Lebenstableau
Gamamila
Jostein Sæther | Können wir Rudolf Steiner bestätigen?


Seit Rudolf Steiners Lebzeiten wurde die Frage gestellt, ob eine Nachprüfbarkeit der Anthroposophie unter normalen wissenschaftlichen Kriterien möglich sei oder nicht. Nicht nur in akademischen Kreisen - wie Detlef Hardorp in der Wochenzeitung Das Goetheanum (Nr. 33-34/2006) berichtet - herrscht heute noch die Meinung, dass die Anthroposophie normale Wissenschaftskriterien nicht unterliegen kann, weil - wie es behauptet wird - sie keine Wissenschaft sei.

Das vorgeburtliche Lebenstableau
In einer kontroversen Debatte unter Anthroposophen in Skandinavien befürwortete ein Protagonist, dass wir Rudolf Steiners Pioniertat mit der Anthroposophie, verstanden als Versuchsmethode des Allgemeinmenschlichen, ganz aufgeben sollten. Wenn wir sie stattdessen als ein Kunstphänomen sehen, würden keine Wahrheitsbedingungen mehr ihrer Expansion in der Welt im Weg stehen.

Unsere Beziehung zur Anthroposophie müsste deshalb aufgefrischt werden, weil manche bitter erleben, dass ihr traditionelles Bild und besonders die Waldorfpädagogik in einer jahrelangen Krise stecken. Es wäre also angebracht, einen Wandel auf begriffshierarchischem Niveau vorzunehmen, wo sich Anthroposophie dem Begriff des ‹Kunstwerks› unterordnet. Da diese Modifikation aus dem Bedürfnis entspringt, die Anthroposophie zu befreien von den wissenschaftlichen Ansprüchen, in der Steiner sie prägte, verliere auch der Begriff "Geisteswissenschaft" sein Sinn. Dieser Eingriff würde auch bedeuten, die Präzisierung "Anthroposophie als Erkenntnisweg" aufzugeben (zu finden bei Dag-Otto Thunolds Aufsatz "Hva står til rest dersom antroposofi fristilles fra tenkningens krav til vitenskapelig metode og sannhet?" unter: www.antroposofi.no).

Dieses Anliegen, die Anthroposophie zu popularisieren, wurzelt in einer Sorge über eine ‹anthroposophische Schicksalssituation›, worauf Christian Rummel im "Goetheanum" Nr. 25/2006 hinwies. Er wagte sogar die Frage zu stellen, ob sich Steiner nicht geirrt habe, wenn er betonte, dass jeder in der Lage sei, seine Forschungsresultate durch eigene Geist-Erkenntnis zu bestätigen.Nun weiß ich jedoch von etlichen Menschen, die Steiner als Geistesforscher gefolgt sind. Sie sind fähig, ihre spirituellen Ergebnisse zu veröffentlichen. Um nur zwei Handvoll zu nennen: Jesaiah Ben Aharon, Wilhelm Floride, Ernst-Martin Krauss, Gunhild von Kries, Dirk Kruse, Heide Oehms, Dorian Schmidt und Herbert Vetter. Sie tun es! Andere Anthroposophen warten aus verständlichen Gründen ab, ihre Befunde im Rampenlicht zu zeigen, wo erfahrungsgemäß alles gleich entweder besserwisserisch reduziert oder als visionäres Hellseherei ignoriert wird.

Ich selbst beschrieb in meinem Buch "Wandeln unter unsichtbaren Menschen" (Verlag Urachhaus, Stuttgart 1999) mehrere Gebiete der Geisterkenntnis, womit ich Steiner bestätigt fand. Steiners Berichte wurden also sehr wohl durch Forschungen verschiedener Menschen - auch durch Esoteriker ‹am Rande› der Anthroposophie wie "Daskalos›"(Stylianos Atteshlis, 1912-95), Penny McLean und Marco Poga
cnik - erfolgreich nachgeprüft und genügen damit dem wichtigsten Kriterium der Naturwissenschaft. Die Nachprüfung an einem Beispiel von mir selbst,  deute ich hier an:

Durch viele Nahtoderlebnisse und durch die Forschung zum Beispiel von Raymond Moody ist es belegt, dass gewisse Zustände zur Schau des Lebenspanoramas führen. Steiner schrieb und sprach öfters davon, zum Beispiel im Kapitel Vom Leben des Menschen nach dem Tod im Buch Die Geheimwissenschaft im Umriss (GA 13). Nicht nur nach dem Tod tritt ein Rückblick als normales Ereignis ein, sondern auch vor der Geburt. Wenn sich der Inkarnierende mit dem Ätherleib verbindet, entsteht ein Vorausblick auf die Zukunft, so Rudolf Steiner in Grundelemente der Esoterik (GA 93a) auf Seite 159. Steiner unterstrich sowohl öffentlich wie auch intern, dass die imaginative Erkenntnis in der Meditation das Lebenstableau aufrollen kann, zum Beispiel am 29. Mai 1924 der Vortragsreihe Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge (GA 236).

Übereinstimmend mit seinen Unterweisungen erfuhr ich 1996 durch meinen Ätherleib, was bis zu diesem Zeitpunkt mit mir geschehen war, indem Zeit quasi zu Raum wurde. Ich schaute mein jetziges Leben in einem einzigartigen Panorama. Darin tauchten Ereignisse und Kräfte so auf, dass ich erkannte, wie sich sowohl sinnliche als auch übersinnliche Prozesse des Lebensstroms und dessen Bezug zu den Mitmenschen sowohl abgewickelt hatten wie auch noch zu realisieren wären. Nicht nur das Geschehene sondern auch das Potenzielle ließ sich darin erkennen.

Ich entdeckte sogar, dass ein bestimmtes Volksmärchen dieselben Motive beschreibt, die zu meinem eigenen Karma gehören. Ich wies in meinem schon genannten Buch auf das norwegische Volksmärchen hin, das sich aus dem Lebenstableau ergab, um zu zeigen, dass uns zusätzlich zur allgemein-menschlichen Gültigkeit eines Märchens ein individuelles Karma mit der Märchenwelt verbindet. Folgend einem Begriff von Arnica Esterl in dem von ihr herausgegebenen Buch ‹Das Schloss der goldenen Sonne. Initiations-märchen› (Verlag Urachhaus, Stuttgart), nannte ich den Einklang von Märchen und Lebenstableau ‹Initiationsmärchen›. Ich erkannte, wie die Märchen karmischen Erfahrungen entsprechen, die tatsächlich bis auf Inkarnationen in der atlantischen Kultur zurückgreifen.

Die Anwendung dieser Beobachtung erwiese sich als fruchtbar: Beim Karma Coaching wurden viele Menschen auf ‹ihre› Initiationsmärchen aufmerksam. Durch die Rückschau auf frühere Leben entstand oft der Überblick auf das jetzige Leben. Ab und zu reichte es, jemand auf das Thema hinzuweisen - sofort wusste er ‹sein› Märchen. Für viele ergab das erneute Lesen des Märchens - das meist das Lieblingsmärchen der Kindheit gewesen war - erstaunliche Erkenntnisse und in Notlagen ein neuer Lebensmut.

Ich habe zwar bei Rudolf Steiner keinen direkten Hinweis zwischen Märchen und Lebenstableau gefunden. Jedoch machte er analoge Angaben, die diese Sichtung zulässt. Er stellte in Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen durch Anthroposophie (GA 108, Seite 167f) dar, wie der Märchen- und Sagenschatz der Völker aus geistigen Erlebnissen des atavistischen Hellsehens entstanden sind. Alles im Märchen - ein Schiff, Gestalten, Reisen und Riesen - entspricht übersinnlichen Erlebnissen, die wir alle in Atlantis hatten.

Wenn weiterhin behauptet wird, dass es nicht gehe, Rudolf Steiner auf seiner "Wellenlänge" nachzuprüfen, kann ich nur die Achsel zucken und sagen: Probiere selber - es ist möglich! Die Methode dazu kann jeder sich bei Steiner holen oder auch in meinem zweiten Buch Einstimmen aufs Karma  - das bald erscheint - ausführlich beschrieben finden.  


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