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jostein sæther | die inselübung







Leben ist nur ein Elektron auf der Suche nach einem Ruheplatz.

Der Satz stammt angeblich von Albert Szent-Gyorgyi
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Jostein Sæther,
3. Variation
zum Thema Geheimnis
, 2008
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Foto: © Roman Schmidt
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n der folgenden „Reiseübung“ soll in bestimmtem Aufbau, dem Urbild der Bildmeditation folgend, der Versuch gemacht werden, seelisch- bildhafte Bestandteile durch einen inneren Prozess zu bewegen. Der Mensch ist ein Wasserwesen. Der
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physische Leib des Menschen besteht aus 70% Wasser, das Gehirn sogar aus 90% und das Blut aus 92%. Wissenschaftler stellen fest, dass das ganze uns bekannte Universum aus 90% Wasserstoff besteht. Der Nobelpreisträger, Albert Szent-Gyorgyi (1893-1986), erklärte das Wasser zur Mutter und Matrix allen Lebens.* Auf diesem Hintergrund mag es erlaubt sein, eine Übung zu gestalten, in der das Wasser eine Hauptrolle spielt:

Du bildest dir in deinem Bewusstsein einen schönen, sonnigen Tag ein. Du stellts dir vor, dass du in einem kleineren Boot sitzt und gerade beispielsweise von deinem Heimatufer abgegondelt bist. Du ruderst oder segelst auf dem Wasser. Ein Motorboot zu benutzen, ist selbstverständlich auch erlaubt. Es kann ein See, ein Fluss sein oder vielleicht befindest du dich auf dem Meer oder auf einem Fjord. - Dein Ziel ist eine kleine, unbewohnte Insel. Du kannst sie von der Ferne schon erblicken. Sie wird nicht sehr groß sein, so dass man sie in einer guten Stunde umwandern kann. Wie erscheint das Licht über der stillen Wasseroberfläche?

Weht ein sanfter Wind, der kleine Wellen macht? Siehst du Fische in der Tiefe? Du kommst am Ufer der Insel an und findest einen Platz am Strand, um anzulegen. Wenn nötig, musst du das Boot hochziehen und eventuell anbinden. Schaue, wie das Ufer aussieht. Handelt es sich um Sand oder Kies, um Steine oder Klippen? Nimm alle Sachen mit, die du für eine Wanderung brauchst, und entscheide dich,nach links oder rechts am Ufer entlang zu gehen. Weil das Wetter so schön und das Wasser so anziehend ist, suchst du eine Stelle, wo du ans Wasser gelangen kannst, und du trittst mindestens bis zu den Knien hinein, wenn du nicht schwimmen willst. Wie fühlt sich das Wasser an? Welche Temperatur hat es? Ist es Salz-, Brack- oder Süßwasser? Siehst du sonst noch etwas? Wie ist der Boden unter dem Wasser?

Durch die Sonne glänzt ein Gegenstand auf dem See- oder Meeresboden auf. Er ist nicht größer, als dass du ihn aufheben kannst. Er stammt aus menschlicher Kultur und ist einst im Besitz eines Menschen gewesen. Nimm das Ding mit, setze dich am Ufer und untersuche es. Wie groß ist es? Wie ist seine Form? Welche Farben hat es? Was ist es? Wenn es nur ein abgebrochener Teil von einem größeren Gegenstand ist: Wozu wurde er benutzt, als er noch funktionierte?

Lass eine Geschichte entstehen, wie es ausgesehen haben mag, als ein bestimmter Mensch mit dem Gegenstand in Berührung war. Was war es für ein Mensch? Wie lebte er? Welcher Art war seine Beziehung zu dem Gegenstand? Wie kam es dazu, dass er ihn verloren hatte? Mal dir bis ins Detail aus, wie eine solche Vergangenheit als eine Novelle erzählt werden könnte. Du entscheidest, wie du weiter mit dem Gegenstand verfahren willst, falls du ihn mitnehmen möchtest. Oder du wirfst ihn nun wieder ins Wasser. Soeben geht die Entdeckung weiter, um das Inland der Insel einzubeziehen. Beim Suchen nach Pfaden und Wegspuren bemerkst du allerlei Pflanzen und Lebewesen. Da sind Insekten, kleinere Waldtiere und Vögel, die auf der Insel brüten. Sogar größere Tiere können hier zum Vorschein kommen, weil sie die Insel ab und zu schwimmend besuchen.

Dann geschieht es, dass du einem bestimmten Tier begegnest, das auch dich entdeckt hat. Es hat in seinem Tun innegehalten, und es entsteht zwischen euch ein Gespräch, wie in einem Märchen, in welchem Tiere sprechen können. Lass das Tier von sich erzählen. Was hat es gerade gemacht? Wie geht es ihm heutzutage? Welches ist seine Mission in der Schöpfung? Was tut es für die Erdenevolution? Mit welchen anderen Wesen versteht es sich gut? Hat es auch Feinde? Nimm nach dem Gespräch Abschied von dem Tier und lasse es in Ruhe weiter gehen.

Auch du spazierst nach der Tierbegegnung weiter, um einen Ort zu finden, wo du Rast machen kannst. Wie ist hier die Landschaft? Befindest du dich auf einer Lichtung oder an einer schattigen Stelle unter einem Baum? Kannst du Wasser zum Trinken finden? Da ist vielleicht eine Quelle, ein Bach oder ein Wasserfall, der von einem Felsen herab stürzt. Wie schmeckt das Wasser? Kannst du auch mit dem Süßwasser in solch ein inniges Gespräch wie mit dem Tier kommen? Stell die entsprechenden Fragen und suche alsdann etwas zu essen, was die Natur dir vorlegt, z. B. Früchte, Beeren, Wurzeln oder Nüsse. Was sagt der Geschmack? Welche Berufung besitzt dieses Naturgeschenk als Lebensmittel?

Nach der Erholungspause gehst du weiter, um den höchsten Punkt der Insel zu finden. Wie ist das Panorama? Kannst du dein Boot von hier oben sehen? Es wird nun aber Zeit, allmählich an den Rückweg zu denken. Auf dem Weg zum Boot erwartet dich eine Überraschung, denn ein zweites Boot ist angekommen. Und da steht jemand daneben, der auf dich wartet, als würde er etwas von dir wollen. Wie reagierst du? Bekommst du Angst? Wie sieht der Neuankömmling aus? Kennst du ihn schon? Er hat dir eine Botschaft zu überbringen. Wie bekommst du die Mitteilung? Als Brief, auf einen Zettel geschrieben oder mündlich?

Ohne dich weiter mit dem Boten zu beschäftigen, ziehst du dein Boot ins Wasser, um nach Hause zu fahren. Du nimmst von ihm Abschied und er fährt seinerseits seines Weges. Auf der Heimreise genießt du das Wetter und erfreust dich an der Bewegung des Wassers. Jetzt erst vertiefst du dich in die Meldung. Was hast du soeben zur Kenntnis bekommen? Wie betrifft dich der Inhalt, was bedeutet die Aussage für dich?

Die Inselübung stellt ein weiteres Urbild des Meditierens dar. Eine Meditation ist wie eine Insel in dem Gewässer des Alltags. Die Besinnlichkeit wird an bekannten Gegenständen, Abenteuern und Verrichtungen geübt. Das Überraschungsmoment ist so eingebaut, dass es nach anderen Ereignissen - eventuell gegen den Schluss hin - erscheint. Was man vorher nicht wissen kann, ist der Inhalt der Mitteilung. Man könnte in einer Einleitung zur Übung dahin gerichtete Fragen stellen, worauf dann
möglicherweise innerhalb der Komponenten des Durchgangs Andeutungen zu einer Antwort auftauchen könnten, ähnlich wie wenn wir abends eine Frage mit in den Schlaf nehmen und morgens mit einer Antwort vielleicht aufwachen.

Die vier Komponenten der Übung stimmen mit den vier Stufen oder Hüllen des Menschenwesens überein. Das Auffinden des Gegenstands im Wasser greift eine Ich-Stufe auf, die sogar auf karmische Hintergründe weisen könnte. Der Begegnung mit dem Tier entspricht das Seelisch-Astrale, die Einnahme von Wasser und Essen berührt das Lebendig-Ätherische, und die Botschaft betrifft den Menschen, der physisch voll inkarniert sein muss, um gesund und handlungsfähig zu sein. Die Inselübung entstand einmal in einer Sitzung mit einer Klientin, mit der ich schon öfter gearbeitet hatte. Sie hatte aber immer wieder emotionale Schwierigkeiten in den Meditationen bekommen, wo nach karmischen Zusammenhängen gesucht wurde, weil sie aus dem Studium der Karmaforschung von Steiner etwas befangen war. So griff ich zu einer Arbeitsweise, bei der ich sie zunächst durch scheinbar ablenkende Manöver zu einem Überraschungsmoment bringen wollte, sodass ihre Voreingenommenheit bearbeitet werden konnte. Es zeigte sich bei ihr wie bei Anderen, die diese Übung auch machten, dass viele interessante Bilder und fruchtbare Hinweise zur Selbsterkenntnis und zu karmischen Anhaltspunkten entstanden.

In meiner Forschung hat es sich erwiesen, dass schon bei jemandem, der zu Beginn eines Schulungswegs diese Übung machte, solche Bilder entstanden, die dann später in ganz anderen imaginativen Kontexten wieder auftauchten und dort eine Erweiterung erfuhren. So ist zu verstehen, dass eine in dieser Art geübte Bildmeditation eine imaginative Bewusstseinsstufe vorzeitig ergreift und ihr Wahres in Erscheinung treten lassen, ja, sogar beschleunigen kann. Wenn Letzteres eintritt - das heißt, dass reine Imaginationen auftreten -, muss man schon aufpassen, dass man die nötige Wachheit behält, so dass die Bilder nicht überinterpretiert werden. Kein Egoismus darf einem irgendwelche Resultate aus der inneren Versenkung vorgaukeln. Da alles, was man erlebt, mit der Wahrheit im Einklang sein muss, deswegen soll man warten und die Dinge selbst zu sich kommen und reifen lassen. Ein okkultes Gesetz sagt, dass nur solche Gefühle wie totale Selbstlosigkeit, Sachlichkeit, Vorurteilslosigkeit und Genauigkeit unsere geistige Entwicklung fördern können, das heißt, dass man das Geistige nur deswegen sucht, weil man seine Mitmenschen helfen will, weiter zu kommen, und ihnen, wenn es karmisch möglich und erwünscht ist, Heilung geben will.

Es hat sich in der Inselübung bei vielen Übenden interessanterweise gezeigt, dass gerade solche allgemeingültigen geistigen Gesetze in individueller Umsetzung für den betreffenden Moment ihres Lebens gegeben wurden als Inhalte der Botschaften des zweiten Bootsfahrers. So kannst du schon ahnen, dass diese imaginäre Gestalt dir etwas aushändigt, was du später durch die so genannten Hüter der Schwelle zur geistigen Welt erfahren wirst.

* Daten aus dem Internet zum Thema: Der Mensch als Wasserwesen
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