Gamamila

2008/11/14

Obama und die muslimische Welt

„Was tun?“ fragt Michael Lüders angesichts des „Kriegs gegen den Terror“ in Afghanistan, das sich verselbständigt hat und einen Eigendynamik folgt, die politisch kaum noch zu steuern ist. „Und das Schlimmste steht wohl erst noch bevor“, fährt der deutsche Publizist, Politik- und Islamwissenschaftler fort. Der Nahostexperte erforscht die Ursachen islamistischer Gewalt und er berät deutsche Firmen und Behörden wie das Auswärtige Amt.

In seinem Leitartikel „Der falsche Krieg“ im Frankfurter Rundschau vom 11.09.2008 schreibt er, dass dieser Krieg, der nun schon länger als der Zweite Weltkrieg dauert, „falsch“ und in Anbetracht der vielen getöteten Zivilisten auch „verbrecherisch“ sei. Lüders analysiert viele Aussagen und Tendenzen in der islamischen Welt und kommt zu der Schlussfolgerung, dass „der Westen den Kampf um die Köpfe und Herzen der Muslime längst verloren hat“. Er meint, dass die Welt friedlicher gewesen wäre, falls die USA, die EU und ihre Alliierten nur zehn Prozent ihrer Milliardenausgaben in diesem Krieg für langfristige Entwicklungsprojekte ausgegeben hätten. „Gerade weil der islamistische Terror auch weiterhin eine ernste Bedrohung darstellt, muss die Politik den Mut haben, neue, ungewohnte Ideen zu erproben.“

Hat nun der antretende Präsident Barack Hussein Obama diesen Mut zu neuen, ungewohnten Ideen? Torin Finser, US Generalsekretär der Anthroposophischen Gesellschaft, formulierte in einer Stellungnahme unmittelbar nach dem Wahlsieg Obamas: „Der gewählte Präsident Obama hat versprochen, sich für erneuerbare Energien und das Gesundheitswesen einzusetzen, das Schulwesen zu verbessern und die Wirtschaft zu erneuern. Dies alles sind Bereiche, die auch für uns Anthroposophen wesentlich sind.“ Finsers Aussage scheint eine positive Antwort auf diese Frage zu sein. Michael Mentzel kommt zu Wort auf derselben Seite von Antromedia: „Für die meisten Menschen, die ich kenne, ist die Wahl Obamas zum 44. Präsidenten der USA fast wie ein Aufbruch in ein neues Zeitalter. Geben wir es ruhig zu. Wir freuen uns über die jugendliche Ausstrahlung und die Frische dieses Menschen, seine sympatische Art, vom Wir zu sprechen und seine offensichtliche Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Dank der hochprofessionellen medialen Inszenierung schwappt der Enthusiasmus über in unsere Fernsehstuben und reißt uns mit in diesen Strudel der Emotionen. Und warum auch nicht?“

Aber Menzel lässt sich für einen kurzen Moment doch auch wie viele andere US- und Obama-Kritiker zum „Bedenkenträger“ werden, ohne aber näher auf die Quellen der Kritik einzugehen, die z. B. von Schmiergeldern berichten. Eine der scharfen Kritiker heißt Daniel Pipes, der amerikanischer Autor, Historiker und Islamwissenschaftler ist und „Special Task Force on Terrorism and Technology“ des US-Verteidigungsministeriums angehört. Sein Blog ist einer der meistbesuchten, der über Islam und den Nahen Osten berichtet. Pipes hat die Frage untersucht, ob Barak Obama von Geburt an als Muslim bezeichnet werden müsse. Es wird erzählt, dass Obama, der als Kind in Indonesien mit seiner Mutter und seinem Stiefvater einige Jahre lebte, dort in der Schule als Muslim eingeschrieben sei, und das Schreiben wird als Faksimile gezeigt. Obama selbst scheint die Wahrheit in dieser Sache wie der ehemalige Außenminister Colin Powell, der ihn kurzerhand unterstützt, verbergen zu wollen. Dem ungeachtet stellt Pipes fest, dass: „Bedeutender wäre, wie die Mainstream-Muslime auf ihn reagieren – würden sie wütend auf das sein, was sie als seinen Abfall vom Glauben betrachteten? Diese Reaktion ist eine reale Möglichkeit, eine, die seine Initiativen hin zur muslimischen Welt untergraben könnte.“

Für die US-Amerikaner könnte aber eine andere Tatsache die Glaubwürdigkeit Obamas aushöhlen. In einem Artikel behauptet Pipes, dass Barack Obama Kontakte und sogar Freundschaft pflegt mit Menschen, die zu einem islamistischen Netzwerk gerechnet werden können. Der eine dieser Personen ist der irakisch-britische Geschäftsmann Nadhmi Auchi. Ein Anderer ist der US-Fundraiser Tony Rezko. Pipes stellt fest, dass Auchi in der Elf Aquitaine-Affäre verwickelt war und dort Schmiergelder angenommen habe, und dass sein Reichtum zu einem großen Teil aus dessen Verbindung zur ehemaligen irakischen Regierung und aus gegen das internationale Recht stoßenden Waffen-Geschäften mit Saddam Hussein erwüchse. Mit Rezko, der von Auchi 3,5 Millionen Dollar erhielt, um u. a. Spielschulden zurückzubezahlen, schließ Obama 2005 einen Grundstücksdeal ab. Hier erwarb er seine Familienvilla für weit unter dem offiziellen Verkaufspreis. Daniel Pipes fasst zusammen: „Barack Obamas Hauskauf war abhängig von Rezkos Begünstigungen, aufgefrischt mit einem „Kredit" von Auchi, dessen Reichtum zum Teil den Gefälligkeiten Saddam Husseins entstammten.“

Gegen diesen Hintergrund gesehen, wenn die Mutmaßungen bewahrheitet würden, ist es zu vernehmen, dass die Hoffnungen um Barack Obama leicht und bald in Enttäuschungen umschwenken könnten. In seiner Analyse der US-Intervention in Irak stellt Michael Lüders fest, dass „die einstige Regionalmacht Irak in einen Trümmerhaufen“ verwandelt sei, „dessen Instabilität auch die Nachbarländer jederzeit in den Abgrund ziehen kann. Politiker und Kommentatoren mit Einfluss in Washington und Jerusalem streben schon den nächsten Feldzug in der Region an, anstatt selbstkritisch eine Bilanz zu ziehen. Wird Obama für die Amerikaner und mit seinem Stab selbstkritische Bilanz ziehen? Wird es Obama Jr. gelingen, was George W. Busch Jr. während sieben Jahre nicht gelungen ist, nämlich, die folgende dringende und einfache Botschaft zu vermitteln? „Wir verteidigen uns gegen den Terror, aber wir führen keinen Kreuzzug gegen den Islam.“ Lüders ist Anbetracht vieler bedrückenden Tendenzen da nicht so sicher:

„Die in Washington geplante ‚Sicherheitsallianz’ der USA mit dem Irak löst im Nahen und Mittleren Osten jetzt schon vehemente Reaktionen aus. De facto würde dieser Pakt den Irak zu einem Satellitenstaat Washingtons machen. Bis zu 50 Militärbasen sind geplant. Das US-Militär würde ebenso wie US-Staatsbürger juristische Immunität genießen - ein Modell, das schon die Kolonialherren in der Region angewendet haben, wie die ägyptische Zeitung Al-Ahram kommentiert…“ [weiter zur Analyse von Michael Lüders]

Bild: Richard Löwenherz im Zweikampf mit Saladin. Englische Phantasiedarstellung, um 1340. Richard I. (1157-1199) aus dem Haus Plantagenet war König von England von 1189 bis 1199. Saladin, eigentlich Salah ad-Din Yusuf bin Ayyub, mit dem Titel al-Malik an-Nasir, „der siegreiche Herrscher“ (1137/38-1193) gründete die kurdisch-stämmige Dynastie der Ayyubiden von Ägypten und Syrien. Als Sultan Saladin wurde er zu einem Mythos, zum größten aller Helden der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. 1192 entstand ein diplomatisches Abkommen zwischen Richard und Saladin. Die Eroberungen Richards an der Küste Palästinas wurden bestätigt, mit Ausnahme der Stadt Askalon, die Saladin übergeben wurde. Christlichen Pilgern wurde der freie Zugang nach Jerusalem ermöglicht. Die beiden Herrscher einigten sich auf einen dreijährigen Waffenstillstand. Richard verließ am 9. Oktober des Jahres Palästina, womit der Dritte Kreuzzug beendet war. Die Konflikte zwischen verschiedenen Völkern, religiösen Gruppen und politischen Lagern in Palästina fahren jedoch bis heute fort. Quelle: Wikipedia

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2008/11/11

Wie viel Macht wird Barack Obama als amerikanischer Präsident haben?

Diese Frage hat mich in den letzten Monaten beschäftigt, und bei der Suche nach Antworten stieß ich auf den folgenden sehr informativen Essay von PD Dr. Christoph Strünck, der im Institut für Politikwissenschaft an der Uni Duisburg-Essen als Gesellschaftswissen-schaftler tätig ist. Er war auch Gastwissenschaftler an der University of California, Berkeley, und er scheint die politischen Strukturen in den USA profund zu kennen.

Strünck untersucht in seinem 17-seitigen Beitrag, in dem er einige geschichtlichen Entwicklungen im 20. Jahrhundert des amerikanischen präsidentenzentrierten Systems skizziert, besonders die interne Beratung des Präsidenten, weil, wie er schreibt, „von hier aus ebenfalls Licht auf die anderen Elemente des Regierungssystems fällt.“ Er verfolgt die These, dass die Bedeutung der personengebundenen Beratung des Präsidenten sich ergibt durch die Ansprüche an seiner Leitungsfunktion. „Die Wahl zum Präsidenten fundiert nicht seine Macht, sondern erteilt lediglich das Recht zu Regieren, das aber jeden Tag gefestigt werden muss.“

Der absteigende Präsident George W. Bush - wie auch manche Präsidenten vor ihm - mag als ein souveräner Herrscher erschienen zu haben. Dies liegt weder an der Person noch am Amt, sondern in diesem Fall eher an der internationalen Bedrohung durch den Terrorismus, stellt Strünck fest. Die reale Macht des jetzt zur Ernennung vorgeschlagen Präsidenten Barack Obama wird sich erstens an der wirtschaftlichen Krise und an den befindlichen politischen Strukturen in den USA, zweitens an die Strategen und Berater, die er ernennen wird, und drittens an die globalen Umstände der nächsten Jahre relativieren müssen. Vielleicht kommt Obama zur rechten Zeit, um fällig notwenige Veränderungen im eigenen Land anzuleiten, aber kommt er gegebenenfalls zu spät, um die Position der USA als günstiges Beispiel in der Welt vorzustehen, weil sein Vorgänger diese Möglichkeit auskatapultiert hat?

Christoph Strüncks Studie ist 5 Jahre alt. Die darin geschilderten Tatsachen und Tendenzen, die jedoch fortwährend existieren, wird auch für Obama Gültigkeit haben. Sie trägt den Titel: All the president’s men? Macht und Mythos amerikanischer Regierungsberater. (In: Karl-Rudolf Korte/Gerhard Hirscher (Hrsg.): Politikberatung von innen. Das Informationsmanagement des politischen Spitzenpersonals. Opladen: Westdeutscher Verlag (i.E.) 2003). Christoph Strünck schreibt zu Beginn:

„Ist der amerikanische Präsident wirklich der mächtigste Mann der Welt? Es gibt viele politikwissenschaftlich fundierte Einwände gegen diese gern geglaubte These: seine eher passive Rolle im Gesetzgebungsprozess, die starke Stellung des amerikanischen Kongresses, oder die fragmentierte Struktur der Exekutive. Manche gehen sogar soweit, den Charakter der USA als präsidentielles oder besser: präsidentenzentriertes System insgesamt in Frage zu stellen... [weiter zum ganzen Essay]

Bild: Vier bedeutende und symbolträchtige US-Präsidenten (von links nach rechts: George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt, Abraham Lincoln), jedes Porträt 60 Fuß (18,3 m) hoch, 14 Sommer lang zwischen 1927 und 1941 in den Granit des Mount Ruhsmore gesprengt, gehauen und gemeißelt durch John Gutzon de la Mothe Borglum (1867-1941) mit fast 400 Arbeitern und Helfern, assistiert und - 7 Monate nach dem Tod des Meisters - vollendet durch seinem Sohn Lincoln. Quelle: Wikipedia

Dieser Post wurde vom Internetportal Anthroposophie Anthromedia übernommen.

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2008/06/03

Tibet und Tash Despa

Ein Artikel mit dem Titel Minderheit im eigenen Land von Sabrina Hoffmann über die aktuelle Lage in Tibet und über einen Film vom Exiltibeter Tash Despa und dem englischen Filmemacher Jezza Neumann ist sehr gut und informativ, und er beschreibt, was im Film gezeigt wird. Ich habe den Film von Tash Despa nämlich gestern im Fernsehen gesehen. Der Film ist eindeutig, beeindruckend und sogleich erschütternd. Auch wenn ich von den chinesischen Unterdrückungen in Tibet wusste, z. B. durch andere Dokumentarfilme und viele Pressemitteilungen und einige Berichte im Wochenschrift Das Goetheanum, gaben der Film und die Kommentare von Despa mir neuen konkreten Bildern und Hinweisen zu den grausamen Wahrheiten. Der Artikel von Hoffmann ist übrigens auf verschiedenen Seiten im Web zu finden: z. B. hier oder dort.

Jeder Sportler, Trainer und andere Teammitglieder aus allen Ländern, die zu den olympischen Spielen in China fahren, sollten diesen Film vorher gesehen haben. Höchstwahrscheinlich würden sie trotzdem reisen, aber sie würden dann die Freiheit stärker besitzen und deswegen die Möglichkeit bei jeder erdenklichen Gelegenheit ergreifen können, unwissenden Chinesen auf die politischen Gräueltaten ihres Regimes aufmerksam zu machen. Ohne die notwendige Zivilcourage werden diese Spiele ihre Zukunftsaufgabe verlieren. Somit wird dieser Sommer zu einem neuen Prüfstein werden, über die Frage, wohin die Menschheit will.

Das 20. Jahrhundert mit Nazis, Holocaust, Faschismus, Kommunismus usw. mit ihren Millionen und Abermillionen Opfern ist in Europa gerade beendet. Auf manchen Orten in Asien und besonders in China scheint die Zeit in dieser Hinsicht still zu stehen, und mit politischen Scheuklappen machen die westlichen Regierungen und viele Konzerne wirtschaftliche und andere Übereinkunfte mit China. Das finde ich kulturell, politisch und wirtschaftlich empörend und unmoralisch. Wo bleibt hier die brüderliche Globalitätsgesinnung?


Die International Campaign for Tibet Deutschland e.V. (ICT) gibt dem stillen Widerstand des tibetischen Volkes mit über 100.000 Förderern und seit 20 Jahren eine Stimme, die weltweit gehört wird.

Das Bild, das früher hier war, musste auf Wunsch des Künstlers entfernt werden.

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