Gamamila

2009/06/15

Farbmeditation

Begegnen dem Geistwesen des Rots

Es ist außerordentlich empfehlenswert, Rudolf Steiners Angaben zu Farbmeditationen zu lesen, noch mehr aber, sie tatsächlich zu üben. Er stellt in einem Vortrag vom 1. Januar 1915 dar (in: Rudolf Steiner, Das Wesen der Farben, GA 291, Dornach 1976, Seite 96-111), wie der Übende beim Hineinleben in das Gelbe in ein Stadium der Evolution zurück versetzt wird, das noch in die Zeit vor der allerersten Inkarnation fällt.

Wenn wir uns meditativ mit den Farben beschäftigen, wird es allmählich deutlich, dass sie mit unterschiedlichen Ebenen der geistigen Welt, mit wechselnden Attributen des Göttlichen und mit bestimmten moralischen Fähigkeiten des Menschenwesens zu tun haben. Aus diesem Grund können wir auch begreifen, warum sowohl in vielen Mythen wie auch in der Bibel der Regenbogen nach der so genannten Sintflut als Zeichen eines erneuerten Bundes zwischen Gott und den Menschen an den Erdenhimmel gesetzt wurde. – Wenn wir in Meditationen innere Bilder und Vorgänge schauen, die Farbiges beinhalten, so dass wir mit Sicherheit sagen können, wie die Farbe erschienen ist, können wir diese als Grundlage für einzelne vertiefende Meditationen auswählen…[weiter]

Abgelegt in Forschung

Bild: Kasimir Malewitsch (1878-1935), Rotes Quadrat. Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen, 1915, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg. Quelle: Wikipedia

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2009/05/23

Impressionen aus Russland III


Wie Wünsche, wachsen die Häuser,
Doch blicke nur plötzlich zurück:
Wo einstmals ein weißes Gebäude,
Ein schwarzer Gestank dich bedrückt.

Die Dinge wechseln die Plätze,
Verschwinden unmerklich hinauf.
Du, Orpheus, verlorst deine Liebste, –
Die dir geflüstert: »Schau auf! … «

Ich verhülle mein Haupt mit Weißem
Und spring' in den Strom mit Geschrei.
Über der schwankenden Leiche
Ein Blümchen, süß duftend, erscheint.

5. November 1902

Alexander Blok

Die Autoreise nach Waldai

Nach einpaar ruhigen Tagen stand die Reise für das zweite Seminar in Moissejevitchi bei Waldai bevor. Wir starteten früh morgens, um eventuell den täglichen Stau auf den Moskauer Autobahnen zu vermeiden, was leider nicht ganz möglich war, wie es sich bald zeigte. Um aus der Metropole auf die Hauptstraße (M10) Richtung Nordwesten zu kommen, mussten wir zuerst ein Stück auf dem Autobahnring um Moskau fahren. Die M10 (Magistrale Nr. 10) ist eine Fernstraße, die von Moskau in nordwestlicher Richtung über St. Petersburg zur finnischen Grenze führt. Zwischen Moskau und St. Petersburg ist sie Teil des Europastraßennetzes mit der Nr. 105; zwischen St. Petersburg und der finnischen Grenze gehört sie der E 18.

Im Moskauer Stadtteil Khimki konnten wir endlich die Staustrecke verlassen. Wir passierten dann durch viele Dörfer und Kleinstädte u. a. Skhodnya, Dyrykino, Solnetschnogorsk, Klin, Bezborodovo und Gorodnya bis wir die Landeshauptstadt Twer erreichten. Nach Bezborodovo passierten wir über eine lange Brücke dem sogenannten Moskauer Meer. Eigentlich heißt er der Iwankowoer Stausee und liegt am oberen Wolgalauf. Das hier befindliche Laufwasserkraftwerk mit Kaplan-Turbinen produziert jährlich 130 Mio. kWh elektrischer Strom. Eine der Städte am Stausee heißt Dubna. Hier befindet sich das weltweit bekannte Vereinigte Institut für Kernforschung, an dem mehrere radioaktive sogenannte Transurane erstmals synthetisiert wurden.

Später passierten wie die Orte Torschok, Vyshniy Volochek, Krasnomayskiy, Bakhmara, Kurskoye, Kolomno, Khotilovo, Kuhzenkino und Makarovo. Zwischen Vypolzovo und Edrovo fängt ein Nationalpark an, der das ganze Gebiet mit und um den Waldaihöhen umfasst. Es kamen weitere Dörfer: Nowaya Sitenka, Staraya Sitenka und Dobysalvo. Nach Zimogor’e biegten wir ab einpaar Kilometer auf eine Nebenstraße Richtung Osten, um in die Stadt Waldai zu fahren. Später bei Yashelbitsy verließen wir M10, Richtung Südwesten, um durch die Dörfer Varnitsy und Dorovichi zu fahren. Dann erreichten wir endlich Moisejewitschi nach insgesamt etwa 8 Stunden Autofahrt, nachdem wir nur eine längere Esspause bei Vyshniy Volochek eingepasst hatten… [weiter]

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Bild: Frederico Cervelli (1625-98), Orpheus und Eurydike. Quelle: commons.wikimedia.org

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2009/05/16

Impressionen aus Russland II

„’Veränderungen!’ ist die Forderung unserer Herzen. ‚Veränderungen!’ ist die Forderung unserer Augen. In unserem Lachen, in unseren Tränen und im Puls der Adern ‚Veränderungen! Wir wollen Veränderungen!’“

Wiktor Zoi

Die krause Stimme der 1990 durch einen Autounfall verstorbenen russischen Rockmusiker, Poet und Schauspieler Wiktor Zoi klingt aus der CD vertraut, anspornend und durchdringend, auch wenn ich zunächst keine seiner mit Glut und Gefühl gesungenen, russischen Worte begreife. In einer Ruhezeit nach dem ersten intensiven Karmaseminar in Moskau und vor meinem ersten öffentlichen Vortrag dort hatte Anna Gussinskaias Sohn, Arkadij, sechs Jahre alt - wie aus einem höheren Bewusstsein – seine Musik mit der sowjetischen Pioniergruppe des russischen Rocks, Kino, aufgelegt. Diese einfache und meisterhafte Musik kannte ich bereits flüchtig, aber jetzt drang sie mit voller Kraft in meine Seele ein und mischte sich mit meinen ersten Eindrücken auf russischem Boden, sodass ich einfach die inneren Ohren aufschlagen und mich aufrichten konnte gegenüber das russische Phänomen schlechthin… [weiter]

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Bild: Maximilian Woloschin, Aquarell. Quelle: watercolor.narod.ru

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2009/04/08

Durchchristetwerden

Der Willensweg zu Christus

Christus ist wiedergekommen. Er ist mit der ätherischen Erde vereinigt. Um ihn zu schauen, muss die menschliche Seele sich entwickeln. Wie gewinne ich denn ein Verhältnis zu ihm? In diesem Osterbeitrag möchte ich kurzerhand skizzieren, wie der Willensweg zu Christus durch Lebensphasen der Befremdung und der karmischen Prüfung gehen. Die Ausweitung dieses wichtigen Lebensthemas könnte übrigens ein ganzes Buch füllen.

Christologie, anthroposophisch begriffen und meditativ geübt, kann zu erstaunlichen Erlebnissen führen. Geknüpft mit Biographiearbeit und Rückblick regt sie hin und wieder zu überraschenden imaginativen Begegnungen mit Engelartigem. Für das neue Christus-Ereignis, das tatsächlich ätherisch dauernd vorangeht, beschrieb Rudolf Steiner, dass Christus dann den Menschen quasi innerhalb der eigenen Erinnerung als engelartiges Wesen erscheint. Er benutzte für diesen Anfachungsprozess den Begriff ‹Durchchristetwerden›...[Weiter]

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Dieser Beitrag wurde von anthromedia.net übernommen.

Bild: El Greco (1541-1614), Christus am Ölberg. Originalformat 103 x 132 cm. Entstanden um 1605. Quelle: kunstbilder-galerie.de

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2009/03/23

Ungeteilte Aufmerksamkeit

Christian Moos schickte mir die folgende Email, die ich gerne weitervermitteln möchte:

Strohhaus-Veranstaltungen

Liebe Strohhaus-Freunde,

vor zwei Tagen hatten wir zwei sehr gelungene Veranstaltungen im Strohhaus:

Seminar & Vortrag mit Roland van Vliet, der uns auf einzigartige Weise in die verjüngende Lebenskunst der „Ungeteilten Aufmerksamkeit“ einführte, die uns die Kraft gibt, den „Alltag zum Gelingen“ zu machen.

Die Aufmerksamkeit wird deshalb als „ungeteilt“ bezeichnet, weil sie sich gleichzeitig auf die Innen- und auch die Außenwelt bezieht und dadurch zwei Kulturströme in der Herzenswachheit miteinander verbindet: aus dem Osten kommend die kontemplative Haltung mit der im Westen kultivierten aktiven Ausrichtung auf die äußere Welt. Wir machten Übungen sowohl in der Natur als auch in der Menschenbegegnung und es wurde für die Teilnehmer zu einem sehr berührenden Erlebnis, was für starke Liebeskräfte durch diese Haltung zum Strömen gebracht werden können!

Seine eindringlichen - aber auch durchaus poetischen Ausführungen zu den heilsamen Möglichkeiten des manichäischen Impulses für die Gegenwart und Zukunft waren ebenfalls sehr inspirierend, da Roland van Vliet ganz aus dem Herzen spricht und damit auch die Herzen seiner Zuhörer zu öffnen vermag.

- Als kleine Nebenbemerkung kann ich an dieser Stelle meine Empfindung äußern, dass ich den Eindruck habe, hier im "linksrheinischen Saarland" sind die Menschen sehr fähig, die Herzenssprache zu verstehen und auch selber zu sprechen.

Akademie für persönliche Meisterschaft und ethische Kommunikation
Und so kann ich mit dieser Mail schon die „frohe Kunde“ verbreiten, dass bereits für den kommenden 2. Juli eine Fortführung der Herzensarbeit geplant ist, wo Roland van Vliet wieder ins Strohhaus kommt. - Es wird dann wiederum um die ungeteilte Andacht gehen in Verbindung einer praktischen Umsetzung der „Philosophie der Freiheit“ von Rudolf Steiner. - Der weitere Termin stand ja bereits fest: 29. Oktober 2009 und dann wird schon jetzt ins Auge gefasst, dass im März 2010 neben dem Quellhof auch hier im Saarland eine „Akademie für persönliche Meisterschaft und ethische Kommunikation“ stattfinden könnte, wenn wir hier 12 - 15 Menschen finden, die 2 Jahre lang an solch einer Schulung teilnehmen wollen. (Siehe auch: www.manisola.eu)

- Soweit zur thematischen Intention des Strohhauses, den Manichäismus in der heutigen Zeit neu zu verbreiten, wobei abschließend dazu noch gesagt werden kann, dass der Vortrag am 2. Juli auch schon dem Übergang von Mani zu Christian Rosenkreuz gewidmet sein wird. Als nächstes findet im Strohhaus dann

Einstimmen aufs Karma
Seminar mit Jostein Sæther statt:

Freitag, 27. März 2009 , 20 - 22 Uhr
Samstag, 28. März 2009 , 10 - 13 / 15 - 18 Uhr
Sonntag, 29. März 2009 , 10 - 14 Uhr

Das wird auch eine sehr intensive und bereichernde Arbeit werden und ich kann verraten, dass noch Plätze frei sind. Karmaarbeit ist ein behutsamer, liebevoller Blick in die eigene Seele, die ja alle vergangenen Erfahrungen - auch die aus vergangenen Erdenleben - in sich trägt. Anmeldung bitte unter: www.im-Strohhaus.de

Das neue Übungsbuch (ISBN 978-3-89979-084-9) von ihm selbst mit demselben Titel bildet die Grundlage des Wochenendseminars.

Heilsamer Blick und SprechLust
Am darauf folgenden Wochenende möchten wir „Strohhaus-Initiatoren“ unsere ganz eigenen Fähigkeiten einbringen mit dem Einführungs-Seminar in die Kunst des heilsamen Blickens

und dann mit SprechLust in die Kunst der heilsamen Rezitation.

Zum Heilsamen Blick Seminarplakat und zum SprechLust Seminarplakat

Beides, der Blick und die Sprache, soll von Herzen kommen um heilsam sein zu können - bei der Sprache bedienen wir uns der Poesie, um beim Sprechen die Seele öffnen zu können. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie die eine oder andere Veranstaltung besuchen könnten - und wenn möglich noch dazu die Plakate, die sich in den Links befinden, ausdrucken und an sinnvoller Stelle aufhängen würden. Wer es nicht selbst ausdrucken kann, darf sich melden: wir verschicken sie auch - dafür aber bitte bei uns melden.

Und als letztes: Wer jemanden kennt, der/die an solchen Veranstaltungen auch interessiert sein könnte, der darf diese Mail gerne weiterleiten.

Herzliche Grüße

Christian Moos & Iris Madenach

Foto: Roland van Vliet. Er gründete „Manisola“ - das philosophische Institut für Persönliche Meisterschaft und lehrt innerhalb dieser mobilen Akademie an verschiedenen Orten in Holland und in Deutschland. Er ist Philosoph und Erwachsenenbildner, hält Vorträge über geistige Strömungen, steht als Spontan-Philosoph auf der Bühne und ist Reiseleiter für besondere Kulturreisen. Buchveröffentlichung u. a.: „Der Manichäismus – Geschichte und Zukunft einer frühchristlichen Kirche“. Quelle: quellhof.de

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2009/03/19

Körperbewusstsein und Zeitreise II

Zurückwandlung in frühere Zeiten 

Ist es befugt, der Begriff ‹Zeitreise› für eine geisteswissenschaftliche Erforschung früherer Zeiten zu benutzen? Kann man überhaupt geistesforscherisch und detailliert die früheren Zeiten und die ehemaligen sinnlich-physischen Verhältnisse ermitteln? Ich behandele in diesem zweiten Aufsatz zum Thema ‹Körperbewusstsein und Zeitreise› diese Fragen im Hinblick auf brisante Aussagen Rudolf Steiners und was meiner eigenen individuellen meditativen Arbeit anbetrifft.

In den Auseinandersetzungen um die Schauungen von Judith von Halle wird der Begriff ‹Zeitreise› benutzt, um auf die Art hinzuweisen, wie sie bestimmte Ereignisse zur Zeitenwende erlebt. Ist es befugt, dieser Begriff zu benutzen für eine geisteswissenschaftliche Erforschung der Vergangenheit und für das Geist-Erleben früherer Inkarnationen, falls es um eigene karmische Motive geht? Und kann man in der Geistesforschung überhaupt die früheren Zeiten und die ehemaligen sinnlich-physischen Verhältnisse detailliert ermitteln bis auf Gesichtszüge, sprachliche Inhalte und Denkweisen?

Ich möchte zeigen, dass die geistige Forschung sehr präzise Auskünfte machen kann auch in Bezug auf ehemalige, physische Zustände. Auf Basis des eigenen meditativen Übens werden die Angaben von Rudolf Steiner sehr schlüssig... [Weiter]

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Bild: Bologna im Mittelalter, sichtbar ist der sogenannte „Wald von Türmen“. 1164 trat Bologna in den Lombardenbund gegen Friedrich I. Barbarossa ein, 1256 verkündete die Stadt die Legge del Paradiso (Paradiesgesetz), das Leibherrschaft und Sklaverei abschaffte und die verbleibenden Sklaven mit öffentlichem Geld freikaufte. 50.000 bis 70.000 Menschen lebten zu dieser Zeit in Bologna und machten die Stadt zur sechst- oder siebtgrößten Europas nach Konstantinopel, Córdoba, Paris, Venedig, Florenz und möglicherweise Mailand. Das Stadtzentrum war ein Wald von Türmen: Schätzungsweise 180 Geschlechtertürme der führenden Familien, Kirchtürme und Türme öffentlicher Gebäude bestimmten das Stadtbild. Quelle: Wikipedia

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2009/03/08

Körperbewusstsein und Zeitreise I

Gibt es im Gehirn ein Organ für karmische Erinnerung?

Rudolf Steiner sprach in London am 1. Mai 1913 von einem künftigen Organ im Gehirn, das für die Erinnerung an frühere Erdenleben gebraucht werden würde. Gibt es schon ein solches physisches Karma-Organ? Ich möchte in diesem ersten von zwei Aufsätzen zum Thema ‹Körperbewusstsein und Zeitreise› diese kontroverse Frage behandeln im Hinblick auf Erinnerungen an früheren Erdenleben in unserer Zeit und bezüglich der modernen Hirnforschung, die das Gedächtnis lokalisiert haben will.

Die aktuelle Diskussion zum Thema ‹Stigmatisierung und Christuserkenntnis› wirft Fragen auf in Bezug auf den Zusammenhang zwischen ‹Körperbewusstsein› und leibfreier Geist-Erkenntnis. Ich werde in zwei Beiträgen zwei Aspekte diskutieren, die eine Perspektive für weitere anthroposophische Forschung geben könnten. Dabei möchte ich anknüpfen an Angaben von Rudolf Steiner, die, soweit ich die anthroposophische Sekundärliteratur kenne, bis jetzt kaum berücksichtigt wurden. Der erste Aspekt berührt die Frage, inwiefern der physische Leib betroffen ist bei übersinnlichen Wahrnehmungen und bei Geist- und Karmaerkenntnis. Der nächste Aufsatz wird sich befassen mit der sogenannten ‹Zeitreise› und mit der Frage, ob und wie das Geist-Erleben respektive die geistige Erforschung detailliert ermitteln kann früherer Zeiten und ehemaliger sinnlich-physischen Verhältnisse. Einleitend möchte ich aber einen Hintergrund zum Auftauchen karmischer Erinnerungen in der Gegenwart geben… [Weiter]

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Bild: Aplysia californica, ein Lieblingstier der Gedächtnisforschung. Quelle: Wikipedia

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2009/02/09

Der Balken in meinem Auge

„Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: "Lass mich den Splitter aus deinem Auge hinauswerfen" und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

Matthäus Evangelium 7,3-5


Rückschau auf mein letztes Lebensjahr

Kürzlich feierte ich meinen 55. Geburtstag. Darüber ist wenig zu erzählen, da ich keine Wichtigkeit daraus machte, sondern im kleinen familiären Rahmen nur ein festliches Essen in der Pizzeria eines Freundes verabreichte. Meine aus Schweden angereiste, älteste Tochter sang mir einpaar Lieder vor, und am Abend lauschten wir Klezmer-Musik in einem Saarbrückener Minitheater. In Anbetracht des Gaza-Krieges schafften diese Melodien eines abgelaufenen Jahrhunderts einen raufenden Klangboden in meiner ohnehin erschütterten Seele.

Eventuell wäre mehr zu sagen über die einfache Tatsache, dass meine Website trotz flüchtigen Unterbrechungen
1 Jahr lang bestanden hat. Wer dieses Unterfangen begleitet, wird schon wissen, was damit versucht wird. In den Texten, die ich auf der Site und im damit seit dem letzten Frühjahr angedockten Blog veröffentlicht habe, ist ebenfalls soviel gezeigt worden, was mein Anliegen ist, dass es darüber auch wenig Neues zuzufügen gäbe. Wenn ich dessen ungeachtet aus meiner Rückschau des letzten Lebensjahres eine Handvoll Motive herausnehme und sie quasi „um die Finger wickele“, ginge es um die folgenden Angelegenheiten: das Esoterische in der Sprache, die Öffentlichkeit, Dialoge, die Karmagesinnung und der karmische Zentralkonflikt.

Zu versuchen, ein Geist-Erleben, das im reinen Denken, im dynamischen Fühlen und im schöpferischen Wollen erfasst wurde, in kommunizierbaren Formen der Sprache zu übersetzen, gleicht einer Daumenarbeit. Wenn der Daume nicht geschickt anpackt und das Werkzeug mit Fug und Recht manövriert, wird der im Holz angeschlagene Nagel krumm, oder der Faden findet nicht sofort den Weg durch das Nadelöhr. Bin ich ganz alleine mit meinen geistigen Erfahrungen, kann ich gut schweigen. Möchte ich sie aber kommunizieren, brauche ich das Fingerspitzengefühl - und noch mehr, wenn ich im öffentlichen Raum eine esoterische Verständigung übe. Der Intuition des Zeigefingers kann spüren, wo es vielleicht augenblicklich nur angebracht ist, etwas anzudeuten, weil es später besser sein könnte, etwas mehr darüber zu entschleiern.

Bei jeder Begegnung brauche ich das innere Gleichgewicht, und ich muss die Kunst der Mäßigung lernen. Besonders wenn es sich herausstellt, dass ich bei jemand eine andere und vielleicht ungewohnte oder kontroverse Auffassung finde, die ich begreifen und respektieren muss, um ins Gespräch zu kommen, falls der andere das möchte, kann die Diskussion für Dritte nur fruchtbar werden, fall ich meine Worte aus Besinnung wähle. Der Langfinger kann dafür ein Gespür haben. Der Ringfinger nun darf der Karmagesinnung entsprechen, weil ich mich in Freiheit und Liebe mit dem geistigen Wesen des Gesprächspartners, des Seminarteilnehmers und des Kontrahenten verbinden möchte „bis der Tod uns scheidet“, auch im Falle er mir seinen Rücken zuwendet.

Zusätzlich zu den Aufgaben, um mehrere karmischen Beziehungen wieder aufzunehmen plus z. B. ein besonderes Berufskarma anzugehen, betrat jeder Mensch seiner jetzigen Inkarnation mit dem Vorsatz, einen karmischen Zentralkonflikt anzupacken.
Es liegt dieser Konflikt quasi dem Kleinfinger unter dem Nagel, aber jene ist meistens so groß und unbewusst, dass er ein ganzes Leben fast nicht bemerkt wird. Nur wenn man den kleinen Nagel sozusagen bricht, oder, wenn er durch großen Schmerz herausgerissen wird, offenbart sich dieses Karma wie riesige Niagarafälle.

Anfang Februar 2008 wurde ich per Website online sichtbar und Mitte April erschien mein zweites Buch beim
Verlag Ch. Möllmann. Vor diesen Veröffentlichungen lagen Jahre der minutiösen Vorbereitung von Texten, Bildern und von Designvorschlägen. Wie das alles ständig inmitten des inneren „Dialogs“ mit der geistigen Welt stand und steht, gehört zu meiner individuellen Esoterik. Durch diese publizistischen Schritte stärkte sich aber mein Mut, sodass ich meine Hand neu hinein in viele lebendigen, erstarrten oder brennenden Herden in der anthroposophischen Szene steckte. Die manchmal polemischen Auseinandersetzungen mit Sebastian Gronbach, Mieke Mosmuller, Sebastian Jüngel und Holger Niederhausen zeigen eine, die Übersetzungen aus dem Skandinavischen eine andere Seite der Bemühung um Dialogbereitschaft und des Versuchs, Hinweise auf bedeutsame Aspekte des anthroposophischen Denkens und Kulturlebens zu geben.

Sowohl während einiger Reisen nach Portugal, Norwegen und Italien als auch durch neue E-Mailkontakte lernte ich viel Neues kennen über spirituell suchenden Menschen, über ihre oft verzwickten Familienzusammenhänge, schwere Krankheiten, komplizierte Lebensverhältnisse und etwas über ihre karmischen Vorleben. Die Würde des Einzelnen lernte ich dadurch immer mehr zu achten, um daraus die Karmagesinnung so zu „steigern“, dass Erkenntnisse daraus geboren werden konnten, die für jeden fruchtbar sein können. Bei allen diesen Begegnungen und Aufgaben zuhause und unterwegs, ohne viel Geld zu verdienen, lebte ich stets mit den Fragen: Wie verhalte ich mich am besten? Wie kann ich helfen? Wen kann ich nach seiner Art am besten unterstützen? Was wird noch kommen? Was kann sich daraus weiter entwickeln, sodass die soziale Frage immer mehr Fundament bekommt für neue Perspektiven des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit? Die vier Reisen nach Italien öffneten ebenfalls durch die großartige künstlerische Herausforderung etwas Vielversprechendes für die Zukunft. Überraschend leuchtete gleichzeitig der Schicksalsstern wieder und diesmal stärker als je hinunter auf mein Leben: Durch die persönliche Unsicherheit und das „Versagen“ eines einzigen Menschen schien diese Möglichkeit einer künftigen Teamarbeit sich wieder total durch die Finger zu schlüpfen.

Das Glück in diesem Unglück ist nun, dass ich auf meinen individuellen zentralen karmischen Konflikt aufmerksam geworden bin. Durch den „Splitter“ im Auge meines italienischen Auftraggebers wurde der „Balken“ in mir selbst spürbar. Seit Mitte Dezember leide ich außerdem buchstäblich von einer schwerwiegenden Augenentzündung. Unterstützt durch die Therapie der
psychosomatischen Energetik versuche ich diese Krankheit als Symptom zu lesen für die Tendenz bei mir, „ die Realität (der sinnlichen Welt) nicht sehen zu wollen. Damit werde ich sicher die nächsten 55 Jahre inklusive des kommenden Lebensjahrs beschäftigt sein. Für heilende Zuwendung daraufhin bin ich jederzeit offen!

Die karmischen Hintergründe zu diesem Inkarnationskonflikt kenne ich schon seit Jahren, aber mir war noch ganz wenig bewusst, dass ich wegen solchen früheren „Kollisionen“ mit der Welt dermaßen mich vor der zivilisatorischen Normalitäten der gegenwärtigen Welt schütze, dass daraus erfolgen kann, dass nur ganz wenige Menschen, etwas mit mir anfangen können oder wollen. Wir könnten dieses karmische Dilemma, das auch Rudolf Steiner in Zusammenhang mit den Inkarnationsschwierigkeiten der Platoniker beschrieb, als das „Anti-Karrierist-Syndrom“ bezeichnen. Es ist eine Art Blindheit vor den wirtschaftlichen Gefügen, die unserer Kulturepoche eigen sind. Heute, wenn die vielen alten Gesellschaftsstrukturen, die eigentlich der letzten Epoche vor der Renaissance gehörten, zerfallen und Platz für Neues freimachen, könnte es langsam möglich werden, sich mit einer Gesellschaft zu verbinden, die dem eigenen Wesen verwand sind. Wie und wo entsteht diese für alle Menschen und für mich weltoffene
Friedensgesellschaft?

Bild: Karel van Mander (1548-1606), Die Mäßigung Scipios (1600). Er war ein Dichter, Schriftsteller, Maler und Zeichner aus Westflandern. Im Jahr 1604 verfasste Karel van Mander sein bekanntestes Werk, das Schilder-Boeck („Maler-Buch”), die erste nördlich der Alpen erschienene kunsttheoretische Schrift. Publius Cornelius Scipio Africanus (236-183 v. Chr.), der Überwinder Hannibals im zweiten Punischen Krieg, verband mit den profilierten Talenten eines Feldherrn einen durch Wissenschaften gebildeten Geist. Wenn er sich durch Tapferkeit und List seinen Feinden furchtbar machte, so wusste er sich auf der andern Seite durch seine Mäßigung die Liebe der Überwundenen zu erwerben. Er verstand die große Kunst, sich durch Milde und weise Strenge des Gehorsams seiner Untergebenen zu versichern, und die unterschiedlichsten Menschen und Völker für seine Zwecke zu gebrauchen. Quelle: Wikipedia

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2009/02/02

Ein Lichtkeim in Russland

In Vorbereitung auf meine geplante, erste Reise nach Russland Ende April hat Anna Gussinskaia ausgesuchte Abschnitte aus meiner Website ins Russische übersetzt. Anna ist eine professionelle Übersetzerin, die viele Jahre als Lehrerin im Goetheinstitut in Moskau arbeitete. Oft kommt sie nach Mitteleuropa gereist, einerseits, um als Dolmetscherin für russische Teilnehmer bei Tagungen in Dornach zu arbeiten, andererseits, um für das eigene Geschäft in Moskau Naturprodukte einzukaufen. Ihr Betrieb heißt Naturalia – die 12 Sinne. Anna steht mitten drin in der anthroposophischen Arbeit in Russland; u. a. machte sie mit am Start des vielseitigen Projekts Serno Sveta.

Mein Besuch in Moskau wird eventuell mit einer Reise zu den Waldai-Höhen im Herzen von Russland ergänzt. Zwischen St. Petersburg und Moskau, am Ufer eines großen Sees befindet sich die Provinzstadt Waldai. In deren landschaftlich malerischen Umgebung gibt es eine Menge verlassener Dörfer. In einem dieser sterbenden Dörfer mit dem Namen Moiseevitchi arbeiten die russischen Initiativträger mit einigen Interessenten und Praktikanten aus Deutschland zusammen in der landwirtschaftlich-pädagogischen Initiative „Lichtkeim“ (rus. Serno Sveta). Auf dem Blog von Serno Sveta wird die Initiative mit mehreren Fotos beschrieben.

Foto: "Die biodynamischen Präparate entsprechen dem Opfer am Altar eines Tempels." Die Arbeit mit biodynamischen Präparaten in Moiseevitchi (RU).  Quelle: serno-sveta

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2009/01/08

Das Wetter und frühere Rechtsverhältnisse

Vor Weihnachten deutete ich an, dass ich während meinem letzten Arbeitsbesuch in Italien einen gewissen Schicksalsschlag erfuhr. Um darauf einmal künftig nicht nur persönlich, sondern auch dokumentarisch zurückzukommen, möchte ich demnächst einige zur Einstimmung gedachten Fragen anschlagen, die den heiklen Vorfall zu einem allgemeinen Beispiel erheben könnte. Bei diesen Ereignissen spielte das Wetter mit Kälte und darauf folgendem Gewitter und Sturm eine bestimmte verhängnisvolle Rolle, indem es von einigen der Anwesenden als Ausdruck oder Spiegel für innermenschliche Befindlichkeiten und geistige Tatsachen gedeutet wurde. So möchte ich hier auf zwei Vortragsstellen bei Rudolf Steiner hinweisen, die zeigen, dass das Wetter etwas mehr ist, als nur das Äußere, das uns manchmal plagt oder erfreut.

„Die Art und Weise, wie heute auf der Erde Wind und Wetter verlaufen, wie also der Rhythmus unseres äußeren Klimas sich vollzieht, ist im wesentlichen das Fortschwingen von Rhythmen, die durch das Rechtsleben im sozialen Organismus vergangener Zeiten veranlasst worden sind. Dasjenige, was als Rechtsgebiet sich um uns herum entwickelt, ist nicht etwas bloß Abstraktes, was die Menschen begründen, was entsteht und wieder verschwindet, sondern das, was zunächst ideell ist was zunächst im Rechtsgebiete lebt, es lebt in einer späteren Zeit des Erdendaseins in der Atmosphäre, in den Schwingungen, in der ganzen Konfiguration, in den Bewegungen der Atmosphäre.“

(Aus: Rudolf Steiner, Geisteswissenschaft als Erkenntnis der Grundimpulse sozialer Gestaltung, GA 199, Dornach 1985, Seite 218)

„In den wetterwendischen Kräften der Erdatmosphäre, in dem leben unzählige geistige Wesenheiten, die in dem Elementarreich die Erde umspielen, niedere Geister, höhere Geister. Da draußen sind es die Luft und Wassergeister, die Feuer und Erdgeister, die da wirken im elementarischen Reiche, und die eigentlich den Egoismus der Erde darstellen. In uns selber sind es die elementarischen Kräfte. Aber diese wechselnden Kräfte in uns, die unser Alltagsleben regeln, das sind Embryonen, sind Keimwesen, die, nur als Keim, aber doch als Keim gleichen den elementarischen Wesen, die draußen in allem Wetterwendischen enthalten sind. Wir tragen die Kräfte derselben Welt in uns, indem wir denken, fühlen und wollen, die als dämonische Wesen im elementarischen Reich in Wind und Wetter draußen leben.“

(Aus: Rudolf Steiner, Die Welt des Geistes und ihr Hereinragen in das physische Dasein. Das Einwirken der Toten in die Welt der Lebenden, GA 150, Dornach 1980, Seite 112f)

Die Januarkälte

Das hier abgebildete Januarbild (beim Klicken auf das Bild erscheint es auf dem ganzen Bildschirm) aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry ist das bedeutendste illustrierte Manuskript des 15. Jahrhunderts. Das reichhaltig verzierte Werk enthält 208 Blätter, von denen etwa die Hälfte ganzseitig illustriert ist. Wegen dieser prächtigen und kunstvollen Ausgestaltung zählt das Buch zu den größten Meisterwerken der Buchmalerei. Besonders die Kalenderblätter besitzen durch ihren Detailreichtum außerdem einen hohen authentischen Wert für die Kenntnis der Kultur der damaligen Zeit. Das Originalmanuskript befindet sich heute im Museum des Schlosses Chantilly bei Paris.

Interessanterweise zeigt die Tapisserie, die den Bildraum nach hinten abschließt, angeblich eine Szene aus dem Trojanischen Krieg, ausgeführt in den Kostümen der Entstehungszeit des Blattes um 1400. Somit kann man den Eindruck bekommen, dass ein einstiges historisches Ereignis mit dem unmittelbaren jahreszeitlichen Bedingungen der Januarkälte zu tun haben könnten gemäß der Schilderung oben von Rudolf Steiner. Auf diesem Kalenderblatt wird die besondere Rolle des auf der blauen Sitzbank sitzenden Herzogs durch den Wandschirm betont, der ihn vor der Hitze des Feuers schützen soll. Der gelbliche Schirm wirkt wie ein Nimbus, vor dem sich seine blaue Festkleid und die Pelzmütze dekorativ abheben.

Ein in den goldenen und roten Farben des Baldachins bekleideter Zeremonienmeister (links vom Herzog mit Stab) ruft die Zugelassenen zu einem Neujahrsempfang herbei. Die Eintretenden heben die Handflächen zum Feuer, um sich zu wärmen. Diese Geste war im Mittelalter so selbstverständlich, dass das Feuer selbst als sichtbare Erklärung nicht notwendig war, oder wie hier nur angedeutet ist. Die Strohmatten auf dem Fußboden schützen gegen die Kälte, und unter den neu Eingetretenen befinden sich noch zwei Männer mit grauen Wollmützen, die den Winter akzentuieren.

Bild: Monat Januar. Aus dem Stundenbuch des Herzogs von Berry (französisch Les Très Riches Heures du Duc de Berry bzw. kurz Très Riches Heures). Quelle: Wikipedia

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2008/12/23

Eine andersartige Weihnachtsgeschichte

Weihnachten zu feiern, bedeutet ebenfalls, sich mit der eigenen Kindheit und Kindheitskräften in Verbindung zu bringen. Im Bild der Reinkarnation heißt das auch, auf viele zurückgelegene Kindheiten, die ich in früheren Zeiten durchlebt habe, zurückschauen zu dürfen. Mein Kindsein steckt solchermaßen in meinem Wesen drinnen als eine vielschichtige Begebenheit, als eine Quelle, aus der viele Ströme fließen. Der Weihnachtsbaum mit den vielen Ästen, die sowohl zur Erde sich neigen als auch sich zur Himmel emporheben, die alle geschmückt sein dürfen, kann auch ein Gleichnis sein von diesem kindlichen Geheimnis.

Im Geheimnis der Geburt, wo das neugeborene Kind zum ersten Mal auftaucht, steckt auch ein Abglanz des Sterbens drin. Nicht nur vom Himmel, von den vorgeburtlichen, übersinnlichen Sphären muss die Menschenseele sich losreißen, sich quasi vom Himmlischen erlöschen lassen, um im Fleisch geboren zu werden, sondern sie muss auch dasjenige, was mit in den letzten Tot ging, mit sich tragen, um es in verwandelter Weise zur Erscheinung zu bringen. Manchmal können wir in neugeborene Babys den Weisen, oder sogar den Uralten schauen etwa im Blick oder im ganzen Gesichtsausdruck.

Wenn es uns in der Karmaforschung gelingt, mehrere Leben nacheinander zu erforschen, das Sterben in einem Leben zu begleiten und im Wiederauftauchen in einem neuen Leben dieselbe Individualität zu erleben, können wir echt neue Aspekte des Weihnachtsmysteriums bekommen. In der folgenden Geschichte leuchten solche Elemente durch. Da blicken wir hinein in die oft sehr tragische gemeinsame Geschichte von Europa, Afrika und Amerika, das aber in diesem Fall durch die Mitwirkung der Schicksalsmächte zu etwas Fruchtbares für unsere Gegenwart verwandelt wurde.

Die aufgezwungene Verlassenheit
Jemand, der in einer Initiative tätig war, die den Impuls verfolgte, eine Einrichtung für Menschen in der letzten Phase des Lebens aufzubauen, entdeckte eine Inkarnation, in der er das ganze Leben auf einer Insel in totaler Isolation von anderen Menschen leben musste. Als Junge spielte er damals oft allein am Ufer einer Bucht auf einer von tropischem Wald bedeckten Insel…[weiter]

Aufgelegt in Forschung

Paula Modersohn-Becker, Kinderakt mit Goldfischglas (1906/1907). Quelle: Wikipedia

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2008/11/23

Ich-Begegnung in der Musik

Gelegentlich konnte ich die neuen Musikinstrumente von Gunhild von Kries hören und sie selbst ausprobieren. Das sind Saiteninstrumente, die mit dem Begriff Tachtivirta (finnisch: Sternenstrom) benannt werden. Diese durch plastisches Schnitzen gefertigten Instrumente werden entweder aus einem Stück Holz, z. B. Birke, Eiche oder Linde, oder auch aus Hölzern von zwei oder auch drei verschiedenen Holzarten gebaut. Ihre künstlerische und geisteswissenschaftliche Ansatz hat Gunhild in einem Buch niedergelegt (Gunhild von Kries, Zeit heilt. Begegnungen mit dem Klang der Zeit, Oratio Verlag, Schaffhausen, 2003).

Beim Spielen und Anhören dieser Saiteninstrumente, die mit Fiedelbogen gespielt werden, bekam ich einmal ein seltsames Ich-Erlebnis, was ich in dieser Art sonst nie erfahren habe. Ich erlebte mich selbst so, als ob ich getragen wurde und mich dabei ganz geborgen fühlen konnte, gleichzeitig aber auch in einer vertikalen Wachheit aufrecht gehalten wurde. Deswegen wollte ich meditativ nachforschen, ob ich einen karmischen Hintergrund entdecken würde, der mit diesen musikalischen Affinitäten zu tun haben könnte. In einer Meditation kam ich in das Leben des Griechen Agamon, des späteren Wagenlenkers, hinein, das heißt in eine meiner Inkarnationen, die ich in meiner karmischen Autobiografie beschrieben habe.

Ich erschaute eine Situation aus seiner Jugend, die ich vorher nicht gekannt hatte: Der Jüngling, Agamon, ist mit Verwandten und Ortsbewohnern aus Delphi in einem Schiff im Mittelmeer unterwegs nach Hause. Es ist ein flauer, heißer Nachmittag, fast Windstille, und die Ruderer halten eine Weile die Holzruder still, nachdem sie stundenlang gerudert haben. Beim Rudern wird im Rhythmus dazu gesungen. Jetzt merken die Bootsfahrer, dass der Wind zunimmt. Die Segel werden schnell gesetzt. Dabei stimmt Agamon einen Sologesang an, sich auf seiner Leier begleitend und mit Tönen den Wind nachahmend. Windböen blähen die Segel auf und das Schiff kommt kräftig in Fahrt, während die Seefahrer ihre Ruder einziehen. So kommen die müden Händler noch vor der Abenddämmerung im Hafen von Delphi an.

Damit war die Schau aber noch nicht zu Ende. Nach dem Ausladen der im Austausch gegen Wolle, Wein und Olivenöl erworbenen Getreidesäcke, Lederwaren und Silbermetall, die in Ochsenwagen zum Dorf hinauf gebracht wurden, wird ein Fest gefeiert. Ein Höhepunkt des Abends ist für Agamon das Leierspiel einer Gruppe von älteren Musikern, deren Solosänger dann einstimmt, als für die Zuhörer der Augenblick geschildert werden soll, wenn der Wind die Segel eines Schiffes auftreibt. Der Sänger stellt den Mast mit dem Segel dar. In der Imagination war es eindeutig, dass für die Griechen ein Segelschiff ein Sinnbild der Menschenseele ist und ein mit einem Segel gespannter Mast die Fähigkeit des Menschen widerspiegelt, dass sein Daimon, das Ich, den Stürmen des Lebens standhalten und von ihnen Gebrauch machen kann.

Mit diesem Beitrag sage ich Auf Wiedersehen für etwa eine Woche, da ich heute wieder nach Italien fahre, um ein Karmaseminar zu geben und im Projekt Casa per Michele weiter zu malen.

Bild: Griechische Augenschale, Schwarzfigurige Vasenmalerei. Signiert von Künstler Exekias, tätig um 550 bis 530 v. Chr. in Athen. Quelle: Wikipedia

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2008/11/06

Melancholie


Mein Temperament ist zusammengesetzt von mehreren Komponenten und eine Dominante zeigt sich je nach Lebensphase anders und je nachdem, wie die verschiedenen inneren und äußeren Umstände usw. sind. Zurzeit dominiert ein melancholischer Zug. Der Melancholiker trägt viel Vergangenes mit. Der Ätherleib des Melancholikers lässt noch immer in sich nachschwingen, was er in vergangenen Zeiten miterlebt hat, bemerkt Rudolf Steiner (GA 145.73).

„Fügt ein Mensch seinen Mitmenschen viel Schmerzen zu, so beruht dies zunächst auf Merkmalen des Astralleibes; aber auch da wirkt die Wiederholung so, dass dem Ätherleib etwas mitgeteilt wird, was sich im nächsten Leben als melancholische Anlage zeigt, die ja auch auf Eigenschaften des Ätherleibes beruht.“ (34.405) Ich erkenne, dass bei mir nicht nur noch aus dem letzten Leben sondern aus mehreren früheren Leben dieses Mitschwingen der Zufügung von Schmerzen an Andere diese depressive Anlage geprägt hat. Und an diesen Menschen in ihren jetzigen Inkarnation aufzuwachen, falls ich sie karmisch erkennen mag, sehe ich als eine besondere Aufgabe, weil ich da vielleicht etwas geben kann, was ihnen hilft, mit ihrem Karma zurechtzukommen.

Mein meisterliches Vorbild in der Heilpädagogik und in der Sozialtherapie, Åslaug Nysæther (1919-80), sagte einmal, dass der Monat November besonders kräftig den Menschen in Depressionen mitreißen könnte. Gegen diese Tendenz im Jahreslauf, als das Verwelkten in der Natur übernimmt, setzte sie den inneren schöpferischen Tatwillen. Sie benutzte selbst diese Zeit immer wieder dazu, sich dem Aquarellmalen zu widmen, um über die Melancholie Herr zu werden.

Bild: Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553),
Melancholie (1532). Quelle: Wikipedia

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2008/11/05

Trichotomie

„Dreierlei bedingt den Lebenslauf eines Menschen innerhalb von Geburt und Tod. Und dreifach ist er dadurch abhängig von Faktoren, die jenseits von Geburt und Tod liegen. Der Leib unterliegt dem Gesetz der Vererbung; die Seele unterliegt dem selbstgeschaffenen Schicksal, dem Karma. Und der Geist steht unter dem Gesetze der Wiederverkörperung der wiederholten Erdenleben.“ (Rudolf Steiner in: GA 9.88)

In der christlichen Anthropologie bezeichnet Trichotomie die Auffassung, dass der Mensch konstituiert ist durch drei Glieder, die meist bezeichnet werden als Geist, Seele und Leib. In der römisch-katholischen Kirche gilt diese Lehre seit dem 4. Konzil von Konstantinopel von 869-870 als Ketzerei, insoweit man den Geist zu einer selbständigen Substanz neben der Seele macht.

Also ist es verständlich, dass die katholische und andere später entstandene Kirchen plus philosophische Systeme und psychologische Schulen, die den Geist verleugnen, keine menschliche Reinkarnation durch mehrere Erdenleben akzeptieren können. Dieses 4. Konzil von Konstantinopel anerkennt die katholische Kirche und rechnet es als das achte ökumenische Konzil. Von der orthodoxen Kirche wird es aber abgelehnt. Wer Reinkarnation und Karma heute vertritt, lehnt sich also gegen einen jahrtausendealte Tradition auf, und er muss davon ausgehen, dass es als Häretiker betrachtet wird. Konkret über frühere Leben und von karmischen Zusammenhängen zu berichten, ist folglich ein Wagnis.

Mit meiner karmischen Autobiographie von 1999 riskierte ich, mich selbst als aufklärendes Beispiel zu enthüllen, um zu zeigen, dass es im Jetzt durch dauerhaftes, meditatives Üben durchaus möglich ist, karmische Erkenntnis in großem Umfang zu erringen. In diesem Buch beschrieb ich, wie ich mich als ein meditativ Übender und Forschender im rein geistig-seelischen Erfahren begriff. Die karmischen Imaginationen boten Stützen für erhebliche Erkenntnisse über die Schicksalsgefüge. Ich präsentierte zwölf miteinander innig verknüpfte frühere Erdenleben inklusive einiger Einblicke bezüglich anderer Individualitäten, die mir immer nahe gestanden haben.

Ich wollte anschaulich machen, dass das übersinnliche Schauen, das Geist-Erleben und die Karmaerkenntnis anhand früherer Leben in ihrem Bezug zu heute für das Alltagsleben positive Folgen haben. Ich hätte gewiss solche besonderen Intimitäten verschweigen oder begrenzt mitteilen oder, wie ein Freund es mir empfahl, alles in Romanform berichten können. Nachdem bestimmte geistige Mächte mir überraschend mitteilten, dass ich versuchen könnte, meine übersinnlichen Erfahrungen bekannt zu geben, entschied ich mich, entgegen der Meinung Vieler, rätselhaftes Karma zu publizieren. Somit machte ich eine Zäsur mit, die andere Autoren begonnen hatten. Ich wollte herausfinden, ob Karmaverständnis sozial wirksam sein kann und ob esoterische Erkenntnis, wenn sie als aktuelle geistige Forschung präsentiert wird, öffentlicher Kritik parieren kann.

Da ich meinte, die Signatur der Gegenwart erfasst zu haben, versuchte ich, den Weg eines Outsiders durchzuhalten und mich bewusst der aufziehenden negativen Kritik auszusetzen, während viele z. B. behaupteten, dass ich gegen normale Diskretion verstoße. Es war für mich keine Tat des Übermuts, was zwar einige anthroposophische Kritiker erklärten, sondern ich ging einen schmalen Pfad der modernen Mysterien, so wie es mir mein Karma erlaubte. Dass auf diese Weise vieles anders geschah, als ich es mir erhoffte, und ich deswegen vielen Angriffen bis auf Rufmord Stand halten musste, ändert nichts an der Tatsache, dass ich es heute noch einmal tun würde.

Die Trichotomie heute zu vertreten, führt mich nicht zum Schafott oder zum Galgen, aber meine Wahl, mich für den reinkarnierenden Geist und für die schicksalsträchtige Seele einzusetzen, lässt mir erahnen, was eine globale Einsamkeit vermag, dass sie so umfassend sein kann, dass alle anderen menschlichen Individualitäten darin erinnert werden können.

Bild: Fra Angelico: Enthauptung der Heiligen Cosmas und Damian, 1348. Quelle: Wikipedia

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2008/11/04

Ist Karma etwas, vor dem wir uns fürchten sollen?


Es gibt keine Anthroposophie ohne die Idee von Reinkarnation uns Karma. Im Rudolf Steiners Werk, in seinen Büchern und Vortragsnachschriften, gibt es genug Belege dafür, dass Karma und Reinkarnation zur zentralsten Begriffen der Anthroposophie gehören. Wenn ich nur einige solche Textstellen aus dem geschriebenen und gesprochenen Kontext herausnehme, und sie mit meinen eigenen Lebenserfahrungen verbinde, stehe ich vor Tatsachen, die manch ein Rätsel beleuchten, und mir gegebenenfalls Hilfeleistungen gebe, wenn ich schaffe, die darin beschriebenen Wahrheit mit meiner Individuellen Situation zu integrieren. Ich werde unten und in kommenden Beträgen einpaar solche Stellen zitieren und dazu ein Kommentar geben. Die in Klammern stehenden Ziffern beziehen sich auf die Publikations- und Seitennummer in der Gesamtausgabe (GA) des Werks von Rudolf Steiner herausgegeben vom mit seinem Namen identischen Verlag in Dornach, Schweiz.

„In jedem Moment des Lebens stellt das Karma etwas dar, wie die Bilanz eines Geschäftsmannes. Mit jeder Handlung, sie sei gut oder schlecht, vermehrt der Mensch sein Soll oder sein Haben. Wer (bei einer möglichen Handlung) einen Akt der Freiheit nicht zugeben möchte, würde einem Kaufmann gleichen, der nicht das Risiko einer neuen Geschäftsunternehmung eingehen möchte und sich immer auf dem gleichen Stande der Geschäftsbilanz halten würde.“ (94.117)

Karma ist immer vorhanden. Es steht nicht still, sondern verändert sich mit meinem Mitgehen oder Nichtmitgehen in der Schicksalsbewegung. Ich kann nur bedingt wissen, was aus meinem Tun entsteht, da die Folgen meiner Handlungen sich gemäß den Veränderungen in meinem Umfeld sich auch verändern. So gesehen, stehe ich mit meinem Karma im Spannungsfeld zwischen dem Vergangenheitsstrom aller gemeinsamen Tradition und der individuellen Entscheidung für eine offene Zukunft.  

„Eine Wesenheit, die einmal tätig war, steht in der Folge eben nicht mehr isoliert da; sie hat ihr Selbst in ihre Taten gelegt. Und alles, was sie wird, ist fortan verknüpft mit dem, was aus den Taten wird. Diese Verknüpfung einer Wesenheit mit den Ergebnissen ihrer Taten ist das die ganze Welt beherrschende Gesetz von Karma. Die Schicksal gewordene Tätigkeit ist Karma.“ (34.93)

Karma ist auch nicht denkbar, wenn ich es nicht mit einem Eigenwesen in Zusammenhang bringe. Nur ein Selbstseinswesen, eine Individualität, die einen Teil oder ein Glied ihrer Existenz auch außerhalb des Sinnesseins verlagert, kann Karma kreieren. Alle anderen Lebewesen und Welterscheinungen, die durch ihr Sein Folgen für andere Erscheinungen haben, sind in Prozessen verhaftet, die meist unmittelbar eine oder mehrere Wirkungen hervorrufen. Eine karmische Wirkung lässt sich demgegenüber als ein zusammengehaltenes Element über Jahrhunderte und Jahrtausende in wechselnden Umständen durch ein ihr verwandtes Bewusstsein verfolgen.  

„Wenn die Möglichkeit nicht gegeben wäre, sich über den Irrtum zu erheben, so müsste der Mensch zuletzt in Irrtum versinken. So aber ist die Wohltat des Karmas eingetreten. Ist Karma irgendetwas, vor dem der Mensch sich fürchten soll? Nein! Karma ist eine Macht, für die der Mensch eigentlich den Weltenplänen dankbar sein sollte. Ohne Karma wäre unser Fortschreiten in der menschlichen Laufbahn unmöglich. Karma erweist uns die Wohltat, dass wir jeden Irrtum wieder gutmachen müssen, dass wir alles, was wir rückwärts getan haben, wieder vernichten müssen.“ (107.246)

Karma als Wohltat „Gottes“ zu denken, schafft mir neue Stützen in der Selbsterkenntnis. Karma als Wohltat zu fühlen, zu erleben, schafft mir die Fülle für monumentale Projekte in der Welterkenntnis. Karma als Wohltat mit dem eigenen Tun zu verbinden, gibt mir die Begrifflichkeit, zu betätigen das Karmabewusstsein als individuelles Instrument im Sozialen. Meine eigenen Irrtümer vor kurzem und diejenigen der Anderen, die im 20. Jahrhundert und die in der Geschichte, können nur „vergessen“ werden, wenn ich sie eingieße im „Kompost“ des Karmas, in einer bewussten Umschmelzung der irrtümlichen Handlungen, wobei ich erneut absolut alles – unter Umständen nur in einem Konzentrat – anschaue, anpacke und auspacke. Karma unter einem Teppich eines vorübergehenden Vergessens zu kehren, schafft nur neue Irrtümer, schafft Monolithe entgleister Kultur.

Bild: Aristotile (Bastiano) da Sangallo (1481–1551): Grisaille nach Michelangelos Schlacht von Cascina (bei Pisa). Quelle: Wikipedia

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2008/10/30

Gedächtnisarbeit

Nachdem ich vor vielen Jahren reichlich mit Karma-Erinnerungen und Geist-Erkenntnissen begünstigt wurde, bemerkte ich, dass ich einen inneren Wandel meines seelischen Zustands durchmachte. Ich entschied mich daraufhin sogar zu der außergewöhnlichen Tat, öffentlich über meine früheren Inkarnationen zu sprechen und zu schreiben, weil ich an einem authentischen Beispiel zeigen wollte, dass man anhand von Steiners Karmaübungen auch wirklich Erfolge haben kann.

Eine Folge des Auftretens mit karmischen und geistigen Erfahrungen war, dass viele Menschen in meinem damaligen Lebensumkreis so reagierten, als ob ich mir einen höheren Wert beilege, als würde ich mir für die Gegenwart noch die Taten aus historisch bekannten vergangenen Leben jetzt noch zuschreiben. Ich bekam das Gefühl, als ob sie behaupteten, ich wolle, dass sie mich wegen vergangener Leistungen noch heute verehren sollten. Ich merkte, dass ich mit den meditativen Ergebnissen in der Öffentlichkeit auf einem haarscharfen Weg ging, wo diejenigen, die mich kritisch beobachteten, selbst keine geistigen Erfahrungen bewusst pflegten - auch wenn sie spirituell aufgeklärt waren - und deswegen anscheinend unfähig waren, meinen neuen, inneren Standort zu verstehen. 

Warum gilt es denn, sich nur auf die bestehende Inkarnation zu berufen und sich keine Werte aus früheren Leben beizulegen? Die okkulte Schulung bewirkt eine Erweiterung der Seele, die bedeutet, dass man innerhalb der Meditation den so genannten Astralleib hellwach als Erlebnisorgan benutzen kann. Die Ich-Leistungen aus früheren Leben tauchen zunächst in diesem Erlebnisraum auf, in der aufgewachten Seele, so dass die Gefahr besteht, dass das gegenwärtige Ich-Bewusstsein zu schwach ist, um Stand zu halten gegenüber den eigenen Ich-Wirkungen aus der Vergangenheit. Das gegenwärtige Ich, der Selbstbild davon, kann quasi von dem alten, eigenen Ich-Strom überwältigt werden, darin temporär untergehen oder sogar davor einschlafen. 

Im 8. Teil meines neuen Buches pointiere ich diese Gefahr der Karmaarbeit genauer. Nach den ersten karmischen Imaginationen und übersinnlichen Erlebnissen erkennen wir, dass es eine innere Notwendigkeit ist, das gegenwärtige Ich durch Gedächtnis- und Biografiearbeit zu stärken und sich mit Gegenwartsaufgaben zu befassen. Die Gedächtnisarbeit an erinnerbaren Tatsachen aus dem gegenwärtigen Leben schafft folglich eine Ermutigung des Ich-Bewusstseins, einen Zusammenhalt dessen, wer man gegenwärtig ist und künftig werden will.

Bild: Eine Muse mit Wiegenkithara sitzt auf einem Felsen, der als Helikon bezeichnet wird. Attisch weißgrundige Lekythos, eine spezielle griechische Vase zur Aufbewahrung von Olivenöl. 440-430 v. Chr. Die Musen sind in der griechischen Mythologie Schutzgöttinnen der Künste. Sie sind Töchter des Zeus und der Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung. Quelle: Wikipedia

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2008/10/26

Riss in der Achse

Foto: ICE-T-Zug. Die Deutsche Bahn zog ab Samstag fast alle der rund 70 Schnellzüge mit Neigetechnik vorübergehend aus dem Verkehr. Quelle: spiegel.de

Anthroposophische Gesellschaft und Karmapraxis

Während des von der Bochumer Polizei erlaubten NPD-Aufmarsches am Samstag saß ich für einpaar Tage als NRWanthro im Kulturhaus Oskar gegenüber dem Bochumer Schauspielhaus mit weniger als zwei Handvoll Anthroposophen, die die Karmapraxis als soziale Herausforderung zusammen besprachen. Wir nahmen unmittelbar nicht teil an den von vielen hunderten Polizisten überwachten und von knapp 3000 Menschen durchführten Gegendemonstrationen draußen an mehreren Ställen in der NRW-Stadt. Ob diese Demos dunkle Kriege waren, überlasse ich anderen zu urteilen. Jedenfalls gab es keine größeren Zwischenfälle und beim Aufmarsch der rund 200 Rechtsextremisten gab es nur kleinere Rangeleien. Die Polizei sprach von einem eher ruhigen Verlauf der Veranstaltungen. 

Trotzt der durch die Fenster einbrechenden Lautsprecherstimmen, der laute Musik und der emotionalen Wallungen, hatte unsere Veranstaltung auch einen ruhigen Ablauf. Einige im Voraus geahnten kontroversen Sichtweisen und gewisse Nachklänge älterer Streite waren jedoch nicht machtvoll genug, um den Konsens zu verhindern, dass einstimmig beschlossen wurde, solche Kolloquien zum Thema Karmapraxis auch im nächsten Jahr fortzusetzen. Dass ich von der Repräsentanten der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland e. V. – die diesen von mehreren Teilnehmern lange ersehnten Treffen arrangierte - ohne Mitgliedskarte als ein respektierter und geschätzter Mitredner eingeladen war, spricht von einem meines Erfahrens ungewöhnlichen Offenheit und Dialogbereitschaft.

Ist diese Attitüde ein Zeichen einer neuen Sozialkompetenz in der anthroposophischen Gesellschaft? Die Karmafrage war ja kaum mehr ein Gesprächsthema oder in einem Programm zu finden seit dem Kongress 2001 in Kassel, der Northart Rohlfs anordnete, als er dort im Anthroposophischen Zentrum noch Veranstaltungschef war. Sind hoffnungsvolle Veränderungen in der anthroposophischen Oberschicht in Sicht? Zeigt das derzeitige Aufwachen gegenüber Karmafragen, dass eingesehen wird, dass das althergebrachte Verstandesdenken synchron mit dem Tod der Kapitalismus auch zu Ende gekommen ist? Oder bestätigt diese unerwartete Gesprächsbereitschaft, dass die Anthroposophische Gesellschaft selber gestorben sei, sodass ihre Seele als eine Verstorbene betrachtet werden dürfte, die nur durch einem erhöhtem Bewusstsein - sprich: Karmabewusstsein - zu neuem Leben kommen könnte?

Der ICE, in dem ich von Mannheim nach Bochum am Freitag meinen vorbestellten Platz hatte, war halbiert, sodass ich gezwungen wurde, einen IC-Bummelzug vom gegenüberliegenden Gleis zu nehmen. In der Nacht zu Samstag wurden dann rund 70 ähnliche Züge zurückberufen, damit Probleme mit ihren Achsen untersucht werden können. Wenn mit zu hohem Fahrt gekurvt wird, entstehen möglichenfalls solche Materialschäden. Haben die immensen Probleme kompetenzorientierter und zwischenmenschlicher Art innerhalb der anthroposophischen Bewegung heute und eigentlich immer seit Rudolf Steiners Zeiten mit „Rissen in der Achse“ zu tun? 

„Das Karma ist das Gesetz der Ursache und Wirkung in der geistigen Welt; es ist die Spirale der Entwickelung. Die Christus-Kraft schaltet sich in die Entwickelung dieser karmischen Linie als richtunggebende Achse ein.“ Das waren Steiners Worte vor etwa hundert Jahren. Was geschieht denn in einem sozialen Kontext und in einer Gesellschaft, wenn diese Achse nicht oder zuwenig beachtet wird? Meine Antwort: Draußen werden die Demos nochmals stattfinden und eine friedliche Zivilisation wird lange auf sich warten müssen. Und drinnen werden die Gespräche das Karmathema zu etwas ausgeklügelt vermeinten Handfesterem wechseln, bis das nächste Entgleisen geschieht.

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2008/10/11

Joseph Beuys und Dschingis Khan

In einem Kommentar am 29. August 2008 zu einem alten schwedischen Aufsatz, dass ich ins Deutsche brachte, deutete ich mein karmisches Erkenntnis an zwischen Joseph Beuys und Dschingis Kahn. In einem Kommentar zum diesbezüglichen Blog schrieb Michael Eggert: „Die karmischen Zuschreibungen z.B. von Beuys kann ich weder aus dem Text noch von meinem inneren Empfinden her nachvollziehen.“ Wer nur einen winzigen Teil des sehr umfassenden Lebenswerks von Beuys beziehungsweise seiner Skizzen und Aktionen kennt, wird wissen, dass er wiederholt sich dem Gestalt des Dschingis Kahn zuwandte.  

Es ist sicherlich fraglich, sich konkret über Reinkarnation und Karma und noch öffentlich auszutauschen, wie Wilfried Heidt es sieht. Deswegen, weil man so leicht missverstanden wird oder ein erkannter Zusammenhang von anderen als ein festes Glauben gesehen wird. Somit entstehen leicht Festlegungen, z. B. wie diejenige, die vermeintlich auf Rudolf Steiner zurückzuführen sei, wo man glaubt, dass Emil Molt einmal den Kaiser Karl den Großen gewesen sei. Bei näherem Nachforschen der Anekdote über die Steiner-Aussage, die hier benutzt wird, um einen karmischen Identität festzustellen, fand ich, dass sie zu wage ist, um eine solche definitive Folgerung zu geben.

Nichtsdestotrotz habe ich schon 1997 - einmal in der Zeitschrift „Die Drei“ - damit angefangen, öffentlich zur Verfügung zu stellen meinen Schlussfolgerungen, die aus der Kombination meditativ-übersinnlicher und sinnlich-konventioneller Forschung sich ergeben haben, und ich versuche, diesen freien Diskurs weiter im Auge zu behalten, und auch in Bezug auf Joseph Beuys ihn zu üben. Antje von Graevenitz, Autorin und Professorin für Kunsthistorik an der Universität zu Köln, hat in einem Text mit dem Titel „Dschingis Khan“ interessante Anhaltspunkte mit Hinweisen zusammengetragen. Von Graevenitz schreibt:  

„Die Liebe zum historisch-mythischen Mongolenführer Dschingis Khan geht auf Beuys' Kindheit zurück. Im "Lebenslauf/Werklauf" (1) von 1964 hielt der Künstler fest: "1926 Kleve Ausstellung des Hirschführers, 1929 Ausstellung an Dschingis Khans Grab." Im ersten Fall war der Junge fünf, im zweiten acht Jahre alt. Las man ihm Sagen vor? Zeichnete er den Mongolenkönig schon damals? Dessen Grab soll irgendwo in den Steppen Südrusslands liegen. Der Hunnenkönig Etzel aus der Nibelungensage wird wohl nahe seiner legendarischen Burg Susat begraben sein. ‚Gewaltig’ soll jeder Mongolenkönig gewesen sein. Ursprünglich soll Dschingis Khan ein einfacher Schmied gewesen sein. In Wahrheit war Dschingis Khan (eigentlich Temdschin) von rund 1196 an ein Fürstentitel für die Mongolenherrscher. 1206 zog ein Dschingis Khan mit seinem Reiterheer bis zur Wolga und eroberte 1215 sogar Nord-China. Von seiner Residenz Karakarum aus erliess er strenge Gesetze, um das Riesenreich beherrschen zu koennen. Hatte man dem kleinen Joseph von ihm oder von den Nibelungen erzählt? In seiner Jugend soll Beuys die Mythendichtungen von Rudolf Pannwitz gelesen haben. (2) 

Später verschlang er Literatur über sibirische Schamanen. Zu seinen Büchern, die er in einem speziellen Schrank verwahrte, zählte auch Michael de Ferdinandys Buch „Tschingis Khan. Der Einbruch des Steppenmenschen“. (3) Doch dieses Buch, so aufschlussreich es für die Ikonographie späterer Werke auch sein mag, erschien erst 1958, zu einem Zeitpunkt also, als Beuys sich bereits zahlreiche Male dem Thema Dschingis Khan zeichnend genähert hatte. Die früheste der bisher zum Thema ausgestellten Zeichnungen ist schon 1937 entstanden: „Architektur (Mongolenpalast)“. Sie zeigt ein spitztförmiges Gebäude mit einer offenen Halle in der Mitte. War die goldene Burg Dschung-du gemeint? Eine Beschreibung von G. Rank über eurasiatische Haustypen, deren Mitte die Rolle des „Zentrums der Welt“ zukäme, könnte ausgezeichnet dazu passen, würde sie nicht erst aus dem Jahr 1949 stammen. (4) 

Möglicherweise gab es eine gemeinsame Quelle für Rank und Beuys, denn in den zwanziger Jahren waren viele Lebensbeschreibungen über den grossen Dschingis Khan erschienen. Erst in den fünfziger Jahren sind Beuys' entscheidende Zeichnungen zum Thema entstanden: „Der mächtige Geist der Mongolen“ (1954), „Frieden im Zelt des Khan“ (1959), „Grab des Dschingis“ und „Grab des grossen Khan“ (1958), „Grabbeigaben“, „Dschingis Khans Wiege“ (1956 und 1960), „Nachrichten des Dschingis Khan II“ (1959) und „Dschingis Khans Post“ (1960). Niemals hatten diese Zeichnungen illustrativen Charakter. Wer daraus etwas Narratives zum Mythos des Dschingis herauslesen will, wird enttäuscht sein. Beuys näherte sich dem Thema immer intuitiv und auf ganz persönliche Weise. Er dachte auch hierbei, wie stets, mehr an den „Energiezusammenhang“ der Dinge, für den ihm der nomadische König auf seinem Reiterheer von Ost nach West einen mehr sinnbildlichen Anlass gab. Da die Kräfte des Dschingis nach seinem Tode immer auf den Nachfolger übergingen, war der Name der Begriff für einen Menschen, der in einem Ritual der Wiedergeburt (5) dazu aussersehen war, anderen den Weg zu weisen, grosse, kälteklirrende Räume zu durchqueren und etwas Kreatives zu unternehmen. Wie immer, war auch diese Vorstellung als ein geistiges Prinzip gemeint: Jeder konnte im Geiste ein Dschingis Khan werden, wenn er seinen Gedanken den richtigen Weg wies, und - im Sprachgebrauch von Beuys - Kälte in Wärme ummünzen konnte. Da es sich um einen Hunnenkönig aus dem Osten handelte, brachte er selbstverständlich als „Ostmensch“ die intuitive, imaginierende Art zu denken zum „Westmenschen“. Auch de Ferdinandy sprach über den "in seinem Rationalismus befangenen WesteuropSøer". (6) 

In dieser Kulturkritik lag für Beuys die Aktualität des Dschingis. Seine Fahne, der Beuys eine plastische Arbeit widmete („Dschingis Khans Flagge“, 1961-70) koennte als Wegweiser fuer die Reiterscharen eigener Gedanken dienen. Eine Fahne (von Beuys) erhielt auch Alan Koa (1956). Sie war die legendarische Urgrossmutter und Urkönigin. (7) „Alan die Schöne“ war bereits Witwe, als sie drei Söhne gebar. Es sollen die Söhne des Himmels gewesen sein. Auf diese Weise entstand ein Witwenkönigtum. Auch Beuys mass immer der Frau die gleiche kreative Bedeutung zu wie dem Mann. Hinweisenden Charakter auf den Dschingis Khan haben weitere Motive in Beuys' Werk: Für diesen Würdenträger wurden immer besonders grosse Filzdecken bereitgelegt. (8) Rollte sich nicht auch Beuys für die Aktion „DER CHEF THE CHIEF“ in eine grosse Filzdecke und hüllte er sich für die Aktion „I like America and America likes Me“ nicht ebenfalls in eine solche Decke, in die selbst sein Kopf verschwand? Als eine Art Steppenkönig näherte er sich so dem Coyoten, einem Gott der Indianer. Neben der Filzdecke war auch die Trommel ein besonderes Hoheitszeichen des Dschingis. Als ein kosmisches Zeichen symbolisierte sie in Sibirien und bei den Mongolen die Sonne, die die Geburt des Herrschers ermöglicht hatte. (9) 

Dieses Sonnen-Bild kehrt oft im Werk von Beuys wieder. In der Aktion: „Titus/Iphigenie“ (1969) war das Kreissymbol zweimal in den beiden Becken gegenwärtig, die Beuys zusammenschlug. In Zeichnungen wie „Elche mit Sonne“, 1957, „An Saturn“, 1963, oder in Objekten wie „Boullion-Scheibe“, 1974, oder „Sonnenschlitten“, 1984, kommt das Sonnenmotiv ebenfalls vor. Sogar die sinnbildlichen Materialien Kupfer und Eisen, die in Beuys' Werk einen bevorzugten Platz einnehmen, wurden dem Dschingis Khan zugeschrieben. Im „Rattenjahr“ 1206, als es zu einer Feldschlacht kam, wollte man dem Feind Furcht einflössen, indem man ihm über den Mongolenkaiser zuflüsterte: "Sein Körper ist in Kupfer geläutert. Er ist aus Eisen gehämmert.“ (10) - Sogar die vier Himmelsrichtungen stellten sich die Leute des Dschingis als „Ecken“ vor (vgl. „Eurasienstab“). Das gewaltige Reich des Dschingis bedeutete für Beuys eine reiche Inspirationsquelle für eigene Sinnbilder.

Antje von Graevenitz

1 Abdr. in Maschinenschrift in: Kat. Basel 1969, S. 4. 
2 Von der Grinten, F. J., in: Kat. Hannover 1990, S. 14. 
3 Ferdinandy, Michael de, Tschingis Khan. Der Einbruch des Steppenmenschen, Hamburg 1958. Erwähnt von Franz-Joachim Verspohl, in: Joseph Beuys-Tagung, Basel 1991, S. 229. 
4 Rank, G., Die heilige Hinterecke im Haushalt der Voelker Nordosteuropas und Nordasiens, Helsinki 1949, zit. in: Eliade, Mircea, Das Heilige und das Profane. Vom Wesen des Religioesen, Frankfurt a. M., 1984, Kap. IV, Fussn. 8 (urspr. Hamburg 1957). 
5 Vgl. de Ferdinandy a. a. O., S. 51/52. 
6 Ebd., S. 13. 
7 Ebd., S. 32 ff. 
8 Ebd., S. 71. 
9 Ebd., S. 59, 82. 
10 Ebd., S. 89
“ 

Bild: Joseph-Beuys-Briefmarke der Deutschen Post (1993): Lagerplatz (1962–1966), Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach.

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2008/10/08

Wilfried Heidt zur Reinkarnation

Nach dem Aufsatz „Sind Waldorfschulen ein Verstoß gegen das Grundgesetz?“ von Alexander Kissler (SZ, 5. Sept. 2008) beteiligte sich Wilfried Heidt – bekannter anthroposophisch orientierter Aktivist und Sozialwissenschaftler und tätig am Achberger Institut für Zeitgeschichte und 1971 Gründungsinitiator der Freien Waldorfschule im Internationalen Kulturzentrum Achberg – in der interessanten öffentlichen Diskussion in der Süddeutschen Zeitung

Heidt schrieb u. a.: „Rudolf Steiner ‚glaubte’ nicht ‚an die Reinkarnation’, sondern er hat zwischen 1886 und 1904 einen Durchbruch in der Erkenntniswissenschaft erreicht (und diesen in mehreren Schriften publiziert), durch den es für jeden Menschen mittels einer entsprechenden Schulung, deren Arbeitsweise er auch dargestellt hat, möglich wird, die Reinkarnation als Wirklichkeit, wie im Prinzip alle Wirklichkeit zu erkennen.“

Nach diesem allgemeinen Hinweis zu Steiners Position zur Reinkarnationsidee wurde er von einem anderen Kommentator – giini - zu seiner eigenen Position diesbezüglich gefragt. Heidt antwortete dort für viele Beteiligten unpassend langatmig, aber seine Ideenbeschenkung ist nun auf seiner Website new trinity & unity vielleicht passender nachzulesen. Wilfried Heidt vertritt verständlicherweise die Meinung, dass es problematisch ist, über konkrete Reinkarnationserkenntnisse öffentlich zu kommunizieren:

„Nach meinen Erfahrungen ist das wegen des ganz aufs Sensationelle ausgerichteten Charakters der heutigen Bewusstseinsverhältnisse - insbesondere in den elektronischen Massenmedien - und der bisher nur verschwindend wenigen bewusstseinspraktisch im hier besprochenen Sinn arbeitenden und nur dadurch fürs Erkennen des Übersinnlichen entsprechend vorbereiteten Menschen vorläufig verantwortlicherweise ausgeschlossen. Man könnte nur missverstanden werden. Um so wichtiger ist es, Anstöße zu geben, damit auch diese Arbeit von immer mehr Menschen in Angriff genommen wird. Diskurse wie die hier geführten können eine Anregung dafür sein.“

Ein ausführliches, sehr geschichtlich aufschlussreiches - was der Entwicklung neuer soziale Ideen und Projekte seit den 1960er Jahren betrifft - und vielleicht ein historisches Interview unter der Fragestellung Wo war die anthroposophische Bewegung 1968? mit dem 67-jährigen 68-er Wilfried Heidt ist in der Zeitschrift Lazarus21 zu lesen.

Bild: Wilfried Heidt [Hg.], Abschied vom Wachstumswahn. Ökologischer Humanismus als Alternative zur Plünderung des Planeten. Achberger Verlag 1980, Internetversion 2005 - Wilfried Heidt.

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2008/09/23

Ist Sebastian Gronbach eine Gefahr?

In einem Kommentar seiner eigenen Rezension des Buchs Missionen von Sebastian Gronbach - das ich schon im Frühjahr besprach - drückt Christoph Kühn auf seinem Blog A Goy’s World seine Überraschung aus, dass ich „eine Gefahr in dem Buch bzw. seinem R.- und Karmaverständnis“ sehe. Kühn schreibt in der Rezension, dass man selbst merken kann, „dass Gronbach eingefahrene Denkmuster gegen den Strich bürsten will und dabei gerade auch in Bezug auf eine anthroposophische Leserschaft provozierend plakative Formulierungen wählt.“ Vor genau 10 Jahren wurde ich von einem in der Öffentlichkeit renommierten Anthroposoph in interner Führungsposition als „eine große Gefahr für die anthroposophische Bewegung“ bezeichnet. Wie dieser heute zu Sebastian Gronbach steht oder stehen würde, wäre interessant zu wissen; ich werde darüber aber nicht um Auskunft bitten.  

Kühn findet bei Gronbach kritische Ausführungen über die anthroposophische Rezeption von Rudolf Steiners Christologie und Karmaforschung, aber er findet auch, dass „das Buch etwas Visionäres“ hat, und er erhofft sich im großen Ganzen für das Buch seines Blognachbars nur Gutes: „Es wäre ihm zu wünschen, dass es in anthroposophischen Zusammenhängen eine große Leserschaft gewinnt.“ Was dieses Visionäre in Bezug auf Rudolf Steiners Anthroposophie sein sollte, führt Kühn jedoch nicht aus. Ich kann selbst da nichts Entsprechendes finden, weil ich mit visionär etwa fortschrittlich sein meine. Falls Kühn mit dem Wort aber eingebildet sein meint, bin ich jedoch einverstanden.

Es gaben inzwischen mehrere Buchbesprechungen zu den Missionen, wobei einige ebenfalls sehr kritisch waren. Hier möchte ich nur kurz das Urteil von Anna-Katharina Dehmelt in der Wochenschrift Das Goetheanum (Nr. 24/2008) erwähnen, das zu einer scharfen Antwort von Holger Niederhausen führte. Dehmelt, die Gronbach persönlich kennt, schreibt ihn direkt an: „Von der Lektüre deines Buches geht ein gewaltiger Modernisierungsschub aus. Irgendwie war man bisher wohl hoffnungslos naiv gegenüber der Anthroposophie:“ Niederhausen wiederum - der seine Zuschrift auf Dehmelts milde Beurteilung zu einem scharfen Kritik für die Zeitschrift Der Europäer (Nr. 8/2008) umgewandelt hat - sieht in Gronbachs Missionen eine Irreführung. Niederhausen schreibt: „Gronbachs Buch erscheint an manchen Stellen auf den ersten Blick tatsächlich ‚mutig’ und ‚authentisch’, bei genauerem Lesen jedoch als hoch-mütig und narzistisch. […] Gronbach vertritt geschickt die vom Info3-Kreis gepflegte und verbreitete Vorstellung, die Anthroposophie führe zum All-Eins-Erleben eines kosmischen Bewusstseins, und Michael, Christus und andere Wesen seien heute unbrauchbare Symbole, die Steiner seinerseits benutzt hat, um Menschen zu diesem Erleben zu führen.“...[weiter]

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Traum oder Karmabewusstsein? Dieses Foto wurde in einem Hotel an der Atlantikküste in Galizien, Spanien, im März 2007 aufgenommen. © Miguel Lopez Manresa.

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2008/09/03

Der Almandin

Ein Gedenken an Rut Nilsson 
und einerlei zu karmischen Anhaltspunkten


„That we must neither buy nor sell. Money must not any longer (after our work of the Earths Community is advanced) be the great god that hedges in some and hedges out others, for money is but part of the Earth; for after our work of the Earthly Community is advanced, we must make use of gold and silver as we do of other metals but not to buy or sell.”

Geschrieben vom englischen Sozialreformator Gerrard Winstanley am 1. Juni 1649 in: A Declaration from the Poor Oppressed People of England 

Almandin ist ein häufig vorkommendes Silikatmineral. Es ist ein so genanntes Inselsilicat aus der Familie der Granate. Seine Farben liegen zwischen rot und violett. Seltenere Farbtöne sind rotbraun oder schwarz. Das Mineral kristallisiert im kubischen Kristallsystem typischerweise in rhombischen Dodekaedern. Es treten aber auch 24-flächige Trapezoeder, Kombinationen dieser Formen und manchmal auch 48-flächigen Hexoktaeder auf...[weiter]

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Mit diesem Aufsatz verabschiede ich mich für eine Weile, da ich bis Mitte September in Codroipo, Italien, als Farbgestalter tätig sein werde.

Bild: Granat-Almandin in Matrix. Matrix bedeutet hier in der sogenannten Petrographie die Grundmasse magmatischer Gesteine und das Bindemittel in Sedimentgesteinen oder Porphyrisches Gefüge. Fundort: Brasilien

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2008/08/29

Ich-Kunst und Karmaforschung

Ein aktueller Aufsatz aus dem Jahr 1994 

Zwischen 1979-94 schrieb ich eine Reihe von Aufsätzen und anderen Beiträgen in der inzwischen eingegangenen schwedischen Zeitschrift Antropos. Redaktorin seit 1975 bis ihrem Tod 2001 im Alter von etwa 90 Jahren war die Anthroposophin, Gefängnisdozentin und Publizistin Ingrid Sahlberg gewesen. Die damalige Monatszeitschrift war gegründet worden in den 50er Jahren als Organ der schwedischen anthroposophischen Landesgesellschaft. Von 1980 bis 1988 war ich Mitglied der Redaktion und pflegte auch einige Jahre die Aufgabe des Layouts und des Versands. Dabei wirkte der Künstler und Autor und spätere Masseur Didrik Wachenfeldt entscheidend mit. Der folgende Aufsatz erschien etwa ein Jahr vor meiner gedanklich-intuitiven Entdeckung meiner früheren Inkarnation im 12. Jahrhundert und zwei Jahre vor meinem im Wandeln unter unsichtbaren Menschen beschriebenen geistigen Durchbruch. Bei einem Besuch in Järna jüngst habe ich unter den dort aufbewahrten Skizzen, Notizen, Büchern und Zeitschriften vieles ausgemistet. Unter dem behaltenen Material befindet sich dieser wieder entdeckte Aufsatz, der mir mein damaliges spirituelles Engagement am Ende des 20. Jahrhunderts erneut vor dem inneren Auge stellte. Viele der einstigen Gedanken scheinen mir in diesen 14 Jahren nicht weniger aktuell geworden zu sein, weshalb ich eine deutsche Übertragung gemacht habe. Der jetzige Schritt dazu scheint gegen der damaligen Intention zu stoßen. Nichtsdestotrotz müsste einen neuen dritten Aufsatz zu diesen weiterhin hochaktuellen Fragen sich an den inzwischen stattgefundenen historischen und geistigen Veränderungen und an eventuellen Leserzuschriften orientieren.  

„Es ist eine Frage an mich gekommen, ob ich erneut einen Aufsatz publizieren möchte, der vor zehn Jahren geschrieben ist. Er behandelte Schritte in einem Lebensprozess, um sich mit dem zu verbinden, was wir Anthroposophie nennen, und was es existenziell bedeutet, die anthroposophische Sache zu repräsentieren. Dieser Aufsatz nochmals zu publizieren würde gegen seinem Absicht wirken, auch wenn das Inhalt weiterhin volle Aktualität hat. Der folgende Text ist ein Versuch, dieselben Fragen aus einer aktuellen Situation zu stellen. Der Ausgangspunkt ist eine Beschreibung eines individuellen, allgemeinen Erlebnisses des Ich verbunden mit dem Interessefeld für die Umwelt, und wie diese Beschreibung einen Anfang sein kann für Karmaforschung in Verhältnis zur Gegenwart und zur Geschichte. Meine These ist, dass eine solche Forschung künftig die einzige sichere Stütze sein wird für eine sinngemäße Urteilsbildung an der anthroposophischen Entwicklung. Die Darstellung ist wegen dem Charakter des Themas teils fragmentarisch, teils bildhaft und deswegen fehlt eine thematische Kontinuität…“ [weiter]

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2008/08/27

Michel Eggert stimmt sich aufs Karma ein

Mit dem Titel Imaginative Hochpotenz bespricht Michael Eggert mein 2. Buch. Seine Rezension ist sachlich, würdigend und liebevoll. Wenn weitere Leser das Buch gerade so lesen würden, könnten interessante Anstöße speziell betreffend der Weiterentwicklung der Anthroposophie und allgemein in der spirituellen Szene entstehen. Eggert rät, das Buch als „Exoten“ nicht abzutun, das „wäre angesichts seiner Qualitäten eine Unterlassung“. Er schreibt einleitend:

„Es ist ein Rätsel, warum Jostein Saethers neuestes Buch „Einstimmen aufs Karma- Ein Wegbegleiter durch dynamische Meditation zu karmischem Hellsehen“ nicht in einem der grossen anthroposophischen Verlage erschienen ist und unter intensiver öffentlicher Teilnahme diskutiert wird. Vielleicht trägt der Titel dazu bei, der möglicherweise ein sehr spezielles esoterisches Nischenwerk erwarten lässt. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine unglaubliche Breite meditativer Anregungungen, die ganz locker und freilassend dargelegt werden. Da ist etwas dabei für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Und offensichtlich ist es aus einer intensiven inneren Forschungsarbeit heraus geschrieben, leichthändig, gut lesbar, inspirierend. Es ist schlichtweg unmöglich, dieses Buch auch nur in Ansätzen zu referieren, da diese dichte, knappe Darstellung von Zugängen kaum zu beschreiben ist. Ob da eine vertiefende Betrachtung von mittelalterlichen Madonnenbildnissen, Zugang zum Engel, Leben mit Verstorbenen oder verschiedene Rollen und Standorte bei der imaginativ- meditativen Arbeit beschrieben werden- Saether regt an, ohne in irgend einer Weise zu determinieren. Andere Autoren würden aus Bruchteilen dieses Füllhorns ein oder mehrere Bücher machen. Saether aber schüttet das Füllhorn freigiebig aus. Vielleicht liegt gerade in dieser Freigebigkeit eine der Schwierigkeiten des Buchs: Man kann das nicht einfach lesen. Man muss das abschmecken, wirken lassen, schauen, ob die eine oder andere Spur, die da gelegt wird, etwas für einen selbst ist…“

Weiter zur ganzen Rezension von Michael Eggert. Seine Rezension ist übrigens auch auf der von Michael Mentzel betriebene Website Themen der Zeit mit dem Titel Meditative Anregungen erschienen.

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2008/08/15

Sich demaskieren

Es gibt äußere und innere Schwellenübertritte, die wir meist nicht bemerken. Mit jedem Einschlafen und Aufwachen vollzieht sich ein Übergang zwischen Bewusstseinszuständen. Jeder, der gesund ist, macht diese Wechsel, ohne zu „stolpern“. Nun kann bei psychischer Krankheit ein permanentes „Stolpern“ entstehen oder man kann als Geistesschüler temporär in seelische Zustände geraten, die einen derart packen, dass man Beistand braucht, um wieder in Balance zu kommen. Es ist menschlich, Fehltritte zu machen, aber auch anderen dann die Hand zu reichen. Es braucht uns daher nicht zu entmutigen, dass der innere Pfad viele Stadien kennt, die dem Nichtbetroffenen große Ängste bereiten... [weiter]

Abgelegt in: Goetheanum-Aufsatz

Mit dem Hinweis zu diesem früher publizierten Aufsatz, verabschiede ich mich hier für 10 Tage, weil ich eine Reise nach Skandinavien mache, und in diesem Zeitraum kaum die Möglichkeit bekomme, etwas in dieser Hinsicht zu pflegen. Die allgemeine Schwellensituation nehme ich aber mit, da die geistige Welt genauso real dort ist wie hier. 

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2008/07/03

Meister und Hüter der Meditation

Ein weiteres Thema kann die meditative Tätigkeit zu einer erhabenen Angelegenheit erheben. Es betrifft die Frage der so genannten Meister, die mit allem echten Meditieren inniglich immer verbunden sind. Wenn du dich so weit vorgearbeitet hast, dass du dir bestimmte fortgeschrittene Individualitäten oder sogar Meister in dein Interessefeld gerückt hast, darfst du sie selbstverständlich auch auf dieser Stufe deiner Entwicklung in deine geistige Arbeit einbeziehen. Du kannst dir klar machen, wo deine eigene Gesinnung und Verbundenheit mit geistigen oder karmischen Strömungen liegt, in welcher Richtung du die Taten Vorangegangener würdigst und warum du dich jemandem als einem unsichtbaren Helfer zuwenden möchtest...» weiter

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2008/06/30

Der Kleptomane

Die folgende kleine karmsiche Geschichte stammt aus meinem 1. Buch:

In einer sozialtherapeutischen Einrichtung, in der ich einmal beauftragt war, die Farbgestaltung zu machen und deswegen auch die Anstricharbeit erledigte, kam ich in die Lage, nachzuforschen eine Situation in Zusammenhang mit einem meiner früheren Leben während des 19. Jahrhundert, das überwiegend in Nordamerika stattfand.

Es gab u. a. in der Einrichtung zwei Erwachsene und ihren Betreuer, und die zwei jungen Betreuten hatten ziemlich kontrastierende Probleme. Einer von ihnen, ein aufgeschlossener Mann, war stumm, aber in der Lage, zu verstehen, was auch immer ihm gesagt wurde. Er mochte die Arbeit mit der Schubkarre draußen in der frischen Luft, während der Andere Jobs draußen ablehnte. Er zog vor, manchmal in der Küche mitzuhelfen, aber am liebsten saß er in seinem Zimmer mit dem Fernseher an, oder er plauderte einfach mit jedem. Er hatte immer Münzen in seinen Taschen, die er oft zwischen seinen Fingern sehr geschickt jonglierte.

Die drei Männer setzten auf zu ihrem wöchentlichen Ausflug in die Stadt, wohin sie nach dem Einkaufen zu einem Café gingen. Unterdessen beendete ich eine transparente Farbschicht, die ich in einem Neuanbau angefangen hatte, und ich ging zu meinem Gästezimmer für ein wenig Pause. Dort entdeckte ich, dass mein Geldbeutel, der auf dem Schreibtisch gelegen hatte, einfach vom Geld herausgeleert war. Ich stellte sofort fest, dass der zweite Mann ein Kleptomane war. Nach einem Handyanruf zum Betreuer wurde die Angelegenheit für alle Parten zufrieden stellend geklärt, und ich kriegte mein Geld zurück.

Das Eingetroffene ermöglichte es mir, die Konstellation karmisch nachzuforschen. Ich entdeckte im Betreuer der einst gewesene Kapitän eines atlantischen Dampfers, der eine bestimmte Kneipe in Boston immer besuchte. Dann sah ich, dass der Kleptomane die Inhaberin dieser Gaststätte gewesen war, die immer im Schatten hinter der Theke saß. Sie trug immer schwarze Kleider, und sie hatte ihre Seele irgendwie verhärtet, um in der männlichen Welt des Hafens zu überleben beim Aufrechterhalten ihres Geschäfts. Manchmal musste sie betrunkene Matrosen mit ihren Fäusten weg kämpfen.

Es gab auch einen Kellner im Pub, einen mexikanischen Sänger, der seine Mandoline für sie spielte und spanische Lieder sang. Er genoss nicht mehr seine Arbeit. Am liebsten wollte er nach Europa im Schiff des Kapitäns auswandern, aber die Inhaberin wünschte ihn in ihrer Obhut zu behalten und tat alles mit Nachdruck, um ihn zu überzeugen, bei ihr zu bleiben, da sein Singen viele Kunden anzog. Ich erkannte im Mexikaner den Stummen.

Kommentar: Diese Geschichte zeigt deutlich, wie das Karma wirkt, und wie drei Menschen, die in einem Leben mit einander zu tun haben, auch in einem späteren zusammenkommen. Das Gegenwärtige als Gleichnis und als ein Fenster in die Vergangenheit!

Andererseits – wenn wir uns das Thema Diebstahl in einer weiteren Perspektive betrachten - kann uns die Geschichte auch darauf hinweisen, dass nicht alles was glänzt, echtes selbstverdientes Gold ist, sondern nur wenn es durch das karmische Nadelohr von Tod und neuer Geburt geht, kann es einen neuen Wert bekommen. So sehe ich manche Mitteilungen und Eingebungen, die kanalisiert werden und sofort ins Internet gesetzt werden, gleichgestellt eines Diebstahls, weil sie vom okkulten Licht der „Sonne um Mitternacht“ nicht umgeschmolzen sind. Die geschnappten „Meisterworte“ gehören dem „Schreiber“ also nicht. Sie sind einfach entstellte Unterschlagungen aus der geistigen Welt, und sie können viel mehr Unfug und Schaden anrichten als jede andere kriminelle Tat in der physischen Welt.

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