Gamamila

2008/10/20

Der Sinn des Bügelns

Um mit dem lebendigen Rudolf Steiner zu kommunizieren, muss ich nicht zum Regal gehen und ein Exemplar seiner GA - Gesamtausgabe - herausholen. Diesbezüglich bin ich von jeglichem sinnlichem Medium unabhängig. Wenn ich aber beim Bügeln bin, ist es leicht, an ihn zu denken. Dieser Affinität zu Steiner beim Glätten jeglicher Kleider und Stoffe liegt nicht an den Kleidern selbst oder an irgendeiner Kleidungsfarbe (Dr. Steiner trug wohl durchgehend Schwarz-Weiss), die wir in unserer Garderobe haben, sondern sie bezieht sich auf meinen häufig gestriegelten Ätherleib oder genauer gesagt, an die Gedächtnisfähigkeit, die dort daheim ist.

Karin Ruths-Hoffmann

Ich liebe Bügeleisen, weil ich beim Bügeln uneingeschränkt die Möglichkeit habe, verschiedene Erinnerungen an- und nachzugehen. Ende der 1970er Jahre bügelte und faltete ich nicht nur meine eigene Klamotten während meines Kunststudiums in Järna (SE), sondern ich ging auch etwa einmal in der Woche zur Wohnung von Karin Ruths-Hoffmann, von vielen „Mor Karin“ genannt, um für sie zu bügeln. Währenddessen ich fleißig ihre Seidenblusen und Baumwollröcke in Form brachte, bereitete sie das Kaffeetrinken mit den sieben Sorten süßen Kuchen vor, und währenddessen redete sie in einem fort und erzählte von ihren Begegnungen mit Rudolf Steiner, Friedrich Rittelmeyer, Emil Bock und mit anderen prominenten Anthroposophen, die sie persönlich begegnet war und gekannt hatte. 

Noch heute beim Bügeln kommen mir diese schönen Stunden bei Karin in den Sinn. Die in Oberschlesien aufgewachsene Karin bekam das Glück, das zwölfte Schuljahr zu beziehen in der ersten Waldorfschule an der Uhlandshöhe in Stuttgart, wo sie Steiner erlebte. Sie hatte auch ein persönliches Gespräch mit ihm wegen der Frage der Berufswahl. Er geriet ihr, eine pädagogische Laufbahn einzuschlagen. Das tat sie auch, und mit ihrem späteren Ehemann baute sie in Schweden unter anderem einen Kindergarten auf.

Tierkreisgerechte Bestattung

In der Zeit als ich mit der damals etwa 75-jährigen Umgang pflegte, war ich Mitte meiner 20er. Ich war schon ausgebildeter Waldorflehrer und hatte einpaar Jahre heilpädagogische Erfahrung. Obendrein vertiefte ich mich gerade unter der Obhut von Arne Klingborg im künstlerischen Feld, und ich hatte vor, besonders das Malerische zu entwickeln. Karin schien, diese meine Pläne nicht sehr Ernst zu nehmen. Sie schlug mehrfach vor, dass ich eine Bestattungsfirma gründen sollte, weil gerade auf diesem Gebiet keine anthroposophische Initiative vorlag, und weil sie meinte, dass ich dafür sehr geeignet wäre.

Ich habe aber Karins Rat nie konkret aufgegriffen. Zwar bekam ich viele Jahre später in der Meditation bestimmte Tipps, als ich ernsthaft mit Fragen der Astrologie und mit der anthroposophischen Astrosophie arbeitete, Hinweise, die in Verbindung gebracht werden sollte mit verschiedenen Hölzern für einen Sarg, die sich beziehen sollten auf den genauen Zeitpunkt vom Anpflanzen und dem Absägen der Bäume, die den Planeten beigeordnet werden, aber diese Gesichtspunkte für eine Planeten- und Tierkreisgerechte Bestattung habe ich nicht umsetzen können.

Beim Bügeln kann ich solchen Erinnerungen aufbügeln und erneut über die vielen interessanten Aspekte der Bekleidungskunst ermessen. Der sich durch Reinkarnation entwickelnde Menschengeist bekommt durch die Bekleidungskunst eine Möglichkeit auf der Erde, etwas Verwandtes zu erleben, was er in geistigen Regionen durchgemacht hat, als seine Geistgestalt sich karmischer Züge nach dem Tode ‚entkleidete’, nach ‚himmlischen’ Maßen Umgewandeltes ‚anzog’ und es vor einer neuen Geburt mit dem zu ihm mit seiner Vergangenheit zusammengehörigen Zeitstil ‚ausstaffierte’. 

Die Beschaffenheit der Fläche

Verschiedene Kleidungsteile wie Mützen, Hüte, Barette, Kragen, Krawatten, Schals, Schulterklappen, Schließhaken, Knöpfe, Ärmel, Manschetten, Stolen, Ponchos, Westen, Schürzen, Gürtel, Hosen, Röcke sind sowohl aus erdbedingten, funktionellen wie auch aus kulturellen Anlässen entstanden. Sie haben dennoch Eigenschaften, die auf eine Verbindung zu geistigen Gesetzmäßigkeiten hinweisen. Als ich übersinnliche Naturwesen, Verstorbene und Geistwesen in ihren hervortretenden Gestalten und Silhouetten mit dazu gehörenden Attributen imaginativ geschaut habe, stieß ich auf interessante Parallelen zur Bekleidungskunst.

Als Student wurde ich als Pedant beschrieben, weil mein Quartier immer aufgeräumt war, und ich oft selbstgenähte, saubere, bunte und geglättete Kleider trug. Diesen Stil habe ich durch mein Leben aber nicht aufrechthalten können. Die Liebe zum Gebügelten hat sich jedoch erhalten. Warum bügele ich so gern? Warum mag ich nicht, wenn ein Tischtuch, eine Gardine oder meine schwarzen Jeans Wäschefalten haben? Auch die Blütenblätter vieler Blumenarten scheinen neu gebügelt zu sein. Wer bügelt hier? Die Verstorbenen? Vielleicht hängen Bekleidungskunst und Bügeln mit der Sterbekultur irgendwie zusammen? Sicher ist, dass die verstorbene Karin auf geistigem Feld hier eine Mission anstimmt, die sich beim Bügeln immer wieder kundtut. Der Sinn des Bügelns schleißst sich für mich im Bedenken der Beschaffenheit der Fläche, wodurch sich individuelle – sowohl menschliche, naturbedingte als auch geistige - Wesen in der Stoffmaterie kundtun können. 

Foto: Bügeleisen- oder Schneiderofen. Es ist mit Holz oder Kohle zu beheizen. Die Eisen sind nummeriert, um immer das jeweils heißeste Eisen herauszufinden. Die Griffe der Bügeleisen sind abnehmbar. Alter unbekannt. Einige solche Bügeleisen gab es auch auf dem Speicher meines Großvaters. Quelle: Wikipedia

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2008/08/29

Ich-Kunst und Karmaforschung

Ein aktueller Aufsatz aus dem Jahr 1994 

Zwischen 1979-94 schrieb ich eine Reihe von Aufsätzen und anderen Beiträgen in der inzwischen eingegangenen schwedischen Zeitschrift Antropos. Redaktorin seit 1975 bis ihrem Tod 2001 im Alter von etwa 90 Jahren war die Anthroposophin, Gefängnisdozentin und Publizistin Ingrid Sahlberg gewesen. Die damalige Monatszeitschrift war gegründet worden in den 50er Jahren als Organ der schwedischen anthroposophischen Landesgesellschaft. Von 1980 bis 1988 war ich Mitglied der Redaktion und pflegte auch einige Jahre die Aufgabe des Layouts und des Versands. Dabei wirkte der Künstler und Autor und spätere Masseur Didrik Wachenfeldt entscheidend mit. Der folgende Aufsatz erschien etwa ein Jahr vor meiner gedanklich-intuitiven Entdeckung meiner früheren Inkarnation im 12. Jahrhundert und zwei Jahre vor meinem im Wandeln unter unsichtbaren Menschen beschriebenen geistigen Durchbruch. Bei einem Besuch in Järna jüngst habe ich unter den dort aufbewahrten Skizzen, Notizen, Büchern und Zeitschriften vieles ausgemistet. Unter dem behaltenen Material befindet sich dieser wieder entdeckte Aufsatz, der mir mein damaliges spirituelles Engagement am Ende des 20. Jahrhunderts erneut vor dem inneren Auge stellte. Viele der einstigen Gedanken scheinen mir in diesen 14 Jahren nicht weniger aktuell geworden zu sein, weshalb ich eine deutsche Übertragung gemacht habe. Der jetzige Schritt dazu scheint gegen der damaligen Intention zu stoßen. Nichtsdestotrotz müsste einen neuen dritten Aufsatz zu diesen weiterhin hochaktuellen Fragen sich an den inzwischen stattgefundenen historischen und geistigen Veränderungen und an eventuellen Leserzuschriften orientieren.  

„Es ist eine Frage an mich gekommen, ob ich erneut einen Aufsatz publizieren möchte, der vor zehn Jahren geschrieben ist. Er behandelte Schritte in einem Lebensprozess, um sich mit dem zu verbinden, was wir Anthroposophie nennen, und was es existenziell bedeutet, die anthroposophische Sache zu repräsentieren. Dieser Aufsatz nochmals zu publizieren würde gegen seinem Absicht wirken, auch wenn das Inhalt weiterhin volle Aktualität hat. Der folgende Text ist ein Versuch, dieselben Fragen aus einer aktuellen Situation zu stellen. Der Ausgangspunkt ist eine Beschreibung eines individuellen, allgemeinen Erlebnisses des Ich verbunden mit dem Interessefeld für die Umwelt, und wie diese Beschreibung einen Anfang sein kann für Karmaforschung in Verhältnis zur Gegenwart und zur Geschichte. Meine These ist, dass eine solche Forschung künftig die einzige sichere Stütze sein wird für eine sinngemäße Urteilsbildung an der anthroposophischen Entwicklung. Die Darstellung ist wegen dem Charakter des Themas teils fragmentarisch, teils bildhaft und deswegen fehlt eine thematische Kontinuität…“ [weiter]

Abgelegt in Chronik

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