Meditativer Wegbegleiter
Gamamila
Erschienen
am 16. April 2008.
Einstimmen aufs Karma

Ein Wegbegleiter durch dynamische Meditation
zu karmischem Hellsehen

Leseprobe aus dem 1. Kapitel Kunst als Grundlage:

Übungen zum Schauen der Hüllennatur
und der Aura des Menschen

Freunde, die sich in Arbeitskreisen zusammenfinden, können viele Beobachtungen
und Übungen zur Schärfung des eigenen Hellsehens machen. Man kann sich z. B. gegenseitig mit den Blicken verfolgen und nacheinander physischen Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich-Organisation anschauen. Das hier geschilderte Vorgehen folgt denjenigen Grundsätzen, die wir bei der Kunstbetrachtung erläutert haben. Man kann entweder wechselseitig die Augen offen haben und sie wieder schließen oder sie während des ganzen Geschehens offen halten. Wichtig ist, den Blick für das übersinnliche, geistige Schauen immerfort durchlässig zu machen. Diese Übung können wir als ein 'konzentriertes Anschauen'  betrachten.

Bei der Beobachtung des Physischen guckst du nach allen Charakteristiken und Eigenheiten von Kleidung, Haarfarbe, Gesichtsform, Körperhaltung hin zu Gesichtsmimik, Gebärden und zum Gehstil, die über den betreffenden Menschen etwas aussagen. Versuche, ein Zeugnis aus den beobachteten Motiven zu formulieren, etwa wie wir es bei der Übung des Lebensmottos getan haben. Das Was, das Wie, das Wer, das Woher, die Wirkung darf erfragt werden. Wie eine Skulptur, wie ein Kunstwerk kannst du deinen Freund, deine Freundin beschreiben.

Dann kommt die Aufgabe, etwas zu beschreiben, was mit physischen Augen nicht mehr zu sehen ist, was aber im Physischen in seinen Auswirkungen Niederschlag gefunden hat. Es kann gefragt werden, was lebt in dem Menschen, wie arbeiten die Lebenskräfte, wer energetisiert hier, aus welchen ätherischen Quellen schöpft er usw. Du guckst die obere, die mittlere und die untere Gestalt an. Was tut sich in der inneren Mitte, wenn du sie als Baumgestalt ansehen würdest? Wie ist der Stamm? Wie ist die Krone? Wie ist die Wurzel? Wenn du die Möglichkeit hast, jemanden, der schläft, anzuschauen, kannst du die Beobachtungen, die im Wachzustand gemacht worden sind, damit vergleichen. Es wird sich wahrscheinlich herausstellen, dass der Ätherleib des Schlafenden leichter
zu erkennen ist als der des wachen Menschen. Beim Anschauen des Ätherleibs beschränkst du dich zunächst auf Bewegungen, Ströme, Gestalt, Verdunkelungen und Lichterscheinungen. Anlagen zu einer Krankheit oder geheilte Erkrankungen, die in der jetzigen Inkarnation bereits lange zurück liegen, können solcherart in feinen, aber ausgeprägten 'Formationen' oder Mustern entdeckt werden, die mit physischen Kristallisationsstrukturen eine Ähnlichkeit haben.

Beim Erforschen des Astralleibs ist es zunächst wichtig, auch Empfindungen, die artgemäß wie Farben erscheinen, anzuschauen. Gewöhnliche Farben sind Erscheinungen in der physischen Welt. Die so genannten astralischen Farben treten ähnlich auf, weil die Energien des Astralischen auf uns so wirken wie die Farben. Sie sind aber keine Farben, sondern geistige Bewegungen auf dem Astralplan, die uns - einfach ausgedrückt - bestürmen (rot), die sich von uns zurückziehen (blau) oder die sich in Ruhe verhalten (grün) usw. Das können Gedanken, Gefühle und Willensimpulse des bezüglichen Ich sein, oder es kann astralischer Ausschlag eines Elementarwesens oder eines Dämons sein, welche sich in dem betreffenden Astralleib 'sesshaft' gemacht haben.

Wenn der Ätherleib mehr oder weniger innerhalb der physischen Haut bei Erwachsenen aufzufinden ist, ragt der Ätherleib bei Kindern vor der Pubertät weit darüber hinaus. Der Astralleib ragt normalerweise weit über den physischen Leib hinaus, aber er kann bei Menschen, die z. B. nur ein modernes Stadtleben führen, sogar kleiner als der Körper
sein. Nicht immer scheint er einheitlich zu sein, sondern er kann wegen erfahrener Verletzungen gewisse Gliederungen, Abnormitäten oder Teilungen in sich schaffen. - Vieles, was zum Thema Seelentiere gehört, wird auch im Astralleib geschaut, so dass bei dieser Stufe z. B. Gefragt werden kann: Was für ein 'Tier' steht hier?

Das Ich des Menschen unterliegt dem Prozess des Inkarnierens und Exkarnierens noch weit mehr als der Astralleib. Deswegen kann man es als Gestalt oder als Organismus nicht eindeutig erfassen. Es ist gleichzeitig als Kernwesen mittendrin tätig, wie es auch als Raumwesen seine anderen drei Hüllen von rundherum umsorgt. Das Ich als Raumwesen kann man beim Kleinkind bis zum dritten Lebensjahr sehr gut anschauen. Es drückt diese Tatsache auch in der Sprache aus, indem es sich mit dem eigenen Namen bezeichnet und sich nicht als selbst handelndes Ich darstellt.

Bei einem geistig weiter entwickelten Menschen wird das Ich als Umkreiswesen
wieder sehr auffallend, bis dahin gehend, dass eine solche Individualität diesen Aspekt des Ichs als Bewusstseinsorgan benutzen kann. Bei normalen Menschen trifft dies noch nicht zu, sondern sie erleben immer das Ich als etwas innerhalb von sich selbst. Außerkörperliche Erlebnisse wirken dann oft beängstigend, weil man nicht gewohnt ist, sich als Umkreiswesen zu erfahren. Solche verschiedenen Ich-Aspekte treten für den hellseherischen Blick auf, indem sie als komplizierte Licht-, Farben- und Bildzusammenhänge, als geometrische Figuren oder als Symbole erscheinen.

Ich füge noch ein paar Zitate von Steiner zu diesen Fragen hinzu. Sie zeigen, wie kompliziert die übersinnlichen Zusammenhänge noch sind, so dass wir nachfühlen können, dass wir geistige Motive immer wieder von neuen Seiten zu charakterisieren haben.

"Der Ich-Leib zeigt sich dem Hellseher als eine blaue Hohlkugel zwischen den Augen, hinter der Stirn. Wenn der Mensch anfängt, daran zu arbeiten, so gehen Strahlen von diesem Punkte aus." (1)

"Der Ich-Träger, das vierte Glied der menschlichen Wesenheit, ist gleich einer Art Ovalfigur, deren Ursprung bis hinein in das Vorderhirn zu verfolgen ist. Dort ist dieselbe für den Hellseher als eine bläulich-leuchtende Kugel sichtbar. Von der strömt aus in Ovalform, wie ein Raum-Ei, könnte man sagen, das in den Menschen hineinspielt, eine Art von Bläue. Erst wenn der Hellseher imstande ist, sich auch den Astralleib des Menschen abzusuggerieren, erst dann vermag er den Ich-Träger wahrzunehmen." (2)

Mit dem Begriff "absuggerieren" bei Steiner kann man es sich so vorstellen, dass es darum geht, schrittweise das höhere Glied zu schauen, indem man die niederen aus dem Bewusstsein wegschafft, sonst würden sie dem oberen im Weg stehen. Man kann sich ein Stück Eis vorstellen, das in einem Glas Wasser liegt. Es ist sichtbar. Presse ich es unter, wird es gleichzeitig weniger sichtbar, aber das Wasser steigt. Diese feine Erhöhung des Wassers ist zu vergleichen mit dem Ich-Träger, der den Platz der ausgewichenen Luft in Anspruch nimmt. Die wenige Kraft, die ich verwende, um das Eisstück niederzupressen, hat doch etwas Wärmepotenzial. Um den Astral-, Äther- und physischen Leib 'nieder zu pressen', brauche ich vergleichsweise mehr Wärme, um mein Ich als ein klares 'Kristall' auf der 'Oberfläche' des Ätherischen zu schauen. Im Tagesbewusstsein ist das Ich quasi im ganzen Organismus 'eingeschmolzen' und wird deswegen als Eigenwesen nicht wahrgenommen.

Tatsachen, die im 6. Kapitel über den kleinen Hüter beschrieben werden, welche zum Thema Doppelgänger und Dämonen gehören, können im Zusammenhang mit der geistigen Ebene des Ich-Wesens geschaut werden. - Motive vergangener Inkarnationen, die spontan geschaut werden, sind solche Imaginationen, die ich zu der Ich-Ebene einstufe. Bei einem solchen Betrachtungsdurchgang kann man noch einmal rückwärts die verschiedenen Ebenen durchgehen, so dass weitere Motive erkannt werden können, und Dinge, die man selber nicht erkannt hat, jedoch jemand Anderes beim ersten Durchgang geschaut hat, könnten jetzt aufgefunden werden.

Das Phänomen der Aura wird bei einer solchen Arbeit zu einer Erfahrung. Du wirst erkennen, dass die Aura eine komplexe Gestalt ist, die auf der astralischen Ebene sowohl ätherische wie ichhafte Motive aufweist. So ist die Aura weder als ätherischer noch nur als astralischer Ausdruck zu betrachten, sondern sie drückt ein Resümee des gesamten geistigen Potenzials eines Menschen aus. Sie ist wie das Inhaltsverzeichnis eines Buchs, aber anders als im Physischen bringt sie gleichzeitig das Ganze zur Erscheinung, ohne dass man 'umblättern' muss. Verglichen mit den so genannten Eurythmiefiguren, die ich unten beschreiben werde, zeigt die Aura sowohl Bewegung und Gefühl als auch Charakter. Die Aura fasst das Absolute zusammen, was ein Mensch bis jetzt entwickelt und erreicht hat, aber auch dasjenige, was er unterlassen hat oder noch nicht entwickeln konnte von allen seinen potenziellen Wesensbegabungen.

Das sinnlich-übersinnliche Üben in dieser Art kann noch höhere Stufen, mit denen der Mensch zu tun hat, z. B. denen der Engel, für den inneren Blick greifbar machen. Wenn man eine solche Arbeit zunächst unter Freunden gepflegt hat, dürfte die Wahrscheinlichkeit gering sein, dass man im Zusammensein mit Menschen, die nicht wissen, dass man hellseherische Fähigkeiten anfänglich erworben hat, etwas tut, was nicht berechtigt wäre. Im Normalleben ist es erlaubt, andere Menschen vorübergehend zu beobachten, aber es ist gewiss unangemessen, sie anzuglotzen. Das Esoterische, welches einem Geistesforscher in seiner Forschung bekannt wird, ist aber nicht seine Privatsache, sondern eine Aufgabe, die er mit seinesgleichen teilen darf. Solcherweise wird er viele vertrauliche Dinge, die er unter Menschen erforschen kann, so übersetzen können, dass sie für die globale Öffentlichkeit allgemein zugänglich werden können, wenn er sie so einschätzt, dass solche Mitteilungen dem Wohl der Menschheit dienen.

(1) Rudolf Steiner, Vor dem Tore der Theosophie, GA 95, Dornach 1978, Seite 149.
(2) Rudolf Steiner, Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen. Ein Aspekt der geistigen Führung der Menschheit, GA 109, Dornach 1979, Seite 179.


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