Das Luzifer-Mysterium I
Gamamila
Jostein Sæther | Luzifers Inkarnation im alten China - und der Ursprung der tibetischen Kultur

Teil I: Volkstümliche Bedingungen und die archaische Sozialstruktur

In der esoterischen Tradition ist Luzifer der weisheitsvolle Lichtbringer, aber auch Herr aller Versuchung. Es heißt, er ist schön von Gestalt, aber bösartig im Herzen. Luzifer entspricht die nordische Gottheit Loki, der Gott der Lüge und des zerstörenden Feuers. Luzifer nistet sich ein im  Astralleib des Menschen und versucht, die Arbeit des Schutzengels für den Menschen während der Nacht zu hemmen. Luzifer ist dessen ungeachtet eine geistige Macht, die den Menschen viele Kulturgeschenke hinterließ. Luziferische Wesen sind solche, die von der Weisheit Luzifers beeinflusst sind. Luzifer ist im esoterischen Christentum ein Antipode des Heiligen Geistes.

Wie Christus einst inkarniert war, so stellte Rudolf Steiner dar, dass auch Luzifer verkörpert gewesen sei, und zwar um 3000 v. Chr. im alten China (vgl. Rudolf Steiner, Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft, GA 193, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1977). Ehe der Tod bei der betreffenden Trägerpersönlichkeit eintrat, ist gemäß meinen meditativen Forschungen Luzifer aus dem Leib „geflüchtet“, so dass er die Auswirkungen des Sterbens und somit die Folgen des menschlichen Todes nicht miterlebte. Die größte Auswirkung seiner Erdentaten war sozusagen die Inauguration  des politischen Denkens, das zum ersten organisierten Militärsystem führte, und die Auswirkungen auf Kunst und Wissenschaft durch seine Erfindungen.

In diesem Essay versuche ich, einige meiner meditativen Forschungen zu diesem Thema näher zu beleuchten. Es ist meine Hoffnung, dass jetzt im Zusammenhang mit den kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Problemen in Tibet und in China selbst und nach dem äußerlich erfolgreichen Anordnen der olympischen Spielen  der richtige Zeitpunkt gekommen ist, diese spirituellen Forschungen zu veröffentlichen.


Das Luziferthema
In meinem ersten Buch, das 1999 erschien, erzählte ich von einer weiblichen Inkarnation von mir selbst und aus den Leben von mehreren mir nahe stehenden Menschen in China um 2400 vor unserer Zeitrechnung. Durch diese karmischen Entdeckungen, die mir zunächst sehr überraschend war, erhielt ich eine ganze Reihe von Erkenntnissen zu einer chinesischen Kultur, die sich entfaltete noch lange vor der ersten überlieferten Kaiserdynastie, die mehr als Tausend Jahre später entstand. Durch diese karmischen Erforschungen hat mein schon vorhandenes Interesse an chinesische Geschichte und Kultur sich überaus erweitert.

Seit anfangs der 1970er Jahre hatte ich das Luziferthema studiert bei Rudolf Steiner in seinem Werk, u. a. wie es in den Mysteriendramen gestaltet wird, und ich kannte die wenigen Äußerungen von ihm zur vergangenen Inkarnation von Luzifer und der von Steiner erklärten künftigen Inkarnation des Ahrimans. Bei der erneuten Beschäftigung mit dem Luziferthema ab dem Ende des 20. Jahrhunderts schien es mir wichtig, eigene meditative Forschungen anzusetzen, um Steiners spärlichen Äußerungen eventuell zu bestätigen und allenfalls sie mit weiteren Erkenntnissen zu erweitern. Meine geistigen Erfahrungen und meditativen Forschungen in Zusammenhang mit den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001 gaben mir zusätzliche Gesichtspunkte über die Art wie luziferische, ahrimanische und andere Widersacher in den Kulissen und in den Szenarien des historischen Geschehens wirken.

Viele günstige Begegnungen mit anderen spirituellen Suchern und Forschern in der Zeit des Millenniumwechsels schaffte mir die Gelegenheit, gezielt an die Ereignisse der Inkarnation Luzifers vor etwa 5000 Jahren, die ich das Luzifer-Mysterium benenne, auf die Spur zu kommen. Manchmal gemeinsam mit einer Handvoll Freunde oder auch alleine konnte ich dieses gewaltige Geschehen dann erforschen. Nur einmal in Leipzig im Jahre 2004 habe ich über diese Forschungen zu Luzifer und zu seiner Mission einen Vortrag gehalten. Indem nun diese Erkenntnisse während einige weitere Jahre gereift sind, finde ich es stimmig, sie aufzuzeichnen.

Da ich außerdem zu der Erkenntnis kam, dass ich selbst damals ein körperlich anwesender Augenzeuge in den Ereignissen des Luzifer-Mysteriums sei, und deshalb gute Möglichkeiten hätte, an diesen Dingen heute heranzutreten, haben diese Veröffentlichung einen bestimmten intimen Charakter bekommen, was allerdings nicht hindert, dass der Bericht allgemein gehalten wird. Die chinesisch klingenden Namen, die ich für einige der Personen gewählt habe, entsprechen der geistigen Gestalt der geschauten Individualitäten, und nicht immer die äußeren Namen, die sie damals mögen getragen haben.

Die Vorarbeiten des großen Manu
In diesem Zusammenhang werde ich die diffizilen Umstände und die damals ausgeführten notwendigen seelischen und meditativen Vorbereitungen zu dieser übersinnlichen Forschung zu Luzifer, nicht beschreiben. Auf anderen Stellen auf meiner Website und in meinem 2. Buch sind solche methodischen und meditativen Verrichtungen grundsätzlich beschrieben.

In vielen Forschungen ergab sich der innerliche Band, der in China damals noch bestand zur atlantischen Kultur. Bildlich ausgedrückt, können wir sagen, dass aus den ätherischen Untergründen der lebendigen und mannigfaltigen chinesischen Landschaften so etwas wie spiralförmige Stromquellen sich emporquollen. Die Ursache dieser ätherischen Kraftorten, wo später über die Jahrtausende die chinesischen Orakelstätten, Mysterienorten und Tempel gebaut wurden, geht zurück zur Zeit kurz vor der Gründung der urindischen Kultur - also um 7300 v. Chr. Ich fand aus, dass der sogenannte große Manu - identisch mit der Individualität des Noah der Bibel - zusammen mit dem späteren Mani und anderen Menschheitsführern mit einer größeren Menschenschar einmal aus der inneren Mongolei aufbrach, um sich nach Indien zu begeben.

Ihre Wanderung startete von einer meist im Nebel gehüllten auf einem riesigen See sich befindenden großen Insel, die über Jahrtausende als spätatlantische Kulturoase gedient hatte. Nur ein einziger Mensch anscheinend blieb dort zurück, um die letzten Reste dieser Kultur zu verwischen. Die Wanderer benutzten viele Jahre durch die Länder des späteren Chinas, wo schon verschiedene Volksstämme lebten, und sie gründeten auf ihrer Reise nach Süden eine Kulturstätte ebenfalls auf einer der japanischen Insel. Nachdem sie durch China gewandert waren, teilten sie sich in zwei Gruppen. Die kleinere Gruppe um Manu setzten die Reise in Schiffen fort. Die größere Gruppe um den späteren Mani machte sich auf den Weg durch das Festland über Himalaja, um so nach Indien zu kommen. Später vereinigten sich die beiden Gruppen auf einem Ort, wo eine dritte Gruppe wohnte, die während der vorangegangenen Jahrzehnte einen Hügel mit einer Tempelanlage gekrönt hatten. Diese Steinbauvorhaben wurden von einem unerschütterlichen Erbauer vorangetrieben, oft gegen den Willen seines Volkes, weil er nicht begründen konnte, warum sie diese Kultstätte bauen sollten. Wie diese Ereignisse sich weiterentwickelten, gehört nun aber einer anderen Geschichte. 

Eine geistreiche Sozialstruktur
Die Kraftorte in China, die von diesen wandernden Eingeweihten „hinterlegt“ worden waren, wurden von den Einheimischen weiter gepflegt und umsorgt. Auf einen solchen zentralen Ort müssen wir die Ereignisse uns vorstellen, die mit der Inkarnation des Luzifers zu tun hatte. Wir sollten uns ein überaus sehr friedliches Volk vorstellen, das in eigentlichem Sinne keine Waffen und deswegen auch nicht den Krieg kannte. Es hatte selbstverständlich verschiedene Bedarfsgüter und Handwerkzeuge, die für Jagd, Angeln und Sammeln benötigt waren. Unter einander waren die Einwohner aber sehr friedsam.

Das Volk hatte eine zentrale kulturelle Disposition, die zwei Seiten zeigte, eine nach Innen und eine Nach außen. Nach Innen waren viele Priester und Priesterinnen in der Orakelstätte, im Tempel tätig. Nach Außen waren der König und seine Familie die Tätigen, weil aber alle Mitglieder des Volkes zur Familie des Königs gehörten, gab es praktisch keine Untertanen. Auch die Tempeldiener waren mit dem König verwandt, weswegen es kein Grund gab, sich in irgendeine Richtung sich besser als jemand zu fühlen, da alle ja gleichwertig in einer Art Großfamilie lebten. Und so ist es immer gewesen, so lange die Geschichten es berichten konnten bis zurück in die Zeit der Urväter und der Urmütter.

Diese Ordnung des zweifachen Prinzips der göttlichen Offenbarung in der Schöpfung entspricht einem Prinzip, das wir bei den meisten Urvölkern wieder finden, nämlich in der Aufteilung auf sowohl die religiöse als auch die weltliche Macht. Meistens drückt sich das aus durch die zwei Vertreter einer Gruppe: der Häuptling und der Medizinmann. Je nach Hintergrund des Volkes haben Frauen oder Männer einen Vorherrschung oder beide Geschlechter sind mit den verschiedenen Verantwortungen harmonisch verteilt. In der chinesischen Kultur bis heute drückt sich dieses Prinzip aus im Gleichgewichtszeichen des Yin und Yang.       

Der König zu dieser Zeit hieß Lahuang, wie immer ein König heißen müsste. Der chinesische Begriff Huáng oder Wang bedeutet etwas wie der Souveräne oder jemand, der auf sich selbst gestellt ist. Lahuang  war sehr weise. Die Königin hieß Lianghui. Sie war sehr gütig. Sie hatten eine Tochter Namens Jiaolong. Sie war sehr leitfüßig und dazu wissbegierig. Einer der Architekten des Königs hieß Zingloqiu. Er leitete und überwachte alle Bauarbeiten. Die Behausungen waren von Holz, Bast und Schilf gebaut. Auch das riesige Tempelgebäude war größtenteils vom Holz angefertigt. Deswegen war es strengstens verboten, Feuer drinnen anzulegen außer zu bestimmten Festzeiten, was dann nur von der Priesterschaft mit Kerzen oder Fackeln handhabt wurde.

Das Feuer für die Zubereitung des Essens wurde auf dafür vorbereiteten Orten draußen errichtet. Diese Feuerstellen bildeten quasi den Mittelpunkt für mehrere Familien in einer Art gemeinsamer Küche mit Schilfdächern. Die Königsfamilie hatte keine solche eigene Küche, sondern sie gingen ambulant herum, und somit konnten alle sich immer wieder darüber freuen, sie bei sich zu hausen. Durch diese geistreiche Ordnung verhinderte man, dass eine opportunistische Haltung unter dem Volk oder beim König selbst entstand. Einen Nachklang dieser uralten Sozialordnung finden wir noch im mittelalterlichen Europa, wo die Könige und Kaiser die Reichstage auf immer anderen Orten anordneten. 

Eine kinderfreundliche Gesellschaft
Die Kinder, und alles was mit Kindern zu tun hatte, hatten in dieser frühchinesischen Kultur indessen einen Vorrang. Wir könnten sagen, dass die ganze Kultur einem Kindergarten ähnlich war. Die Kinder liefen in der Stadt, in den Gärten und in der angrenzenden Natur spielend meist frei herum, weil sie durch jugendliche  Ordnungswächter von allen potenziellen Gefahren wie gefährliche Tiere und Schlangen ab Abstand gehalten wurden. Auch Mentoren und Mentorinnen der Großelterngeneration waren immer in der Nähe der Kinder, um sie zu betreuen oder Unfälle und Gefahren zu vermeiden.

Die Prinzessin Jiaolong hatte infolgedessen viele Spielkameraden. Mit der Tochter des Baumeisters Zingloqiu verstand sie sich sehr gut. Sie hieß Qiuli und hatte ihre Mutter früh verloren. Deshalb nahm Königin Lianghui sie zeitweise als eine eigene Tochter auf in Zeitabschnitten, wenn ihr Vater viele Bauprojekte hatte. Auch die älteren Brüder von Qiuli mussten früh mit ihrem Vater arbeiten gehen. Ihre Großeltern waren auch oft froh dass die Enkelin bei der Königin in guten Händen war, damit sie ihre handwerklichen Ehrensachen erledigen konnten, oder sich die Göttergeschichten und die Sagen mit anderen Älteren annehmen.

Jiaolong und Qiuli durften beide ins Innere des Tempelgartens kommen, auch wenn keine Jahresfeste vorbereitet wurden. Bei diesen Veranstaltungen und ihren Vorbereitungen nahmen immer mehrere Menschen teil als diejenigen, die im Tempel normalerweise lebten und arbeiteten. Die zwei Mädchen liebten besonders, zu den Tieren im Tempelgebiet zu gehen. Da waren z. B. Katzen, Kanine, Igel, Eidechsen und verschiedene Vögel. Mit den Katzenjungen spielten sie immer gern und es war eine große Freude, wenn sie einen Jungen mit nach außen nehmen durften, um eine Adoptivfamilie für ihn zu suchen. Viele Kinder kamen in einem Umzug schnell dazu und die Leute der ganzen Gegend stockten sich in Gruppen zusammen, um das süße, kleine Tier anzuschauen.

Die Tempelgemeinschaft
In den Jahren als Jiaolong und Qiuli ihre Jugend durchmachten wurden viele alten Funktionsträger im Tempel von jüngeren Priestern und Priesterinnen ersetzt. Der neue Hohepriester hieß Jiangsong  und er nahm als sein erster Stellvertreter ein Mann namens Gaomadong. Ein weiterer leitender Priester der jüngeren Garde hieß Caifengtan. Die Hohepriesterin, die auch für die Kinder und Jugendlichen verantwortlich wurde, hieß Sangwangli.

Jiangsong wurde von seinem Vorgänger deswegen zum neuen Leiter erkoren, weil er eine Reihe von verschiedenen Fähigkeiten hatte. Er war nicht nur in allen Hymnen und Mythen ein Bewanderter, er konnte sie auch durch seine schöne Singstimme besonders lebendig vortragen. Er spielte mehrere Instrumente und konnte Tiere und Vögel nachahmen, sowohl in ihren Geräuschen als auch in ihren Bewegungsmustern. Er konnte auch gut basteln und aus Holz für die Kinder Spielzeuge anfertigen. Er war zudem ein hervorragender Medizinmann, der sich mit vielen Heilkräutern auskannte, um aus ihnen Arzneimittel herzustellen. In jüngeren Jahren hatte er von seinem Vater und Großvater, die auch Priester waren, die Mythen gelernt. Von seiner Mutter, die mit der Königin nahe verwandt war, hatte er die Kunst des Heilens übernommen. 

Jiangsong ernannte Gaomadong als seinen Stellvertreter und Wortführer, weil dieser die Fähigkeit besaß, lange und komplizierte Geschichten kurz und konzis zu artikulieren. Er besaß ein hervorragendes Gedächtnis, sodass er schon als Kind viele Kinder um sich sammelte, die hören wollten, was er gehört hatte von seinem Opa und von anderen, die alten Geschichten erzählten. Gaomadong war außerdem sehr flink, schnell und betriebsam. Wo andere zwei Stunden brauchten, um eine Arbeit auszuführen, erledigte er sie in einer Stunde. Außer seinen vielen geistigen Fähigkeiten war er noch ein praktischer Mensch. Schon vor der Zeit als er in das Tempel eintrat, hatte er sich bei den Jahresfesten als junger Organisator bewiesen. Er hatte sowohl Humor als auch konnte streng sein, wenn jemand etwas Falsches gemacht hatte.

Caifengtan war der Dritte dieser neuen Meister im Tempel. Er war jünger als die zwei anderen, aber er hatte schon mehrere Jahre als sie als Priester gedient. Sein Vater ist der vorletzte Vorgänger im Amt des Hohepriester gewesen, aber weil dieser unter einem Unfall mit Feuer gestorben war und vor Jiangsong noch einige Jahre ein Anderer der Ältesten, namens Gürenzeng, das Amt besaß, der eine Vorliebe vor Jiangsong hatte, kam Caifengtan nicht mehr in Frage als Nachfolger. In dieser Zeit machte es ihm nichts aus, von jemand vorgegangen zu werden, und von Jiangsong gar nicht, da er sein bester Jugendfreund gewesen war. Caifengtan war wie sein Vater ein meister des Feuers, der Kälte und des Wetters. Er war nicht nur im Tempel tätig, sondern er ging auch umher, um Menschen anderswo im Land zu beraten.

Sangwangli war von allen beliebt und besonders von den Kindern, die sie an bestimmten Tagen um sich sammelte. Entweder durften die Kinder in Gruppen zu ihr im Tempel kommen oder sie arrangierte mit anderen Erzieherinnen Ausflüge in der Landschaft. Sangwangli stammte einer Familie, die Zeltmacher waren. Sie selbst beherrschte dieses Handwerk sehr gut, und so wurde es ein Gebrauch, dass die Kinder bei den Ausflügen auch Zelte, Laubhütten und kleine Hütten von verschiedenem Naturmaterial zu bauen lernen durften. Sangwangli war auch eine Tänzerin, und wenn sie nicht mit Kindern tu tun hatte, übte sie im Tempel mit den anderen Tänzerinnen und Tänzer verschiedene Stücke für die großen Feste ein.

Die Tempelanlage war sehr schön mit Schlafbaracken, mehreren Feuerstellen mit überdachten Quartieren, größeren und kleineren Pavillons für verschiedene Tätigkeiten, Unterrichtshäusern, mehreren Gebetskapellen in der Gartenanlage, Teichen und schließlich dem kreisrunden Haupttempel, das mehrere Stockwerke hoch war. Durch den Garten schlingerte sich ein Pfad, der bis zum gerundeten Gipfel eines Hügels ging. Hinter dem Hügel könnte man die hohen Gebirge im Westen ahnen. Von dort kam ein Fluss, der in einer großen Biegung nördlich des Hügels sich um eine große Weidefläche bewegte, bevor er in Richtung nach Süden vor der Ansiedlung weiter floss. Hier strömte der Fluss sehr ruhig vorbei, sodass einige Häuser auf Pfählen gebaut waren, damit die Fischer von Balkons ihr Garn auswerfen konnten. Auf der östlichen Seite des Flusses waren große Wälder, wo die Jäger hinliefen, um größere Tiere zu erlegen.

Frühmorgens ging der Hohepriester Jiangsong zum Hügel im Westen, um die aufgehende Sonne durch besondere Gebete zu grüßen. Meistens war er alleine, aber bei besonderen planetarischen Konstellationen nahm er Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit. Wenn Jugendliche für Tempelarbeit geschult werden sollten, durften sie mit ihm früh aufstehen. In ähnlicher Weise, wie die Männer der Sonne huldigten, gingen Sangwangli alleine oder mit anderen zusammen, um den Mond zu würdigen. Wenn Sonne und Mond in bestimmter Beziehung zueinander standen, waren die beiden höchsten Würdenträger auf dem Hügel zu sehen. In gewisser Weise war also das Tempel nicht sondern der Hügel in seiner natürlichen Tracht das Zentrum der Gemeinschaft. Der Tempel mit seinen Einrichtungen galt als Übungsstätte  - wir würden Hochschule oder Universität sagen - für das eigentliche Leben, das sich in der ganzen Volksgemeinschaft ereignete. So wurde es hoch geachtet, wenn jemand, der viele Jahre im Tempel gedient hatte, entlassen wurde, um sein früher erlernte Handwerk weiter auszuüben.

Alle diese Merkmale einer frühchinesischen Kultur entstammten der atlantischen Zivilisation und der Urweisheit, die hier für bestimmte Aufgaben der Entwicklung und der Zukunft auf besonderer Art weiterlebten.

Michaeli, 29. September 2008
Jostein Sæther


Das Essay wird fortgesetzt.


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Zum Glossar

Zu weiteren Aufsätzen in dieser Reihe:

Esoterik und Streitkultur…[weiter]…
Karmafähig werden…[weiter]…
Atlantis im Auge…[weiter]…
Können wir Rudolf Steiner bestätigen…[weiter]…
Soziale Zukunft…[weiter]…
Die Sicherheitsnadel…[weiter]
Luciferskulptur von Guillaume Geefs
in der Kathedrale von Lüttich (Liège, Belgien).
Foto: © Luc Viatour/ GFDL-CC
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Der große Manu.
Das Motiv wird auch Der indische Mensch genannt.
Aquarell von mir auf großem Leinwand nach einer Pastellskizze von Rudolf Steiner.
Das Bild machte ich 1978 während meiner künstlerischen Ausbildung in Järna.
Lucas Cranach d. Ä., Das goldene Zeitalter.
Um 1530.
Nüwa mit Zirkel und Fuxi mit Winkelmaß. Künstler unbekannt. Motiv in Anknüpfung an die frühchinesische Mythologie. Nü Wa oder Nü Gua, ist die Schöpfergöttin, und wie ihr Mann Fu Xi ist sie schlangenleibig.
Chang'e fliegt zum Mond. Künstler unbekannt. Motiv nach einer chinesischen Legende. Chang'e war die Mondgöttin, und ihr Mann Houyi galt als ein kühner, kämpferischer Kriegsgott.
Die runde Qiniandian (Halle der Ernteopfer) und die viereckige Mauer des Himmelstempels in Peking spiegeln die alte Vorstellung wieder dass „der Himmel rund und die Erde viereckig sind“.
Luzifer in einer Inszenierung von Rudolf Steiners Mysteriendramen am Goetheanum in Dornach. Der Fotogtaf ist mir unbekannt.
Taiji, das Symbol für „individuelles“ Yin und Yang
Hotu, das Symbol für Yin und Yang der Welt.