Glossar M-W
Gamamila
Magie Griech. "Zauberkunst"
Der Glaube, durch Beschwörungen, Zauberei und Riten Macht über die Natur und den Menschen auszuüben, ist so alt wie die Menschheit selbst. Grundlage ist die Analogie zwischen Makrokosmos (Welt) und Mikrokosmos (Mensch). Man unterscheidet die schwarze (Goetie: griech. goêteia "Verzauberung", "Verhexung", "Betrug") und weiße M. (Theurgie: griech. theourgia "Götterwerk"). Die erste Kategorie bezieht sich auf Schadenszauber und das Erreichen von Absichten durch die Hilfe von Dämonen und des Satans. Die zweite dient der Abwehr von Dämonen bzw. des Bösen, vornehmlich mit Hilfe von Amuletten, Fürbitten usw. Hiervon muss die Magia naturalis unterschieden werden, die sich mit Naturerscheinungen etc. beschäftigt, und aus der die moderne Physik entstanden ist.
Magie, arabische
Die magischen Vorstellungen der vorislam. Araber wurden von Mohammed anerkannt und leben in der Volksfrömmigkeit z. T. bis heute fort (Amulette, Talismane und Wahrsagung). In der arab. Mystik spielt die Buchstabenmagie eine wichtige Rolle, die bis in den Hellenismus zurückreicht. Die Magie heißt ‚Sihr’ und wird eingeteilt in "Tariqa al mahamuda" (weiße M.) und "Tariqa al madnuna" (schwarze M.). Die Sure 2, 102-106 des Korans erlaubt die Dienstbarmachung von Geistern durch Beschwörung. Dies führt auch zu der verbotenen Benutzung des Korans für magische und okkulte Praktiken.
Magie, rituelle
Magische Handlungen, deren Ablauf entweder aufgrund geheimer Überlieferungen oder Schriften genau vorgeschrieben ist. Die genaue Befolgung des Rituals ist für den Erfolg einer solchen Zeremonie entscheidend.
Magie, transzendentale
Andere Bez. für rituelle oder praktische Magie. Der Akzent wird hierbei auf das Erlebnis der Transzendenz (lat. transcendere "hinüber schreiten") beim magischen Akt gelegt.
Manichäismus, manichäisch
Eine sogenannte gnostische Religion, die auf Mani (216 - ca. 277) zurückgeht. M. war im römischen Reich, in Afrika und bis nach China verbreitet. Ein Hauptgedanke des M. ist die Polarität zwischen Licht und Finsternis oder Gott und der Materie. Im Lichtreich thront Gott, der sich im Kampf mit dem Reich der Dunkelheit befindet. Laut späterer Interpretationen sei das Ziel der Lehre die Befreiung des Menschen aus der Finsternis, die ihn erzeugt hat, um ins Reich des Lichtes zu gelangen. Diese Erlösung sollte deshalb möglich sein, weil der Mensch Partikel aus dem Lichtreich enthält. Die Offenbarungen von Mani wurden in zahlreichen Schriften veröffentlicht, von denen nur wenige Fragmente erhalten sind. Seine Apostel des inneren Kreises mussten auf Fleisch und Wein verzichten und im Zölibat leben. U. a. die Katharer (Frankreich, Italien) und die Bogumilen (Balkan) des Mittelalters setzten die manichäische Weisheit fort. Unsere Zeit ermöglicht durch neue Geistesforschung eine Metamor-phose der manichäischen Gesinn-ung, sodass man im Gegensatz zum alten M. sich nicht mehr vom Bösen abwendet, sondern neue Wege zu dessen Umwandlung sucht. Dadurch können im Bösen verhaftete Wesen in die Welt der Liebe eingeführt werden.
Meditation
Meditation ist zunächst entgegengesetzt der intellektuellen Betätigung, alles verstehen zu wollen. Das Meditieren schaltet den Intellekt aus, um sich eines meditativen Inhalts oder des Meditierens selber als seelisches Tun zu widmen. Der Meditationsinhalt kann ein Begriff, ein Gedanken, ein Text, ein Mantram sein. Der Meditierende kann sich auch andere Inhalte, Bilder, Symbole oder physische Körperhaltungen, z. B. in der Yoga, vornehmen, um sich auf sie zu konzentrieren oder sich in sie zu versenken.
M. wird, richtig empfunden, als die Pflege des Lebens der eigenen Seele und des Geistes gesehen. Sie braucht und will Klarheit, Geduld und Seelenenergie aufblühen lassen. Sie wird gedeihen in dem Sinne, wie es sich der Meditierende selbst verspricht, um in tägliche oder rhythmische Kontinuität zu üben. M. ist daher eine der freiesten Handlungen, die ein Mensch sich vornehmen kann, weil sie nur aus dem Ich für höhere, ethische Zwecke eingesetzt wird.
M. kann Selbsterkenntnis so weit entwickeln, dass der Einzelne sich als reiner Geist erlebt und deswegen in spirituellen Kontakt mit anderen Geistwandelnden treten kann. Hingabe und Liebe zu dem, was einem in der Meditation als der Strom des Daseins entgegentritt, muss so gesteigert werden, dass alle Willkürlichkeit, Regsamkeit und Ichbezogenheit überwunden ist. M. ist gesteigerte Aufmerksamkeit auf das Geistige. Wenn sie Seeleneigenschaften wie Charakterstärke, innere Wahrhaftigkeit, Besonnenheit und Seelenruhe gewohnheitsmäßig macht, wird sie dem Meditierenden gute Erfolge schenken.
Meister
In alten Zeiten, als noch Kunst, Religion und Wissenschaft eine kulturelle Einheit war, gab es über die ganze Erde viele Mysterienschulen, die ihre Quellen im ? atlantischen Zeitalter hatten. Es gab z. B. die samothrakischen, die eleusinischen, die hybernischen, mehrere ägyptischen Mysterien usw. Die Leiter dieser Mysterien waren die M. Diese Menschenindividualitäten werden fortwährend so bezeichnet, auch wenn die ursprünglichen Mysterien nicht mehr existieren.
Ein M. kann die Menschheit lenken und anleiten, indem er selbst Initiativen direkt im Irdischen ergreift. Als Hüter der Weisheit und des Menschheitsfortschrittes können M. aber auch dafür geeignete Menschen direkt anleiten oder sie indirekt anregen, wenn sie im Moment nicht inkarniert sind oder sich nicht an demselben Ort wie seine Schüler befinden. Sie sind Herr über sich selbst bis auf den physische Leib, den sie kontrollieren können. Dadurch haben M. außerkörperliche Wahrnehmungen und können geistige Leistungen einsetzen. Sie können die materiellen Zusammenhänge dementsprechend dadurch dirigieren, dass sie dasjenige, was im Materiellen unsichtbar schlummert, für bestimmte Aktionen freisetzen.
Wenn ein M. geboren wird, sieht er seiner Familie äußerlich nur etwas ähnlich. Er gleicht vielmehr in seiner ganzen Erscheinung seiner vorigen Inkarnation, weil er schon im physischen Leib seine Wesenszüge hinein-arbeiten kann. Diese Freiheit werden die meisten Menschen erst in einer fernen Zukunft erlangen können.
Michael Hebr. "Gottschauer"
M. wird als der - schon vor Beginn der Schöpfung - ? Luzifer stürzende Kämpfer dargestellt. Er war nach der Überlieferung der Engel mit dem Schwert, der Adam und Eva aus dem Paradies trieb und den Lebensbaum bewachte (1. Mose 3, 23 - 24) und der Seth einen Zweig vom Baum der Erkenntnis reichte. Im alten Testament der Bibel taucht M. des Öfteren auf. In den Darstellungen der "Offenbarung des Johannes" erfüllt Michael seine besondere Aufgabe beim jüngsten Gericht: seine Posaune erweckt die Toten aus den Gräbern, er befreit die Frau mit dem Kind und tötet im endzeitlichen Kampf - in vollem Harnisch und mit großen Flügeln - den Drachen zu seinen Füßen (Offenbarung 12, 4 - 7). M. ist aber auch der Engel, der den Drachen in den Abgrund stürzt (Offenbarung 20, 2 - 3), er wird nach Kommentaren zur Apokalypse auch den Antichrist töten, wenn dieser im Erscheinung tritt.
Er gilt als Führer der Seelen - gemäß der ältesten Vorstellung vom ägypt. Thot und dem Hermes in griech. Mythologie - und hält die Seelenwaage. Noch heute wird er deshalb im Totenoffizium der katholischen Kirche angerufen mit der Bitte, „dass der Bannerträger Sankt Michael die Seelen ins heilige Licht führe“. M. empfängt demnach die Seligen im Paradies so wie Petrus an der Himmelspforte. M. war der ‚Fürst der Synagoge’ und gilt als der ‚Fürst der Kirche’. Mit Raphael , Gabriel und Uriel ist M. in der Anthroposophie einer der vier Erzengel der Jahreszeiten. Außerdem tritt er dort auf als derjenige, der sie geistig bewirkt. Nach Rudolf Steiner hat sein über-geordnetes Amt als Zeitgeist 1879 angefangen und wird etwa 300 Jahre dauern.
Michael-Schule, geistige
Anfang des 15. Jh. entstand unter der Führung des Erzengels Michael das, was die ? Anthroposophie eine übersinnliche Schule nennt. Was er früher in den vorchristlichen Mysterien nur Eingeweihten als seine Impulse für die Menschheit offenbarte, wurde in dieser geistige Schule von Michael selbst für die Menschenseelen zwischen Tod und neuer Geburt neu begründet. Eine Art feierlichen Ausgang nahm diese geistige M. am Übergang zum 19. Jh., als die Blütezeit des deutschen Idealismus sich entfaltete. Seitdem versuchen Menschen, die den M. vorgeburtlich erlebt haben, eine Erneuerung des Mysterienwesens durch moderne Spiritualität zu verwirklichen. Ihnen geht es im Besonderen darum, das praktische Leben mit dem Geistigen zu verbinden.
Die neueste Geistesforschung sieht seit einigen Jahren in der fortgesetzten g. M. eine geistige Versammlung, die Vorkehrungen und Verhaltensweisen anleitet, um die verstärkte Widersetzlichkeit des Bösen in der Gegenwart entgegenzuwirken. Ich prüfe die Arbeitshypothese, ob die von Rudolf Steiner ankündigte Inkarnation Ahrimans in unserer Gegenwart sich ereignen wird. Die Schrecken des 11. Septembers 2001 in den USA und der verheerende Sunami in Südostasien zu Weihnachten 2004 könnten als Beispiele der konkreten Vorzeichen gedeutet werden, welche einer "Geburt" Ahrimans vorangehen würden. Das Meeresbodenerdbeben, welches die Flutwellen ausgelöst hat, könnte zugleich als "Reaktion" des Erdorganismus auf die regen Probesprengungen von Atombomben verstehen werden, die Anfang der 1970er Jahren in Asien und im Pazifik stattfanden.
Es werden unter den leitenden Meistern und Bodhisattvas mit Michael und Christus seit etwa dem letzten Millenniumswechsel ganz individuelle Wege für den Geistsuchenden entwickelt, damit die negativen Auswirkungen der kommenden Ahriman-Inkarnation für die ganze Menschheit so weit gemildert und bewältigt werden können, dass für die Zukunft beabsichtigte Karmawirkungen dadurch nicht verfrüht benutzt - quasi gestohlen - werden können.
Michaelsendung
Ein Begriff Rudolf Steiners für die geistigen Gaben, den Michael die modernen Mysteriensuchenden reicht, wenn sie "hinter" Worten, Gedanken und Begriffen zu wahren Geisterlebnissen durchdringen. Weil Michael ein schweigsamer, verschlossener Geist ist, der auf die Taten eines Menschen schaut, die aus dem Spirituellen heraus entstanden sind, hat er seine Geschenke solchen Menschen quasi als Schlüssel auf deren Lebensweg vorweg ‚ausgelegt’. Wie aus der Zukunft kommend leuchten sie heilsam in die Dramatik der sozialen Erdendramen auf.
Monden- und Sonnenkarma
Rudolf Steiner sprach von M. und Sonnenkarma. Alles Karma, das in der Gegenwart durch Menschentaten neu entsteht, gilt als Sonnenkarma. Es wird in der Zukunft geerntet. Alles Karma, das aus früheren Leben herüberkommt in die jetzige Inkarnation und auf eine Aufarbeitung wartet, bedeutet M., gewissermaßen der "Schatten" des Sonnenkarmas aus der Vergangenheit.
Mysterien, alte und moderne
Alle M. haben ihre Wurzeln in der ? atlantischen Zivilisation. Jede Kultur, die auf der Erde in einem bestimmten Zeitraum der Menschheitsentwicklung zur Blüte kam, war aus einem oder mehreren Mysterienstätten hervor-gegangen, analog wie eine Pflanze aus dem Samen hervorgeht. Hinter der Kulissen der äußeren Gesellschaft pflegten die Eingeweihten und Schüler der M. die Denkfähigkeit, die Befähigungen und die Gefühle der Menschen voraus, die in einer späteren Zeit zur allgemeinen Entfaltung kommen sollten. In verschiedenen geographischen Gebieten, wie z. B. in Ägypten und Griechenland, gab es unterschiedliche Mysterienorte, die bestimmte Aspekte des esoterischen Wissens pflegten. Zu Einweihungen in den Mysterien wurden nur auserwählte Menschen berufen, deren günstiges Karma von den Eingeweihten erkannt wurde.
In vorchristlichen Zeiten wurden alle zivilisatorischen Erneuerungen und kulturellen Erfindungen in den Mysterienstätten entwickelt und ausprobiert, lange bevor sie unter dem gewöhnlichen Volk zum allgemeinen Gebrauch kamen. In den Jahrhunderten nach dem "Mysterium von Golgatha" wurden die meisten Mysterienstätten in Europa zerstört. Einiges vom alten Mysteriengut ging auf bestimmte Strömungen und Gruppierungen über, die z. B. im esoterischen Christentum als Katharer und Bogu-milen lebten, oder in der späteren Freimaurerei tätig waren.
Laut der Anthroposophie wurden die m. M. von Rudolf Steiner auf der "Weihnachtstagung" von 1924 initiiert. Steiner proklamierte ein modernes Mysterienwesen, das frei von politischen und dogmatischen Tendenzen sein müsste. Die vielen kulturellen Wirrnisse und Ausartungen im 20. Jahrhundert, von denen auch die Anthroposophen nicht verschont waren, haben gezeigt, dass es nur möglich ist, Initiation in absolut ehrlichen und von Machtansprüchen befreiten Zusammenhängen zu betreiben.
Mysterium von Golgatha
Christus Griech. ‚Gesalbter’ (Sanskr. "Vishva Karman", Pers. "Ahura Mazdao", Ägypt. "Osiris", Hebräisch "Messias") ist derjenige göttliche Sonnengeist, der bei der Jordantaufe aus den Geistwelten ‚herunterkam’ und in sich das Urprinzip göttlicher Identität trug. In der Imagination einer Taube trat die göttliche Uridentität ‚Christus’ an die Stelle des menschlichen Ich, das bis zu diesem Zeitpunkt in der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth verkörpert war, dann aber in einer Art Opfer seine Persönlichkeit an den Christus-Geist gab und selbst deshalb durch einen Sterbevorgang ging. Nach drei Jahren der Anwesenheit des Christus als Mensch unter Menschen in Palästina trug sich das tatsächliche M. v. G. zu, das sich äußerlich als die Kreuzigung Christi zeigte - an einem Freitag, am 3. April des Jahres 33, drei Uhr Nachmittags.
Dieser Schritt durch den Tod stellte für eine übersinnliche Wesenheit ein einzigartiges Geschehen dar. Hierdurch wurde die Erneuerung des bis dahin bedrohten Urbildes des Menschen in jedem höheren Menschen-Ich errungen. Es ist hierfür gleichgültig, in welcher Gegend der Erde ein Mensch lebt oder welchem Religionsbekenntnis er angehört. Die Folgen des M. v. G. wirken weiter für alle Menschen und in aller Zukunft. In der Auferstehung findet das M. v. G. seine geistige Vollendung. Seit den 30er Jahren des 20. Jh. ist es durch weitere Taten des lebendigen Christus möglich, das M. v. G. im individuellen Leben seelisch-geistig mitzuerleben, ähnlich wie einzelne Heilige früher und Menschen noch heute es physisch erlebt haben, weil sie stigmatisiert wurden.
Okkultismus Lat. "Geheimwissenschaft"
Der heute gebräuchliche Name für das Gesamtgebiet aller Wissenschaften, die sich die Erforschung der geheimen Naturkräfte zur Aufgabe machen. In diesem Sinne gehören Spiritismus, Mystik, Theosophie und Anthroposophie dazu. Im engeren Sinne aber ist O. nur die Bez. für die wissenschaftliche Überzeugung vom Dasein übersinnlicher Kräfte und Wesen und steht daher abseits aller Glaubensdinge. O. unterscheidet sich vom Spiritismus insbesondere dadurch, dass er kosmische Wesenheiten keineswegs ausschließlich als Geister verstorbener Erdenmenschen ansieht, sondern annimmt, dass sie neben und außerhalb des Menschenlebens ein Dasein haben können. Von der Theosophie unterscheidet er sich dadurch, dass er frei ist von jeglicher Art mystischen Beiwerks, indem er sich auf die Basis der Naturgesetze stellt - von der Metaphysik dadurch, dass er Gebiete des Glaubens und Aberglaubens nicht in seine Forschung einbezieht.
Philia Griech. "Freundschaft", "Zuneigung"
Die zweite Kategorie er Liebe, die mit der ganzen Seele zusammenhängt. Wenn in einer Begegnung zwischen zwei Menschen allmählich eine erste Verliebtheit und Anhänglichkeit verklungen ist, kann die Phase der reiferen Verbundenheit anfangen, die von dieser Liebesart geformt wird.
Physischer Leib
Als p. L. bezeichnet die Anthroposophie die sinnliche Erscheinungsform aller Wesen der bekannten irdischen Naturreiche: Mineral-, Pflanzen-, Tier- und Menschenreich. Sie legt besonderen Wert auf die Betrachtung der unter-schiedlichen physischen Äußerung des Mineralreichs gegenüber den drei anderen Reichen: Mineralien scheinen nicht zu sterben oder erscheinen fortwährend als tot. Ihre Form hat aus sich heraus materiellen Bestand. Ihre Materie kann sich sowohl in Kristallgestalt zeigen als auch in einer durch äußere Einwirkung zertrümmerten (amorphen) Form. Aber weder die intakte noch die zerstörte Form mineralischer Materie ändert ihren Zustand der Leblosigkeit. Man kann daher feststellen, dass ein p. L. als solcher stets leblos oder tot ist. Zeigt er sich in den anderen drei genannten Naturreichen als belebt, so weist das darauf hin, dass ein Leben gebendes Element wirksam ist. Eine solche Wirksamkeit findet sich folglich bei allen p. L. aus dem Pflanzen-, Tier- und Menschenreich. Wenn diese Wirksamkeit fortfällt, dann erst treten die mineralisch-materiellen Gesetze der p. L. dieser Naturreiche wieder uneingeschränkt in Kraft. Sie betätigen sich dann aber als Auflöser der materiellen Leibesgestalt. An dieser Stelle fällt der erkennende Blick des Menschen auf etwas Verborgenes, das nur an seinen Äußerungen in der physischen Welt sinnlich angeschaut werden kann. Der Okkultismus nennt dieses Leben tragende Prinzip den Ätherleib .
Reinkarnation Lat. "Wiedergeburt", "Wiederverkörperung"
Zentraler Begriff der ind. Religionen Hinduismus, Buddhismus und der modernen Theosophie und der Anthroposophie. Der Mensch geht nach seinem Tod in eine neue Existenz über. Je nach seinen Taten in seinem früheren Leben steht ihm eine "gute" oder "schlechte" Wiedergeburt bevor, die somit von "Höllenwesen bis zu den Göttern" reicht. Ziel allen menschlichen Bestrebens ist es, diesem Kreislauf der Geburten (samsara) zu entrinnen. Der Hinduismus verbindet die R. mit der Seelenwanderung, die vom Buddhismus abgelehnt wird. Den Reinkarnationsgedanke gab es auch bei Indianern, bei einigen semitischen Völkern und bei vielen Denkern und Glaubensrichtungen in Europa. Ein Meilenstein der neueren Zeit findet sich im letzten Werk G. E. Lessings (1729-1781), in welchem er R. mit dem Begriff der Freiheit verband. Es war Rudolf Steiners einzigartige Tat, der Reinkarnationsidee mit einem neuen Verständnis des Christentuns zu integrieren.
Rosenkreuzer
Christian Rosencreuz (1378-1484) wird als legendärer Gründer des Rosenkreuzordens betrachtet, von dem J. V. Andreae (1586-1654) in seiner Schrift ‚Fama Fraternitatis’ berichtete: „Eine Pilgerfahrt führte ihn in das Heilige Land, Arabien und Ägypten, wo er in die Geheimnisse des Buches der Natur - Liber mundi - eingeweiht wurde. Nach seiner Rückkehr versuchte er die Lehre in seiner Heimat zu verbreiten.“ Für seine Ziele kann er noch mehrere Gesinnungsgenossen finden, die versuchen, mit ihm gemeinsam seine Lehre zu verbreiten.
Diese Lehre ist eine Art Naturphilosophie, die im Liber mundi (lat. "Buch der Welt") niedergelegt ist. Als er spürte, dass der Tod kommt, lässt er noch ein Grabmal errichten und stirbt. Er gilt als Verfasser folgender Werke: "Axiomata", "Rotae mundi" und "Protheus". Diese Bruderschaft bestand noch 120 Jahre nach seinem Tod weiter. In den letzten hundert Jahren sind mehrere neu gegründete Gesellschaften wie z. B. "AMORC" und "Lectorium Rosicrucianum“ entstanden. Auch Rudolf Steiner verstand sein Hauptwerk "Die Geheimwissenschaft im Umriss" (1910) als eine Erneuerung rosenkreuzerischer Weisheit und hat diese Individualität in seiner Karmaforschung zu mehreren bekannten historischen Persönlichkeiten zugeordnet.
Schamanismus, Schamane Tungusisch "Zauberer"
Bez. für einen Magier bei sibirischen Naturvölkern, der zugleich die Funktion eines Priesters und Propheten ausübt. Die magischen Praktiken, die auch die "Tierverwandlung" umfassen, werden üblicherweise in Ekstase ausgeübt. Durch Rauschmittel, Lärm, Rhythmen und Tanzen wird dieser Zustand erreicht. Man nimmt heute an, dass der Schamanismus in ganz Eurasien verbreitet war. Relikte haben sich im Hexenwesen erhalten. Der S. flog in Tiergestalt in das Totenreich, z. B. um die Ernteerträge zu erhöhen.
Stein der Weisen Lat. "lapis philosophorum"
Der Ausdruck kommt schon bei den griech. Alchemisten vor. Ziemlich gleich-bedeutend werden gebraucht: "Arcanum", "Elixir", "Magisterium", "Quinta essentia", "unctur", auch "roter Löwe", "weißer Löwe", "prima Materia", "Medizin". Jene angeblich aus Salz, Schwefel und Mercurium zusammengesetzte Substanz, welche die Verwandlung der unedlen Metalle in Gold bewirkt und die Grundlage des Lebenselixiers sein soll. Diesem wurde von dem ital. Philosoph Raymundus Lullius (1232/33-1315), der 1275 das süße Vitriol entdeckte, auch die Fähigkeit zugeschrieben, das Pflanzenwachstum in natürlicher, doch ganz unglaublicher Weise zu beschleunigen.
Im Orient wollte man sich durch gewisse Pflanzensäfte für die äußere Anschauung des Makrokosmos anregen. Im Abendlande kam es dann auf, dass man sich durch innere Substanzen anregen wollte. Im Morgenlande nannte man dasjenige, wodurch man wieder durch äußere Mittel, durch Einnehmen von etwas, die Fähigkeit heraufbeschwören wollte, die im letzten Rest durch die Magier (bei der Geburt von Jesus) erschienen war, den Somatrank. Im Abendlande, bis ins späte Mittelalter hinein, ja bis in die neuere Zeit nannte man das, was man innerlich einnehmen wollte, um jene Weisheit zu bekommen, die innerliche Wahrnehmung hervorruft, den Stein der Weisen.
Es soll übrigens angeblich auch einen Stein der Weisen gegeben haben, mit dem man eine Rückverwandlung der höherwertigen in minderwertige Metalle erzielen konnte. Die Anthroposophie versteht unter S. d. W. einerseits eine durch Geisteskraft bewirkte Modifikation des Kohlenstoffs, andererseits die Umwandlung des physischen Leibes in den Geistesmenschen, die sich schrittweise vollzieht. Wenn der Impuls, die ganze Schöpfung miterlösen zu wollen, bei einem Menschen zu einer ethischen Angewohnheit geworden ist, können in seiner Aura so etwas wie pracht-volle, nicht ‚harte Edelsteine’, sondern eher wie ‚geleeartige Diamanten’ geschaut werden.
Verstandes- oder Gemütsseele
In der Anthroposophie das zweite Glied der Seele. Während die Empfindungsseele der Verwalter der Erinnerungen ist, kann das Ich des Menschen über dieses bloße Verwalten hinausgehen und den Erinnerungsschatz in der vielfältigsten Weise nach seinen Impulsen organisieren. Es muss sich dazu in gewissem Sinne dieser Summe von Erinnerungen in sich selbst gegenüberstellen, um sie anschauen und ordnen zu können. Dazu muss es eine Fähigkeit erringen, die über das bloße Erinnern hinausgeht. Das Ich muss Verstand entwickeln, das eine Kombinationsgabe ist, die es ermöglicht, die Erinnerungen als Wissensinhalte in einer Weise miteinander zu verknüpfen, dass sie zu neuen Ergebnissen und Erlebnissen führen können, als die jeweiligen Erinnerungen aus sich allein begründen würden.
Im V. o. G. werden Fähigkeiten wie List, Schläue, Entschiedenheit, Raffinesse usw. entwickelt. Es geht in ihr um die Fähigkeit der Urteilsbildung, jener seelischen Betätigungsart, durch die der Mensch als Erkenntniswesen seine Wahrnehmungen mit Begriffen verbindet. Das Gemütsartige dieses Seelenglieds liegt in der Seelenwärme, die erzeugt wird durch die Umwandlung von untugendhaften Gewohnheiten im Ätherleib, sodass der Mensch sich in ein soziales oder sittliches Gefüge einordnen kann. Die V. o. G. wurde in den Kulturen der Griechen und der Völker des ehemaligen römischen Reiches von etwa 700 v. Chr. bis in das ausklingende Mittelalter als eine allgemeine Grundlage der Seelenentwicklung der Mensch-heit erworben. Beim individuellen Menschen findet ihre Entwicklung normal-erweise zwischen dem 28. und 35. Lebensjahr statt.
Weihnachtstagung von 1924
In der Anthroposophie die Generalversammlung zu Weihnachten 1923-24 am anthroposophischen Zentrum "Goetheanum" zur Neugründung der seit 1913 bestehenden Anthroposophischen Gesellschaft in eine weltweite "Allgemeine Anthroposophischen Gesellschaft", die eine neu gegründete "Freie Hochschule für Geisteswissenschaft" beinhalten sollte. Außer Vorträgen zur karmischen Weltgeschichte und verwaltungsartigen Sitzungen wurde von Rudolf Steiner eine sich über mehrere Tage hinziehende kultische Weihe gegeben, die einen mantrischen Text - genannt "Der Grundstein" - als Mittelpunkt hat. In den letzten 20 Jahren wurde unter Anthropo-sophen eine Neubesinnung auf die W. gesucht. Parallel dazu vertieften sich andere in historische Konstitutionsfragen, um eine neue Grundlage für moderne Sozial-strukturen der AAG zu finden.
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