Gamamila

2009/04/08

Durchchristetwerden

Der Willensweg zu Christus

Christus ist wiedergekommen. Er ist mit der ätherischen Erde vereinigt. Um ihn zu schauen, muss die menschliche Seele sich entwickeln. Wie gewinne ich denn ein Verhältnis zu ihm? In diesem Osterbeitrag möchte ich kurzerhand skizzieren, wie der Willensweg zu Christus durch Lebensphasen der Befremdung und der karmischen Prüfung gehen. Die Ausweitung dieses wichtigen Lebensthemas könnte übrigens ein ganzes Buch füllen.

Christologie, anthroposophisch begriffen und meditativ geübt, kann zu erstaunlichen Erlebnissen führen. Geknüpft mit Biographiearbeit und Rückblick regt sie hin und wieder zu überraschenden imaginativen Begegnungen mit Engelartigem. Für das neue Christus-Ereignis, das tatsächlich ätherisch dauernd vorangeht, beschrieb Rudolf Steiner, dass Christus dann den Menschen quasi innerhalb der eigenen Erinnerung als engelartiges Wesen erscheint. Er benutzte für diesen Anfachungsprozess den Begriff ‹Durchchristetwerden›...[Weiter]

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Dieser Beitrag wurde von anthromedia.net übernommen.

Bild: El Greco (1541-1614), Christus am Ölberg. Originalformat 103 x 132 cm. Entstanden um 1605. Quelle: kunstbilder-galerie.de

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2009/02/16

Stigmata als eine okkulte und sinnlich-sittliche Prüfung

Die seit Jahren anhaltende mehr oder weniger intern-anthropo-sophische Diskussion zum Thema ‹Stigmatisierung und Christus-erkenntnis› ist ein Stückchen mehr an die öffentliche Oberfläche gestiegen durch zwei konträre Rezensionen - geschrieben vom Vorstandsmitglied Heinz Zimmermann und vom ehemaligen Redakteur Dietrich Rapp im ‹Goetheanum› Nr. 6/2009 - des neuen Buches von Sergej O. Prokofieff über die Auferstehung. Sofort sind auch im Internet Kommentare dazu abgegeben worden einerseits von Jens Heisterkamp in ‹Info 3› und andererseits von Michael Eggert, der auch einen offenen Brief von Wolfgang Garvelmann bei den ‹Egoisten› veröffentlicht hat. Den folgenden Einwurf - hier mit einigen Erweiterungen versehen - habe ich als Leserbrief der Wochenschrift in Dornach zugeschickt. Damit meine Leser in dieser für mich interessanten Fragen auf den Laufenden sein können und einige meiner Gesichtspunkte dazu kennen lernen können, erfolgt diese Veröffentlichung sogleich.

Dietrich Rapp dürfte die stigmatisierte Judith von Halle gesehen haben, wie er gewiss den nichtstigmatisierten Sergej O. Prokofieff gesehen hat, weil sie alle sich viel in Dornach bewegen. Letzterer hat sie eigentümlicherweise «nicht sehen wollen», ein Zeugnis, das ich entnehme den Bericht des Hamburger Anthroposophen Rolf Speckner, der neulich in der Anthroposophischen Gesellschaft in Saarbrücken öffentlich vortrug und diese aktuelle Kontroverse in die Frage der Zukunft der anthroposophischen Bewegung hineinstellte. Ob Dietrich Rapp ihre Stigmata gesehen hat, sei dahingestellt. Ich bin Judith von Halle selbst nicht begegnet, aber ich habe mich mit ihrem Buch ‹Und wäre Er nicht auferstanden...› intensiv beschäftigt, deshalb fokussiert mein Interesse zunächst auf Grundsätzliches in dieser Debatte... [weiter]

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Bild: Eine 7-teilige Matrjoschka aus Russland. Matrjoschka, auch Matroschka sind aus Holz gefertigte und bunt bemalte, ineinander schachtelbare, eiförmige russische Puppen mit Talisman-Charakter. Diese mehrfach gegliederte Puppe kann als Bild der Reinkarnation sein, wenn man bedenkt, dass der Mensch den früheren Leben in sich unsichtbar trägt. Quelle: Ebay

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2009/01/15

Zweisamkeit während 100 Jahre

Wie die Anthroposophie Eingang fand in Norwegen

Die Kulturelite in Norwegen und die Anthroposophie fanden vor hundert Jahren zusammen. Die Freundschaft ist weiterhin warm, und die Tatsache, dass Rudolf Steiners Praxisbuch zur Meditation Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten in akademischen Kreisen beginnt, als eine „heilige Schrift“ gezählt zu werden, wäre in Mitteleuropa gar nicht denkbar. Ein Kenner der Alternativszene in Norwegen, Marius Lien, hat Interviews gemacht mit verschiedenen Forschern - wie Jan-Erik Ebbestad Hansen, Tore Rem, Jeanette Sky, Anne-Mette Stabel und Peter Normann Waage -, die die anthroposophische Bewegung in Norwegen von innen kennen und/oder sie von außen wissenschaftlich untersuchen. Liens zeitgenössischen Rückblick, der auch für deutschsprachige Leser einen Stellenwert haben könnte, habe ich übersetzt nach dem norwegischen Text, der im Osloer Wochenzeitung Morgenbladet am 19. Dezember 2008 publiziert war.

«Auf unserem kollektiven Netzhaut tauchen gemischte Vorstellungen auf: von Kräutern und Handarbeiten, und von der Eurythmie, dieser ballettartigen Theatergymnastik, die den Waldorfschülern einen steifen Nacken und viele Grübelei geben. Einige von uns haben Jens Bjørneboes Jonas gelesen, wo die Waldorfschule erscheint als der tatsächliche Garten des Edens. Einige haben die von Architekten entworfenen anthroposophischen Gebäude gesehen, die Mutigsten haben sie selber betreten. Unabhängig auf welchem Niveau von Steinernahe man sich befindet, ist die Anthroposophie in einem Schleier von Mystik eingehüllt. Und es ist schwierig festzustellen, ob der Schleier von innen oder von außen geschaffen wird»[weiter]

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Bild: «Einpaar Worte mit dem berühmten Mann» - Ein Interview in der Osloer Zeitung Tidens Tegn mit Rudolf Steiner, als er nach Oslo 1921 kam. Bildquelle: antroposofi.no

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2008/11/19

Die anthroposophische Stimme von Michael Kiske

„Würde Rudolf Steiner wieder unter uns Mitteleuropäern auftreten, die offiziellen Vertreter der Anthroposophie würden ihn wohl am allerhärtesten bekämpfen, weil sie das neue lebendige Licht mit ihren erstarrten Formen nicht mehr zusammenbringen könnten. Das wieder ganz verjüngte menschliche Lächeln Zarathustras würde ihnen große Angst einjagen. (Heute muss man längst Rudolf Steiner selber vor den offiziellen Anthroposophen retten!) Vor allem aber kollidiert der Heilige Geist – wo und wie er auch auftritt – immer mit dem Allgemeinen, mit der Masse und den Gewohnheiten und Vorurteilen eines Zeitalters.“

Michael Kiske
in: Über Freunde und Feinde der Anthroposophie

Auf seiner privaten Website tritt der viel begabte und geliebte Musiker Michael Kiske als ein Liebhaber Rudolf Steiners auf. In mehreren Aufsätzen schildert er sehr unmittelbar und freimütig sein Umgang mit der Anthroposophie Steiners und die Beschäftigung mit vielen anderen kulturellen, religiösen und künstlerischen Fragen. Er begegnet den traditionellen auf Materialismus und Intellektualismus gegründeten Kritikern der Anthroposophie mit schonungslosem Idealismus und gedankenklarem Pragmatismus.

Kiske behauptet, dass „die offizielle Anthroposophenschaft es heute nur noch hinbekommt, Rudolf Steiner und sein Seelen-retten-könnendes Werk in den Augen der Menschen vollkommen unmöglich zu machen.“ Er meint, dass die Anthroposophie nicht allgemein referierend, sondern viel direkter aus persönlicher Authentizität hervortreten solle, weil so viele Menschen da sind, die sie „dringend brauchen, um überhaupt ihrem Karma gemäß leben zu können“.

Tritt mit Michael Kiske ein Vorbild einer neuen Generation Anthroposophen vor uns, jemand, der schon lange in der Musikszene sich einen Platz durch Kreativität und Eigenständigkeit geschafft und dadurch Gemeinschaft gebildet hat?

Bild: Michael Kiske, Past in Different Ways (Akustikaufnahmen alter Helloween-Songs) 2008
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2008/10/06

„Ambivalenz einer geistigen Größe“

Das vor kurzem erschienene Frankfurter Memorandum stellt zusammenfassend fest, dass es bei Rudolf Steiner „keinen Rassismus im Sinne der historischen Forschung, keine systematisch vertretene ‚Rassenlehre’ und keine Ideologie eines ‚Rassenkampfes’, insbesondere nicht als Theorie und Handlungsanweisung für die moderne bzw. gegenwärtige Menschheit“ gibt.

Dagegen zeigen die beiden Autoren Ramon Brüll und Dr. Jens Heisterkamp in dieser sehr lesbaren und aufklärenden Denkschrift, dass sich in Steiners Schriften und Vortragsnachschriften „vereinzelte diskriminierende und einige wenige rassistische Äußerungen“ zu finden sind, die sie als historisch überholt einordnen. „Sie sind historisch dadurch erklärbar, dass sich Steiner in einer Zeit von Kolonialismus und Eurozentrismus an einem teilweise rassistisch gefärbten Diskurs zu Fragen der Evolution des Menschen beteiligte“, schreiben sie. Die Nachrichtenagentur NNA kommentierte am 29. August diese neu aufgelistete Anzal von unzeitgemäßen Steiner-Zitaten: „Die ‚Ambivalenz einer geistigen Größe’, die ‚historischer Autor und aktuell wirksamer Impulsgeber’ sei, gelte es nüchtern festzustellen und das eine vom andern zu unterscheiden.“ 

Brüll und Heisterkamp stellen fest: “So bezeichnete Steiner in rund zwei Dutzend solcher Zitate etwa traditionelle Kulturen als ‚dekadent’ und äußerte sich in abschätziger Weise über Menschen mit schwarzer Hautfarbe.” In einem Kommentar zur Memorandum schreibt ein anonymer Leser auf der Info3 Blogland: „Man sollte mal gut nachschauen, was das Wort ‚dekadent’ Anfang des 20. Jahrhunderts bedeutete, und obendrein, in welchem Sinn Steiner selbst es benutzte. Steiner kann es nicht im selben Sinn gesprochen haben, als die damaligen oder heutigen Rassisten.“ Wer mag nun diese Distinktion heute untersuchen?

Ähnlich wie der niederländische Kommissionsbericht von 1998/2000 „Anthroposophie und die Frage der Rassen“ stellt das Frankfurter Memorandum fest, dass, „die ganzheitliche Entwicklung des individuellen Menschen sowie einer Gesellschaft, die von der Entwicklung der Einzelnen zur Freiheit profitieren soll“ das Zentrale von Steiners Anthroposophie ist – „trotz einzelner zeitgebundener rassistischer Äußerungen“. Brüll und Heisterkamp zitieren Gerard Kerkvliet, Pressesprecher für die Anthroposophische Gesellschaft der Niederlande im Jahr 2000: „Steiner hat den Versuch unternommen, die Verschiedenheit der Rassen und insbesondere der Völker mit dem Ziel zu beschreiben, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu ermöglichen. In Bezug auf die Rassen war er der Meinung, daß eine Betonung ihrer Unterschiedlichkeit nicht mehr zeitgemäß sei.“

Während des Ersten Weltkriegs 1917 hatte Steiner für anthroposophische Zuhörer sogar die Betonung auf bluts- und traditionsgebundene Differenzen eindeutig kritisiert:„Ein Mensch, der heute von dem Ideal von Rassen und Nationen und Stammeszugehörigkeiten spricht, der spricht von Niedergangsimpulsen der Menschheit. Und wenn er in diesen sogenannten Idealen glaubt, fortschrittliche Ideale vor die Menschheit hinzustellen, so ist das die Unwahrheit, denn durch nichts wird sich die Menschheit mehr in den Niedergang hineinbringen, als wenn sich Rassen-, Volks- und Blutsideale fortpflanzen.“ (Aus: Rudolf Steiner, Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt. Der Sturz der Geister der Finsternis, GA 177, Rudolf Steiner Verlag, 5. Auflage, Dornach 1999, Seite 220.) 

Gegen diesem Hintergrund ist es unbegreiflich, wie er sechs Jahre später für die Arbeiter am Goetheanumbau gemäß dem Stenogramm sich folgendermaßen äußern konnte: „Die Negerrasse gehört nicht zu Europa und es ist natürlich nur ein Unfug, dass sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt.“ (Aus: Rudolf Steiner, Vom Leben des Menschen und der Erde. Über das Wesen des Christentum
s. Vorträge für Arbeiter am Goetheanumbau, Band III, GA 349, Rudolf Steiner Verlag, 3. Auflage, Dornach 2006, Vortrag vom 3. März 1923, Seite 53.) Laut dem Memorandum beinhaltet dieses Zitat für sich genommen eine Geringschätzung von Menschen mit schwarzer Hautfarbe. Hierzu bemerken die Autoren sehr treffend: „Bei den Zitaten dieser Kategorie handelt es sich auch nicht mehr um ein bloß sprachhistorisches Problem, dem mit einer ‚Übersetzung’ des Gemeinten in eine ‚zeitgemäße’ Sprache beizukommen wäre.“

Rudolf Steiner lud immer wieder seine Zuhörer und Leser ein, ihn in seinen Angaben mit gesunder Vernunft zu untersuchen und mit allen zugänglichen Mitteln ihn beim Wahrheitsgehalt zu prüfen.
83 Jahre nach seinem Tod hat das Frankfurter Memorandum dies profund gemacht, und ich finde, dass die Autoren in ihrem berechtigten Kritik an Rudolf Steiner als Geschichtspersonen sich an seinem Richtschnur gehalten haben, die er folgendermaßen formulierte: „Wenn man einer welthistorischen Persönlichkeit Vorwürfe macht, so ist das nicht so gemeint, wie wenn man damit zugleich erklären wollte, daß man, wenigstens in seinem Urteil gegenüber dieser Persönlichkeit, so eine Art Scharfrichter sein möchte, der ihr, geistig gemeint, den Kopf abschlägt, indem man ein Urteil ausspricht. Moderne Kritiker sind so; aber derjenige, welcher von geisteswissenschaftlicher Gesinnung durchdrungen ist, ist nicht so.“ (Aus: Rudolf Steiner, Kunst und Lebensfragen im Lichte der Geisteswissenschaft, GA 162, Dornach 1985, Seite 204.) Den Eingeweihten haben sie somit nicht gebrandmarkt. Dementsprechend fällt das in diesem Blog vor einpaar Tagen besprochene Urteil Mieke Mosmullers über das Memorandum und über ihre einheimische Kommission quasi an Steiners eigener Worte auseinander. 

Trotz einiger hier nicht genannter geringfügiger Einwände, möchte ich hiermit das Frankfurter Memorandum „unterzeichnet“ haben.

Bild: Rudolf Steiner auf einem Relief - der Künstler konnte nicht festgestellt werden - auf seinem Geburtshaus in Kraljevec auf der Mur-Insel, damals in Österreich-Ungarn, heute in Kroatien gelegen. Quelle: anthroposophie.net

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