem ursprünglich vorhandenen nichts mehr wieder findet. Aber so, wie sich astralische Neigungen in geistige Kräfte verwandeln, so formen sich Gewohnheiten in Kräfte geistiger Vitalität, in eine Art Urgesundheit und Heilfähigkeit um. Erzengel und höhere hierarch-ische Wesen besitzen den L. zur selbstständigen Verfügung.

Lemurien, lemurisch
Gelegentlich auch "Mu" genannt. Ein durch Wärme-, Feuer- und Vulkankatastrophen untergegangener Kontinent, welcher von vielen im Pazifik und von anderen im indischen Ozean gelegen vermutet wird. In meinem ersten Buch habe ich einiges aus diesem Zeitalter beschrieben. 

Luzifer, luziferische Wesen
L. entspricht die nordische Gottheit "Loki", der Gott der Lüge und des zerstörenden Feuers. Er ist schön von Gestalt, aber bösartig im Herzen. In der esoterischen Tradition ist Luzifer der weisheitsvolle Lichtbringer, aber auch Herr aller Versuchung. L. nistet sich ein in das Astralleib und versucht die Wirkungen des Schutzengels im Menschen während der Nacht zu hemmen. L. ist dessen ungeachtet eine geistige Macht, die den Menschen viele Kulturgeschenke hinterließ. Luziferische Wesen sind solche, die von der Weisheit Luzifers beeinflusst sind. L. ist im esoterischen Christentum ein Antipode des Heiligen Geistes. Wie Christus einst inkarniert war, stellte Rudolf Steiner dar, dass auch L. verkörpert gewesen sei, und zwar um 3000 v. Chr. im alten China. Ehe der Tod bei der betreffenden Trägerpersönlichkeit eintrat, ist L. nach meinen meditativen Forschungen darüber aus dem Leib ‚geflüchtet’, sodass er die Auswirkungen des Sterbens und somit die Folgen eines menschlichen Todes nicht miterlebte. Die größte Auswirkung seiner Erdentat war der Beginn des politischen Denkens und seine Auswirkungen auf Kunst und Wissenschaft durch neue Erfindungen.

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