Gamamila

2009/06/15

Farbmeditation

Begegnen dem Geistwesen des Rots

Es ist außerordentlich empfehlenswert, Rudolf Steiners Angaben zu Farbmeditationen zu lesen, noch mehr aber, sie tatsächlich zu üben. Er stellt in einem Vortrag vom 1. Januar 1915 dar (in: Rudolf Steiner, Das Wesen der Farben, GA 291, Dornach 1976, Seite 96-111), wie der Übende beim Hineinleben in das Gelbe in ein Stadium der Evolution zurück versetzt wird, das noch in die Zeit vor der allerersten Inkarnation fällt.

Wenn wir uns meditativ mit den Farben beschäftigen, wird es allmählich deutlich, dass sie mit unterschiedlichen Ebenen der geistigen Welt, mit wechselnden Attributen des Göttlichen und mit bestimmten moralischen Fähigkeiten des Menschenwesens zu tun haben. Aus diesem Grund können wir auch begreifen, warum sowohl in vielen Mythen wie auch in der Bibel der Regenbogen nach der so genannten Sintflut als Zeichen eines erneuerten Bundes zwischen Gott und den Menschen an den Erdenhimmel gesetzt wurde. – Wenn wir in Meditationen innere Bilder und Vorgänge schauen, die Farbiges beinhalten, so dass wir mit Sicherheit sagen können, wie die Farbe erschienen ist, können wir diese als Grundlage für einzelne vertiefende Meditationen auswählen…[weiter]

Abgelegt in Forschung

Bild: Kasimir Malewitsch (1878-1935), Rotes Quadrat. Malerischer Realismus einer Bäuerin in zwei Dimensionen, 1915, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg. Quelle: Wikipedia

Labels: , , ,

2009/06/09

Freies Denken – das schlicht Künstlerische

„Der Weg zur Überzeugung wird nicht von allen beschritten, er hat keine Kennzeichen oder Anweisungen, die sich mitteilen, erlernen oder befolgen ließen. Dennoch hat jeder in sich selbst das Bedürfnis, ihn zu finden, und den eigenen Schmerz als Wegweiser; jeder muss sich den Weg ganz von selbst neu erschließen, denn jeder ist allein und kann nur von sich selbst Hilfe erhoffen: Der Weg zur Überzeugung kennt nur eine einzige Anweisung: Füge dich nicht in die Genügsamkeit mit dem, was dir gegeben ist.“

Carlo Michelstaedter

Durch künstlerische Tätigkeit und Pflege von Seelenübungen, wie solche, die sonst wo auf meiner Website beschriebenen sind, werden wir feststellen, dass gewöhnliches Denken, eingebürgertes Fühlen und gewohntes Wollen mit verschiedenen Dingen belastet sein können, die vor dem meditativen Leben sortiert, klassifiziert und vielleicht ausgeräumt werden müssen, wenn sie uns später nicht im Wege stehen sollen. An unserem Ausgangspunkt sind wir alle durch diesen seelischen Ballast aus Erziehung, Kultur und Gewohnheit geprägt. Das Missverständnis – laut eines Blogkommentars von Michael Eggert –, in welchem ich wahrscheinlich beim Lesen Christian Grauers „Spirituellen Aufklärung“ gefallen bin, bezieht sich letztmöglich auf diesen seelischen Sperrmüll.

Wer würde behaupten wollen, dass das Beste, was er aus früheren Inkarnationen mitgebracht hat, nicht in irgendeiner Weise durch schwierige Kindheits-, Jugend- und Erwachsenerlebnisse – die vielleicht nicht karmisch bedingt sind, aber dennoch aus anderen Gründen aufgetreten sind – gewissermaßen beschädigt worden ist oder sogar fast wie verloren ging? Selbst der in früheren Zeiten höchste Eingeweihte muss in einer heutigen Inkarnation damit rechnen, durch belastende Erfahrungen gehen zu müssen, die ihm klar legen, dass er seine Seele neu zu gestalten hat, wenn er erneut zu Geisterkenntnis kommen will. Die Übungen, die ich in meinem zweiten Buch beschrieben habe, sind solcherart, dass die Seele dabei eine Reinigung, Aufklärung und Läuterung erfährt. Diese Prozesse finden aber nicht ganz automatisch statt, sondern man muss sich dabei beobachten und sehen, wie sich die Wirkung der inneren Arbeit auf das fortdauernde Bewusstsein und das tägliche Leben entfaltet. Der Seelenfaktor, der diese Aufsichtsarbeit mit einem selbst macht, der diese Kontrollfunktion übernehmen muss, ist unbestritten das Denken. Nur jeder selbst kannst wissen, wie weit man sein Denken geschult hast, damit man durch Selbsterkenntnis so weit gelangt, dass bei der weiteren Geistschulung die Seele einen nicht belasten, betrügen oder in die Irre führen wird…[weiter]

Abgelegt in Chronik

Bild. Carlo Raimondo Michelstaedter (1887-1910), Selbstportrait. Er war ein italienischer Schriftsteller, Philosoph und Maler, der sich das Leben im Alter von 23 Jahren nahm. Quelle: Wikipedia

Labels: , , ,

2009/04/08

Durchchristetwerden

Der Willensweg zu Christus

Christus ist wiedergekommen. Er ist mit der ätherischen Erde vereinigt. Um ihn zu schauen, muss die menschliche Seele sich entwickeln. Wie gewinne ich denn ein Verhältnis zu ihm? In diesem Osterbeitrag möchte ich kurzerhand skizzieren, wie der Willensweg zu Christus durch Lebensphasen der Befremdung und der karmischen Prüfung gehen. Die Ausweitung dieses wichtigen Lebensthemas könnte übrigens ein ganzes Buch füllen.

Christologie, anthroposophisch begriffen und meditativ geübt, kann zu erstaunlichen Erlebnissen führen. Geknüpft mit Biographiearbeit und Rückblick regt sie hin und wieder zu überraschenden imaginativen Begegnungen mit Engelartigem. Für das neue Christus-Ereignis, das tatsächlich ätherisch dauernd vorangeht, beschrieb Rudolf Steiner, dass Christus dann den Menschen quasi innerhalb der eigenen Erinnerung als engelartiges Wesen erscheint. Er benutzte für diesen Anfachungsprozess den Begriff ‹Durchchristetwerden›...[Weiter]

Abgelegt in Chronik

Dieser Beitrag wurde von anthromedia.net übernommen.

Bild: El Greco (1541-1614), Christus am Ölberg. Originalformat 103 x 132 cm. Entstanden um 1605. Quelle: kunstbilder-galerie.de

Labels: , , , ,

2009/01/31

Durch Gralsimpulse ein Stück Erde retten

„Wie gestaltest du deine Kurse? Können Menschen ohne vorherige meditative Erfahrung da einfach einsteigen? Welche Beziehung war dir möglich zu den Hierarchien aufzubauen? Wie ist das Christuswirken heute? Welche Hilfen für die soziale Praxis bringt die Karmaforschung? Wie siehst du die Weltsituation heute? Wie siehst du Israel? Wie wird Esoterik richtig vertreten?“

Solche und ähnliche Fragen stellte Dr. Wolfgang Garvelmann, Heilpädagoge und Autor, mir in einem Interview vor knapp 7 Jahren. Ich hatte das interessante Gespräch überhaupt nicht mehr vorne im Gedächtnis, als ich es vor einpaar Tagen auf Garvelmanns Website wieder entdeckte. Beim neuen Lesen schien es mir, als könnte einige Gesichtspunkte darin noch eine Aktualität haben in Anbetracht vieler Diskussionen u. a. im Internet und bezüglich der brisanten Weltlage. Meine Antworten habe ich für die Neuveröffentlichung, die mit Wolfgangs freundlicher Genehmigung erfolgt, sehr leicht redigiert, mit Fußnoten und mit Zwischenrubriken versehen. Einige Ergänzungen sind in rechteckigen Klammern gesetzt… [weiter]

Abgelegt in Chronik

Bild. Der Gral in der Mitte von Artus’ Tafelrunde. Französische Handschrift des 14. Jhs. Quelle: Wikipedia

Labels: , , , , ,

2009/01/05

Das Traumlied vom Olav Åsteson

Draumkvedet – Das Traumlied vom Olav Åsteson – ist eine aus dem Mittelalter stammende norwegische Ballade. Dieses einzigartige Volkslied liegt in vielen Varianten vor. Gelegentlich wird es auch als norwegisches Nationalepos betrachtet, und auch als ein Visionsgedicht bezeichnet.

Es wurde in den 1840er Jahren im Landesteil Telemark im Südwesten Norwegens von Traditionssammlern „entdeckt” und aufgeschrieben. Die verschiedenen Niederschriften sind oft sehr lückenhaft. Der meist bekannte Text des Traumlieds bis heute ist die Rekonstruktion um 1890 in 52 Strophen von Moltke Moe (1859-1913), der erste Professor für Folkloristik in Skandinavien. Im skandinavischen und slawischen Sprachraum ist Folkloristik mit der hiesigen Volkskunde gleichzusetzen. Im Angelsächsischen und Deutschen hingegen versteht man darunter ausschließlich die Beschäftigung mit Volksliedern und Volkserzählungen (Märchen, Sagen etc.), aber auch Erzählforschung gehört dazu.

Die auf Deutsch meist benutzte Übertragung hat der Waldorflehrer und Autor Dan Lindholm weitergeleitet. Im Verlag Urachhaus kann man noch seine zweisprachige Ausgabe erhalten… [weiter]

Abgelegt in Chronik

Bild: Bildteppiche zum Traumlied entworfen von Walter Roggenkamp(1926-1995) und gewoben von Hildegard Osten. Quelle: anthromedia

Labels: , , ,

2008/11/10

Qualitäten der Tiere

In der Kunst- und Kulturgeschichte gibt es mannigfaltige Beispiele von Geschöpfen, die sowohl menschliche wie tierische Gestalt haben. Stammeszeichen, Totems, Fetische, Talismane, Amulette und allerlei Gottesdarstellungen zeigen die vielfältigsten Kombinationen von Menschen und Tierformen. Der griechische Satyr ist nur die Erscheinung eines solchen Mischlings. Den Schreibern der vier Evangelien, den Evangelisten, sind in der Christenheit je ein Symbol zugeteilt, einmal ein Mensch oder richtiger ein Engel und dreimal ein Tier. Die Tiere sind Stier, Löwe und Adler. Das Menschliche ist damit gleichsam in einer Vierheit auseinandergereiht, so dass die drei Tiere und der Engel den vollen Menschen darstellen.

Auch in Bildern und Plastiken von Sphinxen taucht eine ähnliche Vierheit auf. So kann man sich doch fragen, ob die alte Weisheit damit eine geistige Tatsache ausdrücken wollte. In der Anreihung der Tiere wird meistens der Adler als das Obere, der Löwe als das Mittlere und der Stier als das Untere des Menschen gekennzeichnet. Wenn man dies mit den Seelenkräften Denken, Fühlen und Wollen vergleicht, kann man eine erste entsprechende Einteilung mit ihnen machen. Eine andere Korrespondenz zum viergliedrigen Menschenwesen wäre diese, dass dem physischen, ätherischen und astralischen Leib je ein Seelentier zugeordnet wird, dem Ich aber der Engel…[weiter]

Abgelegt in Forschung

Bild: Mosaik aus der Villa Hadriana bei Tivoli (118 - 138 n. Christus): Kentaurenpaar im Kampf gegen Raubkatzen (Ausschnitt), Altes Museum.
Quelle: Wikipedia

Labels: ,

2008/11/07

Kraft- und Seelentiere


Tiere aller Kategorien haben wie Menschen eine Seele. Sie haben auch ein Ich-Wesen, d. h. eine Individualität. Sie ist aber nicht inkarniert, weder in den übersinnlichen Leibern noch im sinnlichen Erscheinungsbild eines einzelnen Repräsentanten seiner Gattung, sondern sie existiert unkörperlich als ein Zusammenhalter, Träger oder Fürsorger einer Art von vielen einzelnen Tieren. Eine Menschenindividualität schafft an ihrem eigenen Wesen in der Zeit nacheinander durch die vielen Erdenleben. Die Manifestation einer Tierindividualität tritt als ein Phänomen auf, das sich in gleicher Weise in der Zeit und im Raum ausbreitet, indem sie sich mannigfaltig nacheinander in den Generationen entfaltet, sich aber auch gleichzeitig in ihren vielen Kreaturen innerhalb der Biosphäre zeigt.

Weil die einzelnen Tierseelen keine Reinkarnation wie die Menschen durchmachen, haben sie auch kein Karma wie die Menschen, wohl aber eine Entfaltungskontinuität und ein Erinnerungsvermögen, die aus dem Gesamtschatz der Tierindividualität schöpfen. Die Evolutions- und Leidenswege der Tiere sind aber innig mit der karmischen Entwicklung der Menschheit verbunden. Auch die einzelne Menschenindividualität hat seit Uranfang eine seelisch-geistige Beziehung zu bestimmen Tierarten, so dass es angebracht ist, sie meditativ kennen zu lernen. [weiter
]

Abgelegt in
Forschung

Bild: Shiva und Parvati baden ihren Sohn Ganesha. Miniatur aus dem 18.Jahrhundert. Ganesha - der Elefantengott, bedeutet „Herr des Heeres Shivas" - ist eine der beliebtesten Formen des Göttlichen im Hinduismus. Er wird angebetet, wenn man Glück für den Weg oder eine Unternehmung braucht. Ganesha steht für Beginn und Veränderung, verbunden mit Schutz und Gelassenheit und verkörpert Weisheit und Intelligenz. Quelle: Wikipedia

Labels: ,

2008/11/06

Der schöpferische Verzicht

„Im allgemeinen wird der Mensch zu der Annahme geneigt sein, daß von der Stärke des Willensimpulses die Größe der Tat abhängt. Das ist aber nur bis zu einem gewissen Grade richtig. Aber in der geistigen Welt ist das gar nicht so, sondern da tritt das Gegenteil von dem ein. Da ist es so, daß zu den größten Taten, zu den größten Wirkungen, können wir besser noch sagen, nicht eine Verstärkung des positiven Willensimpulses notwendig ist, sondern vielmehr eine gewisse Resignation, ein Verzicht. Wir können da schon von den kleinsten, rein geistigen Tatsachen ausgehen. Wir erreichen eine gewisse geistige Wirkung nicht dadurch, daß wir möglichst unsere Begehrlichkeit in Szene setzen, oder möglichst Geschäftig sind, sondern in der geistigen Welt erreichen wir gewisse Wirkungen dadurch, daß wir unsere Wünsche und Begierden bezähmen und auf deren Befriedigung verzichten.

Nehmen wir einmal an, ein Mensch habe es darauf abgesehen, durch innere geistige Wirkungen etwas in der Welt zu erreichen. Dann muß er sich dazu vorbereiten, daß er vor allen Dingen seine Wünsche, seine Begierden unterdrücken lernt. Und zu den größten geistigen Wirkungen, sagen wir zu magischen Wirkungen, gehört immer eine solche Vorbereitung, die zusammenhängt mit Verzicht auf Wünsche, Begierden, Willensimpulse, die in uns auftreten. Je weniger wir ‚wollen’, je mehr wir uns sagen: Wir lassen das Leben an uns vorüberströmen und begehren nicht dies und begehren nicht jenes, sondern nehmen die Dinge, wie sie uns Karma zuwirft –, je mehr wir so Karma und seine Wirkungen hinnehmen und ruhig uns verhalten in einem Verzicht in bezug auf alles, was wir sonst im Leben erreichen wollen für dieses Leben, desto kräftiger werden wir zum Beispiel in bezug auf Gedankenwirkungen. Bei einem Menschen, der ein sehr begierdenvoller Mensch ist, der es vor allen Dingen liebt, recht gut zu essen und zu trinken und auch sonst begierdenvoll ist, bei dem wird sich herausstellen, wenn er zum Beispiel Lehrer oder Erzieher ist, daß seine Worte, die er an seine Zöglinge richtet, nicht viel erreichen; das geht bei den Zöglingen zum einen Vervollkommnung für den Okkultisten Ohr hinein, zum anderen heraus. Er wird dann der Meinung sein, daß dies die Schuld der Zöglinge wäre. Das ist aber nicht immer der Fall. Der Mensch, der eine höhere Lebensauffassung hat, der mäßig lebt, der nur so viel ißt, als nötig ist, um das Leben zu unterhalten, der vorzugsweise darauf bedacht ist, die Dinge, die das Schicksal gibt, hinzunehmen, der wird allmählich merken, daß seine Worte eine größere Kraft haben: ja, sein Blick kann dann schon eine große Kraft haben, und es braucht nicht einmal zum Blick zu kommen, er braucht nur neben dem Zögling zu sein, braucht nur einen aufmunternden Gedanken zu haben, den er gar nicht äußert: das wird auf den Zögling übergehen. Das alles hängt ab, von dem Grade des Verzichtes, der Resignation gegenüber dem, was der Mensch sonst verlangt.

Nun ist für geistige Betätigungen, um geistige Wirkungen in den höheren Welten zu erzielen, der richtige Weg der, welcher durch den Verzicht geht. In dieser Beziehung bestehen viele Täuschungen; und Täuschungen führen nicht – deshalb, weil sie auch im Äußeren so ähnlich aussehen – zu den richtigen Wirkungen. Sie alle kennen das, was man im gewöhnlichen Leben die Askese, die Selbstpeinigung nennt. Die Selbstpeinigung kann in vielen Fällen geradezu eine Wollust sein, die der Betreffende aus der Begierde heraus wählt, zum Beispiel, um viel zu erreichen, oder sei es auch aus einem anderen Begierdequell. Dann wirkt die Askese nichts; denn sie hat nur dann eine Bedeutung, wenn sie als Begleiterscheinung des schon im Geistigen wurzelnden Verzichts auftritt – der schöpferische Verzicht.“ (Rudolf Steiner in: GA 132.43f)

Bild: Edvard Munch, Selbstporträt in der Hölle, 1903. Öl auf Leinwand, 82 x 66 cm. Munchmuseet, Oslo. © The Munch Museum/The Munch-Ellingsen Group/2007, ProLitteris, Zürich. Quelle: beyeler.com

Labels: , ,

2008/10/20

Der Sinn des Bügelns

Um mit dem lebendigen Rudolf Steiner zu kommunizieren, muss ich nicht zum Regal gehen und ein Exemplar seiner GA - Gesamtausgabe - herausholen. Diesbezüglich bin ich von jeglichem sinnlichem Medium unabhängig. Wenn ich aber beim Bügeln bin, ist es leicht, an ihn zu denken. Dieser Affinität zu Steiner beim Glätten jeglicher Kleider und Stoffe liegt nicht an den Kleidern selbst oder an irgendeiner Kleidungsfarbe (Dr. Steiner trug wohl durchgehend Schwarz-Weiss), die wir in unserer Garderobe haben, sondern sie bezieht sich auf meinen häufig gestriegelten Ätherleib oder genauer gesagt, an die Gedächtnisfähigkeit, die dort daheim ist.

Karin Ruths-Hoffmann

Ich liebe Bügeleisen, weil ich beim Bügeln uneingeschränkt die Möglichkeit habe, verschiedene Erinnerungen an- und nachzugehen. Ende der 1970er Jahre bügelte und faltete ich nicht nur meine eigene Klamotten während meines Kunststudiums in Järna (SE), sondern ich ging auch etwa einmal in der Woche zur Wohnung von Karin Ruths-Hoffmann, von vielen „Mor Karin“ genannt, um für sie zu bügeln. Währenddessen ich fleißig ihre Seidenblusen und Baumwollröcke in Form brachte, bereitete sie das Kaffeetrinken mit den sieben Sorten süßen Kuchen vor, und währenddessen redete sie in einem fort und erzählte von ihren Begegnungen mit Rudolf Steiner, Friedrich Rittelmeyer, Emil Bock und mit anderen prominenten Anthroposophen, die sie persönlich begegnet war und gekannt hatte. 

Noch heute beim Bügeln kommen mir diese schönen Stunden bei Karin in den Sinn. Die in Oberschlesien aufgewachsene Karin bekam das Glück, das zwölfte Schuljahr zu beziehen in der ersten Waldorfschule an der Uhlandshöhe in Stuttgart, wo sie Steiner erlebte. Sie hatte auch ein persönliches Gespräch mit ihm wegen der Frage der Berufswahl. Er geriet ihr, eine pädagogische Laufbahn einzuschlagen. Das tat sie auch, und mit ihrem späteren Ehemann baute sie in Schweden unter anderem einen Kindergarten auf.

Tierkreisgerechte Bestattung

In der Zeit als ich mit der damals etwa 75-jährigen Umgang pflegte, war ich Mitte meiner 20er. Ich war schon ausgebildeter Waldorflehrer und hatte einpaar Jahre heilpädagogische Erfahrung. Obendrein vertiefte ich mich gerade unter der Obhut von Arne Klingborg im künstlerischen Feld, und ich hatte vor, besonders das Malerische zu entwickeln. Karin schien, diese meine Pläne nicht sehr Ernst zu nehmen. Sie schlug mehrfach vor, dass ich eine Bestattungsfirma gründen sollte, weil gerade auf diesem Gebiet keine anthroposophische Initiative vorlag, und weil sie meinte, dass ich dafür sehr geeignet wäre.

Ich habe aber Karins Rat nie konkret aufgegriffen. Zwar bekam ich viele Jahre später in der Meditation bestimmte Tipps, als ich ernsthaft mit Fragen der Astrologie und mit der anthroposophischen Astrosophie arbeitete, Hinweise, die in Verbindung gebracht werden sollte mit verschiedenen Hölzern für einen Sarg, die sich beziehen sollten auf den genauen Zeitpunkt vom Anpflanzen und dem Absägen der Bäume, die den Planeten beigeordnet werden, aber diese Gesichtspunkte für eine Planeten- und Tierkreisgerechte Bestattung habe ich nicht umsetzen können.

Beim Bügeln kann ich solchen Erinnerungen aufbügeln und erneut über die vielen interessanten Aspekte der Bekleidungskunst ermessen. Der sich durch Reinkarnation entwickelnde Menschengeist bekommt durch die Bekleidungskunst eine Möglichkeit auf der Erde, etwas Verwandtes zu erleben, was er in geistigen Regionen durchgemacht hat, als seine Geistgestalt sich karmischer Züge nach dem Tode ‚entkleidete’, nach ‚himmlischen’ Maßen Umgewandeltes ‚anzog’ und es vor einer neuen Geburt mit dem zu ihm mit seiner Vergangenheit zusammengehörigen Zeitstil ‚ausstaffierte’. 

Die Beschaffenheit der Fläche

Verschiedene Kleidungsteile wie Mützen, Hüte, Barette, Kragen, Krawatten, Schals, Schulterklappen, Schließhaken, Knöpfe, Ärmel, Manschetten, Stolen, Ponchos, Westen, Schürzen, Gürtel, Hosen, Röcke sind sowohl aus erdbedingten, funktionellen wie auch aus kulturellen Anlässen entstanden. Sie haben dennoch Eigenschaften, die auf eine Verbindung zu geistigen Gesetzmäßigkeiten hinweisen. Als ich übersinnliche Naturwesen, Verstorbene und Geistwesen in ihren hervortretenden Gestalten und Silhouetten mit dazu gehörenden Attributen imaginativ geschaut habe, stieß ich auf interessante Parallelen zur Bekleidungskunst.

Als Student wurde ich als Pedant beschrieben, weil mein Quartier immer aufgeräumt war, und ich oft selbstgenähte, saubere, bunte und geglättete Kleider trug. Diesen Stil habe ich durch mein Leben aber nicht aufrechthalten können. Die Liebe zum Gebügelten hat sich jedoch erhalten. Warum bügele ich so gern? Warum mag ich nicht, wenn ein Tischtuch, eine Gardine oder meine schwarzen Jeans Wäschefalten haben? Auch die Blütenblätter vieler Blumenarten scheinen neu gebügelt zu sein. Wer bügelt hier? Die Verstorbenen? Vielleicht hängen Bekleidungskunst und Bügeln mit der Sterbekultur irgendwie zusammen? Sicher ist, dass die verstorbene Karin auf geistigem Feld hier eine Mission anstimmt, die sich beim Bügeln immer wieder kundtut. Der Sinn des Bügelns schleißst sich für mich im Bedenken der Beschaffenheit der Fläche, wodurch sich individuelle – sowohl menschliche, naturbedingte als auch geistige - Wesen in der Stoffmaterie kundtun können. 

Foto: Bügeleisen- oder Schneiderofen. Es ist mit Holz oder Kohle zu beheizen. Die Eisen sind nummeriert, um immer das jeweils heißeste Eisen herauszufinden. Die Griffe der Bügeleisen sind abnehmbar. Alter unbekannt. Einige solche Bügeleisen gab es auch auf dem Speicher meines Großvaters. Quelle: Wikipedia

Labels: , ,

2008/10/07

Die Seifenblase

„Wenn Chagall malt, weiß man nicht, ob er dabei schläft oder wach ist. Irgendwo in seinem Kopf muss er einen Engel haben.“

Pablo Picasso

Zum Zitat von Georg Kühlewind, das Michael Eggert auf Egoisten wiedergegeben hat, passt vielleicht ein von Rudolf Steiner dazu: 

„Als besonders vollkommenes Gebilde wird uns unser Ätherleib bei unserer Geburt übergeben. Bei unserer Geburt ist unser Ätherleib so, daß er innerlich erglitzert und erglänzt von lauter Imaginationen, die aus dem großen Weltenall zu ihm kommen. Er ist eine herrliche Abspiegelung des Weltenalls. Und dasjenige, was sich der Mensch erwerben kann während seines Lebens an Erziehung, an Wissen, an Willens- und Gemütskräften, indem er alt wird zwischen Geburt und Tod, das wird aus diesem Ätherleib herausgeholt.“ (Aus: Rudolf Steiner, Das Geheimnis des Todes, GA 159, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, Seite 286.) 

Diese Angabe Steiners zum spirituellen Hintergrund unseres Wissensaneignung hat der Maler Marc Chagall bestätigt, indem er in seiner Autobiographie Mein Leben von seinem Erlebnis schreibt, dass alle seine Bilder schon bei seinem Geburt in einer riesigen
Seifenblase quasi „fertig“ mitgeliefert wurde. Also, ab zur Suche nach der eigenen Seifenblase, um das nach dem individuelllen höheren Selbst geschnittene Wissen einzufangen!  

Weil keine Bilder von Marc Chagall zugänglich sind, suchte ich den Seifenbläser von Jean Siméon Chardin (1699-1779) aus. Quelle: Wikipedia

Labels: , ,

2008/09/28

Das Luzifer-Mysterium I

Luzifers Inkarnation im alten China - und der Ursprung der tibetischen Kultur

Teil I: Volkstümliche Bedingungen und die archaische Sozialstruktur

In der esoterischen Tradition ist Luzifer der weisheitsvolle Lichtbringer, aber auch Herr aller Versuchung. Es heißt, er ist schön von Gestalt, aber bösartig im Herzen. Luzifer entspricht die nordische Gottheit Loki, der Gott der Lüge und des zerstörenden Feuers. Luzifer nistet sich ein im Astralleib des Menschen und versucht, die Arbeit des Schutzengels für den Menschen während der Nacht zu hemmen. Luzifer ist dessen ungeachtet eine geistige Macht, die den Menschen viele Kulturgeschenke hinterließ. Luziferische Wesen sind solche, die von der Weisheit Luzifers beeinflusst sind. Luzifer ist im esoterischen Christentum ein Antipode des Heiligen Geistes

Wie Christus einst inkarniert war, so stellte Rudolf Steiner dar, dass auch Luzifer verkörpert gewesen sei, und zwar um 3000 v. Chr. im alten China (vgl. Rudolf Steiner, Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft, GA 193, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1977). Ehe der Tod bei der betreffenden Trägerpersönlichkeit eintrat, ist gemäß meinen meditativen Forschungen Luzifer aus dem Leib „geflüchtet“, so dass er die Auswirkungen des Sterbens und somit die Folgen des menschlichen Todes nicht miterlebte. Die größte Auswirkung seiner Erdentaten war sozusagen die Inauguration des politischen Denkens, das zum ersten organisierten Militärsystem führte, und die Auswirkungen auf Kunst und Wissenschaft durch seine Erfindungen. 

In diesem Essay versuche ich, einige meiner meditativen Forschungen zu diesem Thema näher zu beleuchten. Es ist meine Hoffnung, dass jetzt im Zusammenhang mit den kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Problemen in Tibet und in China selbst und nach dem äußerlich erfolgreichen Anordnen der olympischen Spielen der richtige Zeitpunkt gekommen ist, diese spirituellen Forschungen zu veröffentlichen...[weiter]

Abgelegt in Forschung

* Der Astralleib ist das übersinnliche, seelische Wesensglied von Tier und Mensch, in dem Bewusstsein aufleuchtet. Im A. werden von außen kommende Einwirkungen als Bedürfnisse, Triebe und Regungen - kurz: als Empfindungen bewusst. Deshalb kann der A. neben Bewusstseinsleib auch als Empfindungsleib bezeichnet werden. Der A. wird auch in der Esoterik als Mental- oder Seelenkörper bezeichnet.

Luciferskulptur von Guillaume Geefs in der Kathedrale von Lüttich (Liège, Belgien). Foto: © Luc Viatour/GFDL-CC

Labels: , ,

2008/09/18

Freie Religiosität

Hei, liebe Leser und Freunde!

Ich bin aus Italien guter Dinge zurück. Wenn ich einige notwendige Gangs für den schon eingetretenen kalten Herbst und einpaar andere Pflichten erledigt habe, werde ich wieder einzelne neue Texte hier bringen. Mittlerweile könnt ihr die Worte unten von Steiner lesen und gegebenenfalls meditieren. Das Zitat ist nach der Webseite http://www.forumkultus.de/ wiedergegeben; in den Diskussionen um die Christengemeinschaft im EgoBlog brachte „barbara“ diesen Hinweis.

Alle freie Religiosität, 
die sich in der Zukunft 
innerhalb der Menschheit entwickeln wird, 
wird darauf beruhen, 
dass in jedem Menschen das Ebenbild der Gottheit 
wirklich in unmittelbarer Lebenspraxis, 
nicht bloß in der Theorie, anerkannt werde. 
Dann wird es keinen Religionszwang geben können, 
dann wird es keinen Religionszwang zu geben brauchen, 
denn dann wird die Begegnung 
jedes Menschen mit jedem Menschen 
von vornherein eine religiöse Handlung, 
ein Sakrament sein, 
und niemand wird eine besondere Kirche, 
die äußere Einrichtungen 
auf dem physischen Plan hat, nötig haben, 
das religiöse Leben aufrechtzuerhalten. 
Die Kirche kann, wenn sie sich richtig versteht, 
nur die eine Absicht haben, 
sich unnötig zu machen auf dem physischen Plane, 
indem das ganze Leben zum Ausdruck 
des Übersinnlichen gemacht wird.

Rudolf Steiner

Das Foto zeigt ein Ausschnitt einer Deckenmalerei in der Größe von etwa 20 M² von mir aus dem Jahr 1996 in der sozialtherapeutischen Einrichtung Mariagården in Umeå, Schweden. Zu der gerade angefangenen und viel umfangreicheren Deckenmalerei (etwa 100 M²) und der frühzeitig abgeschlossenen Lasurmalerei innen und außen im Kulturhaus Casa per Michele in Codroipo, Italien, werde ich dereinst zurückkommen.

Labels: , ,

2008/08/15

Sich demaskieren

Es gibt äußere und innere Schwellenübertritte, die wir meist nicht bemerken. Mit jedem Einschlafen und Aufwachen vollzieht sich ein Übergang zwischen Bewusstseinszuständen. Jeder, der gesund ist, macht diese Wechsel, ohne zu „stolpern“. Nun kann bei psychischer Krankheit ein permanentes „Stolpern“ entstehen oder man kann als Geistesschüler temporär in seelische Zustände geraten, die einen derart packen, dass man Beistand braucht, um wieder in Balance zu kommen. Es ist menschlich, Fehltritte zu machen, aber auch anderen dann die Hand zu reichen. Es braucht uns daher nicht zu entmutigen, dass der innere Pfad viele Stadien kennt, die dem Nichtbetroffenen große Ängste bereiten... [weiter]

Abgelegt in: Goetheanum-Aufsatz

Mit dem Hinweis zu diesem früher publizierten Aufsatz, verabschiede ich mich hier für 10 Tage, weil ich eine Reise nach Skandinavien mache, und in diesem Zeitraum kaum die Möglichkeit bekomme, etwas in dieser Hinsicht zu pflegen. Die allgemeine Schwellensituation nehme ich aber mit, da die geistige Welt genauso real dort ist wie hier. 

Labels: , , , , , ,

2008/07/07

Farben für Blinde

Am Samstag habe ich den schönsten Beruf der Welt wieder ausgeübt! Denn ich war mit meinem blinden Freund Paul und seiner Ehefrau in Frankfurt am Main, um einpaar Zimmer in seiner neuen Wohnung zu lasieren. Paul möchte unbedingt die „Ruhejahre“ seines Lebens beenden und in die Großstadt zurückzukehren. Er möchte nicht mehr den Dorfgeruch im Bliesgau wittern, nicht mehr die Motorsägen am Samstag hören und nicht mehr auf den Hohlwegen in der Umgegend stolpern. Also kehrt er zurück in dieselbe Straße, wo er vor 40 Jahren wohnte. Inzwischen war er berufstätig in vielen Städten Deutschlands. Nach seiner Pensionierung möchte er nun nahe an die wirkliche Kultur sein und die Gelegenheit haben, so oft wie möglich in die Oper ohne Begleitung zu gehen.

Paul kennt Frankfurt wie seine eigene Westentasche. „Ja, damals hatte er sein Ätherleib hier verlassen“, sagt seine Frau, die sich mit diesem Thema sehr gut auskennt, da sie sowohl Heil- als auch Kunsteurythmistin ist. Aber warum begnügt sich denn Paul nicht damit, einfach weiße Wände zu haben? Er sieht ja keine Farben? Und seine berufstätige Frau wird ihn ja nur in Wochenenden besuchen! Ich sage: „Das stimmt, aber seine Seele ‚sieht’ die Farben und empfindet die harmonische und erfrischende Energie der Farbschichten.“

Farben leben zwischen der Sinneswelt und des Übersinnlichen. Sie sind eine Brücke zwischen den Dimensionen. Sie existieren in der Schönheit sowohl mit physischer Einschränkung als auch in geistiger Tätigkeit, wo sie auf unseren Seelen eine unmittelbare Wirkung ausüben, auch wenn wir Blinde sind. Im TV-Programm Wetten-Das trat einmal eine blinde Frau auf, die noch mit verbundenen Augen die Farben auf eintönig bunte Textilien herausfand. Das war ein Beweis dafür, dass auch Blinde mit anderen Sinnen exakt wahrnehmen können!

Gegenüber der geistigen Welt sind wir sowieso meistens blind, und Farben und die Kunst kann sie uns näher bringen. Kunst ist Mittel zum Zweck, wenn wir das Geistige suchen. Und Paul sucht das Geistige, besonders durch die Musik. Und jetzt klingen die Farben Neapelgelb, Goldocker, Terra de Siena, Ultramarinviolett und Ultramarinblau in seiner neuen Wohnung zusammen wie Intervalle aus dem Nocturne et Scherzo von Claude Debussy.

Labels: ,

2008/07/03

Meister und Hüter der Meditation

Ein weiteres Thema kann die meditative Tätigkeit zu einer erhabenen Angelegenheit erheben. Es betrifft die Frage der so genannten Meister, die mit allem echten Meditieren inniglich immer verbunden sind. Wenn du dich so weit vorgearbeitet hast, dass du dir bestimmte fortgeschrittene Individualitäten oder sogar Meister in dein Interessefeld gerückt hast, darfst du sie selbstverständlich auch auf dieser Stufe deiner Entwicklung in deine geistige Arbeit einbeziehen. Du kannst dir klar machen, wo deine eigene Gesinnung und Verbundenheit mit geistigen oder karmischen Strömungen liegt, in welcher Richtung du die Taten Vorangegangener würdigst und warum du dich jemandem als einem unsichtbaren Helfer zuwenden möchtest...» weiter

Abgelegt im Chronik

Labels: , ,