Bemerkt & kommentiert

Die Körperindustrie | Jostein Sæther

Angesichts Michaels

Schönheitsoperationen sind „in“ - in zunehmendem Maße auch bei jungen Menschen. Aber wissen sie, was sie tun, wenn man die karmischen Dimensionen der vorgeburtlichen Körperbildung - sowie sie Rudolf Steiner geschildert hat - in Betracht zieht? Jostein Sæther stellt sich diese Frage und bringt ihre michaelische Dimension zum Vorschein.

Den physischen Leib bereiten wir uns zwischen Tod und neuer Geburt als „Geistkeim“. Beim Betreten der physischen Ebene mit ihrer Schwerkraft integrieren wir ihn. Hierbei arbeitet sich bis in die feinste Leiblichkeit die Prägung ein, die auch jene Menschen angeht, die am dich testen zu meinem karmischen Kreis gehören, weil sie meine „Runen“ mitgemeißelt haben. Alles in meinem Antlitz - die ranke Stirn, die gestreckten Augenlider, die schiefe Nase, der füllige Mund, die kleine Kinnkluft - und meine schiefe Statur sind so beschaffen, dass die „Freunde“ mich daran wiedererkennen können.

Vorgeburtlicher Umtausch
Seitdem es Karma gibt, verlief dieser geistige Prozess regelmäßig nach der Verordnung der Hierarchien, ohne dass der Mensch irgendwie eingreifen konnte. Mit dem Beginn unseres Michael-Zeitalters ist jedoch eine Modifikation des Karmas möglich geworden. Bevor wir auf die Erde „heruntersteigen“, dürfen wir - kurz vorher - noch einmal anders entscheiden. Sobald wir nämlich unser Karma übernommen und es in den Ätherleib integriert haben, können wir beschließen, einen anderen Weg als geplant zum physischen Leib antreten.

Rudolf Steiner beschrieb diese Möglichkeit sehr eindrucksvoll: Ich habe den Geistkeim vorbereitet. Indem ich ihn hinuntergeschickt habe und jetzt mein Karma im Ätherleib besitze, sehe ich aber, dass mein Karma so liegt, dass ich in früheren Leben einige anderen Menschen schwer verletzt habe. Das Urteil über das, was ich jemandem angetan habe, leuchtet ganz besonders hell in dem Moment, wo ich im Ätherleib noch bin und gleich den physischen Leib beziehen werde. „Daher wirkt in Zukunft auch das Licht des Michael und die Liebe des Christus. Und wir werden in die Lage versetzt, eine Änderung in unserer Entscheidung herbeizuführen, den Leib, den wir zubereitet haben, einem anderen zu übergeben und selber denjenigen Leib zu übernehmen, der bereitet worden ist von dem, den wir besonders geschädigt haben. [...] Die Erde könnte niemals ihr Ziel erreichen, wenn nicht das eintreten würde; niemals würde sonst auf der Erde die Menschheit ein Ganzes werden können“, so Rudolf Steiner.*

So kann das, was wir im kommenden Leben tun, sich in einer neuen Weise egalisieren. Wir kommen also in die Lage, unsere physischen Leiber miteinander auszutauschen. - Warum ist uns diese neue Freiheit gegenüber dem Körperkarma gegeben? Im Laufe der Geschichte ist wegen widerwilliger Kämpfe und Kriege unser Karma so komplex geworden und in solcher Unordnung geraten, dass die Gefahr entstand, dass wir während der künftigen Erdenentwicklung nicht mehr das Karma in normalem Ablauf abtragen können würden. Mit dieser Tauschmöglichkeit wurde gleichsam die Waage Michaels in unsere Hände gelegt. Damit wird es immer problematischer, wenn der Einzelne irgendetwas zuungunsten des anderen genießen können will. Wenn ich mich als Glied der Menschheit fühlen will, kann ich nicht mein Glück auf Kosten des Ganzen anstreben. Das geistige Äquivalent dazu ist, dass wir für die anderen den physischen Leib zubereiten lernen.

Michael im Zeitalter der Körperkultur
Die Chirurgie ist eine uralte Disziplin einer Mysterienmedizin. Heute ist die Körperindustrie weit entwickelt und wird von den verschiedensten „Fachleuten“ betrieben. Jede Operation stellt jedoch prinzipiell eine Körperverletzung dar, aus der direkte und dazu künftige karmische Folgen entstehen können. Bis zu 400000 Deutsche jährlich - und immer mehr Jugendliche - lassen eine Nasenkorrektur, eine Brustvergrößerung oder eine Faltenbehandlung vornehmen.

Was würde es für Organtransplantationen, Schönheitsoperationen und Geschlechts-Veränderungs-Operationen bedeuten, wenn die daran beteiligten Patienten, Angehörige, Freunde, Klinikpersonal, Ärzte, Juristen, Politiker und Gesetzgeber das eingangs dargestellte Michael-Motiv und die Reinkarnationsidee beachten würden? Wenn ich den Körperplan von jemandem übernommen habe, den ich im letzten Leben zum Beispiel gefoltert habe, ist es dann nicht plausibel, dass mein heutiges Gesicht nicht dem „Hollywood-Ideal“ entspricht? Nehmen wir an, ich hätte einst jemanden ermordet, könnte es nicht sein, dass ich in meinem heutigen Leben wegen einer tödlichen Krankheit bald sterben werde, und dass mein Leben nur verlängert werden könnte, wenn eine Organspende gesichert werden kann?

Partner werden
Allerdings: Inwieweit stellt sich Michaels Antipode Ahriman zu Diensten in der mondänen Körperindustrie, um die vorgeburtliche Wahl zu vertuschen?

Wenn unser Vertrauen zum Geistigen eine solche Gemütsverfassung begründet, dass wir in die Lage kommen, das Geistige genauso real zu empfinden wie ein Skalpell, dann haben wir ein Gefühl von dem, was eigentlich Michael von uns will. Die Michael-Energie lässt sich einzig und allein dadurch erringen, dass wir mit Michaels liebevollem Willen Partner für die göttlich-geistigen „Chefs“ und „Direktricen“ werden. Denn er will nicht, dass wir um Antwort auf alle unsere Fragen zu ihnen flehen. Michael-Kultur bedeutet, dass wir uns geistig verbünden - aus Achtung für das Hier und Jetzt. Ich kann neue Einsichten, ja eine neue Ethik gewinnen; nicht etwas erst aus irgendeiner Hellsichtigkeit heraus, sondern allein schon durch die inhaltliche Beschäftigung mit dem Karmagedanken insbesondere im Werk Rudolf Steiners.

* Rudolf Steiner: Geistige Zusammenhänge in der Gestaltung des menschlichen Organismus (GA 218), Vortrag vom 19. November 1922.

Das Goetheanum, Nr. 44-2007
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