Die Bürde

Hier sehe ich sie,
Millionen von Wesen,
gehen gebeugt unter einer gewaltigen Bürde.
Unzählige Geschlechter und Völker,
durch Jahrhunderte und Jahrtausende…
Ohne Rast und Ruhe,
kaum, dass sie ein Augeblick ruhen dürfen
unter einem freundlichen Baum am Wege!
Einige sind mit Gold und Silber gelastet und stolzieren in
teueren Brokaten,
andere tragen eine Bürde von Plunder,
eine Ladung aus Lumpen und Armut.
Für einige ist es die unerträgliche Ekstase der Last,
die sie wie ein Teufel auf dem Rücken reitet.
Für andere – oh, Rätsel –
ist es eine rauschende Freude,
ein Engel steht auf ihren Schultern!
Andere wieder sehe ich mit einem Sack voller Grübelei,
die sie zur Erde drücken,
und abermals andere, die hängen unter einem Ballon
voller aufgespielten Gefühlen.
Sie hüpfen hinüber die Erde!
Aber ich kann sehen, dass es die gleiche Bürde ist,
nur bemessen nach Natur und Begabung eines jeden.
Welche Bürde ist es?
Es ist das Leben!
Auch ich trage diese Bürde.
Und mich wiegt es schwerer als die meisten,
denn ich weiß, was ich trage.
Alf Larsen
Übersetzt nach Byrden in: Alf Larsen, Siste strofer, Dikt, Dreyers forlag, Oslo 1969.
Alf Larsen (1885-1967) norwegischer Lyriker, Essayist und Redakteur. Er engagierte sich als Dichter und Schriftsteller sowie als Herausgeber für ein freies Geistesleben in Norwegen. Durch die Zeitschrift „Janus“ stellte er die Anthroposophie fruchtbar in das öffentliche Kulturleben Norwegens. Als der Nationalsozialismus über Europa kam, trat er zusammen mit Johannes Hohlenberg als engagierter Kritiker und Warner auf. Weitere biographische Auskünfte über Alf Larsen gibt es in der Biographien-Dokumentation der Forschungsstelle Kulturimpuls zu lesen.
Bild: William Blake (1757-1827), Satan schüttet die Plagen über Hiob aus. Quelle: Wikipedia
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