Tierwelt 2
Gamamila
Jostein Sæther | Qualitäten der Tiere


In der Kunst- und Kulturgeschichte gibt es mannigfaltige Beispiele von Geschöpfen, die sowohl menschliche wie tierische Gestalt haben. Stammeszeichen, Totems, Fetische, Talismane, Amulette und allerlei Gottesdarstellungen zeigen die vielfältigsten Kombinationen von Menschen und Tierformen. Der griechische Satyr ist nur die Erscheinung eines solchen Mischlings. Den Schreibern der vier Evangelien, den Evangelisten, sind in der Christenheit je ein Symbol zugeteilt, einmal ein Mensch oder richtiger ein Engel und dreimal ein Tier. Die Tiere sind Stier, Löwe und Adler. Das Menschliche ist damit gleichsam in einer Vierheit auseinandergereiht, so dass die drei Tiere und der Engel den vollen Menschen darstellen.

Auch in Bildern und Plastiken von Sphinxen taucht eine ähnliche Vierheit auf. So kann man sich doch fragen, ob die alte Weisheit damit eine geistige Tatsache ausdrücken wollte. In der Anreihung der Tiere wird meistens der Adler als das Obere, der Löwe als das Mittlere und der Stier als das Untere des Menschen gekennzeichnet. Wenn man dies mit den Seelenkräften Denken, Fühlen und Wollen vergleicht, kann man eine erste entsprechende Einteilung mit ihnen machen. Eine andere Korrespondenz zum viergliedrigen Menschenwesen wäre diese, dass dem physischen, ätherischen und astralischen Leib je ein Seelentier zugeordnet wird, dem Ich aber der Engel.

Bei genauerer Anschauung kann man manchmal bei einem Menschen sogar physiologische Ähnlichkeiten mit einem bestimmten Tier wiederfinden. Näheres dazu werde ich unten kommentieren. Dementsprechend würden auch die Lebenskräfte und die seelische Konfiguration eines Menschen mit zwei weiteren Tieren korrespondieren. Nun ist anzunehmen, dass die Tiere der Evangelisten eine allgemeine Zusammenfassung von Tierqualitäten repräsentieren, so dass dann, wenn drei Tiere individuell gesucht werden sollen, andere Tiere sich dazu zeigen würden und sich dadurch allerlei Kombinationen ergeben könnten.

Die Journalistin und Buchautorin mit Spezialisierung auf spirituelle Themen, Irene Dalichow, hat sich ausführlich mit Krafttieren beschäftigt. (1) Sie zeigt in ihrem Buch, wie wir uns mit Hilfe von Imagination, Traumreisen und Meditation - ähnlich wie früher die Schamanen vieler Urvölker - in die geistige Ebene des Tierreichs einklinken können, so dass jeder sein persönliches Krafttier als Vermittler tiefer Weisheit kennen lernen kann. Sehr nützlich für unsere Arbeit ist ihr kleines Lexikon über viele Tierarten, die als Krafttiere oder Seelentiere auftauchen können wie Adler, Affe, Bär, Biene, Chamäleon, Delphin, Eidechse, Elefant, Esel, Fuchs, Hahn, Hase, Kamel, Katze, Libelle, Löwe, Papagei, Pferd, Seehund, Schildkröte, Schwan usw. Viele von den Übungen, die Irene Dalichow schildert, könnten ansonsten im Vorfeld oder parallel zu denen, die ich in diesem Teil gebe, geübt werden.

Rudolf Steiner hat eine Vortragreihe gehalten, die in ihrem auf allgemeine Bezüge zur Tierwelt und der Welt der Elementarwesen gegebenen Aufbau, mit dem Thema der Krafttiere in Verbindung gebracht werden kann. (2) Er deutete an, dass ein Hellseher ein Glimmerlicht schaut, das längs des Rückenmarks eines Säugetiers läuft, dessen Strom mit der Gruppenseele in Verbindung steht. (3) In seiner Darstellungen finde ich aber keine Belege, dass wir mit konkreten, allerlei Tiergruppenseelen in den früheren Leben so okkult verbunden waren und noch sind, wie der Schamanismus davon ausgeht und ich es hier darstelle. Das folgende Zitat weist aber gewissermaßen auf dieselbe Einordnung hin:

„Wir tragen im Grunde genommen das ganze Tierreich in unserem Ätherleib in uns. Unser Ätherleib ist das ausgebreitete Tierreich, das zusammengedrängt, zusammengehalten wird durch die Elastizität des physischen Leibes.“ (4)

Steiner beschrieb, wie man mit hellseherischem Blick die Tiere anschauen kann, so dass ihr physischer Leib sich dann in Imaginationen verwandelt. Er stellte fest, dass auch Pflanzen in ihren äußeren Formen
- aber Pflanzen weniger als Tiere und am wenigsten die Mineralien - in gewisser Weise imaginative Erzeugungen vom Widersacherwesen Ahriman sind. Die Gruppenseele z. B. der Löwen gehört laut Steiner sozusagen den guten geistigen Wesenheiten an. Ihre einzelnen Löwengestalten, wie sie draußen real herumlaufen, sind aber aus der Gruppenseele heraus gezwängt durch Ahriman in seinem Kampf gegen die guten Geistwesen. Ein andermal beschrieb er den Zugang zu den Gruppenseelen der Tiere wie folgt:

„Man findet die Gruppenseelen der Tiere erst, wenn man [...] durch Initiation [...] in die ganz andere Welt hineinkommt, die der Mensch zwischen Tod und neuer Geburt durchmacht. Da findet man unter den Wesenheiten, mit denen man dann zusammen ist und unter denen ja vorzugsweise diejenigen sind mit denen man das Karma ausarbeitet, die Gruppenseelen der Tiere.“ (5)




Nach oben


Kommentar geben

Zum Glossar

Zu weiteren Aufsätzen in dieser Reihe:

Esoterik und Streitkultur…[weiter]…
Karmafähig werden…[weiter]…
Atlantis im Auge…[weiter]…
Können wir Rudolf Steiner bestätigen…[weiter]…
Soziale Zukunft…[weiter]…
Die Sicherheitsnadel…[weiter]…
Das Luzifer-Mysterium I…[weiter]…
Kraft- und Seelentiere…[weiter]…
Mosaik aus der Villa Hadriana bei Tivoli (118 - 138 n. Ch.): Kentaurenpaar im Kampf gegen Raubkatzen (Ausschnitt), Altes Museum. Quelle: Wikipedia
Copyright © 2008 by Jostein Sæther    •     All Rights reserved     •     eMail:
Fußnote 1:
Irene Dalichow, Krafttiere
-Boten der Göttin. Mit Krafttieren zu Energie und Heilung.
2. Rudolf Steiner, Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes, GA 230, Dornach 1985.

3. Rudolf Steiner, Natur- und Geistwesen
- ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt, GA 98, Dornach 1983 Seite 255.

4. Rudolf Steiner, Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste, GA 167, Dornach 1962, Seite 166.
5. Rudolf Steiner, Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Band III, GA 237, Dornach 1959, Seite 31.