Gamamila

2009/05/23

Impressionen aus Russland III


Wie Wünsche, wachsen die Häuser,
Doch blicke nur plötzlich zurück:
Wo einstmals ein weißes Gebäude,
Ein schwarzer Gestank dich bedrückt.

Die Dinge wechseln die Plätze,
Verschwinden unmerklich hinauf.
Du, Orpheus, verlorst deine Liebste, –
Die dir geflüstert: »Schau auf! … «

Ich verhülle mein Haupt mit Weißem
Und spring' in den Strom mit Geschrei.
Über der schwankenden Leiche
Ein Blümchen, süß duftend, erscheint.

5. November 1902

Alexander Blok

Die Autoreise nach Waldai

Nach einpaar ruhigen Tagen stand die Reise für das zweite Seminar in Moissejevitchi bei Waldai bevor. Wir starteten früh morgens, um eventuell den täglichen Stau auf den Moskauer Autobahnen zu vermeiden, was leider nicht ganz möglich war, wie es sich bald zeigte. Um aus der Metropole auf die Hauptstraße (M10) Richtung Nordwesten zu kommen, mussten wir zuerst ein Stück auf dem Autobahnring um Moskau fahren. Die M10 (Magistrale Nr. 10) ist eine Fernstraße, die von Moskau in nordwestlicher Richtung über St. Petersburg zur finnischen Grenze führt. Zwischen Moskau und St. Petersburg ist sie Teil des Europastraßennetzes mit der Nr. 105; zwischen St. Petersburg und der finnischen Grenze gehört sie der E 18.

Im Moskauer Stadtteil Khimki konnten wir endlich die Staustrecke verlassen. Wir passierten dann durch viele Dörfer und Kleinstädte u. a. Skhodnya, Dyrykino, Solnetschnogorsk, Klin, Bezborodovo und Gorodnya bis wir die Landeshauptstadt Twer erreichten. Nach Bezborodovo passierten wir über eine lange Brücke dem sogenannten Moskauer Meer. Eigentlich heißt er der Iwankowoer Stausee und liegt am oberen Wolgalauf. Das hier befindliche Laufwasserkraftwerk mit Kaplan-Turbinen produziert jährlich 130 Mio. kWh elektrischer Strom. Eine der Städte am Stausee heißt Dubna. Hier befindet sich das weltweit bekannte Vereinigte Institut für Kernforschung, an dem mehrere radioaktive sogenannte Transurane erstmals synthetisiert wurden.

Später passierten wie die Orte Torschok, Vyshniy Volochek, Krasnomayskiy, Bakhmara, Kurskoye, Kolomno, Khotilovo, Kuhzenkino und Makarovo. Zwischen Vypolzovo und Edrovo fängt ein Nationalpark an, der das ganze Gebiet mit und um den Waldaihöhen umfasst. Es kamen weitere Dörfer: Nowaya Sitenka, Staraya Sitenka und Dobysalvo. Nach Zimogor’e biegten wir ab einpaar Kilometer auf eine Nebenstraße Richtung Osten, um in die Stadt Waldai zu fahren. Später bei Yashelbitsy verließen wir M10, Richtung Südwesten, um durch die Dörfer Varnitsy und Dorovichi zu fahren. Dann erreichten wir endlich Moisejewitschi nach insgesamt etwa 8 Stunden Autofahrt, nachdem wir nur eine längere Esspause bei Vyshniy Volochek eingepasst hatten… [weiter]

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Bild: Frederico Cervelli (1625-98), Orpheus und Eurydike. Quelle: commons.wikimedia.org

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2009/03/19

Körperbewusstsein und Zeitreise II

Zurückwandlung in frühere Zeiten 

Ist es befugt, der Begriff ‹Zeitreise› für eine geisteswissenschaftliche Erforschung früherer Zeiten zu benutzen? Kann man überhaupt geistesforscherisch und detailliert die früheren Zeiten und die ehemaligen sinnlich-physischen Verhältnisse ermitteln? Ich behandele in diesem zweiten Aufsatz zum Thema ‹Körperbewusstsein und Zeitreise› diese Fragen im Hinblick auf brisante Aussagen Rudolf Steiners und was meiner eigenen individuellen meditativen Arbeit anbetrifft.

In den Auseinandersetzungen um die Schauungen von Judith von Halle wird der Begriff ‹Zeitreise› benutzt, um auf die Art hinzuweisen, wie sie bestimmte Ereignisse zur Zeitenwende erlebt. Ist es befugt, dieser Begriff zu benutzen für eine geisteswissenschaftliche Erforschung der Vergangenheit und für das Geist-Erleben früherer Inkarnationen, falls es um eigene karmische Motive geht? Und kann man in der Geistesforschung überhaupt die früheren Zeiten und die ehemaligen sinnlich-physischen Verhältnisse detailliert ermitteln bis auf Gesichtszüge, sprachliche Inhalte und Denkweisen?

Ich möchte zeigen, dass die geistige Forschung sehr präzise Auskünfte machen kann auch in Bezug auf ehemalige, physische Zustände. Auf Basis des eigenen meditativen Übens werden die Angaben von Rudolf Steiner sehr schlüssig... [Weiter]

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Bild: Bologna im Mittelalter, sichtbar ist der sogenannte „Wald von Türmen“. 1164 trat Bologna in den Lombardenbund gegen Friedrich I. Barbarossa ein, 1256 verkündete die Stadt die Legge del Paradiso (Paradiesgesetz), das Leibherrschaft und Sklaverei abschaffte und die verbleibenden Sklaven mit öffentlichem Geld freikaufte. 50.000 bis 70.000 Menschen lebten zu dieser Zeit in Bologna und machten die Stadt zur sechst- oder siebtgrößten Europas nach Konstantinopel, Córdoba, Paris, Venedig, Florenz und möglicherweise Mailand. Das Stadtzentrum war ein Wald von Türmen: Schätzungsweise 180 Geschlechtertürme der führenden Familien, Kirchtürme und Türme öffentlicher Gebäude bestimmten das Stadtbild. Quelle: Wikipedia

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2009/01/15

Zweisamkeit während 100 Jahre

Wie die Anthroposophie Eingang fand in Norwegen

Die Kulturelite in Norwegen und die Anthroposophie fanden vor hundert Jahren zusammen. Die Freundschaft ist weiterhin warm, und die Tatsache, dass Rudolf Steiners Praxisbuch zur Meditation Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten in akademischen Kreisen beginnt, als eine „heilige Schrift“ gezählt zu werden, wäre in Mitteleuropa gar nicht denkbar. Ein Kenner der Alternativszene in Norwegen, Marius Lien, hat Interviews gemacht mit verschiedenen Forschern - wie Jan-Erik Ebbestad Hansen, Tore Rem, Jeanette Sky, Anne-Mette Stabel und Peter Normann Waage -, die die anthroposophische Bewegung in Norwegen von innen kennen und/oder sie von außen wissenschaftlich untersuchen. Liens zeitgenössischen Rückblick, der auch für deutschsprachige Leser einen Stellenwert haben könnte, habe ich übersetzt nach dem norwegischen Text, der im Osloer Wochenzeitung Morgenbladet am 19. Dezember 2008 publiziert war.

«Auf unserem kollektiven Netzhaut tauchen gemischte Vorstellungen auf: von Kräutern und Handarbeiten, und von der Eurythmie, dieser ballettartigen Theatergymnastik, die den Waldorfschülern einen steifen Nacken und viele Grübelei geben. Einige von uns haben Jens Bjørneboes Jonas gelesen, wo die Waldorfschule erscheint als der tatsächliche Garten des Edens. Einige haben die von Architekten entworfenen anthroposophischen Gebäude gesehen, die Mutigsten haben sie selber betreten. Unabhängig auf welchem Niveau von Steinernahe man sich befindet, ist die Anthroposophie in einem Schleier von Mystik eingehüllt. Und es ist schwierig festzustellen, ob der Schleier von innen oder von außen geschaffen wird»[weiter]

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Bild: «Einpaar Worte mit dem berühmten Mann» - Ein Interview in der Osloer Zeitung Tidens Tegn mit Rudolf Steiner, als er nach Oslo 1921 kam. Bildquelle: antroposofi.no

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2009/01/05

Das Traumlied vom Olav Åsteson

Draumkvedet – Das Traumlied vom Olav Åsteson – ist eine aus dem Mittelalter stammende norwegische Ballade. Dieses einzigartige Volkslied liegt in vielen Varianten vor. Gelegentlich wird es auch als norwegisches Nationalepos betrachtet, und auch als ein Visionsgedicht bezeichnet.

Es wurde in den 1840er Jahren im Landesteil Telemark im Südwesten Norwegens von Traditionssammlern „entdeckt” und aufgeschrieben. Die verschiedenen Niederschriften sind oft sehr lückenhaft. Der meist bekannte Text des Traumlieds bis heute ist die Rekonstruktion um 1890 in 52 Strophen von Moltke Moe (1859-1913), der erste Professor für Folkloristik in Skandinavien. Im skandinavischen und slawischen Sprachraum ist Folkloristik mit der hiesigen Volkskunde gleichzusetzen. Im Angelsächsischen und Deutschen hingegen versteht man darunter ausschließlich die Beschäftigung mit Volksliedern und Volkserzählungen (Märchen, Sagen etc.), aber auch Erzählforschung gehört dazu.

Die auf Deutsch meist benutzte Übertragung hat der Waldorflehrer und Autor Dan Lindholm weitergeleitet. Im Verlag Urachhaus kann man noch seine zweisprachige Ausgabe erhalten… [weiter]

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Bild: Bildteppiche zum Traumlied entworfen von Walter Roggenkamp(1926-1995) und gewoben von Hildegard Osten. Quelle: anthromedia

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2008/09/03

Der Almandin

Ein Gedenken an Rut Nilsson 
und einerlei zu karmischen Anhaltspunkten


„That we must neither buy nor sell. Money must not any longer (after our work of the Earths Community is advanced) be the great god that hedges in some and hedges out others, for money is but part of the Earth; for after our work of the Earthly Community is advanced, we must make use of gold and silver as we do of other metals but not to buy or sell.”

Geschrieben vom englischen Sozialreformator Gerrard Winstanley am 1. Juni 1649 in: A Declaration from the Poor Oppressed People of England 

Almandin ist ein häufig vorkommendes Silikatmineral. Es ist ein so genanntes Inselsilicat aus der Familie der Granate. Seine Farben liegen zwischen rot und violett. Seltenere Farbtöne sind rotbraun oder schwarz. Das Mineral kristallisiert im kubischen Kristallsystem typischerweise in rhombischen Dodekaedern. Es treten aber auch 24-flächige Trapezoeder, Kombinationen dieser Formen und manchmal auch 48-flächigen Hexoktaeder auf...[weiter]

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Mit diesem Aufsatz verabschiede ich mich für eine Weile, da ich bis Mitte September in Codroipo, Italien, als Farbgestalter tätig sein werde.

Bild: Granat-Almandin in Matrix. Matrix bedeutet hier in der sogenannten Petrographie die Grundmasse magmatischer Gesteine und das Bindemittel in Sedimentgesteinen oder Porphyrisches Gefüge. Fundort: Brasilien

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2008/08/29

Ich-Kunst und Karmaforschung

Ein aktueller Aufsatz aus dem Jahr 1994 

Zwischen 1979-94 schrieb ich eine Reihe von Aufsätzen und anderen Beiträgen in der inzwischen eingegangenen schwedischen Zeitschrift Antropos. Redaktorin seit 1975 bis ihrem Tod 2001 im Alter von etwa 90 Jahren war die Anthroposophin, Gefängnisdozentin und Publizistin Ingrid Sahlberg gewesen. Die damalige Monatszeitschrift war gegründet worden in den 50er Jahren als Organ der schwedischen anthroposophischen Landesgesellschaft. Von 1980 bis 1988 war ich Mitglied der Redaktion und pflegte auch einige Jahre die Aufgabe des Layouts und des Versands. Dabei wirkte der Künstler und Autor und spätere Masseur Didrik Wachenfeldt entscheidend mit. Der folgende Aufsatz erschien etwa ein Jahr vor meiner gedanklich-intuitiven Entdeckung meiner früheren Inkarnation im 12. Jahrhundert und zwei Jahre vor meinem im Wandeln unter unsichtbaren Menschen beschriebenen geistigen Durchbruch. Bei einem Besuch in Järna jüngst habe ich unter den dort aufbewahrten Skizzen, Notizen, Büchern und Zeitschriften vieles ausgemistet. Unter dem behaltenen Material befindet sich dieser wieder entdeckte Aufsatz, der mir mein damaliges spirituelles Engagement am Ende des 20. Jahrhunderts erneut vor dem inneren Auge stellte. Viele der einstigen Gedanken scheinen mir in diesen 14 Jahren nicht weniger aktuell geworden zu sein, weshalb ich eine deutsche Übertragung gemacht habe. Der jetzige Schritt dazu scheint gegen der damaligen Intention zu stoßen. Nichtsdestotrotz müsste einen neuen dritten Aufsatz zu diesen weiterhin hochaktuellen Fragen sich an den inzwischen stattgefundenen historischen und geistigen Veränderungen und an eventuellen Leserzuschriften orientieren.  

„Es ist eine Frage an mich gekommen, ob ich erneut einen Aufsatz publizieren möchte, der vor zehn Jahren geschrieben ist. Er behandelte Schritte in einem Lebensprozess, um sich mit dem zu verbinden, was wir Anthroposophie nennen, und was es existenziell bedeutet, die anthroposophische Sache zu repräsentieren. Dieser Aufsatz nochmals zu publizieren würde gegen seinem Absicht wirken, auch wenn das Inhalt weiterhin volle Aktualität hat. Der folgende Text ist ein Versuch, dieselben Fragen aus einer aktuellen Situation zu stellen. Der Ausgangspunkt ist eine Beschreibung eines individuellen, allgemeinen Erlebnisses des Ich verbunden mit dem Interessefeld für die Umwelt, und wie diese Beschreibung einen Anfang sein kann für Karmaforschung in Verhältnis zur Gegenwart und zur Geschichte. Meine These ist, dass eine solche Forschung künftig die einzige sichere Stütze sein wird für eine sinngemäße Urteilsbildung an der anthroposophischen Entwicklung. Die Darstellung ist wegen dem Charakter des Themas teils fragmentarisch, teils bildhaft und deswegen fehlt eine thematische Kontinuität…“ [weiter]

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2008/08/10

„Was nützt der Menschheit ein Sieg in Olympia?“

’Griechenland kennt viele Übel, am schlimmsten aber ist das Volk der Athleten!’ Diesen zornigen Ausspruch hat der Dramatiker Euripides im späten 5. Jh. v. Chr. in seinem Theaterstück Autolykos einem Schauspieler in den Mund gelegt. Euripides verhöhnt die Athleten als Diener ihrer Kauwerkzeuge und Sklaven ihrer Mägen. Er spielt damit auf die muskelbildende Kraftnahrung der Sportler an. Doch der Dichter hat nicht allein die Athleten im Visier. Hart geht er mit den Volksmassen ins Gericht, die auf diese Scharlatane hereinfallen: Die Bürger in den griechischen Städten sollten lieber da für sorgen, daß sie von weisen Staatsmännern regiert würden, als regelmäßig in Scharen nach Olympia zu pilgern, nur um dort einige Männer zu bejubeln, deren Lebenselexier die Freßsucht sei. Ein besonders kräftiger Hieb trifft die Politiker, die all dies aus purem Populismus zuließen und deshalb die Verantwortung dafür trügen, daß die Pflege der wahren Tugenden verloren gehe. Und so gipfelt die im 5. Jh. v. Chr. formulierte Schelte in der Forderung, die Olympischen Wettkämpfe abzuschaffen!

Auch der im 4. Jh. v. Chr. wirkende Philosoph Diogenes sann über das Treiben in den Sportstätten Olympias nach. Als Vertreter der kynischen Philosophie machte er einen äußerst bissigen Vorschlag zur Neugestaltung Olympias. Er ging von einem Wortspiel aus: Der Sportler werde mit dem Substantiv athlätäs bezeichnet - unüberhörbar ergebe sich daraus ein Zusammenhang mit dem Adjektiv athlios, was soviel wie ‚elend, kümmerlich, auf den Hund gekommen‘ bedeute. Die Logik der Sprache gebiete es - so die provozierende Schlußfolgerung des Diogenes -‚ in Olympia Tiere zum Wettkampf antreten zu lassen.“

Aus: Ulrich Sinn, Olympia. Kult, Sport und Fest in der Antike. Verlag C. H. Beck, München 1996.

Illustration: Der Wagenlenker in Delphi. Kommentar: Entsprechend meinen meditativen Forschungen stand ein Athlet namens Agamon Modell für diese weltberühmte Bronzeskulptur. Die Leser meiner Bücher werden wissen, wie sie seine Identität in der Gegenwart näher einordnen.

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