Gamamila

2009/06/14

Das Schweigen des Gesichts

„Ein schönes Gesicht ist vielleicht der einzige Ort, wo wahrhaft Stille ist. Während der Charakter durch ungesagte Worte und unverwirklicht gebliebene Absichten in das Gesicht Spuren eingräbt, während ein Tier immer so blickt, als wolle ihm eben ein Wort entfahren, öffnet die menschliche Schönheit das Antlitz dem Schweigen. Aber das Schweigen, das hier statthat, ist nicht nur Aussetzung der Rede, sondern Schweigen des Wortes selbst, Sichtbarwerden des Wortes: Idee der Sprache. Darum ist das Schweigen des Gesichts wahrhaft die Heimat des Menschen.“

Aus: Giorgio Agamben, Idea della prosa. Feltrinelli, Milano 1985/2. Aufl. Quodlibet, Macerata 2002. (Deutsch: Die Idee der Prosa. Carl Hanser, München/Wien 1987 u. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003 ISBN 3-518-22360-7)

Giorgio_Agamben (geb. 22. April 1942 in Rom) zählt zu den bekanntesten Philosophen Italiens und meist diskutierten Philosophen der Gegenwart. 2007 erhielt er die sogenannte Albertus-Magnus-Professur der Universität zu Köln.

Foto: Giorgio Agamben. Quelle: amp.uni-koeln.de

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2009/05/29

Erleuchtung und Selbstseinsglück

In den Diskussionen um aktuelle Geist-Erlebnisse und sogenannte Erleuchtungen bei Menschen, die sich an Rudolf Steiners Werk anlehnen, wird häufig postuliert, dass das erweiterte Bewusstsein keine andere Geistwesen vorfinde als diejenigen, die man selber schafft; dass heißt, man selbst sei mitbestimmend, für dasjenige, was im erleuchteten Bewusstsein erfahren wird, man würde nur sich selbst als Geistwesen finden respektive Gott als der Schöpfer des eigenen Selbst und der Du-Wesen der Mitmenschen.

Andrew Cohen (Jahrgang 1955) – einer der beliebtesten spirituellen Lehrer heute – schreibt in einem Text von der neuen evolutionären Erleuchtung, dass die Macht, die Energie und die Intelligenz, die dieses Universum erschaffen haben, nun von uns als die höchst entwickelte Lebensform abhängig wären, „um ihren evolutionären Imperativ zu unserem eigenen Daseinszweck werden zu lassen“. Und er fährt fort:

„Dann werden wir wortwörtlich zum Gott in menschlicher Gestalt. Als Mensch verkörpert zu sein, das heißt du selbst zu sein, hier und jetzt, wird auf wunderbare Weise in ein heiliges Ereignis verwandelt. Und an diesem Punkt finden wir eine neue Definition von Spiritualität, die ich Evolutionary Enlightenment (Evolutionäre Erleuchtung) nenne, die der Realität des menschlichen Dilemmas und Potenzials zu diesem Zeitpunkt gerecht wird. Aber wir müssen die damit verbundenen außergewöhnlichen Anforderungen auch erfüllen.“

In seinem in meinem Blog viel diskutierten Buch
Missionen fasst Sebastian Gronbach kurzerhand zusammen, dass alles Gerede von außer den Menschen existierenden geistigen Wesen zu verstehen sei als erschaffene Repräsentanten einer Idee:

„Wer über geistige Wesen spricht, spricht über sich, über sein Seelenleben, über seine verschiedenen Bewusstseinsstufen. Und natürlich ist alles in uns aktiv und dynamisch – weil ich es bin, weil ich aktiv und dynamisch bin. Natürlich sind die Erzengel und Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin. […] Es gibt keine geistige Welt, wenn wir sie nicht erbilden. Der gesamte Inhalt der Anthroposophie existiert nicht für sich und unabhängig von einem schöpferischen Bewusstsein. Er verdankt sich dem ‚freien Erbilden der geistigen Welten’ – so Steiner.“

Der Satz
„Natürlich sind die Erzengel und Widersachermächte echte, lebendige Wesen – weil ich ein echtes, lebendiges Wesen bin.“ klingt wie eine Zauberformel, die ein Kind benutzt, um alle seine Spielzeuge innerhalb seines Wirkungskreises „lebendig“ zu machen. Die nachstehenden Worte des erwachsenen Steiners in seinem Hauptwerk Die Geheimwissenschaft im Umriss (GA 13, Taschenbuch 601, Dornach 1962, Seite 271f) klingen etwas anders zur Frage der Geistwesen:

„Nicht derjenige kommt in einer richtigen Weise in die geistige Welt hinein, welcher froh ist, wenn er irgendwo einen Vorgang erleben kann, der ‚von dem menschlichen Vorstellen nicht begriffen werden kann’. Die Vorliebe für das ‚Unerklärliche’ macht gewiss niemanden zum Geistesschüler. Ganz abgewöhnen muß sich dieser das Vorurteil, dass ein ‚Mystiker der sei, welcher in der Welt ein Unerklärliches, Unerforschliches’ überall da voraussetzt, wo es ihm angemessen erscheint. Das rechte Gefühl für den Geistesschüler ist, überall verborgene Kräfte und Wesenheiten anzuerkennen; aber auch vorauszusetzen, dass das Unerforschte erforscht werden kann, wenn die Kräfte dazu vorhanden sind.“

Wie habe ich selbst im November 1996 im höheren imaginativen, inspirativen und intuitiven Erleuchtungsbewusstsein außerkörperlich – oder nach dem Geist-Erleben demnächst – erkannt, dass
nicht ich sondern ein anderes Wesen – und sogar mehrere Wesen wie in einer Kreisbewegung der Zeitlosigkeit gleichsam sowohl synchron als auch nacheinander mich erleuchteten? Einerseits erlebte ich die andauernde Beweglichkeit im geistigen All; es war das Erleben in dem zyklischen, sich selber für immer garantierenden Werden unter geistigen Wesen. Andererseits erlebte ich die Sehnsucht nach der irdischen Zeit, also eine rein menschliche Erfahrung, die ein außersinnliches Wesen nur als Mensch gehabt haben kann – wie Luzifer und Christus, die tatsächlich inkarniert waren –, dass ich quasi einmal entschwinden möchte.

Meine Erleuchtung bedeutete ein Erkennen des eigenen Wesens, das durch erneute Erdenleben geht, ein Erkennen von aus sich wirkenden Natur- und Elementarwesen, ein Erkennen von Engelwesen verschiedener Stufenfolgen, ein Erkennen und ein Fehden mit Widersachern (u. a. mit solchen, die von Steiner als luziferisch und ahrimanisch bezeichnet sind) und nicht zuletzt ein Zusammenkommen mit dem Herrn des Karmas, das über die ganze Erde
Christus genannt wird. Da darf ich von Wesenheiten außer mir sprechen, nicht weil ich es will, sondern weil sie mir und meine Erkenntnis wollen – „außer“ mir, insofern ich im Erkenntnisakt mit ihnen eins bin, aber sie quasi mit mir nicht. Also ein Sowohl-als-nicht. Gronbachs Es ist Zeit, diese Beziehung zu beenden passte gar nicht in das Gefühl der Zeitlosigkeit, weil hier im Doppelstrom der Zeit zuallererst eine geistige Beziehung anfangen konnte. Und dieses Zusammensein in der Eintracht oder in der Zwietracht konnte nur insofern als ein Wesendes unter Wesen erkannt werden, weil ich im Nachhinein wie aus einer Gebärmutter kommend sowohl eine Geburt meines höheren Wesens erfuhr als auch ein Sterben des Egowesens (mein Mutterkuchen!), das vor der Meditation ohne Erwartung auf etwas Bestimmtes mich versorgt hatte.

„In den höheren Welten hat es auch keinen Sinn mehr, von solchen abstrakten Gegensätzen zu sprechen wie Ewigkeit und Zeitlichkeit; die hören auf einen Sinn zu haben. Da muß man von Wesenheiten sprechen. Deshalb spricht man von fortschreitenden göttlichen Wesenheiten und von luziferischen Wesenheiten. Weil die in den höheren Welten da sind, spiegelt sich ihr Verhältnis zueinander als der Gegensatz von Ewigkeit und Zeitlichkeit.“ (Rudolf Steiner im Vortrag vom 30. August 1912 in:
Von der Initiation. Von Ewigkeit und Augenblick. Von Geisteslicht und Lebensdunkel, Dornach 1986, GA 138, Seite 95ff)

Wenn die „erleuchteten“ Fährmänner der modernen Esoterikflutwelle von
primordial consciousness sprechen, worauf bezieht sich dieser Begriff? Besteht vielleicht hier ein Zusammenhang zwischen diesem sogenannten ursprünglichen Bewusstsein und demjenigen, welches sich in den folgenden Worten – die ein der Hauptpersonen, Johannes Thomasius, während seiner Meditation hört – der Bühnengestalt Luzifer in Steiners ersten Mysteriendrama sich ausdrückt?

„O Mensch, erkenne dich, / O Mensch, empfinde mich. / Du hast dich entrungen / Der Geistesführung / Und bist geflohn / In freie Erdenreiche. / Du suchtest eignes Wesen / In Erdenwirrnis; Dich selbst zu finden, / Es ward dir Lohn, / Es ward dein Los. / Du fandest mich. / Es wollten Geister / Dir Schleier vor die Sinne legen. / Ich riss entzwei die Schleier. / Es wollten Geister / In dir nur ihrem Willen folgen. / Ich gab dir Eigenwollen. / O Mensch, erkenne dich, / O Mensch, empfinde mich.

Nach der darauf folgenden Replik von Ahriman, den ich hier einfachhalber auslasse, spricht Luzifer weiter:

„Es gab nicht Zeiten, / Da du mich nicht erlebtest. / Ich folgte dir durch Lebensläufe. / Erfüllen durft’ ich dich / Mit starker Eigenheit, / Mit Selbstseinsglück.“

Die Erleuchtung eines Andrew Cohens und seine Interpretationen derselben scheint mir außerordentlich wichtig zu sein, weil sie uns auf die entscheidende Aufgabe Luzifers in der modernen Geistesschulung hinweist. Es geht um die Entdeckung, um das Bewusstwerden des
Selbstseinsglücks. Die Frage ist nur, ob der betroffene Geisteslehrer, seine Nachfolger und Zeitgenossen – wie Sebastian Gronbach und Christian Grauer – im Gewahrwerden der Idee halt machen bei ihrer Eigenheit oder ob sie zum Wesenhaften fortschreiten. Machen sie Halt vor Luzifer als Wesen – also wollen sie ihn nur als Mythos entlarven und nicht wesenhaft empfinden (Luzifer lädt ja dazu ein, weil er als ehemaliger unbefriedigter Erdenbürger die Hilfe der Menschen braucht, um einmal richtig zu „sterben“!) – können wir kaum von einem Mysteriendrama an einem bundesdeutschen Hauptbahnhof (vgl. Joseph Beuys) reden und auch nicht von einer griechischen Tragödie (vgl. Sophokles) irgendwo im Lande Schamballa.

Bild: Eine Statue von Dionysos in British Museum, London. Dionysos (lat. Dionysus) ist in der griechischen Götterwelt ein Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Er wurde von den Griechen und Römern wegen des Lärmes, den sein Gefolge veranstaltete, auch noch Bromios („Lärmer“) und Bacchus („Rufer“) genannt. Quelle: Wikipedia

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2008/11/03

Offener Brief an Sebastian Jüngel

Zur Buchbesprechung „Dafür ist Güte nötig“ von Sebastian Jüngel im Goetheanum Nr. 43/2008

Lieber Sebastian, du hast mein zweites Buch kommentiert und erlebst dabei „Gegensätzliches“. Warum nennst du keine Beispiele? Du erklärst, dass „eine konzeptuelle Straffung […] zu größerer Klarheit verholfen“ hätte. Gewiss ist es sehr umfangreich, und ich hätte zwei Bücher tun können. Ein Interessierter, der die Anregungen und Übungen ausprobiert, wird aber das Ganze wertvoll finden.   

Du schreibst: „Bei all diesen Beispielen wird mir nicht deutlich, ab wann der willentliche Umgang mit dem Bildhaften (als Übung) zur Verwandlung in Erwartung oder ‚Empfängnis’ kommt, […] ab wann also an die Stelle der Visualisierung das außer mir liegende geistig-seelische Erleben tritt.“ Du bewegst diese Fragestellung sachlich und versucht, dich in meine Haltung einzufühlen, um eine wohlwollende Antwort zu finden. Trotzdem ist dir wohl aus den Augen gefallen, dass ich mehrmals der Unterschied zwischen subjektiven und objektiven Vorgängen beschreibe.

Das Exempel ‚Thomas’ im Kapitel über Imagination, Inspiration und Intuition (Seite 70-74) zeigt einen bewusstseinsstufenweisen Vorgang. Und auf Seite 87 wird der Schritt in das Übersinnliche noch mal pointiert: „Du kannst von den Farben im Bild ausgehen, aber du musst nicht bei ihnen ‚hängen bleiben’, sondern du kannst aus dem inneren Gefühl heraus andere Klänge entstehen lassen, die dir auch relevant vorkommen. […] Du wirst allmählich oder sogar unerwartet spontan entdecken, dass du dich nicht mehr nur innerhalb der eigenen Phantasiegebilde befindest, sondern du wirst merken, dass in deiner Seele eine Atmosphäre – sozusagen als etwas Spürbares, das um dich lebt – entsteht, wo echtes Übersinnliches als etwas Befindliches empfunden werden kann.“

Für dich ähnelt meine Methode „erlebnispädagogische Settings, jedoch solche in der Vorstellung, nicht im Tun“. In der Erlebnispädagogik geht es ja gerade darum, etwas zu erleben durchs Tun. Wenn du zum übenden oder meditativen Tun nicht übergehst, kommst du nicht ins Geist-Erleben hinein.

Hast du beim Rezensieren vergessen, dass du einmal mit mir und Steffen Hartmann ein Interview führtest, wo es um Geist-Erleben mittels eines Engels ging? Viele meiner Aufätze, die du für Das Goetheanum lektoriertest, behandelten ebenfalls dieses Thema. Gegen diesen Hintergrund kommt es mir folgewidrig vor, wenn du notierst: „…was die Vorbereitung auf Meditation betrifft, ist aber zuweilen in Inhalt und Begriff recht voraussetzungshaft.“ Das Buch ist geradeso gegliedert, dass keine Spezialkenntnisse vorausgesetzt sind, sondern Übungen sind so geschildert, dass jeder zu Übersinnlichem kommen kann, falls er sie übt.

In einer Internetrezension schrieb Michael Eggert: „Dabei handelt es sich in erster Linie um […] Anregungen, die ganz locker und freilassend dargelegt werden. Da ist etwas dabei für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Und offensichtlich ist es aus einer intensiven inneren Forschungsarbeit heraus geschrieben, leichthändig, gut lesbar, inspirierend.“

Warum erlebst du, der mich noch persönlich kennt – wir duzen uns noch –, das Leichthändige und die gute Lesbarkeit nicht? Nennst du in deiner reservierten Palaver die von mir angeführten negativen Erfahrungen im „anthroposophischen Milieu“ und die Selbstverteidigung gegenüber Vorwürfen, weil du dich für meine Arbeit eintreten und zu einer Aufklärung beitragen willst? Das schreibst du aber nicht. Stattdessen notierst du, dass ich klinge „an manchen Stellen selbstbezogen, zuweilen nonchalant“, und du führst August Strindberg an, ohne ihn relevant einzuordnen, etwas, was sich aus meinen beiden Büchern ergibt. Dass ich einige Male Hinweise zu meinem ersten Buch gebe, „penetrant“ zu bewerten, finde ich impertinent.

Im allerletzten Abschnitt bringst du den etwas rätselhaften Hinweis, dass mein Buch „Güte“ brauche. Du stellst das Fantasievolle und Anregende positiv in den Vordergrund, aber was meinst du mit der „Güte“? Wenn wir den Mut haben, uns selbst zu beurteilen und zu richten, und darum zu ringen, wahrhaft friedfertig werden zu wollen, kommen wir in der Gütigkeit voran. Stetige Gütigkeit bringt Missverständnisse, Misstrauen und Feindseligkeit zum Schwinden. Du hast recht, falls du an vorurteilsfreiunfähige und mit Tratsch und Klatsch beladenen Anthroposophen denkst, die mehr Güte entwickeln könnten, aber warum zeigst du sie selbst nicht unmissverständlicher? Gibt es auf diese Frage gegebenenfalls eine karmische Antwort, die sogar in meinem ersten Buch erklingt, und die mit den im Zweiten vorhandenen meditativen Werkzeugen ergründet werden könnte? Deine Rezension erscheint mir meisterhaft vorsichtig und zurückhaltend. Du drückst kein lautes Schrillen aus. Ich höre auch keine Begeisterung. Warum nicht?

Bild: Kuss des Judas Ischariot; 12. Jahrhundert, unbekannter Künstler; heutiger Standort: Uffizien, Florenz. Quelle: Wikipedia

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2008/10/16

Lebensgefährtin Zeitschrift

Zeitschriften liebe ich. Sie haben mich mein ganzes Leben begleitet. Ich war ihnen immer treu. Anders als Zeitungen, die jeden Tag auf mich mit ihren Nachrichten, Problemen, Ängsten, Gerüchten und unüberlegten Argumenten stürzen, und etliche Wochenzeitungen, die versuchen, jede Wahrheit der Woche zusammenzufassen, lassen Zeitschriften, die einmal im Monat oder bis auf nur vier mal im Jahr erscheinen, mir so viel in Ruhe, dass ich selber mitdenken kann. Eine Zeitschrift ist wie eine Freundin, die mich immer wieder aufsucht. Sie ist zuverlässig und lässt mich nie im Stich. Nur selten betrügt sie mich. Wenn das mal doch geschieht, kann ich damit leben, da ich ja auch andere Zeitschriften lese...[weiter]

Abgelegt in Literatur

Foto: NORSK UKEBLAD, "Norwegisches Wochenblatt" aus den Jahren 1958-60. Meine Mutter, die später auch meine norwegischen und schwedischen anthroposophischen Zeitschriften las, hielt diese Illustrierte, und hier las ich schon als Kind zum ersten Mal etwas über Reinkarnation. 

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2008/10/02

Anwältin für Rudolf Steiner

Eine Buchbesprechung: Mieke Mosmuller, Der lebendige Rudolf Steiner. Eine Apologie

In diesem Jahr des Einstimmens habe ich wenige Bücher gelesen. Heutzutage schaffe ich ein Buch fertig zu lesen, vorwiegend, wenn ich auf längere Reisen ohne Auto bin. Während der letzten in Skandinavien und Italien hatte ich Der lebendige Rudolf Steiner. Eine Apologie von Mieke Mosmuller als Lektüre mit. Ihre früheren vielen Bücher – die gebürtige Niederländerin hat seit 1994 in deutscher Sprache sieben und insgesamt 19 Bücher veröffentlicht – habe ich nicht gelesen, weswegen meine Kommentare und meine Kritik jetzt mit gewissem Vorbehalt gegeben werden. Mosmuller scheint also unter anderen anthroposophischen Autoren wie Sergej O. Prokofieff und Peter Selg ganz vorne im esoterisch-exoterischen Turnier sich zu tummeln.

In der Autorenpräsentation ihres Verlags, das gegründet worden ist von ihrem Ehemann, Jos Mosmuller – der ebenfalls wie sie Mediziner ist –, und rein für ihre Schriftstellerei veranlasst zu sein scheint, wird sie wie folgt umschrieben: „Durch intensives meditatives Studium von u. a. Die Philosophie der Freiheit von Rudolf Steiner kam eine vollkommen selbstständige innerliche Entwicklung in Gang. Von 1984 bis 1998 waren beide Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft und zugleich der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Mit dem selbstständigen Erleben des Geistes, ausgehend vom reinen Denken, geriet Mieke Mosmuller in Opposition zur herrschenden anthroposophischen Lebens- und Meditationspraxis, zu deren Vertretern. Konflikte gab es zwar nicht, aber sie konnte ihre Arbeit nicht in die bestehenden Strukturen hineinführen. Äußerlich führte dies 1994 zur Niederschrift eines philosophisch-spirituellen Zeugnisses des realen Erlebens des Geistes: Suche das Licht, das im Abendland aufgeht, das durch Jos Mosmuller publiziert wurde (Occident Verlag). […] 2008 äußert Mieke Mosmuller ihre in vielen Jahren gewonnenen Einsichten in Bezug auf das wahre Wesen der Anthroposophie zum ersten Mal in aller Klarheit. Ihre Biografie mag deutlich machen, dass diese neuen Bücher einerseits die Bedeutung einer Rechtfertigung der wahren Anthroposophie und ihres Begründers, des Meisters des Abendlandes, haben, dass sie andererseits nichts anders sein können als eine Anklage gegen die heutige Form und die Vertreter der Anthroposophie.“

In diesem biographischen Umriss wird es klar, dass Mieke Mosmuller Rudolf Steiner als der Meister des Abendlandes ansieht. Für sie ist sein Wort von seinem Gedanken nicht getrennt, er war eins damit. Demgemäß lebte er sich in seinen Worten dar, und in sich lebte er die geistige Welt dar. In den Worten des Verlags erfolgt daraus, dass, wenn jemand eine Steiner-Zeile liest, „so hat man ihn selbst, zusammen mit dem gelesenen Inhalt, aufgenommen.“ [weiter]

Abgelegt in Chronik

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