
Die Karmaidee
Karma entsteht immer aus dem Innersten des Ich und wird später dem anderen, dem ich früher z. B. etwas negativ angetan habe, als Ausgleich, als Erleichterung geschenkt, auch wenn ich dies zuerst nicht bewusst nachvollziehe. Die Karmaidee bedeutet nichts Geringeres, als dass kein Mensch sich erhebe zum Richter über das Innere eines anderen Menschen. Im Sinne des Karmas darf jeder sein eigener Richter sein. Solange ich über jemand kritisierend urteile, stelle ich den anderen unter den Zwang meines Ich, und ich handele dann gegen das Karma. Karma entspricht dem geistigen Gesetzt der Anziehung.
Das über- und unterbewusste Nehmen und Geben des Karmas durch die Inkarnationen wird durch Karmaerkenntnis freigelegt und als eine große Selbsterziehungshilfe, ja, sogar als eine friedensstiftende Energie entdeckt. Wie Karma wirk, ist äußerst vielgestaltig, und wenn wir die verschiedenen Karmagesetze, wie sie uns der Buddhismus, die Theosophie oder die Anthroposophie vermitteln, auch aus direkter Sichtweise kennen lernen, können wir unser Leben und dessen Stellung in einem karmischen Gestaltungsgang zwischen vergangenen und zukünftigen Inkarnationen denkerisch einigermaßen einordnen.
Durch das normale Erkenntnisvermögen, das jedem heutzutage mit dem üblichen, gesunden Tagesbewusstsein zur Verfügung steht, können solche Zusammenhänge schon gefühlsmäßig ausgemalt werden. Bis zu einem gewissen Grad könnte man gewiss Wahrhaftigem über frühere Leben durch ein sogenanntes intuitives Denken auf die Spur kommen. Aber vor allem ein gewollt erstrebtes höheres Bewusstsein, das innerhalb übersinnlicher Forschung mit imaginativer Schau sich entfaltet, kann umfassendere Inhalte und Gegebenheiten in Bezug auf frühere Leben erschließen.
Ein Orientierungslauf in meditativen Gebieten, der als Richtungsziel Karmaerkenntnis hat, wird einem selbst die Stationen zur Auffindung der Kriterien geben, wo Illusion und Wirklichkeit auseinander gehalten werden können. Eine reale, geistige Imagination ist eine freie und neutrale Tat im lebendigen Denken, die mit dem Schwung des Fühlens und der Wärme des Wollens eine Erkenntnis reifen lassen kann. Karmische Zusammenhänge dürfen aus dem Dunkel und der Unsichtbarkeit der Vergangenheit als imaginatives Ergebnis dieser Tat treten. Denn Karmaerkenntnis stärkt das Selbstvertrauen, bildet Empathie aus, entwickelt ein umfangreiches Bewusstsein über Karmawirken und frühere Erdenleben, schafft ein Interesse für übersinnliche Wesen und spirituelle Wahrheiten und weckt den Mut zu versöhnlichem Handeln in einer oft rücksichtlosen Welt.
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