Gamamila

2009/02/16

Stigmata als eine okkulte und sinnlich-sittliche Prüfung

Die seit Jahren anhaltende mehr oder weniger intern-anthropo-sophische Diskussion zum Thema ‹Stigmatisierung und Christus-erkenntnis› ist ein Stückchen mehr an die öffentliche Oberfläche gestiegen durch zwei konträre Rezensionen - geschrieben vom Vorstandsmitglied Heinz Zimmermann und vom ehemaligen Redakteur Dietrich Rapp im ‹Goetheanum› Nr. 6/2009 - des neuen Buches von Sergej O. Prokofieff über die Auferstehung. Sofort sind auch im Internet Kommentare dazu abgegeben worden einerseits von Jens Heisterkamp in ‹Info 3› und andererseits von Michael Eggert, der auch einen offenen Brief von Wolfgang Garvelmann bei den ‹Egoisten› veröffentlicht hat. Den folgenden Einwurf - hier mit einigen Erweiterungen versehen - habe ich als Leserbrief der Wochenschrift in Dornach zugeschickt. Damit meine Leser in dieser für mich interessanten Fragen auf den Laufenden sein können und einige meiner Gesichtspunkte dazu kennen lernen können, erfolgt diese Veröffentlichung sogleich.

Dietrich Rapp dürfte die stigmatisierte Judith von Halle gesehen haben, wie er gewiss den nichtstigmatisierten Sergej O. Prokofieff gesehen hat, weil sie alle sich viel in Dornach bewegen. Letzterer hat sie eigentümlicherweise «nicht sehen wollen», ein Zeugnis, das ich entnehme den Bericht des Hamburger Anthroposophen Rolf Speckner, der neulich in der Anthroposophischen Gesellschaft in Saarbrücken öffentlich vortrug und diese aktuelle Kontroverse in die Frage der Zukunft der anthroposophischen Bewegung hineinstellte. Ob Dietrich Rapp ihre Stigmata gesehen hat, sei dahingestellt. Ich bin Judith von Halle selbst nicht begegnet, aber ich habe mich mit ihrem Buch ‹Und wäre Er nicht auferstanden...› intensiv beschäftigt, deshalb fokussiert mein Interesse zunächst auf Grundsätzliches in dieser Debatte... [weiter]

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Bild: Eine 7-teilige Matrjoschka aus Russland. Matrjoschka, auch Matroschka sind aus Holz gefertigte und bunt bemalte, ineinander schachtelbare, eiförmige russische Puppen mit Talisman-Charakter. Diese mehrfach gegliederte Puppe kann als Bild der Reinkarnation sein, wenn man bedenkt, dass der Mensch den früheren Leben in sich unsichtbar trägt. Quelle: Ebay

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2009/02/09

Der Balken in meinem Auge

„Aber was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: "Lass mich den Splitter aus deinem Auge hinauswerfen" und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen.“

Matthäus Evangelium 7,3-5


Rückschau auf mein letztes Lebensjahr

Kürzlich feierte ich meinen 55. Geburtstag. Darüber ist wenig zu erzählen, da ich keine Wichtigkeit daraus machte, sondern im kleinen familiären Rahmen nur ein festliches Essen in der Pizzeria eines Freundes verabreichte. Meine aus Schweden angereiste, älteste Tochter sang mir einpaar Lieder vor, und am Abend lauschten wir Klezmer-Musik in einem Saarbrückener Minitheater. In Anbetracht des Gaza-Krieges schafften diese Melodien eines abgelaufenen Jahrhunderts einen raufenden Klangboden in meiner ohnehin erschütterten Seele.

Eventuell wäre mehr zu sagen über die einfache Tatsache, dass meine Website trotz flüchtigen Unterbrechungen
1 Jahr lang bestanden hat. Wer dieses Unterfangen begleitet, wird schon wissen, was damit versucht wird. In den Texten, die ich auf der Site und im damit seit dem letzten Frühjahr angedockten Blog veröffentlicht habe, ist ebenfalls soviel gezeigt worden, was mein Anliegen ist, dass es darüber auch wenig Neues zuzufügen gäbe. Wenn ich dessen ungeachtet aus meiner Rückschau des letzten Lebensjahres eine Handvoll Motive herausnehme und sie quasi „um die Finger wickele“, ginge es um die folgenden Angelegenheiten: das Esoterische in der Sprache, die Öffentlichkeit, Dialoge, die Karmagesinnung und der karmische Zentralkonflikt.

Zu versuchen, ein Geist-Erleben, das im reinen Denken, im dynamischen Fühlen und im schöpferischen Wollen erfasst wurde, in kommunizierbaren Formen der Sprache zu übersetzen, gleicht einer Daumenarbeit. Wenn der Daume nicht geschickt anpackt und das Werkzeug mit Fug und Recht manövriert, wird der im Holz angeschlagene Nagel krumm, oder der Faden findet nicht sofort den Weg durch das Nadelöhr. Bin ich ganz alleine mit meinen geistigen Erfahrungen, kann ich gut schweigen. Möchte ich sie aber kommunizieren, brauche ich das Fingerspitzengefühl - und noch mehr, wenn ich im öffentlichen Raum eine esoterische Verständigung übe. Der Intuition des Zeigefingers kann spüren, wo es vielleicht augenblicklich nur angebracht ist, etwas anzudeuten, weil es später besser sein könnte, etwas mehr darüber zu entschleiern.

Bei jeder Begegnung brauche ich das innere Gleichgewicht, und ich muss die Kunst der Mäßigung lernen. Besonders wenn es sich herausstellt, dass ich bei jemand eine andere und vielleicht ungewohnte oder kontroverse Auffassung finde, die ich begreifen und respektieren muss, um ins Gespräch zu kommen, falls der andere das möchte, kann die Diskussion für Dritte nur fruchtbar werden, fall ich meine Worte aus Besinnung wähle. Der Langfinger kann dafür ein Gespür haben. Der Ringfinger nun darf der Karmagesinnung entsprechen, weil ich mich in Freiheit und Liebe mit dem geistigen Wesen des Gesprächspartners, des Seminarteilnehmers und des Kontrahenten verbinden möchte „bis der Tod uns scheidet“, auch im Falle er mir seinen Rücken zuwendet.

Zusätzlich zu den Aufgaben, um mehrere karmischen Beziehungen wieder aufzunehmen plus z. B. ein besonderes Berufskarma anzugehen, betrat jeder Mensch seiner jetzigen Inkarnation mit dem Vorsatz, einen karmischen Zentralkonflikt anzupacken.
Es liegt dieser Konflikt quasi dem Kleinfinger unter dem Nagel, aber jene ist meistens so groß und unbewusst, dass er ein ganzes Leben fast nicht bemerkt wird. Nur wenn man den kleinen Nagel sozusagen bricht, oder, wenn er durch großen Schmerz herausgerissen wird, offenbart sich dieses Karma wie riesige Niagarafälle.

Anfang Februar 2008 wurde ich per Website online sichtbar und Mitte April erschien mein zweites Buch beim
Verlag Ch. Möllmann. Vor diesen Veröffentlichungen lagen Jahre der minutiösen Vorbereitung von Texten, Bildern und von Designvorschlägen. Wie das alles ständig inmitten des inneren „Dialogs“ mit der geistigen Welt stand und steht, gehört zu meiner individuellen Esoterik. Durch diese publizistischen Schritte stärkte sich aber mein Mut, sodass ich meine Hand neu hinein in viele lebendigen, erstarrten oder brennenden Herden in der anthroposophischen Szene steckte. Die manchmal polemischen Auseinandersetzungen mit Sebastian Gronbach, Mieke Mosmuller, Sebastian Jüngel und Holger Niederhausen zeigen eine, die Übersetzungen aus dem Skandinavischen eine andere Seite der Bemühung um Dialogbereitschaft und des Versuchs, Hinweise auf bedeutsame Aspekte des anthroposophischen Denkens und Kulturlebens zu geben.

Sowohl während einiger Reisen nach Portugal, Norwegen und Italien als auch durch neue E-Mailkontakte lernte ich viel Neues kennen über spirituell suchenden Menschen, über ihre oft verzwickten Familienzusammenhänge, schwere Krankheiten, komplizierte Lebensverhältnisse und etwas über ihre karmischen Vorleben. Die Würde des Einzelnen lernte ich dadurch immer mehr zu achten, um daraus die Karmagesinnung so zu „steigern“, dass Erkenntnisse daraus geboren werden konnten, die für jeden fruchtbar sein können. Bei allen diesen Begegnungen und Aufgaben zuhause und unterwegs, ohne viel Geld zu verdienen, lebte ich stets mit den Fragen: Wie verhalte ich mich am besten? Wie kann ich helfen? Wen kann ich nach seiner Art am besten unterstützen? Was wird noch kommen? Was kann sich daraus weiter entwickeln, sodass die soziale Frage immer mehr Fundament bekommt für neue Perspektiven des Zusammenlebens und der Zusammenarbeit? Die vier Reisen nach Italien öffneten ebenfalls durch die großartige künstlerische Herausforderung etwas Vielversprechendes für die Zukunft. Überraschend leuchtete gleichzeitig der Schicksalsstern wieder und diesmal stärker als je hinunter auf mein Leben: Durch die persönliche Unsicherheit und das „Versagen“ eines einzigen Menschen schien diese Möglichkeit einer künftigen Teamarbeit sich wieder total durch die Finger zu schlüpfen.

Das Glück in diesem Unglück ist nun, dass ich auf meinen individuellen zentralen karmischen Konflikt aufmerksam geworden bin. Durch den „Splitter“ im Auge meines italienischen Auftraggebers wurde der „Balken“ in mir selbst spürbar. Seit Mitte Dezember leide ich außerdem buchstäblich von einer schwerwiegenden Augenentzündung. Unterstützt durch die Therapie der
psychosomatischen Energetik versuche ich diese Krankheit als Symptom zu lesen für die Tendenz bei mir, „ die Realität (der sinnlichen Welt) nicht sehen zu wollen. Damit werde ich sicher die nächsten 55 Jahre inklusive des kommenden Lebensjahrs beschäftigt sein. Für heilende Zuwendung daraufhin bin ich jederzeit offen!

Die karmischen Hintergründe zu diesem Inkarnationskonflikt kenne ich schon seit Jahren, aber mir war noch ganz wenig bewusst, dass ich wegen solchen früheren „Kollisionen“ mit der Welt dermaßen mich vor der zivilisatorischen Normalitäten der gegenwärtigen Welt schütze, dass daraus erfolgen kann, dass nur ganz wenige Menschen, etwas mit mir anfangen können oder wollen. Wir könnten dieses karmische Dilemma, das auch Rudolf Steiner in Zusammenhang mit den Inkarnationsschwierigkeiten der Platoniker beschrieb, als das „Anti-Karrierist-Syndrom“ bezeichnen. Es ist eine Art Blindheit vor den wirtschaftlichen Gefügen, die unserer Kulturepoche eigen sind. Heute, wenn die vielen alten Gesellschaftsstrukturen, die eigentlich der letzten Epoche vor der Renaissance gehörten, zerfallen und Platz für Neues freimachen, könnte es langsam möglich werden, sich mit einer Gesellschaft zu verbinden, die dem eigenen Wesen verwand sind. Wie und wo entsteht diese für alle Menschen und für mich weltoffene
Friedensgesellschaft?

Bild: Karel van Mander (1548-1606), Die Mäßigung Scipios (1600). Er war ein Dichter, Schriftsteller, Maler und Zeichner aus Westflandern. Im Jahr 1604 verfasste Karel van Mander sein bekanntestes Werk, das Schilder-Boeck („Maler-Buch”), die erste nördlich der Alpen erschienene kunsttheoretische Schrift. Publius Cornelius Scipio Africanus (236-183 v. Chr.), der Überwinder Hannibals im zweiten Punischen Krieg, verband mit den profilierten Talenten eines Feldherrn einen durch Wissenschaften gebildeten Geist. Wenn er sich durch Tapferkeit und List seinen Feinden furchtbar machte, so wusste er sich auf der andern Seite durch seine Mäßigung die Liebe der Überwundenen zu erwerben. Er verstand die große Kunst, sich durch Milde und weise Strenge des Gehorsams seiner Untergebenen zu versichern, und die unterschiedlichsten Menschen und Völker für seine Zwecke zu gebrauchen. Quelle: Wikipedia

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2009/01/20

Wie man in den Wald hineinruft…

Enthülle nie auf unedle Art die Schwächen Deiner Nebenmenschen, um Dich zu erheben! Ziehe nicht ihre Fehler und Verirrungen an das Tageslicht, um auf ihre Unkosten zu schimmern!

Adolph Freiherr Knigge (1752-96)

Zum Internetauftritt von Holger Niederhausen

„Auf Mieke Mosmullers kritisches Buch zu Judith von Halle habe ich allerdings schon hingewiesen. In dasselbe Horn bläst Holger Niederhausen auf seiner Website - nicht nur in diesem Aufsatz. Er beschäftigt sich auch mit der ‚Christusleere’ Sebastian Gronbachs, macht aber in einem Aufwasch auch die gesamte gegenwärtige Anthroposophie herunter: ‚Die Anthroposophie ist tot. Sie starb, weil niemand das reine Denken entwickelte, zu dessen Entwicklung Rudolf Steiner im Grunde immer wieder aufgerufen hatte. Wenn aber die Anthroposophie tot ist, kann sie auch die menschliche Kultur nicht mehr befruchten.’ Niederhausen lässt in seinem pessimistischen, engen Blick offenbar nur die Bücher Mieke Mosmullers gelten: ‚Man muss es so drastisch beschreiben, wie Mieke Mosmuller es in Ihrem erschütternden Buch Der lebendige Rudolf Steiner tut. Die Anthroposophie liegt als Leichnam am Boden. Sie starb mit Rudolf Steiner – und wurde wie eine Mumie so gepflegt, dass nachfolgende Generationen von ‚Anthroposophen’ sie mit ihrem eigentlichen Wesen verwechselten – so wie man ihr Wesen schon zu Steiners Zeiten nicht erkannt hatte, sondern immer wieder ein zu äußerliches Verständnis hatte: von der Philosophie der Freiheit, von der sozialen Dreigliederung, von allem...’ 

Diese Beispiele ließen sich nahezu endlos fortsetzen. Auf staatlicher Ebene würde man von ‚separatistischen Bewegungen’ mit einem Alleinvertretungsanspruch sprechen, der mehr oder weniger drastisch vorgebracht wird. Fast alle Separatisten beklagen das Ende der Anthroposophischen Bewegung - ob die von Halle-Ecke, ob Niederhausen oder Gronbach - und präsentieren ihre jeweiligen allein selig machenden Lösungen. Man hat den Eindruck, dass die Fragmentarisierung der Bewegung voran schreitet, mit zunehmend schrilleren Tönen.“
 
Dieses charakteristische Zitat aus dem Text genannt Fragmentarisierung habe ich von dessen Autor Michael Eggert ausgeschnitten, um auf den Autor Holger Niederhausen zu kommen. Durch seine Beiträge in der Wochenschrift Das Goetheanum kenne ich dessen Namen. Seine Internetpräsenz habe ich mich nun näher angeschaut, und zu einigen seiner Standpunkte und Informationen möchte ich einige Kommentare geben und Nachfragen aufstellen...[weiter]

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Bild: Echo und Narcissus (gemalt von John William Waterhouse). Echo ist in der griechischen Mythologie eine Tochter der Gaia, eine Oreade, und die Nymphe des Berges Helikon. Quelle: Wikipedia

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2008/11/19

In den Fußstapfen Steiners mit eigenen Fußnoten

Die 2. Auflage meines zweiten Buches ist erschienen! Der Umschlag scheint ein bisschen blasser zu sein, aber sonst ist es gedeihlich, und alles Inhaltliches ist dabei. Vorher machte ich kleine sprachliche Verbesserungen, um eventuelle Unklarheiten zu vermeiden, und Druckfehler wurden korrigiert. Beim Durchblättern fiel es mir nun auf, nachzuzählen, wie viele Fußnoten ich zu meinem ersten Buch gemacht habe, zumal Sebastian Jüngel in seinem Rezension schreibt von einem penetranten Zusammenkoppeln mit diesem 9-Jährling, der ihm vielleicht nicht mehr zur Hand lag.

Der Begriff penetrant sein hat viele Bedeutungen: aufdringlich, unangenehm, übertölpelt, benachteiligt. Was genau Jüngel gemeint hat, bleibt dem Leser jedoch offen, wenn er schreibt: „Überhaupt bezieht sich Sæther wiederholt auf seine karmische Biografie ‚Wandeln unter unsichtbaren Menschen’, was verständlich ist, aber zuweilen penetrant wirkt.“ Um etwas Negatives geht es hier jedenfalls.

Beim schnellen Zählen, wo nicht auszuschließen ist, dass ich mich verzählt haben mag, zeigt sich, dass unter ins Gesamt 198 Fußnoten ich in Alles 11 Mal zu meinem „Wandeln“ hingewiesen habe. Das ergibt etwa 5 % des Ganzen. Rudolf Steiner hat so viele wie 95 Fußnoten bekommen, und das bedeutet 48 %. Alle anderen Autoren, jegliche Themenhinweise und andere Anmerkungen zählen zusammen 92 Stück. Das ergibt 47%. Falls es hier um eine Präsidentenwahl ginge, wäre der verstorbene Rudolf Steiner also als der große Sieger ausgegangen. Da hatte ich keine Chance! Und dass ist gut so, weil ich mich in keinem Fall als Bewerber dieses Präsidentenamtes des Fußnotenapparats vorgestellt habe, und ich möchte in keinen falschen Hoffnungen verwickelt werden. Höchstens hätte ich überlegen können, die Stelle eines auswärtigen Amtes zu betreten, falls das überhaupt in Frage käme. Aber es reicht mir gut aus, ohne ein besonderes Amt in den Fußstapfen Steiners zu gehen.

Bei diesen Denkübungen überlege ich nun aber, warum Sebastian mich trotz der kleinen 5 Prozent so penetrant, so aufdringlich erlebt, ja, warum mein erstes Buch ihm so unangenehm vorkommt. Fühlt er sich dadurch hinterlegt, oder, dass er den Kürzeren zieht? Hat es vielleicht mit der Anthroposophischen Gesellschaft zu tun? Ah, ah, geh! Da ich als Mitglied gegangen bin, kann ich bei der nächsten Generalversammlung leider kein eigenes Anliegen in Sachen Fußnoten und Fußgarde vorstellen. Hoffentlich meldet er sich noch in diesem Blog wenigstens für eine Klärung der Fußnotenvariante.

Bild: Trippen (Detail eines Gemäldes von Jan van Eyck aus dem Jahr 1434). Quelle: Wikipedia

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2008/11/03

Offener Brief an Sebastian Jüngel

Zur Buchbesprechung „Dafür ist Güte nötig“ von Sebastian Jüngel im Goetheanum Nr. 43/2008

Lieber Sebastian, du hast mein zweites Buch kommentiert und erlebst dabei „Gegensätzliches“. Warum nennst du keine Beispiele? Du erklärst, dass „eine konzeptuelle Straffung […] zu größerer Klarheit verholfen“ hätte. Gewiss ist es sehr umfangreich, und ich hätte zwei Bücher tun können. Ein Interessierter, der die Anregungen und Übungen ausprobiert, wird aber das Ganze wertvoll finden.   

Du schreibst: „Bei all diesen Beispielen wird mir nicht deutlich, ab wann der willentliche Umgang mit dem Bildhaften (als Übung) zur Verwandlung in Erwartung oder ‚Empfängnis’ kommt, […] ab wann also an die Stelle der Visualisierung das außer mir liegende geistig-seelische Erleben tritt.“ Du bewegst diese Fragestellung sachlich und versucht, dich in meine Haltung einzufühlen, um eine wohlwollende Antwort zu finden. Trotzdem ist dir wohl aus den Augen gefallen, dass ich mehrmals der Unterschied zwischen subjektiven und objektiven Vorgängen beschreibe.

Das Exempel ‚Thomas’ im Kapitel über Imagination, Inspiration und Intuition (Seite 70-74) zeigt einen bewusstseinsstufenweisen Vorgang. Und auf Seite 87 wird der Schritt in das Übersinnliche noch mal pointiert: „Du kannst von den Farben im Bild ausgehen, aber du musst nicht bei ihnen ‚hängen bleiben’, sondern du kannst aus dem inneren Gefühl heraus andere Klänge entstehen lassen, die dir auch relevant vorkommen. […] Du wirst allmählich oder sogar unerwartet spontan entdecken, dass du dich nicht mehr nur innerhalb der eigenen Phantasiegebilde befindest, sondern du wirst merken, dass in deiner Seele eine Atmosphäre – sozusagen als etwas Spürbares, das um dich lebt – entsteht, wo echtes Übersinnliches als etwas Befindliches empfunden werden kann.“

Für dich ähnelt meine Methode „erlebnispädagogische Settings, jedoch solche in der Vorstellung, nicht im Tun“. In der Erlebnispädagogik geht es ja gerade darum, etwas zu erleben durchs Tun. Wenn du zum übenden oder meditativen Tun nicht übergehst, kommst du nicht ins Geist-Erleben hinein.

Hast du beim Rezensieren vergessen, dass du einmal mit mir und Steffen Hartmann ein Interview führtest, wo es um Geist-Erleben mittels eines Engels ging? Viele meiner Aufätze, die du für Das Goetheanum lektoriertest, behandelten ebenfalls dieses Thema. Gegen diesen Hintergrund kommt es mir folgewidrig vor, wenn du notierst: „…was die Vorbereitung auf Meditation betrifft, ist aber zuweilen in Inhalt und Begriff recht voraussetzungshaft.“ Das Buch ist geradeso gegliedert, dass keine Spezialkenntnisse vorausgesetzt sind, sondern Übungen sind so geschildert, dass jeder zu Übersinnlichem kommen kann, falls er sie übt.

In einer Internetrezension schrieb Michael Eggert: „Dabei handelt es sich in erster Linie um […] Anregungen, die ganz locker und freilassend dargelegt werden. Da ist etwas dabei für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Und offensichtlich ist es aus einer intensiven inneren Forschungsarbeit heraus geschrieben, leichthändig, gut lesbar, inspirierend.“

Warum erlebst du, der mich noch persönlich kennt – wir duzen uns noch –, das Leichthändige und die gute Lesbarkeit nicht? Nennst du in deiner reservierten Palaver die von mir angeführten negativen Erfahrungen im „anthroposophischen Milieu“ und die Selbstverteidigung gegenüber Vorwürfen, weil du dich für meine Arbeit eintreten und zu einer Aufklärung beitragen willst? Das schreibst du aber nicht. Stattdessen notierst du, dass ich klinge „an manchen Stellen selbstbezogen, zuweilen nonchalant“, und du führst August Strindberg an, ohne ihn relevant einzuordnen, etwas, was sich aus meinen beiden Büchern ergibt. Dass ich einige Male Hinweise zu meinem ersten Buch gebe, „penetrant“ zu bewerten, finde ich impertinent.

Im allerletzten Abschnitt bringst du den etwas rätselhaften Hinweis, dass mein Buch „Güte“ brauche. Du stellst das Fantasievolle und Anregende positiv in den Vordergrund, aber was meinst du mit der „Güte“? Wenn wir den Mut haben, uns selbst zu beurteilen und zu richten, und darum zu ringen, wahrhaft friedfertig werden zu wollen, kommen wir in der Gütigkeit voran. Stetige Gütigkeit bringt Missverständnisse, Misstrauen und Feindseligkeit zum Schwinden. Du hast recht, falls du an vorurteilsfreiunfähige und mit Tratsch und Klatsch beladenen Anthroposophen denkst, die mehr Güte entwickeln könnten, aber warum zeigst du sie selbst nicht unmissverständlicher? Gibt es auf diese Frage gegebenenfalls eine karmische Antwort, die sogar in meinem ersten Buch erklingt, und die mit den im Zweiten vorhandenen meditativen Werkzeugen ergründet werden könnte? Deine Rezension erscheint mir meisterhaft vorsichtig und zurückhaltend. Du drückst kein lautes Schrillen aus. Ich höre auch keine Begeisterung. Warum nicht?

Bild: Kuss des Judas Ischariot; 12. Jahrhundert, unbekannter Künstler; heutiger Standort: Uffizien, Florenz. Quelle: Wikipedia

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2008/11/01

Sebastian Jüngel rezensiert

Sebastian Jüngel, Redakteur im anthroposophischen Hausorgan Das Goetheanum, kritisiert nun selbst mein neues Buch. Aus diesem Faktum können einige Fragen gestellt und vielleicht einige Schlüsse inventiert werden, zu denen ich aber später zurückkommen werde. Mit der Erlaubnis des Autors, habe ich seine Rezension auf meiner Website eingefügt, sodass jeder sie lesen und gegebenenfalls kommentieren kann… [weiter]

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Foto: Sebastian Jüngel. Quelle: dasgoetheanum.ch

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2008/10/13

Anthroposophische Publizistik und freies Geistesleben

In der letzten Ausgabe von den infoseiten anthroposophie - Beilage für nahezu alle anthroposophischen Zeitschriften mit einer Auflage von 65 000 gedruckten Exemplare diskutieren die zwei Zeitschriftenmacher Ramon Brüll von Seiten der info3 und Sebastian Jüngel von der Wochenschrift Das Goetheanum in einer, was sie nennen, „Zukunftswerkstatt“ über die Aufgaben und Bedingungen der anthroposophischen Publizistik. Da dieses Thema mich seit den 1970er Jahren und noch heute zutiefst interessiert, habe ich ihr aus einer Korrespondenz entstandenes Gespräch mit ihren offen gelegten Widersprüchen mehrmals gelesen. Dann habe ich ihre Sichtweisen mit meinen Erfahrungen aus der anthroposophischen Bewegung verglichen. 

Des Öfteren kommen Brüll und Jüngel zu divergierenden Schlussfolgerungen über die Grundbedingungen der anthroposophischen Publizistik. Meine Feststellungen stimmen sowohl mit einigen Gesichtspunkten von Brüll als auch mit anderen Beschreibungen von Jüngel übereins. Darüber hinaus möchte ich die Frage untersuchen, ob sie beide in ihrer Werkstatt von der Vergangenheit oder von der Zukunft sich steuern lassen. Genauer gefragt: Arbeiten sie reell mit der Aufgabe, ein freies Geistesleben zu verwirklichen? [weiter]

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2008/08/27

Michel Eggert stimmt sich aufs Karma ein

Mit dem Titel Imaginative Hochpotenz bespricht Michael Eggert mein 2. Buch. Seine Rezension ist sachlich, würdigend und liebevoll. Wenn weitere Leser das Buch gerade so lesen würden, könnten interessante Anstöße speziell betreffend der Weiterentwicklung der Anthroposophie und allgemein in der spirituellen Szene entstehen. Eggert rät, das Buch als „Exoten“ nicht abzutun, das „wäre angesichts seiner Qualitäten eine Unterlassung“. Er schreibt einleitend:

„Es ist ein Rätsel, warum Jostein Saethers neuestes Buch „Einstimmen aufs Karma- Ein Wegbegleiter durch dynamische Meditation zu karmischem Hellsehen“ nicht in einem der grossen anthroposophischen Verlage erschienen ist und unter intensiver öffentlicher Teilnahme diskutiert wird. Vielleicht trägt der Titel dazu bei, der möglicherweise ein sehr spezielles esoterisches Nischenwerk erwarten lässt. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine unglaubliche Breite meditativer Anregungungen, die ganz locker und freilassend dargelegt werden. Da ist etwas dabei für Einsteiger und für Fortgeschrittene. Und offensichtlich ist es aus einer intensiven inneren Forschungsarbeit heraus geschrieben, leichthändig, gut lesbar, inspirierend. Es ist schlichtweg unmöglich, dieses Buch auch nur in Ansätzen zu referieren, da diese dichte, knappe Darstellung von Zugängen kaum zu beschreiben ist. Ob da eine vertiefende Betrachtung von mittelalterlichen Madonnenbildnissen, Zugang zum Engel, Leben mit Verstorbenen oder verschiedene Rollen und Standorte bei der imaginativ- meditativen Arbeit beschrieben werden- Saether regt an, ohne in irgend einer Weise zu determinieren. Andere Autoren würden aus Bruchteilen dieses Füllhorns ein oder mehrere Bücher machen. Saether aber schüttet das Füllhorn freigiebig aus. Vielleicht liegt gerade in dieser Freigebigkeit eine der Schwierigkeiten des Buchs: Man kann das nicht einfach lesen. Man muss das abschmecken, wirken lassen, schauen, ob die eine oder andere Spur, die da gelegt wird, etwas für einen selbst ist…“

Weiter zur ganzen Rezension von Michael Eggert. Seine Rezension ist übrigens auch auf der von Michael Mentzel betriebene Website Themen der Zeit mit dem Titel Meditative Anregungen erschienen.

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2008/08/15

Sich demaskieren

Es gibt äußere und innere Schwellenübertritte, die wir meist nicht bemerken. Mit jedem Einschlafen und Aufwachen vollzieht sich ein Übergang zwischen Bewusstseinszuständen. Jeder, der gesund ist, macht diese Wechsel, ohne zu „stolpern“. Nun kann bei psychischer Krankheit ein permanentes „Stolpern“ entstehen oder man kann als Geistesschüler temporär in seelische Zustände geraten, die einen derart packen, dass man Beistand braucht, um wieder in Balance zu kommen. Es ist menschlich, Fehltritte zu machen, aber auch anderen dann die Hand zu reichen. Es braucht uns daher nicht zu entmutigen, dass der innere Pfad viele Stadien kennt, die dem Nichtbetroffenen große Ängste bereiten... [weiter]

Abgelegt in: Goetheanum-Aufsatz

Mit dem Hinweis zu diesem früher publizierten Aufsatz, verabschiede ich mich hier für 10 Tage, weil ich eine Reise nach Skandinavien mache, und in diesem Zeitraum kaum die Möglichkeit bekomme, etwas in dieser Hinsicht zu pflegen. Die allgemeine Schwellensituation nehme ich aber mit, da die geistige Welt genauso real dort ist wie hier. 

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