Gamamila

2008/11/19

In den Fußstapfen Steiners mit eigenen Fußnoten

Die 2. Auflage meines zweiten Buches ist erschienen! Der Umschlag scheint ein bisschen blasser zu sein, aber sonst ist es gedeihlich, und alles Inhaltliches ist dabei. Vorher machte ich kleine sprachliche Verbesserungen, um eventuelle Unklarheiten zu vermeiden, und Druckfehler wurden korrigiert. Beim Durchblättern fiel es mir nun auf, nachzuzählen, wie viele Fußnoten ich zu meinem ersten Buch gemacht habe, zumal Sebastian Jüngel in seinem Rezension schreibt von einem penetranten Zusammenkoppeln mit diesem 9-Jährling, der ihm vielleicht nicht mehr zur Hand lag.

Der Begriff penetrant sein hat viele Bedeutungen: aufdringlich, unangenehm, übertölpelt, benachteiligt. Was genau Jüngel gemeint hat, bleibt dem Leser jedoch offen, wenn er schreibt: „Überhaupt bezieht sich Sæther wiederholt auf seine karmische Biografie ‚Wandeln unter unsichtbaren Menschen’, was verständlich ist, aber zuweilen penetrant wirkt.“ Um etwas Negatives geht es hier jedenfalls.

Beim schnellen Zählen, wo nicht auszuschließen ist, dass ich mich verzählt haben mag, zeigt sich, dass unter ins Gesamt 198 Fußnoten ich in Alles 11 Mal zu meinem „Wandeln“ hingewiesen habe. Das ergibt etwa 5 % des Ganzen. Rudolf Steiner hat so viele wie 95 Fußnoten bekommen, und das bedeutet 48 %. Alle anderen Autoren, jegliche Themenhinweise und andere Anmerkungen zählen zusammen 92 Stück. Das ergibt 47%. Falls es hier um eine Präsidentenwahl ginge, wäre der verstorbene Rudolf Steiner also als der große Sieger ausgegangen. Da hatte ich keine Chance! Und dass ist gut so, weil ich mich in keinem Fall als Bewerber dieses Präsidentenamtes des Fußnotenapparats vorgestellt habe, und ich möchte in keinen falschen Hoffnungen verwickelt werden. Höchstens hätte ich überlegen können, die Stelle eines auswärtigen Amtes zu betreten, falls das überhaupt in Frage käme. Aber es reicht mir gut aus, ohne ein besonderes Amt in den Fußstapfen Steiners zu gehen.

Bei diesen Denkübungen überlege ich nun aber, warum Sebastian mich trotz der kleinen 5 Prozent so penetrant, so aufdringlich erlebt, ja, warum mein erstes Buch ihm so unangenehm vorkommt. Fühlt er sich dadurch hinterlegt, oder, dass er den Kürzeren zieht? Hat es vielleicht mit der Anthroposophischen Gesellschaft zu tun? Ah, ah, geh! Da ich als Mitglied gegangen bin, kann ich bei der nächsten Generalversammlung leider kein eigenes Anliegen in Sachen Fußnoten und Fußgarde vorstellen. Hoffentlich meldet er sich noch in diesem Blog wenigstens für eine Klärung der Fußnotenvariante.

Bild: Trippen (Detail eines Gemäldes von Jan van Eyck aus dem Jahr 1434). Quelle: Wikipedia

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2008/11/17

Wie ist die Defensivformation der anthroposophischen Wagenburg oder wie anders leben?

„Als Wagenburg werden zu einer Defensivformation aufgefahrene Wagen bezeichnet, die dabei die gleiche Funktion wahrnehmen wie Wälle oder Mauern bei Festungen oder Burgen. Als Form kommen bei Wagenburgen in erster Linie Kreis oder Viereck, je nach Gelände aber auch andere geometrische Figuren in Frage. Sie sind seit ältester Zeit als zweckmäßiges Schutz- und Verteidigungsmittel bekannt und wurden von Nomaden, wandernden Völkern und ziehenden Armeen verwendet. Bekannteste Beispiele sind die Wagenburgen der germanischen Völker und der Hussiten.“ (Zitat aus Wikipedia)

Eine „anthroposophische Wagenburg soll neulich aufgespäht worden sein, nachdem wohl stattgefunden hat ein heftiger Frontalangriff gegen einem gewissen Hügel und gegen einigen Burgen, die im Interngermanischen „Zweige“ genannt werden. Zweig soll zudem ein esoterischer Begriff für „das astralische Fliegen“ sein. In den Zweigen wird gemäß Insidermeldungen ohne Vorführung gelernt, wie man ein Ast des Egoismus absägt, ohne dadurch in den Abgrund des Ich zu fallen. Welche geometrische Figur hier in Frage kommt, wird jedoch leider nicht berichtet. Es wird aber von Bremsspuren referiert, ohne etwas näher über deren Muster und die Substanz der Wegdecke zu verraten. Ich fragte einen Beobachter, ob er mindestens einige Mitgliederwagenmodelle oder Automarken der Wagenburg auf Ort und Stelle ausfindig machen konnte. Seitdem ich selbst nicht mehr Volvo sondern Skoda fahre, habe ich nicht die Bewilligung, einen Stellplatz an der Wagenburg zu beziehen, und seit der Finanzkrise lohnt es sich sowieso nicht mehr, mit eigenem Wagen zum Hügel hochzufahren.

Mein anonymer Beobachter mailt, dass unter den Wägen im Wagenburg u. a. die Marken Audi, BMW, Citroën, Fiat, Ford, Honda, Mercedes-Benz, Mitsubishi, Peugeot, Suzuki, Volkswagen, Volvo gewacht wird. Immerhin sehr global! Zu einem der Verteidiger mit M-B gibt er den folgenden Hinweis ab: „In einem nur 2-jährigen Bericht des Osloer Tageszeitung Aftenposten über das alternative Järna wird - der heute ehemalige Generalsekretär der AG in Schweden - Anders Kumlander zur Frage der Zukunftsfähigkeit der Anthroposophie interviewt. Kumlander sieht diese Gesellschaft, die er mit aufgebaut hat, ‚als eine Probegesellschaft, die den Menschen außerhalb zeigen kann, wie das Leben anders gelebt werden kann’.“

Die Geschichte der Bewegung und der Gesellschaft ist seit Dr. Rudis Tod sehr vielschichtig, verschlungen, diskrepant bis auf sich selbst widerstrebend. Nichtsdestotrotz sind die Anthroposophie und ihre Ernte, wie ich etwa in Schweden kosten durfte, auch in vieler Hinsicht zu einem Kulturfaktor geworden, der vom Markt nicht mehr wegzudenken ist. Nicht aber die Anthroposophische Gesellschaft brachte diese Anschwellung, sondern die darin tätigen Anthroposophen, insofern sie schafften, tatkräftige Initiative umzusetzen. Das Trio-Exempel Arne Klingborg/Åke Kumlander/Erik Asmussen zeigt allerdings eher auf ein günstiges Karma als auf ihre Verbindung mit der AG.

In einem nagelneuen Reportage in seiner neuen Wohnung mit Noblesse in Ytterjärna erzählt Kumlander nun: „Wir haben Spaß daran, mit diesem, was Interieur heißt, ein Milieu zu schaffen, wo wir uns zuhause fühlen, dann kann man nicht nur irgendetwas aufpflücken.“ Auf den Kumlander Junior hinweisend - er liebte viele Jahre sein Mercedes-Benz, und er mag als „Ambassadeur der Anthroposophie“ etwas geleistet haben - meines Erachtens unterscheidet sich einige Aspekte seiner Drangabe jedoch wenig von gewissen Fallfrüchten in der oft tragischen anthroposophischen Geschichte, wo die Erzeuger den Unterschied zwischen irgendwelchen bürgerlichen Idealen und den revolutionären Ideen der Anthroposophie nicht verstanden hatten. Was gäbe es da in der Wagenburg eigentlich zu verteidigen, wenn es sich als nichts anderes als egozentrischer Bourgeoisie enthüllt, wo man fortfährt, auf dem abgesägten Ast zu sitzen? Die Anthroposophie lässt sich kaum verteidigen. Entweder bestäubt sie menschliches Denken, Fühlen und Tun oder sie wartet auf andere Möglichkeiten, sich einen Leib und eine Identität zu verschaffen, da wo Tugend realiter lebt.

Seitdem der Steinersche Lebensbaum der menschlichen Weisheit mit 100 Jahresringen scheinbar rundweg abgepflückt und einige seiner dürr gewordenen Zweige abgesägt ist und die herangezogenen Impfer Ken Wilber, Andrew Cohen und N. D. Walsh & Co als unverträglich gefunden sind, könnte man unruhig werden, ob der Baum nun innerhalb der Wagengedränge überhaupt genug Licht bekommt, um weiter gedeihen zu können. Glücklicherweise wird der Fallfrüchtelager noch eine Zeitlang ausreichen, und es ist schön, dass keine Schlange sich davor bildet. Hüte sich, wer sich hüten kann vor Würmern in den Äpfeln und Birnen der Demeter! Ich als Wagenlenker bin mit meinen Transmissionen übrigens woanders hingezogen. Sie, die Sorte der Apologie, schmeckte mich nicht mehr und mein Flitzbogen habe ich zerbrochen.

Bild: Zeitgenössische Darstellung einer Wagenburg aus dem 15. Jahrhundert. Bildquelle: Wikipedia

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