Gamamila

2009/06/05

Die Erleuchtungsfalle

Erleuchtung bedeutet für mich, sich als geistiges Wesen zu erkennen. Erleuchtung bedeutet dem Licht des göttlichen Funken zum Vorschein kommen zu lassen, sodass ich etwas wahrnehmen kann, was vorher im Dunkel in mir lag. Diese Erkenntnis leugnet keine Existenz anderer geistigen Wesen, sondern nimmt sie in den eigenen Lichtraum ein. Sie verneint auch nicht, dass es andere Geistwesen außer den Menschengeistern geben. Bin ich damit ein Opfer der Erleuchtungsfalle? Bin ich im Netz der eigenen Wünschen und mythischen Archetypen meiner Seele gefangen, wenn ich spreche von separaten geistigen Wesen außer mir, die innerhalb einer geistigen Ebene leben und wirken, die ich nicht immerwährend sondern nur sporadisch mit meinem höheren Bewusstsein erfassen kann? Verfolge ich die Diskussionen zum Thema Erleuchtung, zu deren Interpretationen und Konsequenzen für das alltägliche Leben, dann komme ich eventuell zu Antworten auf diese und andere Fragen.

Beispielsweise wie kommt es, dass einige sogenannten Erleuchtete in der Gegenwart dieser meiner Erkenntnis in Abrede stellen? Dass sie nur von sich als ein göttliches Wesen sprechen? Dass sie kaum oder überhaupt nicht von anderen Geistwesen sprechen? Wie kann es sein, dass ein Sebastian Gronbach, der als integraler Aktionist eine Art Reformation der Anthroposophie verkündet, als seine Wahrheit postuliert, dass Rudolf Steiner nur geniale und poetische Beschreibungen spezifischer Formen und Zustände der menschlichen Innenwelt erfunden habe, als er von Erzengeln, den Widersachermächten Luzifer und Ahriman, den Elementarwesen und am Ende auch von Christus schrieb und sprach. Er wertet Steiners Anthroposophie ab als „die wissenschaftliche Methode der Versinnbildlichung“ und deutet die spezifischen anthroposophischen Begriffe als Kunstgriffe, „um komplizierte menschliche Ideen in eine populäre Form zu gießen, mit denen wir über das Denken hinaus eine lebendige Beziehung eingehen können.“

Ein geistiger Verwandter Gronbachs, Christian Grauer, der sich mit der Neukreation
Infosoph bezeichnet, scheint mir in seiner spirituellen Aufklärung seiner Anthroposophie gegenüber ehrlicher und weniger schwulstig als jener zu sein, wo dieser quasi von mehreren Seiten seine durch Jahrzehnte aufgetürmten anthroposophischen Phantasien bombardiert in einem Rückblick auf eine existenzielle Krise und ein singuläres meditatives Kulminationsereignis:

„Die Besonderheit dieser Erfahrung liegt nicht in ihrem Inhalt, sondern in ihrer Qualität. Das Erlebnis war nicht annähernd so intensiv wie das von irgend welchen Rauschzuständen oder anderen extatischen Erlebnissen. Es war mit ihm keinerlei exponierter Inhalt, keine Vision oder ein besonderer begrifflicher Zusammenhang verbunden. […] Es ist das Bewusstsein, in dem nicht nur die Welt sondern auch ich selbst aufgehoben bin. Es ist jene reine präsubjektive Operationalität, welche in konstruktivistischen Begriffen jeglicher ontologischen Instanz vorangeht. […] Mit dem Auftauchen dieser Bewusstseinsqualität, die man reines Bewusstsein nennen könnte, entschlüsselte sich für mich auch plötzlich eine bestimmte Schicht jener Mythen und Sagen, jener Fülle an okkulten, esoterischen, gnostischen, spirituellen und religiösen Weisheiten, die in unterschiedlichster Form auf diese Art des bewusst seins Bezug nehmen. […] Man erkennt plötzlich in diesen Versuchen, das Unsagbare zu sagen, was gemeint ist und weiß zugleich, dass man es nie verstehen würde, hätte man es nicht selbst erlebt. […] In dieses reine Bewusstsein fällt die ganze Erleuchtungsrhetorik zusammen.“

Christian Grauer möchte vermitteln „eine ganz grundlegende Erfahrung der Einheit, bei der Karma, Spiritualität, Philosophie und Biographie erst beginnen können, sich im eigentlichen Sinne frei zu entfalten“. Als Anthroposoph ist er an der Entdeckung dieser neuen Erfahrungsschicht besonders überrascht, weil er erlebt, dass hinter den anthroposophischen Beschreibungen einer geistigen Welt die „Erfahrung des Absoluten“ sich verbirgt, die aber – wie es mir scheint – in keiner Weise auf Wesenhaftem außer ihn selbst hinweist. Er konstatiert, dass die Anthroposophie als spiritueller Schulungsweg auf diese Dimension der Erfahrung zwar hinzielt, aber er wäre selber in ihren methodischen Anweisungen verleitet worden:

„Jene Anthroposophie, von der mich abzulösen der Beginn der Entwicklung war, die mich schließlich zu dem geschilderten meditativen Erleben gebracht hatte, führte umfangreiche und komplexe Vorstellungen einer geistigen Welt und ihrer imaginativen, inspirativen und intuitiven Erschließung mit sich. […] Ich erwartete als Anthroposoph tatsächlich, dass sich im Dunkel der von allen sinnlichen Wahrnehmungen abgeschotteten Innerlichkeit die Vision geistiger Inhalte einstellte und gleichsam nur eine zweite Form der Wahrnehmung die erste ersetzte und ergänzte.“

Im einfachen und schlichten Achtsamkeitserlebnis tauchte für Grauer jene Form der Anthroposophie, die er gepflegt hatte, nicht auf: „Meditation ohne Anspruch auf Visionen, Erkenntnisse, Entwicklungsfortschritt, Übung oder eine andere mit Bedeutung gefütterte Zielsetzung wurde gleichsam als leere und geistferne New-Age-Scharlatanerie abgetan. […] Bedauerlich ist dies im Rückblick insbesondere deswegen, weil außer Frage stehen muss, dass Rudolf Steiner diese Tür kannte und nutzte, sie ihm vielleicht wie kaum einem Anderen in unserer Zeit eine gleichsam angeborene Selbstverständlichkeit war. Dies zeigen die durchaus vorhandenen Bemühungen von Steiner, Wege zur geistigen Schulung zu weisen.“

Grauer überlegt, ob Steiner selbst ein Bewusstsein davon hatte, welcher Schritt normalerweise erforderlich ist, um im Alltagsbewusstsein dieser spirituelle Schicht aufzufinden, da sie für ihn, wie er in seiner unvollendeten Autobiographie darstellt, schon seit der Kindheit offen lag. Er stellt fest, dass Steiners Werk bei allen sonstigen erstaunlichen Wirkungen auf dem Gebiet der Esoterik historisch versagt habe, und
die Anthroposophie sei von anderen Strömungen überholt. Für ihn erscheint sie im Kontext moderner spiritueller Strömungen geradezu philiströs zu sein. Sie sei „bepackt mit einer unglaublichen Fülle an theoretischem spirituellem Inhalt und davon inspirierten praktischen Kulturtechniken […] aber dennoch bleibt sie vor den Toren der viel beschworenen geistigen Erfahrung stehen.“

Das konkrete Erleben fehlt
der Anthroposophie, konstatiert Christian Grauer blasiert: „Sie weiß um das höchste Ziel der Menschheitsentwicklung, ist aber gerade dadurch blockiert, den ersten Schritt auch zu tun! Das zumindest ist mein persönlicher Eindruck im Rückblick auf meine Karriere als Anthroposoph und die keineswegs atavistische sondern befruchtende Wirkung der ganz unprätentiösen Hinweise auf die Möglichkeiten des unmittelbaren meditativen Erlebens.“

Christian Grauers Satz
„Diese Fülle an präsupponiertem Inhalt, verbunden mit einer pathetischen und teleologischen Entwicklungsrhetorik und der Vorstellung eines primär visionären Charakters einer spirituellen Bewusstseinserweiterung, verstellte mir im Grunde komplett den Zugang zu dieser Erlebnisqualität reiner Bewusstheit“ nehme ich als Ausgangspunkt einer Rückblicksmeditation. Im Ergebnis dunstet mir eine monströse Imagination auf, die Rudolf Steiner völlig auf dem Kopf stellt. Er wäre irgendwie umgekehrt inkarniert! Sein Tod wäre sein Geburt gewesen und sein Geburt der Tod! Er hätte rückwärts gelebt, sodass seine Karmaforschung am Anfang stehe, gefolgt von der Weihnachtstagung von 1923, der Gründung der Waldorfschule, dem Bau des ersten Goetheanums, den Mysteriendramen, seinen Grundbüchern und dem Eintritt in die Theosophische Gesellschaft! Dann käme die Berliner Zeit, Weimar, Die Philosophie der Freiheit und gegen Ende würde die Begegnung mit dem unbenannten Meister und diejenige mit Felix Koguzki kommen und ganz am Schluss die Jahre mit seiner Familie in Österreich-Ungarn! Solch gelebt, hätte Steiner sich von den mythologischen Irrbildern ausnahmslos befreien können, um du der „einfachen“ Erleuchtung zu kommen, die er als 19jähriger laut Sebastian Gronbach, Christian Grauer und andere Autoren der Zeitschrift Info3 wie Felix Hau gehabt habe!

Sind die Anthroposophen – und ich mit ihnen – Opfer einer makabren Geschichtsverfälschung? Oder könnte es sein, dass Gronbach und Grauer in eine Erleuchtungsfalle geraten sind, wo sie wegen einer Art Verdrängungsmechanismus nicht kapabel sind, zu erkennen, warum sie keine anderen geistigen Wesen außer sich selbst erleben können? Ein Hinweis gerade von Steiner könnte Licht in diese Problematik werfen, sofern man noch dafür offen ist, sich nicht festlegen zu müssen.

„Das, wovon man in Wirklichkeit redet, wenn man heute vielfach von seinem Gott spricht, das ist der einzelne Angelos oder gar das eigene Selbst in der Zeit zwischen dem letzten Tode und der jetzigen Geburt.“ (Rudolf Steiner in:
Erdensterben und Weltenleben, GA 181, Dornach 1967, Seite 353) Steiner sieht also hinter solchen Gottesvorstellungen wie z. B. dem modernen protestantischen (es könnte hinzugefügt werden der mit drei Gesichtern integrale) Gott nichts anderes als das Wesen eines Engels. Steiner ergänzt: „Es ist ein verborgener Egoismus von den Menschen, unmittelbar zu dem Gotte sich erheben zu wollen, denn sie wollen sich in Wahrheit […] nur zu ihrem Gotte, zu ihrem eigenen Engel erheben. Indem der Mensch eigentlich nur zu seinem Angelos aufblickt, das sich aber nicht gesteht, sondern glaubt, er blicke zu dem Gotte auf […] betäubt er durch diese unwahre Vorstellung in einem gewissen Sinne seine Seele.“

Könnte falsche Vorstellungen vom Spirituellen und einen unfreien Umgang mit anthroposophischen Begriffen und Inhalten eine Betäubung der Seele dem eigenen Ich so heruntertrüben, dass bei geistigen Erlebnissen, wie diejenige oben von Christian Grauer geschilderte, sich andere geistige Mächte in die Seele einschmuggeln, die dort in dieser Weise nicht wirken sollen. Steiner erläutert: „Das heißt, es schleicht sich an die Stelle des Engels, den man zunächst verehren wollte, den man umtauft zu ‚Gott’, der luziferische Angelos ein. Dann aber ist die schiefe Ebene, die den Menschen hinunterführt, sehr nahe. […] Und dieser luziferische Engel wird den Menschen alsbald in den Materialismus hineinführen. Dieser maßlose Hochmut, der noch oft als Demut angesprochen wird, er ist es, welcher letzten Endes den Materialismus hat hervorbringen müssen.“ (
Das Karma des Berufes des Menschen in Anknüpfung an Goethes Leben, GA 172, Seite 180f)

Die folgende biographische Beschreibung von Christian Grauer stellt die zuletzt zitierten Worte von Steiner in einem aufschlussreichen Licht: „Was mir als unhintergehbarste Gewissheit galt, nämlich dass der Welt irgend so etwas wie ein höherer Sinn unterliege, wie immer der auch aussah, das musste ich anzweifeln. Dass es gleichsam etwas wie eine Auflösung des Rätsels gab, die über die unmittelbar sinnliche Welt hinaus ging, das musste ich in Frage stellen. Ich musste als Spiritualist, der ich als Anthroposoph war, zuallererst zum radikalen Materialisten werden. Und selbst daran würde ich noch zweifeln müssen.“

Wenn es nun so wäre, dass in der modernen Erleuchtung der integralen Szene der eigene Schutzengel nicht sofort erkannt wird, sondern wie vom aufgeblasenen Ego verschoben wird, sodass nur sein letzter „Atemhauch“ als geistige Wahrnehmung bleibt, der dann in schönen, sogar philosophischen Worten als das eigene Geistwesen und zugleich als Gott gepriesen wird, dann wäre diese offenbar-esoterische Ausführung wohl noch ergötzlich. Es könnte aber auch bei jemand der Umstand eintreffen, dass der nicht erkannte Schutzengel nicht imstande ist, ein wahres Geist-Erleben zu vermitteln. Es könnte unter Umständen sein, dass er nicht derjenige ist oder der geeignete ist, um eine sinngemäße Begleiterfunktion in der Meditation zu übernehmen. Rudolf Steiner hat beschrieben, warum schon im Hochmittelalter das Karma der ganzen Menschheit in Unordnung kam, mit der Folge, dass eine Disharmonie in der zu Michael gehörenden Rangordnung der Engelwesen eintrat. (Vgl. Rudolf Steiner,
Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge, Band III, GA 237, Seite 179f)

Auf dem achten ökumenischen Konzil in Konstantinopel im Jahre 869 erhoben die römisch gesinnten Kirchenväter nämlich zum Dogma, dass der Mensch nur aus Leib und Seele besteht. In der westlichen Kirche wurde seitdem dem Geist keine Selbständigkeit mehr zugemessen. Der Geist im Menschen wurde für das allgemeine Bewusstsein der abendländischen Welt quasi ‚abgeschafft’. Damit begann nicht nur auf Erden ein Schisma in der Christenheit, das bis heute ihre Konsequenzen nach sich zieht, sondern auch in der geistigen Welt konnten die Schutzengel der Menschen in den folgenden Erdenleben nicht mehr alle Erlebnisse richtig in das Karma hinein stellen, weil sie die menschliche Freiheit zu respektieren haben, auch wenn jemand seinen Geist, in welchem sein Karma wurzelt, verkennt.

Falls die Herren Gronbach, Grauer und Co. die Bereitschaft hätten, die individuelle Reinkarnation als etwas Wahres zu begutachten, würden sie sich womöglich auftun, ihren früheren Inkarnationen zu suchen und etwa nach einem Leben im 9. Jahrhundert fragen, und falls sie zu konkreten Ergebnissen und gar zu karmischen Imaginationen kommen würden, glaube ich, dass sie auch die Bereitschaft zeigen würden, in einem
anspruchslosen Gespräch über die vielen Phänomene und Hürden der Erleuchtungsfalle sich auszutauschen.

In der meditativen Arbeit mit der Engelfrage kann ich folglich erkennen, ob ein weiterer Engel als mein besonderer Meditationsengel hinzutreten würde. Jeder Mensch steht während der Menschheitsevolution mit mehreren Wesen aus den Rangordnungen der Engel in innigster ‚Berührung’. Diese Tatsache fasst ein altes norwegisches Abendlied zusammen, in dem es heißt, dass „vierzehn Engel um das Bett des Kindes stehe“. So dürfte kein Hindernis aufkommen, wenn der eigene Schutzengel aus noch nicht erkannten, unter Umständen alten karmischen Problemen eine meditative Arbeit gegenwärtig nicht unterstützen würde oder könnte. Das Zusammensein mit einem Engel in der imaginativen, selbst durchleuchtenden Innenwelt steigert sich allmählich so, dass ich mich ihm ganz hingeben kann. Ich traue mich, das Wirken des Engels aufzunehmen, als würde er in mir alles vermitteln, was als Bewusstsein in mir lebt. Von einem leicht als Erleuchtung zu beschreibendes Geist-Erleben, in der es um ein Engelwesen geht, bis zu höheren Hierarchien und zur göttlichen Trinität ist es aber noch einen langen Weg im spirituellen, außerkörperlichen Dasein. Gott sei dank!

Bild: Ein Silen (römische Skulptur aus dem Louvre) ist in der griechischen und römischen Mythologie ein Mischwesen aus Mensch und Pferd, wobei es einem Menschen viel ähnlicher ist als ein Kentaur. Um die Ironie des Sokrates zur Sprache zu bringen, lässt Platon den Alkibiades im Symposion sagen, Sokrates sei wie eine von den hässlichen Silenenfiguren, die man öffnen kann, und aus deren Innerem einem dann goldene Götterbilder entgegenschimmern. Quelle: Wikipedia

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2009/05/29

Erleuchtung und Selbstseinsglück

In den Diskussionen um aktuelle Geist-Erlebnisse und sogenannte Erleuchtungen bei Menschen, die sich an Rudolf Steiners Werk anlehnen, wird häufig postuliert, dass das erweiterte Bewusstsein keine andere Geistwesen vorfinde als diejenigen, die man selber schafft; dass heißt, man selbst sei mitbestimmend, für dasjenige, was im erleuchteten Bewusstsein erfahren wird, man würde nur sich selbst als Geistwesen finden respektive Gott als der Schöpfer des eigenen Selbst und der Du-Wesen der Mitmenschen.

Andrew Cohen (Jahrgang 1955) – einer der beliebtesten spirituellen Lehrer heute – schreibt in einem Text von der neuen evolutionären Erleuchtung, dass die Macht, die Energie und die Intelligenz, die dieses Universum erschaffen haben, nun von uns als die höchst entwickelte Lebensform abhängig wären, „um ihren evolutionären Imperativ zu unserem eigenen Daseinszweck werden zu lassen“. Und er fährt fort:

„Dann werden wir wortwörtlich zum Gott in menschlicher Gestalt. Als Mensch verkörpert zu sein, das heißt du selbst zu sein, hier und jetzt, wird auf wunderbare Weise in ein heiliges Ereignis verwandelt. Und an diesem Punkt finden wir eine neue Definition von Spiritualität, die ich Evolutionary Enlightenment (Evolutionäre Erleuchtung) nenne, die der Realität des menschlichen Dilemmas und Potenzials zu diesem Zeitpunkt gerecht wird. Aber wir müssen die damit verbundenen außergewöhnlichen Anforderungen auch erfüllen.“

In seinem in meinem Blog viel diskutierten Buch
Missionen fasst Sebastian Gronbach kurzerhand zusammen, dass alles Gerede von außer den Menschen existierenden geistigen Wesen zu verstehen sei als erschaffene Repräsentanten einer Idee:

„Wer über geistige Wesen spricht, spricht über sich, über sein Seelenleben, über seine verschiedenen Bewusstseinsstufen. Und natürlich ist alles in uns aktiv und dynamisch – weil ich es bin, weil ich aktiv und dynamisch bin. Natürlich sind die Erzengel und Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin. […] Es gibt keine geistige Welt, wenn wir sie nicht erbilden. Der gesamte Inhalt der Anthroposophie existiert nicht für sich und unabhängig von einem schöpferischen Bewusstsein. Er verdankt sich dem ‚freien Erbilden der geistigen Welten’ – so Steiner.“

Der Satz
„Natürlich sind die Erzengel und Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin.“ klingt wie eine Zauberformel, die ein Kind benutzt, um alle seine Spielzeuge innerhalb seines Wirkungskreises „lebendig“ zu machen. Die nachstehenden Worte des erwachsenen Steiners in seinem Hauptwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss (GA 13, Taschenbuch 601, Dornach 1962, Seite 271f) klingen etwas anders zur Frage der Geistwesen:

„Nicht derjenige kommt in einer richtigen Weise in die geistige Welt hinein, welcher froh ist, wenn er irgendwo einen Vorgang erleben kann, der ‚von dem menschlichen Vorstellen nicht begriffen werden kann’. Die Vorliebe für das ‚Unerklärliche’ macht gewiss niemanden zum Geistesschüler. Ganz abgewöhnen muß sich dieser das Vorurteil, dass ein ‚Mystiker der sei, welcher in der Welt ein Unerklärliches, Unerforschliches’ überall da voraussetzt, wo es ihm angemessen erscheint. Das rechte Gefühl für den Geistesschüler ist, überall verborgene Kräfte und Wesenheiten anzuerkennen; aber auch vorauszusetzen, dass das Unerforschte erforscht werden kann, wenn die Kräfte dazu vorhanden sind.“

Wie habe ich selbst im November 1996 im höheren imaginativen, inspirativen und intuitiven Erleuchtungsbewusstsein außerkörperlich – oder nach dem Geist-Erleben demnächst – erkannt, dass
nicht ich sondern ein anderes Wesen – und sogar mehrere Wesen wie in einer Kreisbewegung der Zeitlosigkeit gleichsam sowohl synchron als auch nacheinander mich erleuchteten? Einerseits erlebte ich die andauernde Beweglichkeit im geistigen All; es war das Erleben in dem zyklischen, sich selber für immer garantierenden Werden unter geistigen Wesen. Andererseits erlebte ich die Sehnsucht nach der irdischen Zeit, also eine rein menschliche Erfahrung, die ein außersinnliches Wesen nur als Mensch gehabt haben kann – wie Luzifer und Christus, die tatsächlich inkarniert waren –, dass ich quasi einmal entschwinden möchte.

Meine Erleuchtung bedeutete ein Erkennen des eigenen Wesens, das durch erneute Erdenleben geht, ein Erkennen von aus sich wirkenden Natur- und Elementarwesen, ein Erkennen von Engelwesen verschiedener Stufenfolgen, ein Erkennen und ein Fehden mit Widersachern (u. a. mit solchen, die von Steiner als luziferisch und ahrimanisch bezeichnet sind) und nicht zuletzt ein Zusammenkommen mit dem Herrn des Karmas, das über die ganze Erde
Christus genannt wird. Da darf ich von Wesenheiten außer mir sprechen, nicht weil ich es will, sondern weil sie mir und meine Erkenntnis wollen – „außer“ mir, insofern ich im Erkenntnisakt mit ihnen eins bin, aber sie quasi mit mir nicht. Also ein Sowohl-als-nicht. Gronbachs Es ist Zeit, diese Beziehung zu beenden passte gar nicht in das Gefühl der Zeitlosigkeit, weil hier im Doppelstrom der Zeit zuallererst eine geistige Beziehung anfangen konnte. Und dieses Zusammensein in der Eintracht oder in der Zwietracht konnte nur insofern als ein Wesendes unter Wesen erkannt werden, weil ich im Nachhinein wie aus einer Gebärmutter kommend sowohl eine Geburt meines höheren Wesens erfuhr als auch ein Sterben des Egowesens (mein Mutterkuchen!), das vor der Meditation ohne Erwartung auf etwas Bestimmtes mich versorgt hatte.

„In den höheren Welten hat es auch keinen Sinn mehr, von solchen abstrakten Gegensätzen zu sprechen wie Ewigkeit und Zeitlichkeit; die hören auf einen Sinn zu haben. Da muß man von Wesenheiten sprechen. Deshalb spricht man von fortschreitenden göttlichen Wesenheiten und von luziferischen Wesenheiten. Weil die in den höheren Welten da sind, spiegelt sich ihr Verhältnis zueinander als der Gegensatz von Ewigkeit und Zeitlichkeit.“ (Rudolf Steiner im Vortrag vom 30. August 1912 in:
Von der Initiation. Von Ewigkeit und Augenblick. Von Geisteslicht und Lebensdunkel, Dornach 1986, GA 138, Seite 95ff)

Wenn die „erleuchteten“ Fährmänner der modernen Esoterikflutwelle von
primordial consciousness sprechen, worauf bezieht sich dieser Begriff? Besteht vielleicht hier ein Zusammenhang zwischen diesem sogenannten ursprünglichen Bewusstsein und demjenigen, welches sich in den folgenden Worten – die ein der Hauptpersonen, Johannes Thomasius, während seiner Meditation hört – der Bühnengestalt Luzifer in Steiners ersten Mysteriendrama sich ausdrückt?

„O Mensch, erkenne dich, / O Mensch, empfinde mich. / Du hast dich entrungen / Der Geistesführung / Und bist geflohn / In freie Erdenreiche. / Du suchtest eignes Wesen / In Erdenwirrnis; Dich selbst zu finden, / Es ward dir Lohn, / Es ward dein Los. / Du fandest mich. / Es wollten Geister / Dir Schleier vor die Sinne legen. / Ich riss entzwei die Schleier. / Es wollten Geister / In dir nur ihrem Willen folgen. / Ich gab dir Eigenwollen. / O Mensch, erkenne dich, / O Mensch, empfinde mich.

Nach der darauf folgenden Replik von Ahriman, den ich hier einfachhalber auslasse, spricht Luzifer weiter:

„Es gab nicht Zeiten, / Da du mich nicht erlebtest. / Ich folgte dir durch Lebensläufe. / Erfüllen durft’ ich dich / Mit starker Eigenheit, / Mit Selbstseinsglück.“

Die Erleuchtung eines Andrew Cohens und seine Interpretationen derselben scheint mir außerordentlich wichtig zu sein, weil sie uns auf die entscheidende Aufgabe Luzifers in der modernen Geistesschulung hinweist. Es geht um die Entdeckung, um das Bewusstwerden des
Selbstseinsglücks. Die Frage ist nur, ob der betroffene Geisteslehrer, seine Nachfolger und Zeitgenossen – wie Sebastian Gronbach und Christian Grauer – im Gewahrwerden der Idee halt machen bei ihrer Eigenheit oder ob sie zum Wesenhaften fortschreiten. Machen sie Halt vor Luzifer als Wesen – also wollen sie ihn nur als Mythos entlarven und nicht wesenhaft empfinden (Luzifer lädt ja dazu ein, weil er als ehemaliger unbefriedigter Erdenbürger die Hilfe der Menschen braucht, um einmal richtig zu „sterben“!) – können wir kaum von einem Mysteriendrama an einem bundesdeutschen Hauptbahnhof (vgl. Joseph Beuys) reden und auch nicht von einer griechischen Tragödie (vgl. Sophokles) irgendwo im Lande Schamballa.

Bild: Eine Statue von Dionysos in British Museum, London. Dionysos (lat. Dionysus) ist in der griechischen Götterwelt ein Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Er wurde von den Griechen und Römern wegen des Lärmes, den sein Gefolge veranstaltete, auch noch Bromios („Lärmer“) und Bacchus („Rufer“) genannt. Quelle: Wikipedia

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2009/02/09

Der Balken in meinem Auge

„Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: "Lass mich den Splitter aus deinem Auge hinauswerfen" und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

Matthäus Evangelium 7,3-5


Rückschau auf mein letztes Lebensjahr

Kürzlich feierte ich meinen 55. Geburtstag. Darüber ist wenig zu erzählen, da ich keine Wichtigkeit daraus machte, sondern im kleinen familiären Rahmen nur ein festliches Essen in der Pizzeria eines Freundes verabreichte. Meine aus Schweden angereiste, älteste Tochter sang mir einpaar Lieder vor, und am Abend lauschten wir Klezmer-Musik in einem Saarbrückener Minitheater. In Anbetracht des Gaza-Krieges schafften diese Melodien eines abgelaufenen Jahrhunderts einen raufenden Klangboden in meiner ohnehin erschütterten Seele.

Eventuell wäre mehr zu sagen über die einfache Tatsache, dass meine Website trotz flüchtigen Unterbrechungen
1 Jahr lang bestanden hat. Wer dieses Unterfangen begleitet, wird schon wissen, was damit versucht wird. In den Texten, die ich auf der Site und im damit seit dem letzten Frühjahr angedockten Blog veröffentlicht habe, ist ebenfalls soviel gezeigt worden, was mein Anliegen ist, dass es darüber auch wenig Neues zuzufügen gäbe. Wenn ich dessen ungeachtet aus meiner Rückschau des letzten Lebensjahres eine Handvoll Motive herausnehme und sie quasi „um die Finger wickele“, ginge es um die folgenden Angelegenheiten: das Esoterische in der Sprache, die Öffentlichkeit, Dialoge, die Karmagesinnung und der karmische Zentralkonflikt.

Zu versuchen, ein Geist-Erleben, das im reinen Denken, im dynamischen Fühlen und im schöpferischen Wollen erfasst wurde, in kommunizierbaren Formen der Sprache zu übersetzen, gleicht einer Daumenarbeit. Wenn der Daume nicht geschickt anpackt und das Werkzeug mit Fug und Recht manövriert, wird der im Holz angeschlagene Nagel krumm, oder der Faden findet nicht sofort den Weg durch das Nadelöhr. Bin ich ganz alleine mit meinen geistigen Erfahrungen, kann ich gut schweigen. Möchte ich sie aber kommunizieren, brauche ich das Fingerspitzengefühl - und noch mehr, wenn ich im öffentlichen Raum eine esoterische Verständigung übe. Der Intuition des Zeigefingers kann spüren, wo es vielleicht augenblicklich nur angebracht ist, etwas anzudeuten, weil es später besser sein könnte, etwas mehr darüber zu entschleiern.

Bei jeder Begegnung brauche ich das innere Gleichgewicht, und ich muss die Kunst der Mäßigung lernen. Besonders wenn es sich herausstellt, dass ich bei jemand eine andere und vielleicht ungewohnte oder kontroverse Auffassung finde, die ich begreifen und respektieren muss, um ins Gespräch zu kommen, falls der andere das möchte, kann die Diskussion für Dritte nur fruchtbar werden, fall ich meine Worte aus Besinnung wähle. Der Langfinger kann dafür ein Gespür haben. Der Ringfinger nun darf der Karmagesinnung entsprechen, weil ich mich in Freiheit und Liebe mit dem geistigen Wesen des Gesprächspartners, des Seminarteilnehmers und des Kontrahenten verbinden möchte „bis der Tod uns scheidet“, auch im Falle er mir seinen Rücken zuwendet.

Zusätzlich zu den Aufgaben, um mehrere karmischen Beziehungen wieder aufzunehmen plus z. B. ein besonderes Berufskarma anzugehen, betrat jeder Mensch seiner jetzigen Inkarnation mit dem Vorsatz, einen karmischen Zentralkonflikt anzupacken.
Es liegt dieser Konflikt quasi dem Kleinfinger unter dem Nagel, aber jene ist meistens so groß und unbewusst, dass er ein ganzes Leben fast nicht bemerkt wird. Nur wenn man den kleinen Nagel sozusagen bricht, oder, wenn er durch großen Schmerz herausgerissen wird, offenbart sich dieses Karma wie riesige Niagarafälle.

Anfang Februar 2008 wurde ich per Website online sichtbar und Mitte April erschien mein zweites Buch beim
Verlag Ch. Möllmann. Vor diesen Veröffentlichungen lagen Jahre der minutiösen Vorbereitung von Texten, Bildern und von Designvorschlägen. Wie das alles ständig inmitten des inneren „Dialogs“ mit der geistigen Welt stand und steht, gehört zu meiner individuellen Esoterik. Durch diese publizistischen Schritte stärkte sich aber mein Mut, sodass ich meine Hand neu hinein in viele lebendigen, erstarrten oder brennenden Herden in der anthroposophischen Szene steckte. Die manchmal polemischen Auseinandersetzungen mit Sebastian Gronbach, Mieke Mosmuller, Sebastian Jüngel und Holger Niederhausen zeigen eine, die Übersetzungen aus dem Skandinavischen eine andere Seite der Bemühung um Dialogbereitschaft und des Versuchs, Hinweise auf bedeutsame Aspekte des anthroposophischen Denkens und Kulturlebens zu geben.

Sowohl während einiger Reisen nach Portugal, Norwegen und Italien als auch durch neue E-Mailkontakte lernte ich viel Neues kennen über spirituell suchenden Menschen, über ihre oft verzwickten Familienzusammenhänge, schwere Krankheiten, komplizierte Lebensverhältnisse und etwas über ihre karmischen Vorleben. Die Würde des Einzelnen lernte ich dadurch immer mehr zu achten, um daraus die Karmagesinnung so zu „steigern“, dass Erkenntnisse daraus geboren werden konnten, die für jeden fruchtbar sein können. Bei allen diesen Begegnungen und Aufgaben zuhause und unterwegs, ohne viel Geld zu verdienen, lebte ich stets mit den Fragen: Wie verhalte ich mich am besten? Wie kann ich helfen? Wen kann ich nach seiner Art am besten unterstützen? Was wird noch kommen? Was kann sich daraus weiter entwickeln, sodass die soziale Frage immer mehr Fundament bekommt für neue Perspektiven des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit? Die vier Reisen nach Italien öffneten ebenfalls durch die großartige künstlerische Herausforderung etwas Vielversprechendes für die Zukunft. Überraschend leuchtete gleichzeitig der Schicksalsstern wieder und diesmal stärker als je hinunter auf mein Leben: Durch die persönliche Unsicherheit und das „Versagen“ eines einzigen Menschen schien diese Möglichkeit einer künftigen Teamarbeit sich wieder total durch die Finger zu schlüpfen.

Das Glück in diesem Unglück ist nun, dass ich auf meinen individuellen zentralen karmischen Konflikt aufmerksam geworden bin. Durch den „Splitter“ im Auge meines italienischen Auftraggebers wurde der „Balken“ in mir selbst spürbar. Seit Mitte Dezember leide ich außerdem buchstäblich von einer schwerwiegenden Augenentzündung. Unterstützt durch die Therapie der
psychosomatischen Energetik versuche ich diese Krankheit als Symptom zu lesen für die Tendenz bei mir, „ die Realität (der sinnlichen Welt) nicht sehen zu wollen. Damit werde ich sicher die nächsten 55 Jahre inklusive des kommenden Lebensjahrs beschäftigt sein. Für heilende Zuwendung daraufhin bin ich jederzeit offen!

Die karmischen Hintergründe zu diesem Inkarnationskonflikt kenne ich schon seit Jahren, aber mir war noch ganz wenig bewusst, dass ich wegen solchen früheren „Kollisionen“ mit der Welt dermaßen mich vor der zivilisatorischen Normalitäten der gegenwärtigen Welt schütze, dass daraus erfolgen kann, dass nur ganz wenige Menschen, etwas mit mir anfangen können oder wollen. Wir könnten dieses karmische Dilemma, das auch Rudolf Steiner in Zusammenhang mit den Inkarnationsschwierigkeiten der Platoniker beschrieb, als das „Anti-Karrierist-Syndrom“ bezeichnen. Es ist eine Art Blindheit vor den wirtschaftlichen Gefügen, die unserer Kulturepoche eigen sind. Heute, wenn die vielen alten Gesellschaftsstrukturen, die eigentlich der letzten Epoche vor der Renaissance gehörten, zerfallen und Platz für Neues freimachen, könnte es langsam möglich werden, sich mit einer Gesellschaft zu verbinden, die dem eigenen Wesen verwand sind. Wie und wo entsteht diese für alle Menschen und für mich weltoffene
Friedensgesellschaft?

Bild: Karel van Mander (1548-1606), Die Mäßigung Scipios (1600). Er war ein Dichter, Schriftsteller, Maler und Zeichner aus Westflandern. Im Jahr 1604 verfasste Karel van Mander sein bekanntestes Werk, das Schilder-Boeck („Maler-Buch”), die erste nördlich der Alpen erschienene kunsttheoretische Schrift. Publius Cornelius Scipio Africanus (236-183 v. Chr.), der Überwinder Hannibals im zweiten Punischen Krieg, verband mit den profilierten Talenten eines Feldherrn einen durch Wissenschaften gebildeten Geist. Wenn er sich durch Tapferkeit und List seinen Feinden furchtbar machte, so wusste er sich auf der andern Seite durch seine Mäßigung die Liebe der Überwundenen zu erwerben. Er verstand die große Kunst, sich durch Milde und weise Strenge des Gehorsams seiner Untergebenen zu versichern, und die unterschiedlichsten Menschen und Völker für seine Zwecke zu gebrauchen. Quelle: Wikipedia

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2008/12/20

Kein Ausfall mit Abakus

Meine Website und mein Blog waren seit Dienstag nicht mehr erreichbar, weil mein Server durch so genannter „technischer Ausfall“ geplatzt ist. Der Webspace-Anbieter, der Provider, bei dem ich diesen Serverplatz gemietet habe, hat auch nicht mehr auf Anfragen geantwortet, weder telefonisch noch per Email, sodass ich gezwungen bin, einen neuen Provider zu finden. Jetzt habe ich aufgeräumt und bin umgezogen. Damit wird es für mich monatlich teuerer, eine Internetpräsenz zu haben, aber es trifft außer der Unterbrechung selbst zunächst keine Leser dieser Seiten. Beim Wechsel sind die Bilder in meinem Blog leider verloren gegangen. Das liegt an den Begrenzungen des Blogger Systems. Allmählich werde ich vielleicht versuchen, einige der früheren Bilder wieder herzustellen.

Durch viele Recherchen und viel Lesen in Internetforen ist mein Einblick größer geworden, wie die Finanzkrise sich auch im Internetbereich schnell ausbreitet. Dort konnte ich auch fast Stunde für Stunde verfolgen, wie andere Kunden derselben Anbieter ihrer Frustration freien Lauf gegeben haben. Indem jeder Normalbürger als Provider auftreten kann, weil er sich Wiederverkäufer-Webhostingpakete kauft, kann er eigene und individuelle Webhostingangebote unterbreiten, vielleicht ohne professionelles Sachwissen und wenig finanzielle Kenntnisse zu besitzen. Die Reseller kaufen dabei Leistungen preiswert ein und können diese zu eigenen Konditionen und Bedingungen an ihre Kunden weitergeben. Nur die Gier nach leicht verdientem Geld hat diesen Irrweg der modernen Wirtschaft angetrieben.

In diesem egoistischen System ohne Transparenz ist es nicht leicht, zu ergründen, wo die reellen technischen Ausrüstungen eines Servers stehen, ob in Deutschland oder irgendwo in der Welt. Dass diese Entfremdungen irgendwann auch Auswirkungen auf den Verbraucher haben müssen, habe ich gerade unangenehm erfahren. Da hilft nur Aufwachen und soweit es möglich ist, sich zu informieren und zu gucken, ob man irgendwo sein Vertrauen abgeben kann oder nicht. So kann ich auch jetzt nicht garantieren, wie lange meine Seiten weiterhin verfügbar sein werden. Bleiben wir doch in der Hoffnung, dass mein Ausrechnen auf dem alten Abakus stimmt!

Bild: Der Abakus. Das älteste Gerät, das in rudimentären Anfängen einem heutigen Computer entspricht, ist der Abakus, eine mechanische Rechenhilfe, die vermutlich um 1100 v. Chr. im indo-chinesischen Kulturraum erfunden wurde. Der Abakus wurde bis ins 17. Jahrhundert allgemein benutzt und dann von den ersten Rechenmaschinen ersetzt. In ärmeren Regionen der Welt wird der Abakus noch immer als Rechenhilfe verwendet. Quelle: Wikipedia

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2008/09/23

Ist Sebastian Gronbach eine Gefahr?

In einem Kommentar seiner eigenen Rezension des Buchs Missionen von Sebastian Gronbach - das ich schon im Frühjahr besprach - drückt Christoph Kühn auf seinem Blog A Goy’s World seine Überraschung aus, dass ich „eine Gefahr in dem Buch bzw. seinem R.- und Karmaverständnis“ sehe. Kühn schreibt in der Rezension, dass man selbst merken kann, „dass Gronbach eingefahrene Denkmuster gegen den Strich bürsten will und dabei gerade auch in Bezug auf eine anthroposophische Leserschaft provozierend plakative Formulierungen wählt.“ Vor genau 10 Jahren wurde ich von einem in der Öffentlichkeit renommierten Anthroposoph in interner Führungsposition als „eine große Gefahr für die anthroposophische Bewegung“ bezeichnet. Wie dieser heute zu Sebastian Gronbach steht oder stehen würde, wäre interessant zu wissen; ich werde darüber aber nicht um Auskunft bitten.  

Kühn findet bei Gronbach kritische Ausführungen über die anthroposophische Rezeption von Rudolf Steiners Christologie und Karmaforschung, aber er findet auch, dass „das Buch etwas Visionäres“ hat, und er erhofft sich im großen Ganzen für das Buch seines Blognachbars nur Gutes: „Es wäre ihm zu wünschen, dass es in anthroposophischen Zusammenhängen eine große Leserschaft gewinnt.“ Was dieses Visionäre in Bezug auf Rudolf Steiners Anthroposophie sein sollte, führt Kühn jedoch nicht aus. Ich kann selbst da nichts Entsprechendes finden, weil ich mit visionär etwa fortschrittlich sein meine. Falls Kühn mit dem Wort aber eingebildet sein meint, bin ich jedoch einverstanden.

Es gaben inzwischen mehrere Buchbesprechungen zu den Missionen, wobei einige ebenfalls sehr kritisch waren. Hier möchte ich nur kurz das Urteil von Anna-Katharina Dehmelt in der Wochenschrift Das Goetheanum (Nr. 24/2008) erwähnen, das zu einer scharfen Antwort von Holger Niederhausen führte. Dehmelt, die Gronbach persönlich kennt, schreibt ihn direkt an: „Von der Lektüre deines Buches geht ein gewaltiger Modernisierungsschub aus. Irgendwie war man bisher wohl hoffnungslos naiv gegenüber der Anthroposophie:“ Niederhausen wiederum - der seine Zuschrift auf Dehmelts milde Beurteilung zu einem scharfen Kritik für die Zeitschrift Der Europäer (Nr. 8/2008) umgewandelt hat - sieht in Gronbachs Missionen eine Irreführung. Niederhausen schreibt: „Gronbachs Buch erscheint an manchen Stellen auf den ersten Blick tatsächlich ‚mutig’ und ‚authentisch’, bei genauerem Lesen jedoch als hoch-mütig und narzistisch. […] Gronbach vertritt geschickt die vom Info3-Kreis gepflegte und verbreitete Vorstellung, die Anthroposophie führe zum All-Eins-Erleben eines kosmischen Bewusstseins, und Michael, Christus und andere Wesen seien heute unbrauchbare Symbole, die Steiner seinerseits benutzt hat, um Menschen zu diesem Erleben zu führen.“...[weiter]

Abgelegt in Chronik

Traum oder Karmabewusstsein? Dieses Foto wurde in einem Hotel an der Atlantikküste in Galizien, Spanien, im März 2007 aufgenommen. © Miguel Lopez Manresa.

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Rudolf Steiner jr.

Christopher Rudolf Steiner heißt ein junger Mann aus Gladbeck, der seit August 2008 den Blog Anthroposophie in der Gegenwart betreibt. Er ist ein Urenkel Gustav Steiners, der Bruder war von Rudolf Steiner. In seinem Profil schreibt er über sich: „Mit einiger Berechtigung darf ich mich, wenn auch augenzwinkernd, Rudolf Steiner jr. nennen. Es ist naheliegend dass ich mich mit dem Werk meines Urgroßonkels auseinandersetze. Meine Gedanken oder bisweilen auch Forschungsergebnisse möchte ich auf diese moderne, wenn auch ahrimanische, Art und Weise mit meinen Mitmenschen, ob sie es wollen oder nicht, teilen.“

In seinem Blog vom 19. August schreibt er z. B. über die Rassismusvorwürfe gegen Steiner: „Wenn Vorwürfe kommen, und Rassismusvorwürfe sollte man immer ernst nehmen, sollte man den Sachverhalt genau prüfen. Leider passiert das zu selten.“ Christopher Rudolf Steiner zeigt, dass der Begriff Rassismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. Und er weist auf Prof. Dr. Ulrich Kattmann, der in Wikipedia zitiert wird: „In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der biologische Begriff der ‚Rasse’ mit dem ethnisch-soziologischen Begriff ‚Volk’ vermengt. Ein Zusammenhang phänotypischer Merkmale mit charakterlichen oder intellektuellen Eigenschaften besitzt jedoch keine wissenschaftliche Grundlage."
 
Steiner jr. zeigt auf, dass man zu Steiners Ausführungen in
Die Mission einzelner Volksseelen im Zusammenhang mit dergermanisch-nordischen Mythologie von 1910 (GA 121) – wo die meisten Aussagen Steiners zu diesem heutzutage heiklen Thema zu finden sind - sagen kann: „dass er kompletten Blödsinn redet, aber bestimmt keine rassistische Wertung mit dem Eingangszitat vornimmt, auch wenn er sich, für sich genommen und isoliert, scheinbar so anhört. Man muss halt auch den Zusammenhang nennen.“

Und er zitiert seinem Urgroßenkel aus einem Vortrag vor exakt 100 Jahren mit dem Buchtitel
Welt, Erde und Mensch, deren Wesen und Entwickelung sowie ihre Spiegelung in dem Zusammenhang zwischen ägyptischem Mythos und gegenwärtiger Kultur (GA 105, S. 183f.) dazu: "In unserer Zeit wird der Rassenbegriff […] verschwinden, da wird aller von früher her gebliebene Unterschied nach und nach verwischt… Wir können noch von Rassen sprechen, aber nur in einem solchen Sinne, dass der eigentliche Rassenbegriff seine Bedeutung verliert." 

Ich werde die weiteren Veröffentlichungen von Christopher Rudolf Steiner auf seinem nicht gerade modisch auffälligen Blog - was das Design betrifft - mit großem Interesse verfolgen, da seine feinsinnigen Argumente und sein freilassender Stil die Erwartung eines ‚aufdatierten Anthroposophen’
entstehen lassen.

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2008/09/18

Freie Religiosität

Hei, liebe Leser und Freunde!

Ich bin aus Italien guter Dinge zurück. Wenn ich einige notwendige Gangs für den schon eingetretenen kalten Herbst und einpaar andere Pflichten erledigt habe, werde ich wieder einzelne neue Texte hier bringen. Mittlerweile könnt ihr die Worte unten von Steiner lesen und gegebenenfalls meditieren. Das Zitat ist nach der Webseite http://www.forumkultus.de/ wiedergegeben; in den Diskussionen um die Christengemeinschaft im EgoBlog brachte „barbara“ diesen Hinweis.

Alle freie Religiosität, 
die sich in der Zukunft 
innerhalb der Menschheit entwickeln wird, 
wird darauf beruhen, 
dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit 
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, 
nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. 
Dann wird es keinen Religionszwang geben können, 
dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, 
denn dann wird die Begegnung 
jedes Menschen mit jedem Menschen 
von vornherein eine religiöse Handlung, 
ein Sakrament sein, 
und niemand wird eine besondere Kirche, 
die äußere Einrichtungen 
auf dem physischen Plan hat, nötig haben, 
das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. 
Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, 
nur die eine Absicht haben, 
sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, 
indem das ganze Leben zum Ausdruck 
des Übersinnlichen gemacht wird.

Rudolf Steiner

Das Foto zeigt ein Ausschnitt einer Deckenmalerei in der Größe von etwa 20 M² von mir aus dem Jahr 1996 in der sozialtherapeutischen Einrichtung Mariagården in Umeå, Schweden. Zu der gerade angefangenen und viel umfangreicheren Deckenmalerei (etwa 100 M²) und der frühzeitig abgeschlossenen Lasurmalerei innen und außen im Kulturhaus Casa per Michele in Codroipo, Italien, werde ich dereinst zurückkommen.

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2008/09/04

Ein Geschenk für Foersterliesel

Goldener Adler attackiert einen Hasen

Liebe Liesel, ich schenke dir diesen Liljefors-Hasen! Ob er entkommen ist, bleibt offen. Der Vorlesungssaal, wo ich Teile meiner künstlerischen und pädagogischen Ausbildung in Järna, Schweden, hatte, war einst anfangs des 20. Jahrhunderts das Landhaus und Atelier vom berühmten schwedischen Landschaftsmaler Bruno Liljefors (1860-1939). Er nannte das Atelierhaus „Wigwam“, das es noch heute im Volksmund des Ortes heißt. Bei den Anthroposophen, die das schöne Haus in schlichtem Jugendstil heute besitzen, wird es „Vita Huset“ (das Weiße Haus) genannt, da es nach Liljefors Zeit auch angebaut wurde und in Besitz eines Molkereibesitzers war.

Das Bild ist nur ein in der langen Reihe der Tierbilder von Liljefors. Im Internet sind halt wenige frei zu kopieren. Wer viel Geld hat, kann sich noch ein echter Liljefors bewerben. Ein anderer schwedischer Tiermaler, der auch Hasen gemalt hat, heißt Nils Tirén. Sein Hase in Winterlandschaft ist hier zu sehen.

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2008/08/27

Michel Eggert stimmt sich aufs Karma ein

Mit dem Titel Imaginative Hochpotenz bespricht Michael Eggert mein 2. Buch. Seine Rezension ist sachlich, würdigend und liebevoll. Wenn weitere Leser das Buch gerade so lesen würden, könnten interessante Anstöße speziell betreffend der Weiterentwicklung der Anthroposophie und allgemein in der spirituellen Szene entstehen. Eggert rät, das Buch als „Exoten“ nicht abzutun, das „wäre angesichts seiner Qualitäten eine Unterlassung“. Er schreibt einleitend:

„Es ist ein Rätsel, warum Jostein Saethers neuestes Buch „Einstimmen aufs Karma- Ein Wegbegleiter durch dynamische Meditation zu karmischem Hellsehen“ nicht in einem der grossen anthroposophischen Verlage erschienen ist und unter intensiver öffentlicher Teilnahme diskutiert wird. Vielleicht trägt der Titel dazu bei, der möglicherweise ein sehr spezielles esoterisches Nischenwerk erwarten lässt. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine unglaubliche Breite meditativer Anregungungen, die ganz locker und freilassend dargelegt werden. Da ist etwas dabei für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Und offensichtlich ist es aus einer intensiven inneren Forschungsarbeit heraus geschrieben, leichthändig, gut lesbar, inspirierend. Es ist schlichtweg unmöglich, dieses Buch auch nur in Ansätzen zu referieren, da diese dichte, knappe Darstellung von Zugängen kaum zu beschreiben ist. Ob da eine vertiefende Betrachtung von mittelalterlichen Madonnenbildnissen, Zugang zum Engel, Leben mit Verstorbenen oder verschiedene Rollen und Standorte bei der imaginativ- meditativen Arbeit beschrieben werden- Saether regt an, ohne in irgend einer Weise zu determinieren. Andere Autoren würden aus Bruchteilen dieses Füllhorns ein oder mehrere Bücher machen. Saether aber schüttet das Füllhorn freigiebig aus. Vielleicht liegt gerade in dieser Freigebigkeit eine der Schwierigkeiten des Buchs: Man kann das nicht einfach lesen. Man muss das abschmecken, wirken lassen, schauen, ob die eine oder andere Spur, die da gelegt wird, etwas für einen selbst ist…“

Weiter zur ganzen Rezension von Michael Eggert. Seine Rezension ist übrigens auch auf der von Michael Mentzel betriebene Website Themen der Zeit mit dem Titel Meditative Anregungen erschienen.

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2008/08/07

Die Sicherheitsnadel

Ein Beispiel zum Thema Nebenübungen und Karmaschau

Michael Eggert macht auf seiner Website Egoisten mit dem Beispiel „Stuhl“ ein durchsichtiges Expose über Gedankenkontrolle, meditative Anfangs- und Konzentrationsübungen. Da im Kommentarbereich dazu leicht die Kontrolle über den Gedanken und Gefühlen versackt, wegen etwa zu starker Ichbezogenheit, möchte ich hier in aller Ruhe das Thema mit einem anderen Beispiel erweitern und zeigen, wie diese Gedankenübung auch mit der Karmafrage erweitert werden kann. 

Immer wieder wurden von Pionieren der esoterischen Schulung die Wichtigkeit der Stärkung des Denkens, Fühlens und Wollens und die Pflege der gesamten Charakterbildung bei einer Geistesschulung betont. Dafür arbeitete Rudolf Steiner die so genannten Nebenübungen in seinen Vorträgen und Büchern aus. Diese Verhaltensmaßregeln zur Selbsterkenntnis und Selbsterstarkung sollen hier keineswegs in Frage gestellt werden. Jeder muss selber darauf achten, wie ausgebildet oder unentwickelt er in dieser Hinsicht noch ist, so dass möglicherweise eine erforderliche Ergänzung oder Ausweitung solcher Übungen vorgenommen werden sollte ein Anliegen, das hier nur unvollständig berührt werden kann… [weiter]
Forschung
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