IRONIESOF & CO
Jostein Saether | Im Spiegelkabinett

Braham Ironiesof hat mir einige Fotos zugeschickt, und mich gebeten, sie zu zeigen, damit die Leser mindestens eine Vorstellung sich machen können, wie er, sein Freund Alf und seine Ehefrau Irina aussehen. Zu meiner Nachfrage, warum sie so verstellt aussehen, hat er in einem Mail geschrieben, „dass die Fotos ja im Spiegelkabinett in der Hauptstadt von Dehnemark gemacht wurden, als er mit Irina und einigen Freunden auf Hochzeitstour waren.“ Er wollte seine liebe Irina alle Orte zeigen, „wo er in der Jugend mit seinen Freunden verschiedene Projekte gemacht hatte.“ Ja, ich erinnere mich gut einem gemeinsamen Vorhaben im dehnischen Tivoli. Nach weiterem Suchen hat Braham auch ein Bild von mir von damals gefunden. „Ob ich es haben möchte?“ Ja, ich habe es hier dazu gesetzt, damit man auch unsere geistige Wahlverwandtschaft studieren kann. „Hier fällt einem deutschlich auf, wie Karma wirkt“, hatte Alf zu den Fotos triumphierend und gebrochen formuliert.


Veröffentlicht am 4. Juli 2008




Jostein Saether
| Ironiesofs esoterische Aufzeichnungen

Seit kurzem treffe ich mich wieder des Öfteren mit meinem echt in Norwegen geborenen Jugendfreund Braham Ironiesof - er hieß früher Ole Abraham Schou - in einem hiesigen fleischlosen Speisehaus an der Schillerboulevarde. Seit Jahren hatten wir keinen Kontakt mehr. Braham hat mich aufgegabelt, seitdem ich Netzmeister bin. Dass er heute in Mitteleuropa nistet, wusste ich überhaupt nicht. Braham erzählte mir beim ersten unbeabsichtigten Wiedersehen am Flughafen Frankfurt Huhn, warum er ruckzuck nach dem Millenniumwechsel in den Süden umhergegeistert war: Nach einigen für ihn folgenschweren Zwischenkünfte mit Gleichgesinnten, die danach keine Gleichgestimmten mehr waren, bekam er den Norden satt.

Braham und ich kennen uns aus einigen wirklichkeitsfernen Versuchen, wo individualisierte Spiritualität auf einem Nenner zu bringen versucht wurde. Diese nie ins Leben umgepflanzten Eskapaden des moralischen Individualismus im letzten Jahrtausend sollten zusammen mit seit lange verstorbenen Anthroposophen umgesetzt werden. Ich mochte Braham, weil er sich nie auf etwas festlegen wollte. Es war jedoch nicht einfach, ihn in allen seinen damals umwechselnden Lebensabschnitten zu folgen, in welcher er mit Entzücken und Lebensfreude sich für ein neues religiöses, philosophisches oder esoterisches System einsetzte. Manchmal dauerte eine solche Phase mehrere Jahre oder auch nur Monate oder Wochen.

Sein erstes Losgehen mit der Anthroposophie dauerte aber wenige Tage, da er seine neu zugeschickte rosa Mitliedskarte seinem besten Freund Alf Rudolfsen - Rüdalf genannt - begeisternd zeigen wollte auf der Fahrt mit der Fähre in seiner Heimat. Es lauerte einen westlichen Wind und in Null Komma Nix war die schöne Karte in das Fahrwasser verschwunden. Braham, der zu dieser Zeit alles, was ihm begegnete, als ein Wahrzeichen verstand, meldete den Verlust sofort der Landesgesellschaft mit seinem Austritt. Die Karte konnte er leider nicht zurückgeben. Mehrere Tage lag er allerdings mit Rüdalf  im Boot auf dem Fjord, um nach ihr Aussicht zu halten. Später meinte er, dass das Unglück ihm ein gutes Schicksal erteilt hatte, da er kurz danach eine ebenso ausgetretene Frau Namens Irina Ironiesofa begegnete, die bald darauf seine Ehefrau wurde. Sie übrigens hatte ihre rosa Karte nach allen Regeln zurückgeschickt. Irina - eine Anthroposophin in fünfter Generation und noch dazu gewesene Anthroposophin schon im letzten Leben - stammt einer russischen Familie aus der Kolahalbinsel, die nach dem Wegfall des eisernen Vorhangs nach Hammerfest in Norwegen ging.

Braham ist aber nach vielen Jahren des Ausprobierens anderer Strömungen jedoch zu der Anthroszene als Beleuchter zurückgekehrt. Bei unserem Wiedersehen erzählte er nun von seiner heutigen ungewöhnlichen Beschäftigung mit derselben, eine Tatsache, die mir veranlasst hat, über ihn hier zu berichten, um seine außergewöhnlichen Alster bekannt zu machen. Braham ist nämlich Hellsichtig geworden, und er macht Aufzeichnungen und Illustrationen zu seinen übersinnlichen Beobachtungen und Wahrnehmungen. Allerdings sind seine Schauungen und Kommentare dazu mir manchmal unbegreiflich, weshalb ich mich sehnsuchtsvoll von anderen Geistesforschern und Hellsehern die Hilfe des gehörigen Entzifferns erhoffe.

Aus seinem täglich geführten Meditationsbuch habe ich die beistehenden Bilder und Niederschriften mit seiner freundlichen Genehmigung entnommen. Diese interessanten und brisanten spirituellen Erkundigungen aus unserer unmittelbaren Gegenwart werden demnächst fortgesetzt, sodass neue bildhafte, imaginative und wesenhafte Inhalte dem neuen integralen Bewusstsein, dass vorgeblich nicht mehr aufzuhalten ist, eingeflochten werden kann.

Veröffentlicht am 4. Juli 2008
 
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und der missionen von Sebastian Gronbach
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"Ich meditierte mit gleichförmiger Würde ohne Wunsch und Weh. Im Geistdunkel erschien nichts Besonderes. Die Schwärze war nicht sakral und nicht scharfzüngig. Sie war einfach da, ohne sich zu brüskieren. So fühlte ich mich angespornt, weiter zu meditieren.

Plötzlich ertönte im stillen, dunklen Innenraum ein Wort ohne Gedanke, ein Gedanke ohne Wort. Es war als ob ich nichts hörte und doch alles wusste. Ich wusste, dass Nichts ist weniger als Alles im Physischen, aber mehr als Etwas im Geistigen. Also schwieg ich noch erhaben darüber und versuchte zuzuhören und zu lauschen, ohne irgendein Krach zu machen.

Ich wusste, dass ich da saß mit nur einer Kerze, die ein Stimmungsschaffendes Licht schaffen sollte. Ich hörte ein undefinierbares Geräusch. Zuerst nach der Meditation stellte ich fest, dass ich im Nachtdunkel saß, weil die Kerze ausgegangen war. So stimmt es auf einem Punkt genau, dass ich in dieser Zeichnung das Wort ‚Nichts’ geschrieben habe, weil einfach nichts Neues da war."
Nichts
Ruhe. Blaue Bogen
Rudolf. Blaue Gestalten
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"Ich zündete die Kerze wieder an und setzte die Meditation fort. Wieder schaffte ich, Nichts zu schaffen und das Dunkel war bald wieder hergestellt. Aus dem Nichts tönte nichts, aber zwei blaue Punkte am rechten Rand des inneren Blickfeldes schwebten auf und ab. Zuerst wusste ich nicht, ob es nur einen Punkt war oder zwei diffuse Rondelle waren. Ich wollte nicht denken, dass sie nur etwa aus dem physiologischen Nachbild der Kerzenflamme stammten. Dann entdeckte ich dass sie Endpunkte zweier blauen Bewegungslinien waren, die von Links kamen. Lange geschah nichts mehr, weshalb das Wort ‚Ruhe’ diesen Zustand erfasst, bis dieses zweite Bild sich in das Dritte umformte."
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"Ich öffnete die Augen und stellte fest, dass die Kerze noch brannte. Das innere Bild folgte mit und ließ sich vom äußeren Licht nicht brillieren. Dann ‚hörte’ ich den Namen ‚Rudolf’ fast deutlich. Ich wollte es nicht wahrhaben, aber sein Echo war so eindeutig, dass ich es nicht widerrufen konnte. Die beiden blauen Formen verwandelten sich und nahmen Gestalt. Der Untere glich mich selber im Schlaf. Der Obere ähnelte mehr einem Gespenst mit Augen und einem lächelnden Mund. Der Name Rudolf schien zu ihm zu gehören. Dann löste sich alles langsam auf, das Blaue verschwand und wieder trat das Nichts auf.

Im Nachhinein wurde es mir klar, dass ich immerhin keine Karmaübung gemacht und auch seit lange nicht mehr gedacht hatte an meinen Freund  Rüdalf. So kann ich heute noch nicht herausfinden, ob der obere blaue Gestalt mit ihm in Verbindung gebracht werden wollte oder möglichenfalls mit Rudolf Steiner selbst. Ich werde intensiv weiter meditieren, um  nun darüber Auskunft zu finden. Viel wäre doch gewonnen, falls ich Geist vom Gas und auch Rüdalf und Rudolf auseinander zu halten lerne."
       
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